Steve McNair on Air

Ein Verweis für die Abonnenten des NFL-Gamepasses: Heute Nacht, 02h gibt es im NFL Network ein weiteres Segment aus der teilweise starken Serie „A Football Life“, diesmal mit dem härtesten Knochen von Quarterback, den die NFL in den letzten 15 Jahren gesehen hat: Steve McNair, der unvergessene Spielmacher von Tennessee und Baltimore.

Steve „Air“ McNair war kein glitzernder Quarterback, stellte keine ewigen Rekorde auf und ist wohl kein Kaliber für die Hall of Fame. Aber Steve McNair war der Quarterback, nein, der NFL-Spieler, der mich am meisten fasziniert hat – bis heute. Ein schwarzer Krieger von Mann, unter der Woche im Krankenbett seine blauen Flecken auskurierend und alle Trainings aussitzen müssend, und am Wochenende wieder der Mann, der die Titans notfalls allein zum Sieg führte.

Steve McNair wurde am 4. Juli 2009 kurz nach seinem Karriereende ermordet. Eine kleine Hommage hatte ich schon vor Zeiten geschrieben. Jetzt verfilmt das NFL-Network den Mann, der vor zwölf Jahren um ein einziges Yard an der Superbowl scheiterte.

Ich nehme an, dass das Filmsegment danach noch mehrmals wiederholt wird bzw. im Archiv on-demand abrufbar sein wird.

BCS-Rankings 2012/13, Ausgabe 1 Review

Die ersten BCS-Rankings sind raus, und ein paar teilweise wahllose Gedanken meinerseits dazu.

Kurz als Erklärung: Das BCS-Ranking ist ein pseudoneutrales Ranking, um die beiden Finalisten um den Landesmeistertitel (BCS National Championship Game) zu bestimmen. Das Ranking ist seit 1998 „in Betrieb“ und wurde nach immer wieder aufgekeimten, hitzigen Diskussionen häufig überarbeitet. Es besteht zu jeweils einem Drittel aus:

  • Coaches Poll. Die von der renommierten Zeitung USA Today durchgeführte Abstimmung unter 59 (oder 60?) Coaches aus dem College Football. Bizarr genug, dass die Trainer über ihr eigenes Schicksal mit abstimmen dürfen.
  • Harris Poll. Nach dem freiwilligen Ausstieg der AP (Associated Press) aus der BCS-Farce vor acht Jahren wurde das Harris Poll eingeführt, wo Experten, Pundits und ex-Profis mit klingendem Namen (Liste ist von 2011, ich glaube kaum, dass Jerry Sandusky dieses Jahr noch mitvoten darf) mit teilweise offen zur Schau getragenen Animositäten für bestimmte US-Regionen sich ein Zusatzbrot verdienen. Stellt sich bei Nachhaken immer wieder raus, dass mancher Voter das Spielgeschehen nur beiläufig verfolgt. (Nachtrag: Die 2012er-Liste kann hier nachgelesen werden – ohne Sandusky.)
  • BCS-Computeralgorithmen. Ein noch streitbarerer Punkt als das Harris Poll (!). Die Computer-Rankings sind intransparent und ihre Inhalte sind uns – und der BCS selbst! – nur vage bekannt. Wir wissen, dass keine Margins of Victory zugelassen sind, um Running up the score zu vermeiden, und dass diverse „Clutch“-Pluspunkte für diverse Performances („divers“ = nicht weiter präzisiert) vergeben werden. Immerhin: Von den acht Algorithmen werden der beste und der schlechteste Wert jeder Mannschaft rausgeschmissen.

Zurecht kritisiert wird immer wieder die Intransparenz der BCS-Computer. Dass die Algorithmen aber immer wieder modifiziert wurden, liegt nebenan aber auch am Unglauben der Menschen, dass seine Instinkte trügen könnten. Die Algorithmen wurden also über die Jahre immer wieder in die Richtung verändert und angepasst, dass heute nennenswerte Abweichungen von menschlichen Polls und Computern nur noch in ganz großen Ausnahmefällen gegeben sind, was die „objektiven“ Computer eigentlich schon wieder per se obsolet machen müsste.

Genug der einleitenden Worte. Hier der Stand der ersten BCS-Rangliste.

#1  Alabama            6-0      
#2  Florida            6-0
#3  Oregon             6-0
#4  Kansas State       6-0
#5  Notre Dame         6-0
#6  Louisiana State    6-1
#7  South Carolina     6-1
#8  Oregon State       5-0
#9  Oklahoma           4-1
#10 USC                5-1

Die erste Überraschung sind die Florida Gators an #2 – Florida profitiert von seiner Spitzenposition in den Computer-Rankings, die ein Drittel der BCS-Formel ausmachen. Mein Vertrauen in die BCS-Computer ist nicht überaus groß, und sämtliche simplen Rankingsysteme, die ich in Excel nachrechnen kann, (wie z.B. das SRS) haben Florida zwischen #7 und #9 gerankt.

