Überbewertet/Unterbewertet: RGIII, Laufspiel, Clutch

Dies ist ein langer Eintrag. Es geht um Robert Griffin III; Quarterbacks on 3rd Downs; warum Andrew Luck besser ist als RGIII; die angebliche passing league, den Shanaclan und Komplexität; und clutch. Wer dafür bereit ist: lesen nach dem Klick.

Ich halte Robert Griffin für überbewertet. Das ist jetzt kein besonders spektakulärer Gedanke, denn immer, wenn ein Spieler wie aus dem Nichts mit einer (scheinbar) großartigen Saison um die Ecke kommt und von fast Allen gefeiert, gibt es immer ein paar Besserwisser, die behaupten, daß das ja nur wegen dem glücklichen Umstand X oder der fortunischen Fügung Y so ist, und „man ja wohl sieht„, daß er sooo gut gar nicht ist.

Dieser Artikel vom großartigen Indianapolis-Colts-Fanblog coltsauthority.com hat mir jetzt dafür aber einige gute Statistiken an die Hand gegeben. Es geht um „Conversions on 3rd Down„. Also um dritte Versuche, die zu einem neuen First Down führen.

RGIII macht nur aus jedem dritten 3rd Down einen neuen Ersten (natürlich nicht nur Griffin allein, sondern die ganze Mannschaft. Aber für diese Diskussion konzentrieren wir uns auf die QBs).

Die Top-10 dagegen lesen sich wie ein Who-is-Who (playoff-)erfahrener Recken: Auf Platz 1 Tom Brady mit absurd guten 52% Conversions (wie gesagt: nicht Conversions in Sinne von vollständigen Pässen, sondern neuen 1st Downs); es folgen Roethlisberger, Peyton Manning, Matt Ryan, Andrew Luck, Aaron Rodgers, Tony Romo, Matt Hasselbeck, Jay Cutler und Drew Brees.

Alles Typen, die die schon viele Jahre und Playoffsiege auf dem Buckel haben. Eine kleine Ausnahme ist Matt Ryan; der verhältnismäßig jung ist und noch kein Playoffspiel gewonnen hat. (Was das über ihn aussagt und auch nicht aussagt, hat Bill Barnwell hier schön auseinandergenommen). Aber die krasse Ausnahme hier ist Rookie Andrew Luck. Mit 47% Conversions macht Luck fast aus jedem zweiten 3rd Down einen neuen Ersten. Wow.

Auf der anderen Seite, in der zweiten Hälfte der 38 Quarterbacks, sieht man fast nur junge oder sehr junge Quarterbacks. Es ist tatsächlich erschreckend, wie deutlich die obere Hälfte von alten Recken dominiert wird und wie deutlich die untere Hälfte von Grünschnäbeln. Von den unteren 20 QBs kann man nur vieren einige Erfahrung attestieren. Die 20 unteren sind: RGIII, Christian Ponder, Cam Newton, Philip Rivers, Brandon Weeden, Carson Palmer, Josh Freeman, Joe Flacco, Sam Bradford, Kevin Kolb, Jake Locker, Alex Smith, Nick Foles, Ryan Tannehill, Mark Sanchez, Brady Quinn, Andy Dalton, Blaine Gabbert, John Skelton und Chad Henne.

Weiter wird untersucht, wie viele Conversions die QBs bei 3rd&long, sprich mit mehr als acht Yards to go, machen. Es gibt ein paar Überraschungen, so ist Ponder plötzlich in der oberen Hälfte und Peyton Manning in der unteren, aber Einer sticht heraus: Griffin. Er ist mit 11 1st Downs bei 64 3rd&longs Vorletzter, eingeklemmt zwischen der wenigen schmeichelhaften Konkurrenz von John Skelton und Blaine Gabbert. (Ich habe hier nur die Statistiken referiert, die inklusive Scrambles sind, coltsauthority hat auch die Statistiken ohne scrambles, da ist RGIII erwartungsgemäß noch viel schlechter. (Man lese bitte den Artikel von coltsauthority, denn der hat das auch graphisch, was immer mehr Eindruck macht als nur Bleiwüste.)

Mein erster Gedanke nach dem Lesen war: super! Endlich ´ne Statistik gefunden, in der Bob Griffin schlecht wegkommt. Ego befriedigt.

Dann kam mir aber gleich ein anderer Gedanke: warum sieht Griffin dann trotzdem so gut aus? Und die naheliegendste Erklärung ist: gutes Laufspiel der Redskins. Das Laufspiel ist bei ersten und zweiten Versuchen so gut, daß Griffin überhaupt weniger 3rd Downs ausspielen muß. Die Redskins hatten dieses Jahr 34 weniger 3rd Downs zu spielen als die Colts. 3rd&longs hatte RGIII 64 und Luck 78. Griffin hat dabei 11 neue 1st Downs rausgeholt, Luck 35 (!).

