Vor dem Sunshine Showdown 2012

Wenn heute um 21:30 Uhr in Tallahassee, Florida Kickoff-Zeit ist, erleben wir den ersten bedeutungsvollen Sunshine Showdown seit fast einem Jahrzehnt: Die #10 Florida State Seminoles spielen gegen die #4 Florida Gators, das Spiel zwischen zwei der drei großen Footballteams in Florida (das dritte sind die Miami Hurricanes).

Bobby Bowden Field at Doak Campbell Stadium

Bobby Bowden Field at Doak Campbell Stadium

F.S.U. und Florida sind mit Sicherheit nicht die Universitäten mit der größten Footballtradition, aber seit vielen bedeutungsvollen Kämpfen in den 1990er Jahren, wo es am letzten Spieltag häufig um den National Title ging, gehört der Sunshine Showdown (Sunshine wie Sunshine State wie Florida) zu den elektrisierendsten Angelegenheiten im College Football. korsakoff hat schon einmal eine Chronik der Ereignisse zusammengestellt.

Bloß: Aufregung kann man bei solchen Rivalrys stets viel machen, aber der richtige Thriller wird es nur, wenn auch was Richtiges auf dem Spiel steht. Im Fall von zwei so großen, reichen Programmen mit so großen Stadien und so vielen Fans landesweit heißt das: B.C.S.

Heute haben beide noch B.C.S.-Chancen, wenn auch nicht so große. #4 Florida ist in seiner Division hinter Georgia festgenagelt, weil man im direkten Duell den Ball nicht festhalten konnte. #10 F.S.U. spielt nächste Woche im A.C.C.-Finale gegen Georgia Tech, musste aber im Lauf der Saison eine Upset-Pleite gegen North Carolina State hinnehmen und hat dementsprechend nur noch B.C.S.-Chancen, wenn es heute einen hohen und überzeugenden Sieg gegen Florida gibt.

Das wird schwer, denn alle erwarten eine Abwehrschlacht. Florida State hätte zwar eine ansprechende Offense zu bieten, mit dem Quarterback E.J. *schmacht* Manuel voran, aber Florida ist weit weg von den Fun-and-Gun-Tagen unter Steve Spurrier oder den Trillionen Option-Plays mit Tim Tebow. Die Gators wissen noch nichtmal, wer heute Abend Quarterback spielen soll: Jeff Driskel, der langweilige Starter, der kaum Fehler macht, oder der Backup Jacoby Brissett. Driskel ist auf jeden Fall immer noch halb verletzt.

So wird es auf ein enges Spiel hinauslaufen, in dem die Abwehrreihen dominieren. Da kann der deutsche Defensive End Björn Werner glänzen und den Scouts sein Talent für den NFL-Draft unter Beweis stellen. Die Offensive Line von Florida gilt als leicht überwindbar und kassiert im Verhältnis viele Sacks.

Dazu kommt die Formkurve, die bei F.S.U. nach oben zeigt und bei Florida nach unten: Vor zwei Wochen wurde Jacksonville State aus der F.C.S. nur mit Hängen und Würgen geschlagen, damit man heute überhaupt noch eine Titelchance hat.

Es wird eine große Footballnacht, und nicht wenige trauen den Noles die kleine Überraschung zu.

GO NOLES.

Rivalry-Weekend 2012, der Samstag

Los geht der lange Tag ab 10h mit dem Tape vom Donnerstagsspiel, #16 TexasTCU, dem „Nachfolger“ vom eingestellten Lone Star Showdown zwischen Longhorns und Texas A&M Aggies. Texas (8-2) hat noch Außenseiterchancen auf eine BCS-Bowleinladung, die aber angesichts der beiden katastrophalen Schlappen gegen WVU und vor allem Oklahoma ein Witz wäre. Zuletzt soll sich wenigstens die absurde Defense verbessert haben (tiefer ging eh nimmer). TCU gehört mit 6-4 zu den kleinen Enttäuschungen, erlebte auch ein ungutes Jahr inklusive Quarterback-Rauswurf (Pachall kokste zuviel), und muss nun hoffen, dass an den Abwanderungsgerüchten, die den großartigen Coach Gary Patterson umgeben, nicht allzu viel dran ist.

Dann kommt der Abend.

18h – Ohio State Buckeyes – Michigan Wolverines

18h LIVE bei ESPN America

Wenn die beiden Flagship-Universitäten zweier benachbarter Bundesstaaten über 120 Jahre gegeneinander spielen, und die Rivalität immer noch nicht mehr als schlicht The Game getauft wurde, haben wir es mit Ohio State – Michigan zu tun, die beiden Aushängeschilder der Big Ten Conference, Kontrahenten im Spiel, das im Nordosten der Vereinigten Staaten als beste College-Rivalität überhaupt gesehen wird.

