Schwarze unter Schwarzen

korsakoff machte mich drauf aufmerksam, dass ESPN America am Sonntag um 8:30 Uhr eine Aufzeichnung aus der Football Championship Subdivision (FCS), der „zweiten Liga“ im College Football bringt: Das Finale der Southwestern Athletic Conference (SWAC), Jackson State TigersArkansas-Pine Bluff Golden Lions.

Die SWAC ist ein Verbund von zehn sogenannten HBCUs (Historical Black Colleges and Universities), Universitäten aus dem 19. Jahrhundert bis hin zur Zwischen- und Nachkriegszeit im 20. Jahrhundert, die vor allem im Bible Belt und dessen Umgebung („Slave States“) gegründet wurden, um der schwarzen Bevölkerung – damals noch eine unterdrückte Rasse – die Möglichkeit zur universitären Ausbilung („terziäre Bildung“) zu geben.

Mit den Gleichberechtigungsbestreben, die in den Staaten spätestens seit den Ikonen Martin Luther King oder Malcolm X stark auf die Agenda gerufen wurden, verlor die Bedeutung von HBCUs teilweise von ihrem ursprünglichen Gedanken, und es gibt heute vereinzelte HBCUs mit über 50% nicht-schwarzen Studenten.

Nicht so in der SWAC, wo kein Conference-Mitglied die 10% an nicht-Afroamerikanern im Studentenkorpus knackt. Nicht nur deswegen gilt die SWAC als das Aushängeschild der HBCU-Conferences: Die Spiele sind auch richtig gut besucht. Als in den 1990er Jahren der spätere NFL-MVP Steve McNair als Phänomen durch den Süden geisterte, hatte dessen Uni Alcorn State traumhafte Zuschauerzahlen, und die SWAC über 22.000 Zuschauer pro Spiel (in etwa vergleichbar mit der Serie A im italienischen/europäischen Fußball 2011/12).

Seither sind es etwas weniger, aber die SWAC führte 33 Mal in den letzten 34 Jahren die Zuschauertabelle der FCS an (2010/11 mit 13.000 Zuschauern pro Spiel). Jackson State hat ein Heimatstadion mit 60.000 Plätzen, das nicht selten recht gut gefüllt ist:

Mississippi Veterans Memorial Stadium der Jackson State University

Mississippi Veterans Memorial Stadium der Jackson State University

Die SWAC ist auch deswegen eine besondere Conference, weil sie sich beharrlich weigert, an den FCS-Playoffs teilzunehmen, nicht wie die berühmte Ivy League aus akademischen Gründen, sondern aus politisch-historischen – was auch andere HBCU-Conferences an der SWAC immer wieder kritisieren. Bisher konnte sich das selbst auferlegte Playoff-Embargo aber halten.

Dafür spielt sie ihren Meister eben selbst aus. Jackson State (7-4, 7-2 Conference) ist trotz der schwächeren Bilanz (Arkansas-Pain Bluff 9-2, 8-1) favorisiert. Nochmal: Sonntag um 8:30 gibt es das Tape aus Birmingham/AL.

Überbewertet/Unterbewertet: RGIII, Laufspiel, Clutch

Dies ist ein langer Eintrag. Es geht um Robert Griffin III; Quarterbacks on 3rd Downs; warum Andrew Luck besser ist als RGIII; die angebliche passing league, den Shanaclan und Komplexität; und clutch. Wer dafür bereit ist: lesen nach dem Klick. Weiterlesen