Kansas State ist überraschend hoch gerankt, aber in dieser Saison scheinen die kleinen Wildcats tatsächlich nicht über ihren Verhältnissen zu spielen und nicht bloß von knappen Siegen in engen Spielen zu profitieren.

Notre Dame an #5 ist eine interessante Mannschaft: Die Defense der Fighting Irish ist fantastisch und bisher wurde ein nicht ganz einfacher Schedule dominiert (allerdings auch eine 3-0 Bilanz in engen Spielen). Auf der anderen Seite brauchte Notre Dame am Wochenende Hilfe eines übermotivierten Refs, denn Stanfords RB Stepfan Taylor wurde da etwas zu früh zurückgepfiffen: Die Rufe nach Beschiss sind für mich nach Sichtung des Videos absolut nachvollziehbar (ab 1:20min).

Ich würde jede Wette eingehen, dass, hätte dieser TD gegolten und Stanford später eventuell sogar gewonnen, Notre Dame in den objektiven Computer-Rankings minimum fünf Plätze weiter hinten gerankt wäre. (in den menschlichen sowieso)

LSU und South Carolina sind sich nicht nur auf dem Spielfeld sehr ähnlich, sondern nach dem engen, von der etwas reiferen, besseren Mannschaft LSU verdient gewonnenen direkten Duell am Samstagabend auch Nachbarn im BCS-Ranking.

Oklahoma ist nach dem gewaltigen Kantersieg über Texas wieder in die Top-10 zurückgekehrt. Mehr noch: Die nachvollziehbaren Rankings loben die Sooners in alle Höhen (z.B. an #2 im SRS). Wie die Sooners da in manchen Computer-Algorithmen an #15 gerankt sein können? Keine Ahnung. (Texas bleibt nach der horrenden Vorstellung übrigens auch noch an #25 gerankt)

Eine Mannschaft, die bei mir bislang trotz hoher Excel-Rankings (ständig in den Top-5) völlig unter dem Radar geflogen war: Texas Tech. Die Red Raiders prügelten am Wochenende die trotz ihrer fürchterlichen Defense in alle Höhen gehypten West Virginia Mountaineers mit 49-14 nach Hause und sind in den BCS-Computern entsprechend auch an #7 gerankt. Die menschlichen Polls sehen Texas Tech noch viel weiter hinten (an #20 und #21). BCS-Ranking der Red Raiders: Platz 17.


Droht uns erneut ein SEC-Duell im BCS-Finale? Ich würde dagegen wetten, zumindest gegen Alabama – Florida. Vielleicht sind die Gators schon am Samstag fällig, wenn sie zuhause gegen die zuletzt in Spitzenspielen gestählten South Carolina Gamecocks spielen müssen, im Spiel, in dem Steve Spurrier mal wieder an alte Wirkungsstätte nach Gainesville zurückkehrt.


Ad 1 – BCS-Computer: Was bei Sichtung der BCS-Computerstandings noch auffällt: Die ACC mit unterirdischen Werten. Florida State und Clemson erhalten jeweils null Punkte, weil punktgleich an #28 gerankt – nichtmal in den Top-25! Und das sind die beiden besten ACC-Unis!

Ad 2 – BCS-Standings: Die Big 12 Conference mit acht Teams in den Top-25 vertreten! Die SEC mit sechs, davon mit vier unter den ersten sieben. Von den Mid-Majors ist erstmal weiterhin nur das in dieser Saison maximal lauwarme Boise State in den Rankings mit von der Partie (Boise ist an #22 gerankt). Ohio, Western Kentucky und Louisiana Tech sind in Schlagdistanz; erstere und letztere könnten bei entsprechendem Saisonverlauf auch mal in die Rankings rutschen.

Überhaupt nicht vertreten: Die stolze Big Ten, die ein bislang fürchterliches Jahr erlebt. Ohio State und Penn State sind gesperrt und Michigan… ist erstmal außen vor. Michigan wird aber in Bälde wieder zurück sein. Alle Achtung: Wenn kein Vertreter der Big Ten, Big East oder ACC in den Top-16 auftaucht, reicht einem Mid-Major Platz #16, um eine automatische Einladung in eine BCS-Bowl zu bekommen.

Ad 3 – Simple Ranking System (SRS): Aus Microsoft Excel entnommen – das SRS nach sieben Wochen College Football. Theorie hinter dem SRS kann man bei Football Is Sex, Baby nachlesen. In aller Kürze: Die Punktedifferenz zwischen zwei Teams lässt sich als zu erwartender Spread für das nächste Spiel interpretieren.

#1  Alabama          31.2
#2  Oklahoma         27.6
#3  Texas Tech       22.8
#4  South Carolina   22.5
#5  Kansas State     21.1
#6  Notre Dame       20.6
#7  Oregon           20.6
#8  Texas A&M        20.1
#9  Florida          19.2
#10 Arizona State    16.8

Oder anders: Alabama ware z.B. auf neutralem Feld gegen das durchschnittliche Team mit 31.2 Punkten favorisiert. Gegen Oklahoma wäre man mit 3.6 Punkten favorisiert.