Die Ausgangslage ist heute muddy: Michigan kann abhängig von dem, was Nebraska gestern gespielt hat (ich weiß es noch nicht), noch ins BigTen-Finale schlüpfen. Ohio State wird aufgrund der Bowl-Sperre sein letztes Saisonspiel bestreiten, kann aber eine der leisesten „perfect seasons“ ever abschließen und danach sechs Wochen lang hoffen, dass wenigstens die AP den National Title nach Columbus vergibt.

So gut war Ohio State diese Saison vielleicht nicht, aber in der Debütsaison vom Starcoach Urban Meyer wurde nach einem schwachen Übergangsjahr 2011 wenigstens die Grundlage für eine solide Zukunft geschaffen, u.a. um eine starke Defense und den überzeugenden QB Braxton Miller.

Michigan ist mit 8-3 dagegen eher eine Enttäuschung, wobei – wie im Sommer schon geschrieben – der Schedule auch nicht einfach war und Coach Brady Hoke weiters auf das Verletzungspech von QB Denard Robinson (Ellbogen) verweisen kann. Das ging so weit, dass zuletzt der unerfahrene QB Devin Gardner aufgeboten wurde, während der Supersprinter Robinson mit seinem verletzten Wurfarm eben zum Starting-Running Back für den ebenso verletzten Einser-RB Fitzgerald Touissant umfunktioniert wurde! Gegen eine schnelle, physische Front-Seven dürfte Robinson aber zumindest teilzeitlich als Quarterback aufgestellt werden.


Ebenso ein 18h-Spiel ist die Rivalität „Clean, Old-Fashioned Hate“ zwischen #3 Georgia Bulldogs (10-1) und Georgia Tech Yellow Jackets (6-5), die morgen ab 9h30 bei ESPNA aufgzeichnet wird. Beide sind in ihren Conferences jeweils bereits für die Finals qualifiziert (wenn auch nur schedule- bzw. sperrenbedingt), weswegen es für Georgia allein darum geht, sich im BCS-Rennen schadlos zu halten, um eventuell nächste Woche mit einem Upset über Alabama noch die BCS zu stürmen. Georgia Tech ist mit seiner ungewöhnlichen Flexbone-triple option Offense von Paul Johnson sowieso ein ständiger Hingucker.

Wasses nur im ESPN-Player zu sehen gibt: Tennessee – Kentucky, die beiden Erzfeinde mit Interimscoaches, und Virginia – Virginia Tech. Dazu steht der schwache Backyard-Brawl-Ersatz Pitt-Rutgers an.

21h30 – Alabama Crimson Tide – Auburn Tigers

21h30 LIVE bei ESPN America

Da könntest du kotzen. Parallel läuft FSU-Florida, und ESPNA bedient sich des gigantischen Mismatches #3 AlabamaAuburn („Iron Bowl“). Nicht dass wir uns falsch verstehen: Diese beiden Nachbar-Unis aus dem Bundesstaate Alabama sind seit Jahrzehnten in inniger Feindschaft vereint und lieferten schon viele legendäre Duelle, zuletzt das Spiel der Spiele vor zwei Jahren.

2012 wäre aber selbst eine „knappe“ (2-3 TD) Niederlage von Auburn schon eine Überraschung, nachdem Auburn einen unterirdischen Herbst spielt und nun möglicherweise von innen heraus NCAA-Ermittlungen wegen Recruiting-Verletzungen angezettelt hat, um den Meistercoach von 2010, Gene Chizik, einen der teuersten Cheftrainer überhaupt, ohne Abfindung feuern zu können.

Während der Gegner mit sich selbst beschäftigt ist, zieht Alabama mit einem Sieg ins SEC-Finale nächste Woche in Atlanta ein, wo man wiederum um das BCS-Finalticket gegen Georgia spielt. Dass es heute ein Sieg wird, daran zweifelt niemand.

Im College ist immer ein Upset möglich. Immer, außer in diesem Spiel.


Zu den weiteren Spielen um 21h30. Das Parallelspiel #10 Florida State#4 Florida („Sunshine Showdown”) wird bei uns noch im Laufe des Tages schon in einem Lagebericht aus erster Hand abgearbeitet.

Bei EUROSPORT2 gibt es live MinnesotaMichigan State, wobei sich letztere mit ihrer großartigen Defense, aber inexistenten Offense noch durch die Hintertür für die Bowl Season qualifizieren können (Spartans sind tatsächlich auf 5-6 abgeschmiert!).

Das „Bedlam“-Derby #13 Oklahoma (8-2) – #21 Oklahoma State (7-3) hat Implikationen auf die Big 12, da Oklahoma noch eine kleine Chance auf den Titel hat (wenn K-State nächste Woche abschmiert) und bietet einen von den drei neuen Cowboys-Quarterbacks auf, die für viel Furore gesorgt haben sollen.

Das wichtigste Spiel um die Uhrzeit ist aber der „Civil War“ (Theorie dahinter hier), #15 Oregon State Beavers#5 Oregon Ducks ab 21h aus Corvallis: Oregons famose Offense kämpft um die letzte Chance in Pac-12 und BCS. Die Tie-Breaker Situation ist kompliziert und ich habe versucht, sie irgendwie verständlich in Worte zu fassen. Das Spiel ist hierzulande nirgendwo auf richtigem Weg zu sehen, nachdem sich „drüben“ das Pac-12 Network damit zu profilieren versucht.

