Date am Donnerstag, #10: Jacksonville Jaguars – Indianapolis Colts

Heute ab 02h30 LIVE bei ESPN America und SPORT 1+ der AFC-South Kracher zwischen den Jacksonville Jaguars (1-7) und den Indianapolis Colts (5-3), beides Teams mit jungen Quarterbacks, die man weit unten erwartet hatte.

Die Jaguars scheinen diese Erwartungen bisher zu „erfüllen“, glänzen mit der mit Abstand schwächsten Offense in der NFL, in der QB Blaine Gabbert weiterhin kaum Fortschritte zu machen scheint und immer lauter gefragt wird, wie lange man es denn mit Gabbert noch probieren möchte. Jacksonville Offense bekam auch durch den neu eingekauften WR Justin Blackmon kaum neue Impulse, und ansonsten fehlen Gabbert die Sicherheitsanspiele, aber ich weigere mich weiterhin, nach allem Gesehenen Gabbert NFL-Reife zuzugestehen.

Anders ist es beim jungen Colts-QB Andrew Luck, der bereits seine ersten positiven Duftmarken in der NFL hinterlassen hat und u.a. famose Comeback-Siege gegen Green Bay und Miami hinlegte. Indianapolis ist überraschend 5-3, aber bevor hier – selbst nach einem Sieg heute Nacht – von den Playoffs gesprochen wird, sollte doch auch ein Wort darüber verloren werden, wie diese Bilanz zustande gekommen ist.

Indianapolis hat ein Punkteverhältnis von -32 Punkten, eine Pythagoreische Erwartung von 3.1 Siegen (also fast zwei Siege zu viel geholt bisher), ist nach SRS gegen das durchschnittliche NFL-Team auf neutralem Boden mit 5.5 Punkten Außenseiter und hat die 5-3 Bilanz gegen den nach meinem Modell dritt-einfachsten Schedule erzielt.

Ach, und: Die Colts sind 5-1 in Spielen, die innerhalb eines Scores entschieden wurden.

Natürlich ist Luck phasenweise famos. Natürlich gibt es Momente, in denen man den Colts am liebsten sofort die Playoffqualifikation zutrauen möchte. Aber auf der anderen Seite sprechen wir da auch über eine Offense, die fast allein von Luck und WR Reggie Wayne abhängig ist und in fast allen Kategorien leicht unterdurchschnittlich ist, sowie eine Defense, die sowohl gegen Lauf als auch Pass die #20 ist (wie gesagt, und das gegen einen sehr einfachen Schedule).

Selbst mit 6-3 am morgigen Morgen würde ich an Colts-Stelle noch nicht von den Playoffs träumen: Die zweite Saisonhälfte sieht New England, Detroit und zweimal Houston im Schedule, und selbst gegen Graupenteams wie Buffalo, Kansas City oder Tennessee pflegen junge, unbeständige Mannschaften wie die Colts, ein oder zwei Spiele abzuschenken.

Tipp: Jaguars.

ESPNA bringt morgen um 11h und 19h30 gleich zweimal die Aufzeichnung.

NFL Power Rankings nach Week 9

Das Playoff-Rennen in der NFC wird langsam klarer. In der Eastern Division führen die Giants bereits mit drei Spielen Vorsprung, im Süden marschieren die Falcons (8-0) vorneweg und haben vier Spiele Vorsprung auf die zweitplatzierten Buccs. In der Western Division führen die 49ers gefühlt mit drei Spielen Vorsprung (tatsächlich sind es 1.5 Spiele plus ein bereits halb gewonnener Tie-Breaker gegen Seattle), während sich im Norden noch die spannendste Situation anbahnt: Chicago (7-1) vor Green Bay (6-3) vor Minnesota (5-4) vor Detroit (4-4)… wobei die Vikes zuletzt einen gefährlichen Abwärtstrend befürchten ließen.

