College Football 2014 nimmt Gestalt an

Die neue Bowl-Season in der post-BCS Ära (ab 2014/15) nimmt Gestalt an, und unter der Woche wurden neue Beschlüsse gefasst. Der aktuelle Stand scheint nun zu sein:

Sechs „große“ Bowls (anstelle von bisher vier) plus das separat ausgetragene National Championship Game. Zwei der sechs Big-Bowls werden jedes Jahr als Halbfinale für das eine Woche später stattfindende Endspiel herangezogen, auf jährlich rotierender Basis. Das System soll für 12 Jahre gelten, ESPN dafür sagenhafte 7.2 Milliarden (!) Dollar geboten haben (ca. 600 Mio. $ pro Jahr).

Die sechs Bowls teilen sich auf in „Contract Bowls“ (Bowls mit fixen Verträgen mit Conferences) und „Host Bowls“ (Bowls ohne vertragliche Bindungen). Das Title-Game wird jedes Jahr meistbietend versteigert.

Die Contract Bowls sollen lt. Sportingnews folgende sein:

Rose Bowl (Big Ten vs. Pac-12)

Sugar Bowl (SEC vs. Big 12)

Orange Bowl (ACC)

Yup, es sind also doch wieder AQ (automatic qualifier) mit im System integriert, allen Unkenrufen zum Trotz. Big Ten und SEC sollen bereits einen zweiten AQ bekommen haben, und zum Wochenbeginn scorten sogar die „other five“, MAC, Big East, MWC, Sunbelt, C-USA, einen Touchdown und bekamen gemeinsam einen Fixplatz in einer der großen Bowls zugeteilt: Der höchstgerankte Champ aus diesen fünf Conferences ist auf alle Fälle fix dabei, und wenn es ein Freakteam wie Colorado State sein sollte.

Es soll ein Zugeständnis gewesen sein, das die großen Player ohne mit der Wimper zu zucken gemacht haben, weil es fair sei.

Rose Bowl bleibt traditionell bei ihren Partnern Pac-12 und Big Ten. Die Sugar Bowl stach in den Verhandlungen um die schon vor Monaten beschlossene Allianz zwischen SEC und Big 12 andere Bewerberstädte wie Glendale, Jacksonville oder San Antonio aus und sieht nun jedes Jahr das Matchup der beiden (zumindest aktuell) stärksten Conferences,

Hinfällig werden die „Contracts“ in Rose, Sugar und Orange Bowl jedoch, wenn deren Champs im nationalen Meisterschafts-Playoff mit dabei sind bzw. wenn die Bowls selbst Semifinal-Gastgeber sind.

Die Independents sind nicht berücksichtigt. Notre Dame könnte allerdings noch einen Vertrag mit der Orange Bowl oder einer anderen Bowl abschließen.

Ein interessantes Vertragsdetail scheint auch zu sein, dass die großen Fünf, SEC, Big 12, Big Ten, Pac-12 und ACC, in jedem Jahr, in dem die jeweils „ihrige“ Bowl (s.o.) ein Playoffspiel abhalten muss/darf, den vollen Umsatzanteil einstreichen wird – guaranteed.

Die Favoriten auf die drei „Host Bowls“ sollen sein: Fiesta Bowl in Glendale, Cotton Bowl Classic zu Dallas/Arlington und die Chick fil-A Bowl von Atlanta. Dieser Bewerbungsprozess dürfte allerdings noch Monate dauern, auch wenn Beobachter das Rennen für entschieden halten.

Weiteres Detail: Ab 2014 sollen Unis Gelder für zu schlechte akademische Leistungen der Footballer gestrichen werden können (ca. 10% vom Gesamtbudget einer Conference) – soweit ich das verstanden habe, kriegt nur die jeweilige Uni das Geld in diesem Falle nicht ausgezahlt.

Die Semifinals sollen – Schreck! – entweder am Silvester- oder Neujahrstag ausgespielt werden. Das Championship Game – keine Bowl, sondern von den Conferences organisiert! – soll am „Champsionhip Monday“, dem ersten oder zweiten Montag im Jänner, ausgespielt werden – Ort wie beschrieben je nach meistbietendem Bewerber.

Die BCS-Rangliste wird entfallen. Anstelle deren wird ein Komitee treten, das die vier Playoffteams auswählt. Die Kriterien. Win/Loss, Strenght of Schedule, direkter Vergleich und die Frage, ob ein Team Conference-Champion ist. Sind schon mal transparentere Kriterien als bisher.

