Big East’n’West

Die Big East Conference hat ihre Divisionsaufteilung ab der kommenden Saison 2013/14 bekannt gegeben. Zur Erinnerung: Die Big East ist diejenige BCS-Conference, die sich nach zahlreichen Abgängen (West Virginia, Pitt, Syracuse) bzw. Nicht-Eintritten (TCU) und sportlicher Irrelevanz in den letzten Jahren immer bedrohlicher an den Abgrund gespielt hatte, bis sie schließlich letzten Sommer zum großen Rettungsschlag ausgeholt hatte und in einem Verzweiflungsmove landauf, landab alles an akzeptablen Mid-Majors aufgesaugt hatte, was bei drei nicht auffm Baum war.

Houston. SMU. Memphis. Boise State (!). San Diego State (!!!).

San Diego State. Klingt immer noch schräg – ein Team aus dem südlichsten Südwesten der Vereinigten Staaten für eine College-Conference mit Wurzeln und Kerngebiet im Nordosten.

Nun also die Aufteilung ab 2013:

Big East, East Division

Central Florida (UCF)
Cincinnati (UConn)
Connecticut
Louisville
Rutgers
South Florida (USF)

Big East, West Division

Boise State
Houston
Memphis
San Diego State
SMU
Temple

Temple als fast östlichstes Team dürfte in die West-Division gerutscht sein, weil es als innerstädtische Uni in Philadelphia ohne eigenes Stadion über wenig Reputation genießt und die Big East Conference sich wenigstens die Option halten möchte, die beiden aktuell stärkten, „renommiertesten“ Programme Louisville und Boise nicht in eine Division zu stecken (das Miami/FSU-Problem bzw. das Michigan/Ohio State-Problem).

Das Conference-Endspiel wird analog der Pac-12 im Heimatstadion desjenigen Divisionssiegers mit dem besseren Record ausgetragen werden.

Im Zuge des neuen Bowl-Geschachers hat die Big East Conference sich vorerst auch mal in Stellung gebracht für eine automatische Einladung in eine der sechs Big-Bowls: Ein Platz aus den kleinen Conferences ist vertraglich fixiert, und im Regelfall dürfte es sich um ein Team aus der Big East handeln.

Verhandelt wird immer noch der TV-Vertrag mit ESPN, der sich irgendwo in der Region von 60 bis 130 Mio. Dollar pro Jahr befinden soll, was auf alle Fälle ein Upgrade gegenüber dem aktuellen Vertrag darstellt, aber bei weitem unter dem anderer Cash-Cows wie SEC oder Pac-12 liegt.

Die komplette Neuaufteilung dürfte vorerst übrigens temporär sein. 2015 wird die US-Navy aus dem Bundestaat Maryland dazustoßen, während sich die Conference in nächster Zeit auf die Suche nach einem weiteren Programm im Westen machen wird. Kandidaten gibt es aber nicht viele: Utah State, Nevada/Reno oder Fresno State werden manchmal genannt, aber die attraktivsten möglichen Partner dürfte das erst letztes Jahr in die Unabhängigkeit gegangene BYU und die Air Force aus der MWC sein.

Auf alle Fälle sind den Big-East-Teams vor allem aussm Westen Flugstundenrekorde sicher.

Quelle: SI.com/ESPN.

„Jede Menge Können… Und ein bisschen Glück.“

Prolog: Es gibt, wie ich jüngst geschrieben hatte, mittlerweile mehrere lesenswerte deutsche Football-Blogs bei WordPress. Eines davon ist das neue Hardcount-Blog von Flo Zielbauer und Benni Köpfle, wo ich den Lesern rate, mal vorbeizuschauen. Die beiden scheinen vor allem auf Regelkunde und Spielzuganalyse fokussiert. Flo Zielbauer hat heute eine Kostprobe für Sideline Reporter geschrieben.


Monday Night Football in Pittsburgh, PA. Die erste Hälfte neigt sich dem Ende, die Anzeige auf Jon Grudens „This guy“-Zähler nähert sich mit bedenklicher Geschwindigkeit der Dreistelligkeit. Es gießt seit Stunden wie aus Eimern und die Gastgeber liegen 10:3 gegen Kansas City zurück. Moment mal. Gegen die Chiefs? Oh ja, Gegen die Kansas City Chiefs.