In der deutlich schwächer besetzten AFC ist die East Division ein Treppenwitz: New England (5-3) ist nur ein Spiel vor Miami, aber gefühlt ist es sehr viel deutlicher. In der Northern Division führen die Ravens (6-2) vor Pittsburgh (5-3), aber die Ravens laufen seit Wochen schwer angeschlagen auf.

Im Süden sind die Texans quasi qualifiziert (7-1), weil der nächstplatzierte Gegner Indianapolis 5-3 ist und diese Pace mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht andeutungsweise wird halten können. Im Westen sind die Broncos „nur“ 5-3, stehen aber vor einem relativ einfachen Rest-Schedule und dürften als das aktuell beste Team der Liga erstmal keine Probleme haben.

Die zweite Saisonhälfte wird natürlich einiges durcheinander wirbeln. Teams wie Baltimore, San Diego oder Indianapolis profitierten bisher von extrem laxen Schedules und konnten diese nur mit teilweise sehr knappen Siegen überhaupt bewältigen, während Truppen wie Dallas, Denver oder Miami eine relativ gute Ausgangsposition für einen Run in der zweiten Saisonhälfte besitzen.

Zu den Rankings.

Nr.  TEAM              WP     E16    SOS   RK   W-L
#1   Denver           .723   11.6   .505   14   5-3
#2   San Francisco    .718   11.5   .519    9   6-2
#3   Houston          .677   10.8   .468   28   7-1
#4   Seattle          .657   10.5   .566    1   5-4
#5   Carolina         .646   10.3   .529    7   2-6
#6   Detroit          .593    9.5   .501   15   4-4
#7   Atlanta          .582    9.3   .498   17   8-0
#8   Dallas           .571    9.1   .561    2   3-5
#9   Green Bay        .570    9.1   .511   12   6-3
#10  N.Y. Giants      .565    9.0   .540    6   6-3
#11  Miami            .562    9.0   .486   21   4-4
#12  New England      .552    8.8   .496   18   5-3
#13  Chicago          .545    8.7   .491   19   7-1
#14  St Louis         .529    8.5   .547    5   3-5
#15  Pittsburgh       .527    8.4   .498   16   5-3
#16  Tampa Bay        .488    7.8   .469   26   4-4
#17  Minnesota        .487    7.8   .486   20   5-4
#18  Philadelphia     .483    7.7   .485   22   3-5
#19  Cincinnati       .479    7.7   .469   27   3-5
#20  Washington       .469    7.5   .517   10   3-6
#21  N.Y. Jets        .455    7.3   .553    3   3-5
#22  Baltimore        .442    7.1   .470   25   6-2
#23  Oakland          .434    6.9   .475   23   3-5
#24  San Diego        .431    6.9   .409   32   4-4
#25  Indianapolis     .429    6.9   .450   30   5-3
#26  Arizona          .428    6.8   .551    4   4-5
#27  Buffalo          .398    6.4   .472   24   3-5
#28  Cleveland        .386    6.4   .472   29   2-7
#29  New Orleans      .356    5.7   .505   13   3-5
#30  Tennessee        .334    5.3   .515   11   3-6
#31  Jacksonville     .258    4.1   .527    8   1-7
#32  Kansas City      .228    3.7   .445   31   1-7

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rk die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 9.


Chicago Bears

Die Bears scheinen in der öffentlichen Meinung mit ihrem 7-1 Record ganz weit oben angesiedelt zu sein und sind auch die Könige von Rankings wie der Pythagoreischen Erwartung (13.5 erwartete Saisonsiege, #1 der Liga) oder SRS (9.7, #4 der Liga).

Und die Bears gehören zweifellos zu den besseren Teams in dieser Saison, vor allem aufgrund ihrer fantastischen Defense, die so stark dominiert wie außer vereinzelten Steelers-Defenses und den Jets 2009 keine andere in den letzten acht, neun Jahren NFL.

