Recap Week 9: Seattle Seahawks – Minnesota Vikings

Muss ich noch mal vor Spoilern warnen? Egal, ich mach’s.

Die Seahawks sind mit diesem Spiel (auch dank „12th man“ Detlef Schrempf?) zurück in der Siegerstraße. Dabei waren zwei, drei Dinge doch etwas anders als in den vergangenen Hawk-Spielen, beginnend mit der Lauf-Defense, die nicht so wie gewohnt dominierte. Okay, bei RB #28 Adrian Peterson musste ich schon zweimal hinschauen, ob da nicht noch in letzter Sekunde für Jamaal Charles getradet wurde, denn Peterson wirkte fast frischer und flotter als vor seiner Kreuzbandverletzung. Er hatte auch Räume, denn die Offensive Line der Vikings blockte vor allem innen doch beträchtliche Löcher frei. Peterson mit unglaublichen 182 Yards in nur 17 Versuchen.

Dagegen sah die Vikes-Protection gegen den Seahawk-Passrush schlecht aus, aber lange nicht so schlecht wie QB Chris Ponder, seit Wochen in einer tiefen Formkrise befindlich. Der Receiving-Corp der Vikes machte wenig Stich, aber so leblos wie Ponder auftrat… da werden sich einige zurückerinnert haben, wie nahe die Vikes an RG3 im Draft dran waren. Am meisten sagen diese sehr schnellen Ponder-Scrambles nach nullkommaneun Spielsekunden aus – der Mann hat kein Selbstvertrauen mehr und bringt nichtmal mehr die kurzen Swing-Pässe an.

Swing-Pässe sind ein gutes Stichwort für das, was Seattle von QB Russell Wilson verlangte. Wilson antwortete mit einem effizienten Spiel (16/24 complete, 3 TD) ohne gröberen Bock, und es wären mehr komplette Pässe gewesen, hätten die Receiver vor allem zu Spielbeginn nicht so viele fangbare Bälle einfach durch die Handschuach gleiten lassen.

Heimlicher Star war die Offense Line, die den Ausfall vom Top-Guard Carpenter locker kaschierte und auch DE Jared Allen kaum ins Spiel kommen ließ. Wilson hatte Zeit, RB #24 Lynch Platz, und so wurde ohne größeres Spektakel der vierte Saisonsieg eingefahren.

Die Hawks dürfen weiter gen Playoffs schielen. Die Vikes müssen sich besorgt fragen, was aus Ponder werden soll und ob sie nun doch nicht Playoff-Material für diese Saison stellen.

College Football 2012/13 – Nachwirkungen vom zehnten Spieltag: Menschen! Richtige Menschen! Es sind Menschen!

Das Drama um die Finalplätze im College Football intensiviert sich – die Top-4 im BCS-Ranking fuhren am Wochenende ausnahmslos Siege ein, wenn auch zum Teil knapp. Oregons punktereicher Auswärtssieg bei den USC Trojans wurde ja leider nicht bei uns übertragen, soll aber den Reaktionen nach in Los Angeles ziemlich fassungs- und ratlose Gesichter hinterlassen haben („730 Yards Offense? Ich kannte diese Zahl noch gar nicht“). Ducks-RB Kenjon Barner mit einer 300+yds Show plötzlich im Heisman-Rennen, aber die Defense der Ducks soll nicht wirklich überzeugt haben (harhar, 51 Punkte aufgegeben) und die Gerüchteküche um einen baldigen Wechsel in die NFL von Ducks-Chefcoach Chip Kelly dürften im November auch ein Störfaktor werden.

Mal nebenbei erwähnt: Kelly und die „big play“ Philadelphia Eagles – da bahnen sich feuchte Träume an. Vergessen wir mal kurz das Stigma der College-Coaches in der NFL.

