Sofa-QBs und ihr Halbzeitfazit

Der allwöchentliche Verweis: Die Sofa-Quarterbacks haben auf Spieltag 9 zurückgeblickt und ein Zwischenfazit zur Saisonhälfte gezogen. Mit Andreas Renner/SKY, Manfred Groitl/fantasy-football.de, Olaf Nordwich/Amfid.de und Moderator Nicolas Martin/GFL TV. Erfreulich auch: Die Sofa-QBs haben einen Sponsor gefunden.

Spiel der Woche: Oakland Raiders – Tampa Bay Buccaneers

Die anderen – sehenswerten – Nachtspiele werde ich morgen gesondert behandeln, aber zuerst das Spiel des Abends. Kein Scherz: Das Spiel war von beiden Seiten nicht fehlerfrei, aber wer auf Gunslingertum mit einer 9.9 auf der bei 10 begrenzten Favre-Skala sehen möchte und den Gamepass besitzt, dem sei dieses flotte Spielchen empfohlen. Und das war es auch schon mit Spoilern – den Rest gibt es ein paar Absätze weiter drunten.

23 kombinierte Penaltys für 196 Yards Raumstrafe lesen sich wie übelste Zurückversetzung in Replacement-Referee-Zeiten, aber die fliegenden Flaggen im Oakland-Coliseum mischten noch mal mächtig Thrill in eine spektakuläre Partie, in der die Buccs letzten Endes 42-32 gewannen. Die Highlight-Clips dürften sich auf die ganz Aufsehen erregenden Big Plays konzentrieren.

Die Buccs spielen eine merkwürdige und völlig untypische Offense für ein von Greg Schiano gecoachtes Team. Ist es der OffCoord Brian Sullivan, der QB #5 Josh Freeman das Eli-Gunslinger-Gen eingeimpft hat, oder ist es woran liegt es, dass Freeman kaum 50% seiner Bälle komplettiert und dabei trotzdem über 8.4 Yards pro Wurf an den Mann bringt?

Diese tiefen Bälle sind eine Augenweide, seien es fantastische Catches von #83 Vincent Jackson (65yds-Pass, und danach ein noch schönerer Touchdown) oder für einen fightenden WR #19 Mike Williams (cross-country durch das Stadion). Zwischendurch eine Dosis von RB #22 Doug Martin, bei dem sich Schiano an einen von ihm am College gecoachten Running Back erinnern dürfte: Ray Rice.

Martin ist schneller, als ich ihn von Boise State in Erinnerung habe. Die Touchdowns wurden entsprechend immer länger: Erst 45yds, dann 67yds, dann 70yds. Bei letzteren beiden half eine vorzüglich blockende Line mit, dass Martin „nur noch“ am deplatzierten Safety Matt Giordano vorbeisprinten brauchte. Der eindruckvollste TD war Martins 45-Yarder, ein kraftvoller Sprint mit zwei oder drei gebrochenen Tackles. Martin beendete das Spiel mit 25 Läufen für 247 Yards (die letzten drei Läufe waren intentionale Minus-Läufe, Martin verlor über 15 Yards dabei).

Damit die Partie nicht zu einseitig wurde, ließen die Buccs zwischendurch RB #27 Legarrette Blount ran, der das Ei im Schlussviertel gütlicherweise zurückfumbelte und den Raiders die Comeback-Chance eröffnete. Oakland operierte ebenso im deep pass-Modus, mit mehreren großartigen Catches, u.a. vom einst zum Bust bezichtigten WR #85 Darrius Heyward-Bey und vom Fullback #45 Marcel Reese Reece.

Spannend war das Duell von RT-Ersatzmann Smith gegen den großartigen Pass Rusher #71 Michael „nein ich sitze nicht im Knast“ Bennett: Smith bekam den Mann so derart nicht unter Kontrolle, dass die Raiders Bennett in der zweiten Halbzeit einfach nur noch laufen ließen und hofften, dass ihr QB entweder schnell genug warf oder den Schritt nach vorne früh genug fabrizierte.

Auf der anderen Seite mussten die Buccs eben drauf hoffen, dass wenigstens einer der Big Two, Bennett oder DT #93 Gerald McCoy, zeitnah am QB dran war, denn das Defensive Backfield sah kein Land gegen den Haufen an unbekannten Raiders-Receivers.