Die Steelers sehen sich mit einem 1st & Goal von der Sieben-Yard-Linie konfrontiert. Sie entscheiden sich hier für schweres Personal, Mike Wallace ist der einzige Receiver auf dem Feld und zur Rechten der Formation als Split-End aufgestellt. Die Steelers geben den Chiefs mit ihren Extra-Linemen und der engen Formation einen Run-Look, den die Chiefs auch mit neun Mann in der Box entsprechend respektieren.

line of Scrimmage

@NFL-Gamepass

Der Playcall der Steelers ist trotz des hefitgen Run-Looks ein Passspielzug mit maximaler Protection. Acht Mann kümmern sich ausschließlich um den Schutz von Quarterback Ben Roethlisberger, Tight End Heath Miller und der schon angesprochene Wallace sind die einzigen eingeplanten Anspielstationen. Die Routen sind eine Crossing Route für Miller und ein Double Move für Wallace, der in der allgemeinen Terminologie Post-Corner genannt wird (Route beginnt in Richtung Goalpost, aber es gibt einen zweiten Richtungswechsel richtung Ecke der Endzone). Das Play ist recht simpel und schnell zu lesen, Roethlisberger hat drei Optionen:

  1. Blitzen die Linebacker bestraft er sie mit einem schnellen Wurf zu Miller auf der Shallow-Cross-Route.
  2. Ist dies nicht der Fall, wendet er sich zu Wallace, simuliert einen Wurf auf der Post-Route („Pump Fake“), hofft dass sein Verteidiger sich davon verwirren lässt und wirft zu Wallace in die Ecke der Endzone.
  3. Sollten die Linebacker nicht blitzen und der Cornerback nicht auf den Fake anbeissen, muss Ben den Ball ins Aus werfen, den Spielzug abhaken und zum nächsten übergehen.

Soweit zur Theorie. Wie ist es aber nun in der Praxis abgelaufen? Hier die Situation direkt nach dem Snap:

Snap

@NFL-Gamepass

Ein Blick aus dem Augenwinkel reicht Ben, um zu sehen dass Option 1 gestorben ist, Miller wird links von Corner und Outside Linebacker in die Zange genommen und in der Mitte warten noch zwei Inside Linebacker, die nicht blitzen. In der Mitte schielt Safety Eric Berry ins Backfield auf Running Back Jonathan Dwyer, was Mike Wallace outside ein 1 on 1 gegen Cornerback Brandon Flowers verschafft. Ein Wort zu Flowers: Verdammtnochmalgutundzwarsorichtigwennnichtsogareinerderbestenderliga! Das 1 on 1 auf der rechten Seite ist der optimale Look für den Double Move und so führt Big Ben den Pump Fake aus.

drop-back

@NFL-Gamepass

Brandon Flowers (roter Kreis) hat schon ein paar Double Moves gesehen in seinem Passverteidiger-Leben. Dieser spezielle schafft es sehr zum Unbehagen der Steelers nicht ihn aus der Fassung zu bringen. Er klebt an Wallace wie eine Schmeissfliege an einer Windscheibe und scheint den Pittsburghern den Spielzug mit seiner Aufmerksamkeit versaut zu haben.

Dann kommt dieser Moment. Roethlisberger ist nicht bereit, das Play aufzugeben und er weiss um Wallaces Speed. Und so entscheidet er sich für eine Mischlösung aus Option 2 und 3. Er wirft den Ball eigentlich weg. Er wirft ihn aber an einen Ort an den Wallace mit übermenschlichem Einsatz eventuell erreichen könnte. Und genau von so etwas wurden wir Zeuge Montag Nacht. Der Screenshot unten zeigt das Geschehen kurz nachdem Ben den Ball loslässt. Die rot gestrichelte Linie zeigt die Flugkurve des Balls. Bei genauem Hinsehen erkennt man sogar, dass Wallace zu diesem Zeitpunkt sogar noch hinter Flowers zurücklag auf dem Weg zum Ball.

roethlisberger pass

@NFL-Gamepass

The rest is history – Wallace macht einen un-glaub-lich-en Starting-With-One-Hand-and-ending-between-the-legs-Catch, der den Steelers den Ausgleich kurz vor der Hälfte bringt, und Brandon Flowers bleibt nichts anderes übrig, als ungläubig den Kopf zu schütteln. Der Wurf von Roethlisberger war allererste Sahne und klappt in dieser Form vielleicht in einem von zwanzig Versuchen. Aber was will man machen, wenn sich zu jeder Menge Können auch noch eine gewisse Portion Glück gesellt? – Einfach zuschauen und staunen, Brandon Flowers.

@SBNation.com


As just written, nochmal: Hardcount.wordpress.com.