Notre Dame brauchte ein erneutes Last-Minute-Comeback, einen verschossenen gegnerischen Matchball und eine dreifache Overtime gegen die Pittsburgh Panthers, die bis dato eine überwiegend schlimme Saison gespielt hatten. Notre Dames eiskalte Klöten werden in den Staaten hoch gelobt, aber bei aller Liebe: Die Fighting Irish haben da seit Wochen auch einen Pakt mit Fortuna abgeschlossen, wenn ich an dieses Spiel – und an den seeeeeeeehr zweifelhaften Call gegen Stanford – denke. Notre Dame hat nun zwei machbare Lose, muss Ende November aber noch zu einem seiner traditionellen Rivalen, USC.

Kansas State mit einem verdienten, aber aufgrund der Verletzung von QB Collin Klein überschatteten, Sieg über Oklahoma State. Klein ist verantwortlich für runde 80% der Offense-Yards der Wildcats in dieser Saison – und wenn sich der Mann jetzt tatsächlich ernsthaft verletzt haben sollte, haben die kleinen Wildcats möglicherweise ein Problem.

Spiel der Runde war natürlich LSU TigersAlabama Crimson Tide im Death Valley zu Baton Rouge. Meine Skepsis was die Chancen der Tigers in diesem Spiel anbelangte war vor dem Spiel mit „immens“ zu beschreiben, und das wäre noch eine Untertreibung gewesen. Tatsächlich hielten die Jungs von Les Miles nicht bloß richtig gut mit; Hand aufs Herz: LSU war im Prinzip die bessere, vor allem besser vorbereitete, Mannschaft in dieser Nacht.

QB Zach Mettenberger, der so schwer kritisierte Mann, machte das Spiel seines Lebens (gegen Alabamas in alle Höhen gelobte Defense!) und diesmal waren es die LSU Tigers, denen man nachsagen musste, die sich bietenden Chancen nicht genutzt zu haben. Ein einziges Field Goal in der kompletten ersten Halbzeit ist eigentlich angesichts des Spielverlaufs ein Witz, und dann wurden im Schlussviertel nacheinander Field Goal verschossen und ein 4th down knapp verpasst: 17-14 Führung gegen eine immer lahmere Bama-Truppe, die in der zweiten Halbzeit keinen Stich mehr gemacht hatte und nur noch kriechend daherkam.

Schickte sich der doch über weite Strecken entzauberte QB A.J. McCarron an, mit ein paar schnellen Completions wenigstens in Punktereichweite zu kommen. McCarron 52 Sekunden vor Schluss mit einem kurzen Pass für den „neuen Trent Richardson“, RB T.J. Yeldon, und ich fragte mich, warum Bama mit seinem Kicker an der gegnerischen 28yds-Line nur auf den Ausgleich ging. Yeldon nahm das Ei auf und brach in die EndZone durch.

Sieg Alabama.

Und dann das:

Ein eigenartig sympathischer Moment, vielleicht der Moment der Saison für die manchmal so langweilig kalt wirkenden Alabama Crimson Tide. Eine Mannschaft, gecoacht von Nick Saban, dem einzigen Mann unter der Sonne noch hornhäutiger als Belichick. Der heulende und schluchzende McCarron unter dem Handtuch war ein Moment, in dem die Alabama Crimson Tide auf einmal menschlich wirkten.

Next up: Alabama @ Texas A&M. McCarron gegen Rockstar Johnny Manziel.

Ich ringe noch mit mir und kann mich nicht entscheiden, welches der potenziellen Matchups ich im BCS-Championship Anfang/Mitte Jänner in Miami sehen möchte.


Von einem anderen alten Bekannten müssen wir uns für diese Saison fast verabschieden: Die Boise State Broncos, in den Polls diese Saison bis dato schlicht und ergreifend zu hoch bewertet, gingen daheim gegen den krassen Außenseiter San Diego State baden und müssen ihre letzte Chance zum spoilern der BCS begraben. Boise State bietet dieses Jahr eine starke, physische Defense, aber auch eine merklich holprige Offense – wird wieder so was wie die Las Vegas Bowl werden.

Noch so ein guter Freund, dessen nicht bloß Saison, sondern Karriere, zu Ende ist: B.J. Daniels, der Quarterback der USF Bulls, soll sich den Knöchel gebrochen haben. Daniels war Senior und wird in der NFL kein Land sehen. Viel Glück.