College Football Week 10: Rückkehr der Außerirdischen

Heute Nacht, 01h MEZ, findet das Spiel des Jahres im College Football statt: #5 Louisiana State vs #1 Alabama, die Partie, die nicht bloß über den Divisionssieg in der SEC-West entscheiden dürfte, sondern auch und vor allem massive BCS-Implikationen haben wird.

LSU – Alabama, oder „Saban Bowl VI“ in Anspielung auf das sechste Duell von Bama-Coach gegen sein Ex-Team, wird diesmal nicht so in alle Stratosphären gehypt, dass ein Felix Baumgartner verblassen würde, wie vor fast genau einem Jahr, aber nichtsdestoweniger ist die Ansetzung massiv: LSU ist 7-1, Alabama 8-0. Und wie der Teufel es so will, gibt es noch drei non-SEC Teams, die ebenso ungeschlagen und mit realistischen Chancen auf den National Title unterwegs sind, weswegen sich aus SEC-Sicht bei entsprechendem Ergebnis (mittelhoher LSU-Sieg) sogar ein Fiasko anbahnen könnte, das die SEC gänzlich aus dem BCS-Finale hievt.

Die Alabama Crimson Tide kommen auf diesem Blog in der laufenden Saison fast gar nicht vor, und das hat einen Grund: Sie fuhren bislang über ihren nur mäßig starken Schedule ebenso locker wie „langweilig“ drüber und ließen keinem Gegner auch nur den Hauch einer Chance.

Alabamas primäre Stärke ist immer noch die Defense, in diesem Jahr namentlich vor allem die Pass-Defense. Bama blitzt nicht häufig, aber wenn, sieht der Gegner kein Land – und selbst ohne Druck kommt gegen das Defensive Backfield mit den Herren Belue, Lester oder Sunseri bis dato niemand an. Für LSU kein gutes Matchup, denn die Tigers verfügen eh schon über eine wenig überzeugende Offense um einen verunsicherten QB Mettenberger und eine durch Verletzungen und Abgänge geschwächte Offensive Line.

Dafür zeichnet LSU in seiner Zeit unter Les Miles vor allem eines aus: Abgewichstheit und der Mut, mit dem Rücken zur Wand unkonventionelle Dinge zu probieren, selbst wenn davor erstmal die Genießbarkeit der Spielunterlage geprüft werden muss:

Weiterhin großartig bei LSU ist die komplette Defense. Der Pass Rush um die Herren Keke Mingo/Sammy Montgomery ist massiert und dürfte bei weitem das Potenteste sein, was Alabamas fast NFL-reife Offensive Line bis dato gesehen hat. Und genau dieses Szenario, dass QB A.J. McCarron mal etwas Druck in der Fresse hat, haben wir 2012 noch nicht gesehen.

Was LSU noch exzellent kann: Sie provozieren Fumbles und Turnovers – manchmal, wie vor zwei Wochen gegen Texas A&M, sogar in Schlüsselmomenten, und was bei Alabama dieses Jahr eines der wenigen Probleme zu sein scheint, ist die Ballsicherheit: 14 Fumbles in acht Spielen – gegen LSU sollten sich die Herren RB Lacy/RB Yeldon nicht allzu viele Blackouts dieser Sorte leisten.

Bleibt der Faktor „Death Valley“, das Heimstadion der LSU Tigers, das bei entsprechendem Spielverlauf Dezibelwerte wie auf der Tanzfläche erreichen kann.

Alabama stellt mit Sicherheit die insgesamt bessere, reifere Mannschaft. Schon vergangenes Jahr dominierte Alabama beide Spiele gegen LSU, auch wenn sich das dank zig verschossener Field Goals und sensationeller Interceptions erst im BCS-Endspiel im Ergebnis niederschlug.

Alabama mit mindestens 10.

