Wir punten

Exzellentes Statement von Brian Burke bei Slate zum Thema 4th down und punten, beziehungsweise: Menschen und Risikoaversion. Einige Abschnitte lesen sich wie verkürzte Kapitel aus dem wirklich exzellenten Buch Thinking, fast and slow vom israelischen Psychologie-Professoren Daniel Kahneman. Brian Burke schreibt unter anderem:

Head coaches aren’t cowards. They’re humans, and risk aversion is something we’re all guilty of—we are the head coaches of our own lives, and we’re punting all day long. Whether it’s moving to the new city for that job you always wanted, starting your own business, or deciding what to order at a restaurant, we’re all more afraid than we should be of doing the wrong thing.

Aus: The Two Common Fallacies that Explain Why NFL Coaches Punt on Fourth Down/Brian Burke, Slate.com.

NFL-Schau 2012/13, Week 4

Auf die Play-by-Play-Statistiken werde ich vor nächster Woche nicht zu sprechen kommen (es gäbe einige Überraschungen, aber ich bin noch am Verfeinern der Regressionen und der Programmierschleifen), daher für diese Woche vorerst noch ein kurzer Blick auf die altbekannte Pythagoreische Erwartung, errechnet mit dem möglicherweise überangepassten Pythagorean-Koeffizienten. Ebenso reingenommen habe ich den Index der „One Score“-Spiele: Die Bilanz einer Mannschaft in Spielen mit maximal acht Punkten Differenz.

Kurz als Orientierung:

W   = Win
L   = Loss
PF  = Points for
PA  = Points against
E4  = Pythagoreische Erwartung nach 4 Spielen
E16 = P.E. nach 16 Spielen
Spread = Differenz E4 und W
One Score = Bilanz in Spielen mit max. 8pts Differenz.
Pythagorean-Week4

Pythagoreische Erwartung und One-Score-Games nach Spieltag 4

Paar Anmerkungen.

Arizona Cardinals. Die Cards dürften erstmal in sämtlichen Power-Polls im absoluten Spitzenfeld zu finden sein, und sie haben eine bärenstarke Defense, keine Frage. Ich erwarte aber einen baldigen Einbruch, und das aus mehreren Gründen: Die Offense ist trotz zweier Top-WRs horrend (#29 im Passspiel, #31 im Laufspiel), das Fumble-Glück war bisher zu groß (73.3% der Fumbles wurden erobert) und dann sind mir immer noch die extrem glücklichen Umstände in Erinnerung, unter denen gegen Seattle und in New England gewonnen wurde.

Seattle Seahawks. Die Seahawk-Bilanz ist nicht bloß aufgrund der Fehlentscheidung gegen Green Bay geschönt. Seattle wird durch eine sehr schwache Pass-Offense runtergezogen (4.8 NY/A ist Tebow-Region und #31), da hilft auch eine recht starke Pass-Defense (#3) nicht allzu viel.

Philadelphia Eagles. Die Eagles haben in ihren drei Siegen zusammen vier Punkte Differenz auf das Tablett gelegt und sind nach pythagoreischer Erwartung ein Kandidat für einen Rückfall. Die Eagles sind aber auch interessant, weil sie nach Play-by-Play Stats die #4 der Liga sind (Pass-Offense #12, Pass-Defense #5, extremes Turnoverpech, neuntschwerster Schedule bisher) und in QB Vick wie in RB McCoy die explosivsten Waffen der Liga auffahren können. Keine Frage: Drei Plays Differenz und diese Mannschaft ist 0-4. Aber auch drei Turnovers weniger und jeder sabbert sich über den nächsten Superbowl-Champ in spe die Lippen voll.

New Orleans Saints. Die anti-Eagles. Vier Niederlagen, und alle vier mit einem Score Differenz. Klingt nach positiver Zukunft? Vielleicht, denn bei allen Problemen mit der unterirdischen Pass-Defense (8.1 NY/A entspricht Rang 30) gibt es immer noch einen fantastischen Quarterback wie Drew Brees und eine insgesamt potenziell potente Offense, sodass auch mit diesem Start noch 7-9 oder 8-8 drin sein dürfte. Aber: Die Saints sind ohne Scheiß in meinem Ranking aktuell die #32 von 32 Mannschaften (#17 Pass-Offense, schlechte Lauf-Offense, schlechte Laufdefense, und nur der 28t-schwerste Schedule bisher).

Houston Texans. Die Texans spielten einen nur scheinbar völlig einfachen Schedule (Ranking-System spuckt dafür #12 aus), und dominierten diesen bisher komplett – nur gegen die unterschätzten Denver Broncos wurde es am Ende noch einmal knapp. Die Texans sind rundum eine ausgeglichene Mannschaft, haben kaum Schwachpunkte und bestätigen bisher ihren Favoritenstatus, ohne wirklich Spektakel veranstaltet zu haben.

Carolina Panthers. Eine 1-3 Bilanz für eine Mannschaft, die sich mit Eigenfehlern und schlechten Trainerentscheidungen selbst in Bedrängnis brachte. Die Panthers und Head Coach Ron Rivera werden in den Staaten zurecht für ihre Entscheidung, im Schlussviertel aus der gegnerischen Platzhälfte gegen Atlanta beim 4th-and-1 zu punten, geprügelt. Denn Carolina hätte Potenzial, mehr, als es ihnen die pythagoreische Erwartung zugestehen würde: 8.4 NY/A ist die beste Passoffense der Liga, und sie wird von QB Cameron Newton angeführt. Das Laufspiel ist adäquat, wie auch die überraschend mittelmäßige (das ist ein Kompliment!) Pass-Defense (#18). Turnovers waren Carolina bisher auch nicht wohl gesonnen. Diese Mannschaft schaut statistisch aus wie ein echter Sleeper.

Nächste oder spätestens übernächste Woche dann mit Datenmaterial aus einem fertigen Modell, dass Play-by-Play berücksichtigt, wie auch Heimvorteil und Spielplanstärke.