Seattle – New England oder wie man ein Spiel verschenkt

Vorab: Ich mag die Seattle Seahawks mit ihrer druckvollen Defense, und ich bin schon – rein platonisch natürlich – ein bissl verliebt in den Rookie-QB Russell Wilson, den kleinen Irrwisch, der so begeisternd spielt wie in seiner kompletten College-Karriere nicht und sich am liebsten Kopf voraus in den Pass Rush stürzt, um damit einen 11yds Scramble zum neuen 1st down herzuzaubern. Wilson ist der neue Favre. Ein Spaß-Footballer par excellence.

Seattle steht nach sechs bei 4-2 Siegen punktgleich mit Arizona und San Francisco an der Spitze der NFC West, und allein dies ist bemerkenswert.

Nach der Partie gegen New England werde ich allerdings das Gefühl nicht los, dass die Seahawks das Spiel nicht so sehr gewonnen haben, wie es die Patriots verloren haben. Was New England im Qwest/Century Link Field liegen gelassen hat, geht auf keine Kuhhaut mehr und hätte eigentlich für zwei Spiele reichen müssen. Minimum drei Marios. Zweimal Gomez, einmal Arnautovic. Und einmal Fabién Barthez.

Das begann im zweiten Viertel bei 14-10 Führung, als DE #95 Chandler Jones Wilson das Ei aus der Hand schlug, und New England zum nächsten TD marschierte. 2:15 vor der Pause wurde Welker an der Seattle 6 beim dritten Down gestoppt. Ein Yard wäre noch zu gehen gewesen, aber Belichick ließ das Field Goal kicken.

Momente später verbockte Seattles Punter Ryan einen Snap und anstelle den Ball noch irgendwie wegzukicken, versuchte Ryan für einen Augenblick zu lange, den Notpass zu werfen. Resultat: Fumble, New England mit 40sek auf der Uhr an Seattles 24yds-Line.

Was folgte, war miserables Zeitmanagement, für das Andy Reid zu Recht geteert und gefedert worden wäre. New England mit einem Timeout an der 19sek-Marke. Spielt einen Pass über die Mitte, Timeout an der 13sek-Marke, das letzte in dieser Halbzeit.

Brady wirft einen gefährlichen Pass in die Endzone, der fast abgefangen worden wäre. Noch 6sek. Brady unter Druck, feuert einen hohen Ball über sämtliche Köpfe hinweg in die Kurve. Resultat: Intentional Grounding. Keine Raum-, sondern Zeitstrafe. New England ohne weitere Punkte in die Halbzeit.

Drittes Viertel. New England bewegt die Ketten durch die Luft weiterhin mit Leichtigkeit, ehe ein viel zu schwach (zu wenig Pfeffer dahinter) geworfener Pass locker von CB Sherman abgefangen werden kann.

War wurscht, denn die Pats weiterhin mit Zehnpunkteführung gegen eine offensiv harmlose Seahawk-Elf.

Dann wieder Brady. Die Eier locker das Spielfeld runtertreibend, ehe erneut eine Interception folgte – diesmal in der EndZone der Hawks: Ein unpräziser Ball für WR Welker, der sogar noch durch Welkers Hände flutsche, direkt in die Arme des S Thomas.

Nächster Hawk-Drive, nächster Fumble: Diesmal schlägt MLB Mayo dem Tight End Zach Miller das Ei los. Die Patriots bringen nicht mehr als 3pts auf das Tablett, weil man in der RedZone plötzlich dreimal en suite über die Mitte läuft. 23-10 Pats mit 9:21 auf der Uhr. Locker nach Hause bringend?

Nope, denn Seattle antwortete in der Schlussphase, nach kollabierenden Deckungen gegen die WRs Tate und Rice plus personal foul-Strafen gegen die Pats-Verteidiger, noch und fuhr einen am Ende ebenso überraschenden wie glücklichen 24-23 Heimsieg ein, der minimum zur Hälfte auf Eigenfehler der Patriots zurückgeht.

Damit der epische Zwischenstand in der AFC East nach sechs Wochen:

Patriots   3-3
Jets       3-3
Bills      3-3
Dolphins   3-3

Next up: New England vs. New York Jets am nächsten Sonntag, 22h25 in Foxboro.