Über den Zustand der NFL International Series

Zuallererst die Warnung: Diesen Sonntag werden die NFL-Spiele aufgrund der Winterzeit-Umstellung eine Stunde früher beginnen (ab 18h), weil die Amerikaner sich mit ihrer Umstellung wie gewohnt eine Woche länger Zeit lassen. NFL-Woche 8, das ist auch das Wochenende des mittlerweile schon fast zur Tradition gewordenen London-Spiels der NFL („NFL International Series 2012“) im Wembley Stadium.

Sideline Reporter wird mit dabei sein – in Form von Co-Autor Herrmann, der sich irgendwann im Laufe des heutigen Tages gen England verabschieden wird. Ob ich selbst einen Fuß in Stadt oder Stadion setzen werde, steht noch in den Sternen. Eher… nicht. Der Zeitplan lässt höchstwahrscheinlich kein modernes Glücksrittertum für diesen Sonntag zu.

Anyhow. Es treffen am Sonntag um 18h MEZ aufeinander: Die New England Patriots gegen das designierte „Heimteam“, die St Louis Rams – die Neuauflage von Superbowl 36 vor zehneinhalb Jahren, dem ersten Footballspiel, das ich in voller Länge verfolgte.

Während bei den Rams die Legenden um Torry Holt höchstens als Maskottchen zur Promotion mit nach London gereist sind und die „neue“ Generation um Sam Bradford noch ihr Profil stärken muss, sind die beiden Hauptprotagonisten bei den Pats von einst auch heute noch mitten drin: Head Coach Belichick und Quarterback Brady.

Gegenwart und Zukunft der International Series

Die Rams waren ja eigentlich als das neue Fixteam der NFL für London angedacht gewesen, bis sich das lange Vermutete im August doch bewahrheitete: Der neue Rams-Besitzer Stan Kroenke hatte Wembley nur als Hebel für Stadionverhandlungen in der eigenen Stadt unterm Bogen genutzt, und bei der ersten Aussicht auf Erfolg den Dreijahresvertrag mit NFL/London gekündigt.

Ab 2013 werden andere am Start sein. Das neue London-Team für die Jahre 2013-2016 wird eines der unbekanntesten NFL-Teams sein, die Jacksonville Jaguars. Ein erstaunlicher Move vom neuen Jags-Owner Shadid Khan, der offenbar mit Gewalt seine Franchise zur „Marke“ werden lassen möchte.

Mir war bei dieser Nachricht erstmal das Frühstück auf das iPad gefallen. Von einem jungen, kleinen Team aus einem kleinen Markt, ohne große Erfolge und Anhaltspunkte, würde man eher erwarten, sich erstmal regional anzubiedern – zumal sich in Florida genügend Chancen bieten würden, wenn ich z.B. an die Region um Orlando denke.

Aber Khan hat für die Zukunft offenbar andere Pläne, wenn wir Peter King Glauben schenken dürfen: Khan schwebt Jacksonville als „Britain’s Teams“ oder „Europe’s Team“ vor, mit mindestens den vier Heimspielen in den nächsten Jahren (Khan möchte angeblich noch ein zweites Europaspiel implementieren, vielleicht in Irland oder Deutschland) und einem gar nicht unkreativen Reisepaket für europäische NFL-Fans, inklusive Heimspielbesuch in der Gator Bowl und Besuchen in Urlaubsdestinationen wie – eben – Orlando. Nach allem, was ich so beim Durchblättern des Orlando Sentinel aufschnappen konnte, stoßen solche Gedanken in der Region Orlando in etwa auf soviel Gegenliebe wie entzündete Furunkel am Arsch.

So oder so: Khan geht neue Wege. Ich bezweifle jedoch, ob sich der Move auszahlen wird, solange die Jags weiterhin als Billigteam am Bodensatz der NFL herumdümpeln.

Am 27. Oktober 2013 werden die Jags also erstmal eine Partie gegen die San Francisco 49ers in Wembley bestreiten – wobei erstmal nicht anzunehmen sein wird, dass Jacksonville die 49ers in der Fangunst ausstechen werden können.

In all dem Trubel um Rams, Jaguars und Shadid Khan ging letzte Woche, nach dem Herbstmeeting der NFL-Owner, fast unter, dass es 2013 noch ein zweites NFL-Spiel in London geben wird: Der 29. September 2013 wird die Minnesota Vikings und Pittsburgh Steelers gegeneinander gematcht sehen – eine Partie zwischen zwei klangvollen, geschichtsträchtigen Franchises, eine Wiederauflage der Superbowl IX. Eine Partie, die erstmal durchaus noch mehr Resonanz auslösen dürfte als jedes Jags-Spiel.

Dieses zweite NFL-Spiel kommt gleichzeitig einer Überraschung gleich: Jahrelang war nur geredet, und geredet,… und geredet, und geredet worden von weiteren Versuchen, mehr als ein Footballspiel der NFL in Europa auszutragen, und ich hatte schon lange nicht mehr dran geglaubt, zumal sich kein zahlungskräftiger Kunde (a.k.a. Großstadt) finden ließ, die der NFL die Millionen in den Popo schiebt, und auch, weil London in Großbritannien die Exklusivrechte an NFL-Spielen besitzt.

Ab 2013 also zweimal NFL pro Jahr. Beim Herbstmeeting wurde zum eintausendsiebenhundertdreiundvierzigsten Mal betont, dass diese London-Spiele eine Art Anfangsstadium einer Markterschließung für eine europäische Franchise sein sollen – der heimische, amerikanische Markt ist bald penetriert genug. We will see.

5 Kommentare zu “Über den Zustand der NFL International Series

  1. Seit Schließung der NFL Europa empfinde ich die Bemühungen der NFL etwas halbherzig für den Sport hier in Europa Werbung zu machen
    Für mich ist diese „International Series“ nicht Fisch und nicht Fleisch. Weder betrachte ich das als gelungene Werbung für den Sport (Jacksonville?), noch halte ich London für den geeigneten Standort für eine solche Veranstaltung. Natürlich, für die NFL ist London einfacher zu erreichen und die Infrastruktur ist super und alle sprechen Englisch. Ich mag völlig danebenliegen mit meiner Meinung und lasse mich da auch gerne verbessern. Aber ich behaupte doch mal, wenn ich an die Zeit der NFL Europa zurückdenke, dass der Football in Deutschland größere Popularität genießt, als in England. Das Berliner Olympiastdion sollte auch in Deutschland voll werden, wenn zwei Teams aus der NFL kommen würden.
    Trotzdem wünsche ich dem Herrmann ganz, ganz viel Spaß und ein paar schöne Tage in London.

  2. ich denke london ist schon der optimale standort…gerade was infrastruktur betrifft. letztendlich wird es auch die einzige stadt in europa sein, die bereit ist, die gebühren für so ein spiel an die nfl abzudrücken…ich für mein teil (war 09 in london bei pats<.bucs) muss sagen, dass die stimmung auch nciht dolle war; mit einem nfl-stadium nicht zu vergleichen… es ist halt einfach leise, einfach weil es ein neutraler boden ist… ich für meinen teil, kann auf die IS gut und gern verzichten

  3. Pingback: Jacksonville Jaguars vor ihrer Wembley-Premiere | Sideline Reporter

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