Notizblock NFL Woche 2: Cardinals@Patriots

Fangen wir mit dem Ende voller Fehlern an. New England liegt 12-20 hinten und kommt nach einem guten No-Huddle-Drive, dem besten im gesamten Spiel, auf 18-20 ran. Zu diesem Zeitpunkt sind noch 2:06 Minuten auf der Uhr und die Patriots haben noch zwei Timeouts. Beim Kickoff hat LaRod Stephens-Howling so viel Angst, etwas Dummes zu machen, daß er sich – vermeintlich sicher – auf dem Touchback ausruht. Das war etwas Dummes. Hätte Stephens-Howling den Ball rausgetragen, wäre die Uhr wahrscheinlich zum 2-min-warning runtergetickt und New England hätte einmal Uhranhalten weniger gehabt.

Das war aber erstmal gar nicht weiter schlimm, denn RB Ryan Williams erläuft ein First Down und damit ist das Spiel zuende. Dreimal laufen, Punt und Brady bekommt den Ball mit ungefähr 25 Sekunden auf der Uhr zurück. Nachdem aber Williams das Spiel mit seinem 1st Down eigentlich schon gewonnen hatte, schenkte es leichtfertig mit einem Fumble wieder her. Statt mit 25 Sekunden tief in der eigenen Hälfte bekommen Brady und seine Jungs den Ball mit 1:10 Minuten in Arizonas Hälfte.

Nach einem guten Raumgewinn per Paß zu Welker findet RB Danny Woodhead den langen Weg in die Endzone – aber ein zumindest fragwürdiger holding call gegen den Gronk macht das alles zunichte. Anschließend produziert der aufgeregt Gronkowski auch noch einen False Start und NE steht an der 23- statt der 18-Yard-Linie. Dann bekommen Belichick und/oder Brady bzw. OC Josh McDaniels kalte Füße und der Vorwärtsgang wird mit noch 46 zu spielenden Sekunden einfach eingestellt.

So muß Kicker Stephen Ghostkowski aus 42 Yards ran – im Foxboro mit den wechselnden Winden gerade zu dem offenen Ende des Stadions hin alles andere als eine sichere Nummer. Gostkowski verschießt und Ryan Williams ist nun doch nicht der Idiot des Jahres. Ghostkowski auch nicht. Den Schuh muß sich Fashionist Belichick selber anziehen. Ansonsten bekannt für seine aggressive Mentalität, war der Altmeister an diesem Sonntag konservativer als Blumen zum Valentinstag.

Wobei auch gesagt werden muß, daß es allen Grund gibt, vor dieser Cardinals-Defense eine gehörige Portion Respekt, wenn nicht gar Angst zu haben. Arizona hat das ganze Spiel über in ihrer Nickel-D gespielt. Dabei waren die DEs/DTs Calais Campbell und Darnell Dockett überragend. Beide haben im Paßspiel immer wieder Druck auf Brady gemacht und auch gegen die vielen Läufe, die McDaniels gegen die ununterbrochenden nickel packages angesagt hat,  sahen sie für eine Zwei-Mann-Linie mehr als anständig aus.

Zur Hilfe kamen ihnen dabei immer ILBs Paris Lenon und einer unserer jungen Lieblinge: Daryl Washington. Das Spiel von Washington kann man genauso nehmen und als Lehrvideo „linebacking against the Patriots“ verkaufen. Er hat immer wieder den schnellsten Weg zum Ballträger gefunden und in coverage underneath war er beinahe fehlerfrei. Und in dem Raum hinter Defensive Line laufen bei New England so Leute wie Rob Gronkowski, Wes Welker und Julian Edelman rum. Washington  war der Spieler des Spiels.

Geholfen hat natürlich auch, daß noch weiter hinten ein Patrick Peterson spielt, der auf seiner Seite gar nichts zugelassen hat. Peterson hat ausschließlich auf der linken Seite gespielt, also nicht einen bestimmten Spieler (wie bspw. Brandon Lloyd) verteidigt, wie das bei vielen andere Teams üblich ist. Solange aber das Duo Lloyd/Brady nicht besser zueinander findet, muß man auch nicht seinen besten Cornerback auf Nr. 85 abstellen. Es fehlt offensichtlich noch die Chemie zwischen den beiden. Peterson hat daneben gegen den Lauf gespielt wie ein Linebacker.  Bei einem 3rd down im vierten Viertel hat er einen TE aus dem Weg geschubst und RB Ridley hinter der LOS zu Fall gebracht.

Gefahrlos konnte Arizona mit Washington, Lenon und vier Defensive Backs insgesamt sechs Leute auf drei Ballfänger abstellen; gefahrlos durch den starken Peterson und den Druck durch Campbell/Dockett und in Teilen auch von OLB Sam Acho auf der einen und den rotierenden Quenten Groves/O´Brien Schofield auf der anderen Seite.