5.4 NY/Passversuch sind #5 der Liga, die Laufabwehr ist #6, aber das absolute Prunkstück ist was anderes: Turnovers und Turnover-Returns. Und genau diese extrem vielen Turnovers (5.3 INTs in 100 Passversuchen sind ligaweit die zweitmeisten) und Return-TDs (sieben Interceptions plus einen geblockten Punt zum Touchdown zurückgetragen) sind der Grund für die punktemäßige Dominanz der Bears.

Die Interceptions und Return-TDs waren bis auf das Panthers-Spiel nicht spielentscheidend, aber sie halfen (u.a. vor allem gegen die Cowboys), das Spiel früh außer Reichweite zu bringen oder aus einem „normalen“ Ergebnis ein Blowout werden zu lassen. Ich würde nicht drauf wetten, dass die Bears mit 1 Return-TD pro Spiel weitermachen werden.

Dagegen hat die Offense von Chicago ernsthafte Probleme: Gegen einen Schwall an schlechten Defenses konnte Chicago bis dato nur enttäuschend wenig ausrichten (5.8 NY/Passversuch ist #25, die Laufoffense ist #30). Die Pass-Protection schmerzt schon beim Zuschauen, und sofern nicht WR Marshall und WR Jeffery gemeinsam auf dem Feld stehen, bringen die Bears im Angriff nicht viel voran.

Und genau diese Play-by-Play Schwäche ist der Hauptgrund dafür, dass die Chicago Bears in diesem Power Ranking nur an Position 13 ausgespuckt werden, trotz der extrem hohen Siege und der zweitbesten Bilanz der NFL mit 7-1.

Philadelphia Eagles

Die Eagles stürzen in den letzten Wochen brutal ab, was nicht mehr nur bloß an den vielen Turnovers rund um QB Vick liegt. Die Eagles sind mittlerweile mit 5.8 Yards pro Passversuch im unteren NFL-Drittel angekommen und spielen eine horrend schlechte RedZone-Offense. Vick ist nicht der Alleinschuldige. Vick muss hinter einer Woche für Woche komplett pulverisierten Offensive Line mehr zaubern als jedem Eagle lieb sein sollte – und entsprechend haben wir eine völlig aus dem Rhythmus gekommene Offense.

Zuletzt gegen New Orleans verlor man mit 15 Punkten. Die Eagles spielten schlecht, aber die Differenz waren – mal wieder – die Turnovers. Viel brutalere Spielzüge als einen 99yds-Touchdown-Return dürfte es nicht mehr gegen, zumal wir hier über einen vermeintlichen 14-Punkte-Umschwung sprechen. 14pts-Swing? 15pts Differenz? So eng liegen Sieg und Niederlage oder Konkurrenzfähigkeit und 3-5 Bilanz in der NFL beisammen. Ein zweiter Turnover in Punktereichweite half später in dem Spiel freilich auch nicht.

Wer eine dezidierte Analyse lesen möchte, dem sei auf Bill Barnwell verwiesen.


Die Favoriten errechnet

Letzte Woche tippte ich 11 von 14 Spielen richtig, das Modell war 10-4. Gesamtstand nach sechs „gemeinsamen“ Tippwochen: Ich stehe bei 57-27, Excel bei 56-28. Damit tippt Excel in der bisherigen Saison 2/3 der Spiele richtig – ein bisher sehr guter Wert.

Hier die errechneten Siegwahrscheinlichkeiten des Modells für Woche 10:

HOME              %     AWAY               %
Jacksonville     34     Indianapolis      66
Cincinnati       44     N.Y. Giants       56
Miami            79     Tennessee         21
Minnesota        41     Detroit           59
New England      73     Buffalo           27
New Orleans      28     Atlanta           72
Tampa Bay        62     San Diego         38
Carolina         39     Denver            61
Baltimore        56     Oakland           44
Seattle          79     N.Y. Jets         21
Philadelphia     44     Dallas            56
San Francisco    82     St Louis          18
Chicago          35     Houston           65
Pittsburgh       85     Kansas City       15