Die BCS-Verfolger

Um 0h00 MEZ findet im Los Angeles Coliseum noch ein zweiter Kracher statt: Die #17 USC Trojans empfangen die #4 Oregon Ducks – bei uns leider nur „irgendwo im Internet“ zu sehen, nachdem in den Staaten FOX diesen Kracher bringt. Oregon ist IMHO in dieser Saison trotz des nicht unglaublich schweren Schedules bisher minimum an #2 zu ranken – die Ducks hätten in wenigstens zwei Spielen über 100 Punkte gescort, hätten sie nicht meistens schon zur Pause (!) ihre Starter ausgewechselt. Das ist übrigens ein Charakteristikum, das Oregon dieses Jahr im Vergleich zu anderen Jahren auszeichnet: Sie brauchen nicht mehr eineinhalb Viertel, um auf Hochtouren zu kommen; meistens führen sie schon nach einem Viertel 21-0 und das Spiel ist gegessen.

Zwei Dinge werden Faktoren sein: Wie schnell ermüdet die nicht allzu tief besetzte Trojans-Defense gegen die mit 180 km/h spielenden Ducks? Und auf der anderen Seite: Wie reagiert Oregon auf den vermutlich erstmals wirklich hart dagegen haltenden Gegner?

#2 Kansas State spielt zuhause gegen #24 Oklahoma State, auch ein Spiel mit leichtem Upset-Potenzial: Oklahoma State hat eine nicht zu unterschätzende Defense und einen nicht zu unterschätzenden Freshman-QB Wes Lunt, wogegen bei Kansas State ganz Amerika vor einem Stolpern der kleinen Wildcats Angst zu haben scheint (Tape bei ESPNA am Dienstag um 11h30).

#3 Notre Dame hat ein Heimspiel gegen die Pittsburgh Panthers, das ab 20h30 LIVE bei EUROSPORT übertragen wird (nicht EUROSPORT 2!). Für Notre Dame eigentlich eine Pflichtübung, aber es ist November und damit der Monat, in dem wenigsten ein oder zwei Topfavoriten noch zu stolpern pflegen…

Der Sendeplan für Woche 10

(Achtung, hier sind nur die Partien von Woche 10 gelistet! Nächste Woche beginnt der Spielbetrieb schon am Dienstag und wird separat angekündigt.)

ESPN America

LIVE

   3.11.2012  14h00  GameDay aus Baton Rouge/LA
   3.11.2012  17h00  Florida - Mizzou
   3.11.2012  20h30  Georgia - Ole Miss
3./4.11.2012  01h00  Louisiana State - Alabama
3./4.11.2012  04h30  Oregon State - Arizona State

Tapes

   3.11.2012  10h30  Cal - Washington
   4.11.2012  09h00  Mississippi State - Texas A&M
   4.11.2012  11h30  Louisiana State - Alabama
   5.11.2012  10h30  Texas Tech - Texas
   6.11.2012  11h00  Kansas State - Oklahoma State
   6.11.2012  13h30  Oregon State - Arizona State

EUROSPORT

LIVE

   3.11.2012  20h30  Notre Dame - Pittsburgh

Die SEC-East wird auch ausführlich behandelt, mit nacheinander Partien der beiden Kontrahenten Florida und Georgia; Georgia hat nur mehr zwei Conference-Spiele zu bestreiten (heute Ole Miss, dann Auburn) und hält den Tie-Breaker: Ein Sieg heute und die Bulldogs sind angesichts der Schwäche von Auburn zu 99% im SEC-Finale.

Texas TechTexas ist insofern eine interessante Partie, weil die Red Raiders gegen die University of Texas favorisiert sind: Das ist in der Historie nur zweimal bisher passiert (und zweimal gewannen dann natürlich die Texas Longhorns). Die Partie ist insofern empfehlenswert, weil wir hier eine grundsolide gecoachte Mannschaft mit grundsolide exekutierten Basics (Texas Tech) gegen eine Mannschaft voller hoch rekrutierter Superathleten ohne Disziplin (Texas) sehen werden.

Bei Oregon StateArizona State spielen zwei Überraschungsteams ein wichtiges Spiel, was die Conference-Bilanz angeht: Beide haben noch Chancen auf ein Conference-Finale, und beide sollten dringend nicht verlieren…