Bei so einer starken Defense ist es auch keine Überraschung, daß Brady und die Seinen da schlecht aussehen. Wenn die Patriots letztes Jahr gegen gute Verteidungsreihen oder gute Gameplans gespielt haben, waren sie auch schlecht. Das ist mittlerweile keine Ausnahme mehr, sondern die Regel. In den Spielen 2011 gegen DAL, PIT, NYG, BAL und nochmal NYG erzielte New England 20, 17, 20, 23 und 17 Punkte. Und auch gegen die Jets wären es nicht mehr gewesen, wenn die Defense da nicht kräftigst mitgeholfen hätte.

Die Defense der Patriots war ähnlich gut. Wobei das gegen Arizonas Offense nicht viel heißen muß. Aber nachdem die Verteidigung in den letzten Jahren auch gegen solche Offenses schlecht ausgesehen hat, ist das schon ein großer Fortschritt. Besonders gefallen haben mal wieder die drei LBs Spikes, Mayo und Hightower. Auffällig war noch, daß Ras-I Dowling zwar in Trikot an der Seitenlinie stand, aber gar nicht gespielt hat. Die linke Seitenlinie hat immer – recht erfolgreich – Devon McCourty verteidigt; die andere Kyle Arrington in base-D und Sterling Moore in nickel-D, wenn Arrington in den Slot gegangen ist.

In guter alter Belichick-Tradition war das erste Ziel, die beste Waffe des Gegners aus dem Spiel zu nehmen. In diesem Falle war das WR Larry Fitzgerald. New England hat fast durchgängig Mannverteidigung gespielt, wobei einer der beiden Safeties Steve Gregory und Tavon Wilson immer zum doppeln gekommen ist. Glücklicherweise hatte Arizonas Offense einmal ein kurzes Feld nach Brady-Interception (abgefälscht von Dockett an der LOS, toller Catch von Peterson) und einmal nach geblocktem Punt an der 2-Yard-Linie. Sonst hätte die schwache Leistung von New Englands Angriff für einen Sieg gereicht.

Quintessenz: Defense zweimal großartig; Offense zweimal schwach; Entscheidung durch Special Teams (geblockter Punt, verschossenes Fiel Goal). Football wie ganz früher.

All-Name Team 2012, Ergänzungsspieler

Nachdem ich letzte Woche auf das All-Name Team von Paul Myerberg verwiesen hatte, kommen nun die „Ergänzungsspieler“ dran. Eine persönliche Aufstellung der verbliebenen Highlights.

Dadurch, dass jedes Team nur einmal vertreten ist, sind schon noch andere Perlen verloren gegangen. Bei Oregon zum Beispiel gibt es einen Offensive Liner mit Namen Yruretagoyena, bei Baylor einen Running Back Lache Seastrunk, bei Arkansas State einen Running Back Sirgregory Thornton, bei Boston College den auswärtsschwachen Offensive Liner Win Homer, bei LSU einen selbstzentrischen Defensive Tackle Ego Ferguson, bei Stanford einen Defensive Liner Aziz Shittou, bei UNC den Linebacker Fabby Desir, bei FAU den Linebacker, der sich nicht duzen lässt, Yourhighness Morgan (!!!), bei Tulane den Safety, der nur Scheiße redet, Fudge Van Hooser (to fudge = Quatsch erzählen), der Kicker von USF heißt Maikon Bonani und bei Minnesota gibt WR Derrick Engel himmlischen Beistand.

Koa Kai hat Koa Ka’ai aus dem Receiving-Corp von Oregon.

Georgia Tech hat einen Offensive Liner Omoregie Uzzi, bei Clemson einen bei dem sie in der Geburtsurkunde Vor- und Nachnamen vertauscht haben dürften, Gifford Timothy, bei Wazzou spielt ein Bischof, RB Bishop Sankey, Texas A&M hat einen Wide Receiver Uzoma Nwachukwu, Colorado State einen RB Mister Jones, Oregon State RB Storm Woods und bei Texas State blockt Charlie Will Tuttle.

Von Colorado State damit nicht genug. Im Defensive Backfield läuft dort Momo Thomas herum, Western Michigan hat einen Safety Tronic Williams, Cincinnati hat nicht nur QB Legaux, sondern auch Verteidiger Leviticus Payne, San Diego State einen DB ohne Butterfinger King Holder.

Bei USF spielt ein Offensive Liner Brynjar Gudmundsson, Virginia Tech hat einen Tight Ende namens George George, Illinois wartet mit WR Fritz Rock auf und TCU mit Offense Liner Halapoulivaati Vaitai. Und kennt jemand Running Back Orleans Darkwa von der Universität mit den coolsten Namen, Tulane?

Ich weiß nicht mehr, wohin es den vorletzten meiner Favoriten verschlagen hat, aber es gibt ihn: Pharaoh Brown, ein Freshman aus dem Staate Ohio (Oregon Ducks?).

Der absolut spektakulärste Name aber ist ein anderer, von den Buffalo Bulls: Wonderful Monds, heißt allen Ernstes offiziell mit allem Trara in Führerschein und Personalausweis Wonderful Terrific Monds II (was impliziert, dass es da schonmal einen Ersten gab).