Ganz geklärt sind die Abläufe in Sachen Playoffteam-Auswahl aber noch nicht, und auch die genauen Schlüssel zur Verteilung der TV-Gelder sind noch zu verhandeln. Aber ansonsten scheint sich der Schleier zu legen.

Date mit Mike, #11: Buffalo Bills – Miami Dolphins

Nachdem ich vor zwei Wochen bei Bengals – Broncos dreieinhalb Stunden lang die Kommentierung von Greg Gumbel und Dan Dierdorf hatte durchstehen müssen, empfand ich am Sonntagabend bei San Francisco – St Louis die Kommentierung von Chris Myers und Tim Ryan als geradezu wohltuend. Die Kontraste zwischen Dierdorf und Ryan könnten auch gar nicht eklatanter sein. Wo ersterer mit Phrasendrescherei in bester Hans-Krankl- oder Beckenbauer-Manier Weisheiten aus den 70er Jahren aus dem Arm schüttelt und sich wohl wundert, dass das Spielfeld heute farbig ausschaut, gehört Ryan für mich ab sofort zu den Geheimtipps.

Ich hatte ihn nicht zum ersten Mal gehört, aber bisher war für mich am Tandem Myers/Ryan vor allem der ehemalige FOX-Sidelinereporter Chris Myers mit seiner sehr markanten Stimme (unangenehm) aufgefallen. Myers’ Co Ryan dagegen glänzt mit erstaunlichem Fachwissen. Der Mann führt seine Bemerkungen zum Spiel zwar sehr „sophistisch“ aus, und die Erklärungen kommen vor allem um zwei Uhr nachts nicht immer zur richtigen Uhrzeit, aber dann folgt zwischendurch kurze Aufheiterung (What a cute sack bei Chris Long – are you kiddn’ me?) und wir können uns auf die nächste Angriffsserie vorbereiten.

Tim Ryan: Von null sofort irgendwo in die Region unter den Göttern Mayock, Nessler und Eagle/Fouts geschossen.

Erstere beiden kommentieren heute Nacht und dürften der Hauptgrund zum Einschalten bei Buffalo BillsMiami Dolphins sein. Nessler/Mayock brennen zwar nicht mehr die Feuerwerke aus der vergangenen Saison ab, aber im Vergleich zu dem, was man sonst so Woche ein, Woche aus zu Ohren bekommt, immer noch das Beste von der NFL.

Buffalo (3-6) vs. Miami (4-5) ist ein Spiel der letzten Hoffnung für die Bills, und ein must-win-Spiel für die Dolphins, wenn sie denn im Playoffrennen ernsthaft am Leben bleiben wollen – die Wildcards gehen in der AFC aktuell bei 6-3 weg, und während Pittsburgh als stabil genug gelten dürfte, um sich da oben halten zu können, traue ich den Colts noch nicht hinreichend, als dass sie nicht noch Schiffbruch erleiden und möglicherweise 2.5 Spiele Führung (direkt gewonnenes Duell gegen Miami) noch abschenken.

Die Dolphins wurden am Wochenende vor enttäuschender Heimkulisse (gefühlt 15.000 Zuschauer in der heimischen Schüssel) von den bis dato schwachen Tennessee Titans gnadenlos 37-3 abgeschossen, und sowohl QB Ryan Tannehill wirkte noch besoffen vom Glück des Sieges seiner Aggies in Alabama, als auch die komplette, bisher eigentlich dominante Lauf-Defense der Fins.

Diese wird heute einen guten Tag brauchen, denn wenn Buffalo eines beherrscht, dann ist es variantenreiches Spiel über die RBs #30 Jackson und #21 Spiller, wobei vor allem letzterer nach anfänglicher Skepsis immer mehr zu meinen Favoriten gehört.

Auf der anderen Seite dürfte Tannehill gegen eine wenig überzeugende Defense mit trotz großer Namen („Williams Wall 2“) mauem Pass Rush ein gutes Matchup vorfinden, um seine Top-Anspielstationen Bess, Hartline und Bush zu bedienen und seinen Ruf nach dem Graupenspiel gegen Tennessee aufzupolieren.

Potenzial ist da bei Tannehill, wenn auch im Rookie-Jahr bisher nur in Sporaden aufblitzend.

Miami ist selbst auswärts für mich der Favorit in dieser Partie.

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