In absoluten Zahlen: der zweitbeste QB in dieser Statistik, Matt Stafford, hat 25. Und prozentual mit 45% ist Luck der beste „3rd&long-QB“ der Liga.

Aber zurück zum Laufspiel-Gedanken: in einer angeblichen „passing league“ hilft das sehr gute Laufspiel in den early downs RGIII so sehr, daß kaum jemand Luck für den besseren QB hält. Um die Behauptung des wichtigen Laufspiels zu untermauern: die Houston Texans, die ebenso ein ziemlich gutes Laufspiel in den early downs haben, stehen offensiv auch verdammt gut da, obwohl QB Matt Schaub sich in den 3rd-Down-Kategorien im Mittelmaß oder schlechter befindet.

Ist das Laufspiel also doch viel wichtiger, als es uns die pundits immer glauben machen wollen?

Daran anschließend ist mir noch eine andere Überlegung gekommen. Den Gedanken mit Washingtons Laufspiel zu Ende gedacht: hieße das nicht zu sagen, Mike und Kyle Shanahan sind sehr gute Trainer? Mit meiner sturköpfigen „Ich-glaube-keinen-Statistiken“-Attitüde würde ich das natürlich niemals unterschreiben, aber es bringt mich zum Nachdenken. Vielleicht sind sie es doch. Um mal die ganz große Pathos-Keule rauszuholen: man sollte seine Überzeugungen niemals absolut setzen. Man sollte immer für andere Einflüsse, Argumentationen, Meinungen, Statistiken, Behauptungen offen sein und sein eigenes Urteil einer ständigen Überprüfung unterziehen. /Pathos aus.

Ein ähnliches Gefühl hatte ich vor einigen Tagen auch bei der Diskussion um den Close-Game-Index. Ich gehe ja völlig d´accord bei der Behauptung, daß Siege in knappen Spielen keine Prognosefähigkeit aufweisen. korsakoff beweist das mit seinen Einträgen ja auch immer wieder. Trotzdem behaupte ich immer noch, daß es so etwas wie „clutch“ gibt.

Es gibt einfach Spieler, die unter Druck „besser“ spielen als andere. Es ist ja nicht nur im Sport so, daß einige Menschen unter Druck schlechtere Leistungen bringen, als sie eigentlich in der Lage wären. Ich hab Schüler und Studenten erlebt, denen schon der Druck, vor 20 anderen Menschen ihre eigenen Gedanken zu präsentieren, sprichwörtlich die Sprache verschlagen hat. Jeder kennt Menschen (vielleicht sogar sich selbst), die in Prüfungssituationen nicht mal die Hälfte ihres Wissens (sprich: Leistung) abrufen können. Andererseits gibt es Menschen, die halb ahnungslos in mündlichen Prüfungen plötzlich eine „Performance“ abliefern, die einen derartig überzeugenden Eindruck hinterlassen, daß das eigentliche Wissen nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Um in Sachen „clutch“ wieder auf das überstrapazierte Beispiel Eli Manning zu kommen. 1) Ich behaupte, Eli kann in großen Drucksituationen sein gesamtes Leistungsvermögen abrufen (manchmal sogar noch mehr). 2) Ein Teil seiner clutchness besteht darin, daß er sich nicht, scheut Risiken einzugehen.

Risiken eingehen bedeutet aber auch, die (statistische) Varianz zu erhöhen. Daher kommt es auch, daß er in einem bestimmten Spiel/Monat/Saison mal sehr gut aussieht – und mal wie ein Idiot. Nichtsdestotrotz hätte ich einen mutigen Manning hundertmal lieber in meinem Team, als einen Alex Smith, der sich gar nichts traut (natürlich auch: sich nichts traut, weil er gar nicht so gut ist). Zum „Typus“ Eli Manning und seiner Risikoaffinität sei dieser Artikel von Jason Lisk/The Big Lead empfohlen: Eli Manning´s Foolish Interceptions.

Varianz ist sowieso meiner Meinung immer noch ein Thema, das zu wenig Beachtung findet. Dabei taucht es – meist unausgesprochen – immer wieder in den Diskussion um ausgepielte/nicht-ausgespielte 4th Downs, FGs und 2-pt-Conversions auf.

Besonders Grantland´s Bill Barnwell weist immer wieder darauf hin, daß  schlechte Coaches über Sieg und Niederlagen bestimmende Entscheidungen unnötig weit nach hinten schieben. Kurz gefaßt ist es so: je eher man eine „mutige“ Entscheidung trifft, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, den Ausgleich oder die siegbringenden Punkte zu erzielen. Desto größer ist aber gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, aus einem 3-Punkte- ein 10- oder aus einem 7-Punkte ein 14-Punkte-Rückstand zu machen.

