San Francisco – Detroit: Was vom Sunday Night Game übrig blieb

Keine „Handshake-Bowl“, dafür erkenntnisreicher Football wurde da im Candlestick Park geboten. Aus Spoilergründen nach dem Sprung.

Um es kurz zu machen: San Francisco gewann 27-19 gegen Detroit. Eine Niederlage, für die sich die Lions nicht zu grämen brauchen, aber auch ein Spiel, das den Lions Dinge aufzeigte, an denen es zu arbeiten gilt.

Ganz brutal fielen die Unterschiede in den Basics auf: Bei den San Francisco 49ers sitzt jeder Tackle. Wenn eine Offense an der mächtigen Dreimann-Defensive Line vorbeikommt, ist spätestens bei den LBs Bowman/Willis Endstation. Läufe über außen? Keine Chance, wenn ein 49er mit einer Hand am Running Back dran ist, ist der Mann so gut wie gefällt.

Ganz anders auf der Gegenseite: 49ers-RB Frank Gore spielt so gut wie seit Jahren nicht, lässt Zillionen an Abwehrspielern aussteigen, während die Lions zwar grabschen, aber erst im zweiten, dritten Versuch den Hammer ansetzen können. Da sind dann die 2, 3 schmerzhaften Yards schon wieder verloren und plötzlich ist statt 3rd-und-2 dann 1st-und-10, obwohl der Spielzug schon im Backfield gestoppt war. Das Lions-Tackling: Nicht so derb wie bei den Oakland Raiders, aber Klassenunterschiede von San Francisco entfernt.

Zweiter Knackpunkt in dieser Partie war die Offensive Line der 49ers. Suh und Konsorten mit 3 Sacks, klar, aber das war’s. Die viel geschmähte Protection um T Davis und G Boone bot über weite Strecken gegen eine der wuchtigsten Defensive Lines adäquaten Schutz – besonders G Iupati (seit Jahren ein Liebling von PFF.com) hob sich IMHO dabei hervor. Die Running Backs hatten also Lücken, QB Alex Smith Zeit: Kein Wunder, dass San Franciscos Angriff recht effizient auftrat, ohne irgendwas außergewöhnlich Spektakuläres aufzuführen.

Die Lions waren nicht schlecht. Sie waren, wie die Lions unter QB Matt Stafford spielen: Mal brillant, mal… banal. Kommt der Pass Rush einen Tick zu früh durch, kommt Stafford nicht rechtzeitig aus der Pocket, weil zu schwere Schuhe an den Beinen. Stafford hasst den Sack und feuert den Ball im blinden Vertrauen in die Secondary – mit einem WR wie Calvin Johnson ein Mittel, aber eben auch eines, das oft genug schief geht. Wie gestern Nacht, als S Goldson eine einfache Interception machen konnte. Die übermannte Pass-Protection half auch nicht, aber es werden nicht mehr so viele Kaliber wie die Bolzen von San Francisco aufmarschieren.

Das alles reicht den 49ers. Ohne wirklich ausgefeilte Pass-Offense, ohne irgendeinen herausstechenden Spieler in der Secondary. Man lasse die Front-Seven dominieren, lasse den QB Smith seine quicken Play-Action-Pässe werfen und vergrößere den Vorsprung inkrementell von 6-3 auf 13-6 auf 20-9 und plötzlich sind nur mehr eineinhalb Minuten zu spielen und der Gegner bekommt Stress. Das ist im Kern keine völlig umgebaute Mannschaft im Vergleich zur letzten Saison. Aber es ist eine bessere, mächtigere Version. Vielleicht werden die 49ers nicht mehr das Turnover-Glück der Saison 2011 haben, vielleicht werden sie „nur“ 11-5 oder 12-4 abschließen. Aber diese ersten beiden Wochen war die Mannschaft ein anderes Kaliber als 2011/12.

Detroit kann sich fett anstreichen, über weite Strecken mitgehalten zu haben. Man war die unterlegene, etwas schwächere, physisch nicht so gewaltige Mannschaft, aber man hing lange dran. Vielleicht hie ein Laufspielzug zu viel, vielleicht da eine Viertelsekunde zu wenig Zeit für Stafford – aber ärgere Verletzungsprobleme für den famosen WR Calvin Johnson mal ausgeklammert, gehören die Lions zu dem Bulk Mannschaften, die im Playoffkampf irgendwo am Straßeneck mit rumhängen werden.