Um Mitternacht

Sofern Oregon gewinnt, muss es ab 0h30 nach Pasadena schielen, wo die #17 UCLA Bruins #8 Stanford empfangen – Oregon hat nur mit eigenem Sieg plus Stanford-Niederlage noch eine Finalchance. Verliert Oregon, geht es bei UCLA-Stanford nur noch um das Heimrecht im Pac-12 Finale nächste Woche. (Oregon hätte im Finale immer Heimrecht) Ich halte UCLA-Stanford für ziemlich offen, nachdem UCLA zwar einen famosen RB in Jonathan Franklin aufweist, aber Stanford als Gesamtes irgendwo mehr einschüchtert. Spiel ist nicht im ESPN-Player, weil in den Staaten auf FOX.

Ab 01h im ESPN-Player: #11 Clemson (10-1) vs. #12 South Carolina (9-2), eine Partie mit vielen Verbalscharmützeln im Vorfeld (höhö, ist auch Steve Spurrier mittendrin und nicht nur dabei). Für die Gamecocks ist die Saison in Sachen BCS nach zu vielen Verletzungen mal wieder gegessen, während die Super-Offense der Clemson Tigers um QB Tajh Boyd mit einem überzeugenden Sieg durchaus noch ein Kandidat für einen attraktiven „at-large“-Bid in der BCS werden könnte – vielleicht gar ein attraktiveres Spiel als das ACC-Champ bekommen wird (der spielt in der Orange Bowl höchstwahrscheinlich gegen eine Gurkentruppe aus der Big East).

02h – USC Trojans – Notre Dame Fighting Irish

02h LIVE bei ESPN America

Die Dramaturgie an diesem Samstag will es, dass der Abend im Spiel der #1 Notre Dame Fighting Irish kulminiert, die bei den USC Trojans zum allerersten Mal ihren Einzug ins BCS-Finale fixieren können, um zum ersten Mal seit über zwei Jahrzehnten um den Landesmeistertitel zu spielen.

Notre Dame ist nicht irgendein Team. Notre Dame ist in den Staaten Legende, Sitz vieler gewonnener National Titles und Heisman Trophys und Heimat etlicher berühmter Charakterköpfe und Traditionen – und Notre Dame ist die landesweit bekannteste Katholikenuniversität. Notre Dame ist immer ein Gesprächsthema, selbst nach 20 Jahren Siechtum, hat auch hierzulande noch beträchtliche Anhängerschaft.

Seit das Offensivgenie Brian Kelly vor drei Jahren aus Cincinnati geholt wurde, bieten die Fighting Irish eine dominante Defense (sic!) auf, inklusive Quarterback-Problemen in der Murmeltierschleifen, die jedes Jahr viel versprechende Saisons den Bach runtergehen ließen. Diesmal nicht so: Der meistens eingesetzte Freshman-QB Everett Golson vermied die größten Bolzen, und ansonsten reichten die Stoßgebete für die Erzengel, um Thriller um Thriller fast ohne Offense zu gewinnen.

Eine Hürde steht noch aus: Der größte, älteste Rivale von Notre Dame, die USC Trojans, seit 90 Jahren gegeneinander um die Jewelled Sillabaugh spielend, und mit vielen Mythen um das Zustandekommen der in den 20ern doch recht ungewöhnlichen Cross-Country-Rivalität umrankt. Nun ist Notre Dame bizarrerweise genau in der Position, in der eigentlich die #1 in der Preseason, der heutige Gegner USC, hätte sein sollen.

Doch die Trojans von Kotzbrocken-Head Coach Lane Kiffin, kamen nie richtig auf Touren, sind 7-4 und verloren letzte Woche sogar das sicher geglaubte Finalticket für die Pac-12. Was bleibt, ist die Aussicht, dem Erzfeind den BCS-Traum zu versauen.

Das Unterfangen beginnt nicht gut: QB Matt Barkley wird ausfallen und durch den Grünschnabel Max Wittek ersetzt – gehypter Highschool-Star, aber noch keine zehn Pässe am College geworfen.

Wittek kann zwar auf zwei Wide Receivers von landesweitem Ruf bauen (Robert Woods/Marquise Lee), aber gegen eine Front-Seven um Manti Te’o wird es zu einem nicht einfachen Unterfangen, überhaupt die Pässe loszuwerden. Te’o ist der Mann mit der #5, ein Linebacker und Leadertyp par excellence, der gut genug spielt, um möglicherweise als erster reiner Defensivspieler die Heisman Trophy abzustauben.

Notre Dame ist Favorit, nicht zuletzt aufgrund der schwachen Defense von USC. Aber Vorsicht: Notre Dame war heuer oft Favorit, und wackelte schon gegen sehr viel wackeligere Gegner als Southern Cal mehrfach bedrohlich…