QB #3 Carson Palmer machte ein wechselhaftes Spiel: Großartige Bälle mischten sich mit einigen übersehenen völlig offenen Receivers und einer wirklich üblen Interception spät im Spiel, bei 32-35 Rückstand. Die letzte von Palmers INTs war nur noch Produkt der Verzweiflung, die bei solch späten Comeback-Versuchen auftritt. Palmer beendete den Tag mit 414 Pass-Yards in 61 (!) Versuchen, 4 Touchdowns, 3 INTs und ohne adäquaten Running Back, weil sich Darren „Glasknochen“ McFadden mal wieder viel zu früh verabschiedete.

Man werfe noch ein geblocktes Field Goal samt fat man-Return durch DT #99 Lamarr Houston rein, eine artistische INT für Buccs-DB #29 Leonard Johnson und ein paar wohl getimte Pass Interferences und Personal Fouls, und wir haben ein Spiel, in dem man die Big Plays nicht mehr an beiden Händen abzählen kann, 84 Punkte, ein großes Raiders-Comeback und eine Buccs-Truppe, die wahrlich „nur“ die ganz großen Bolzen vermeiden muss, um im Playoffrennen ein immer heißerer Tipp zu werden.

MNF #9 Preview: New Orleans Saints – Philadelphia Eagles

Was letztes Jahr noch wie die mögliche NFC-Top-Paarung ausgesehen hätte, ist heute Nacht eine Auseinandersetzung zweier kriselnder Franchises: Die Saints (2-5) und Eagles (3-4) torkeln dieser Tage fast nur noch dem rechnerischen Playoff-Aus entgegen.

Bei den Saints ist der Fall klar: Der gesperrte Head Coach Sean Payton fehlt so sehr, dass sich das Team aus dem mentalen Loch nicht mehr herausgraben kann. Die Defense ist so spektakulär überfordert, dass selbst eine MVP-würdige Vorstellung des QB Drew Brees nicht ausreichen würde, um New Orleans in der NFC-Spitzengruppe zu halten. Es fehlt an Pass Rush, es fehlt an adäquater Deckung, und dann hat man auch wenig Glück im Forcieren von Turnovers.

Seelentherapeuten könnten diesbezüglich die Eagles geben, mit dem Turnover-Spezialisten QB Michael Vick (8 INT, 9 Fumbles) an vorderster Front. Die Eagles kranken aber nicht bloß an dieser – abstellbaren – Fehlerorgie, sondern vor allem an einer merklich unrund laufenden Offense.

Dabei gerät immer wieder das PlayCalling der Herrschaften Reid/Mornhinweg ins Visier der Kritiker, wobei ich persönlich die Eagles eher weniger laufen ließe als bisher. RB LeSean McCoy ist eine unglaubliche Waffe, aber kein Arbeitstier; sprich: An Eagles-Stelle wäre es ratsam, mehr und schneller zu werfen, eventuell mehr tief gehen, und per Passspiel den Lauf vorzubereiten. Die Anspielstationen haben die Eagles: WR #10 Jackson, WR #18 Maclin, TE Celek, selbst McCoy ist ein starker Ballfänger. Der Trend der letzten Wochen zeigte allerdings ein Wegrücken von dieser Strategie, hin zu verschrecktem Kurzpasswichsen – überhaupt nicht das, wofür Philadelphias Angriff gebaut ist.

Insofern könnte die verheerende Secondary der Saints hilfreich sein, solange Vick nicht wieder fünfmal das Ei verschenkt.

Ich halte die Eagles weiterhin für favorisiert, was schon allein daran liegen mag, dass ich noch nicht glauben mag, dass das gewaltige Potenzial in dieser Offense nicht zur Entfaltung kommen mag. Ich bin aber mittlerweile durchaus skeptisch geworden, was den verbleibenden Saisonverlauf der Eagles angeht: Die Moves von Head Coach Andy Reid (Entlassung des DefCoords mitten in der Saison) gehen eher in die Richtung „Bauernopfer“, zumal bei aller Kritik an Castillo die Defense in dieser Saison einen sehr ordentlichen Job gemacht hatte, trotz eines nicht mehr so überzeugenden Pass Rushes und eines teilweise arg überforderten CBs Nnamdi Asomugha.

ESPNA und SPORT1+ werden ab 02h30 live dabei sein. ESPNA wird morgen um 18h30 eine Aufzeichnung bringen.