Nur zur Illustration als Beispiel: 4th Down und 5 an Gegners 30-Yard-Linie bei 4-Punkte-Rückstand, Mitte viertes Viertel. Ausspielen bedeutet weiterhin die Chance auf den TD, aber auch Möglichkeit des Blowouts. I.e. vielleicht TD und Führung, vielleicht auch Turnover on Downs und 11-Punkte-Niederlage. Kickt man das Field Goal, ist die Wahrscheinlichkeit am größten, daß man mit einem Punkt Unterschied verliert. Die meistens Coaches spielen lieber – bewußt oder unbewußt – auf eine 1-Punkt-Niederlage mit der kleinen Möglichkeiten, vielleicht irgendwie doch noch zu gewinnen.

Diese Verhaltensweise ist übrigens auch ein Grund dafür, den Close-Game-Index nicht allzu ernst zu nehmen: tatsächlich ist es so, daß die meisten Coaches auf ein möglichst knappes Spiel hin coachen; und nicht, sich mutig „etwas zu trauen“, was die Chancen auf einen Sieg, aber auch die Chancen (Risiken) eines Blowouts erhöhen bedeutet. (Der Close-Game-Index ist nichtsdestotrotz einer der besten Statistiken, die es gibt. Das will ich gar nicht bestreiten.)

Gerade für das schlechtere Team ist es immer besser, „die Varianz zu spielen„, anstatt nur zu versuchen, das Spiel irgendwie scheinbar knapp zu halten. Zum Thema Underdogs&Varianz kann ich nur immer wieder den großartigen Artikel von Malcom Gladwell „When David beats Goliath“ empfehlen, plus die Diskussion beim immer lesenswerten Smart Football zu diesem Artikel. (Zu Chris Brown von SmartFootball: korsakoffs Hymne hier. Ich unterschreib das genau so.)

Quintessenz: scheinbar sicher meint meistens nur: sicher das Spiel den Zahlen nach knapp halten; aber nicht: die Chance auf den Sieg erhöhen.

Was will uns der Autor mit diesen Gedanken sagen? Keine Ahnung.

Ich will damit gar keine große Diskussion anstoßen, oder irgendein statistisches Modell oder die anmaßende „I go by what I see„-Methode loben oder schlechtreden. Mir ist nur bei diesen Gedanken wieder Mal aufgefallen, wie komplex American Football ist und daß das genau der Grund ist, warum Football so großartig ist.

(Und irgendwann schreib ich für alle unseren pöbelnden Studenten mal einen Eintrag, der als Aufhänger Karl Poppers Bedeutung der Falsifizierbarkeit und Niklas Luhmanns Möglichkeiten der Komplexitätsreduktion in den Mittelpunkt stellt. Denn das sind bei allen Statistiken, bei allen Behauptungen, bei allen Agrumenten, bei allen Beobachtungen, die Dinge, die niemals fehlen: Falsifizierbarkeit und Komplexität.)

11 Kommentare zu “Überbewertet/Unterbewertet: RGIII, Laufspiel, Clutch

  1. RG3/Luck:
    Ich kann dir in vielen Punkten hier zustimmen. Gerade das Laufspiel der Redskins von Morris bringt Griffin einen riesen Vorteil.
    Über die 3rd down conversions lässt sich nicht streiten.

    Aber:
    Spielentscheidend sind immer noch die Turnovers:

    „NFL teams that win the turnover battle are:
    5478-1477-14 (.787) since 1978
    2170-558-3 (.795) since 2000
    106-30-1 (.779) in 2012“
    -patriots.com-

    Und da produziert Luck wesentlich mehr (25 Luck/14 Griffin).
    Ich denke, der Grund für Tom Bradys letzten MVP-Titels ist das 36-4 TD-TO-Verhältnis aus jener Saison.
    Das ist für mich noch ein entscheidendes Kriterium, um einen Quarterback zu bewerten.

  2. Ich gebe zu bedenken, dass Scramble-QBs (z.B. Vick, Vince Young, Tebow, McNabb) historisch gesehen schon per se für bessere Zahlen ihrer Running Backs sorgen, vielleicht, weil eine Defense gegen sie etwas weniger aggressiv spielt. Das wäre also ein unbewusster Punkt, der für und nicht gegen RG3 spricht.

    Des Weiteren ist es zwar beeindruckend, wenn eine Offense extrem viele 3rd downs verwertet. Aber noch besser ist, es erst gar nicht zu 3rd downs (und noch besser: zu wenigen langen 3rd downs) kommen zu lassen. RG3 und die Redskins-Offense scheinen das bis dato exzellent zu machen (nur 100 Pass-3rd downs vs. Indy 147).

    Es scheinen beide mit ihren Methodiken Erfolg zu haben: Colts/Luck marschieren beständiger, Redskins/RG3 sind explosiver, riskieren aber den einen oder anderen zu Boden fallenden Pass mehr. Beide Offenses punten pro Drives fast gleich oft (IND 38.8% der Drives, #6, WAS 39.2%, #9), aber Washington trotz des größeren Risikos mit viel weniger INTs (4.6% der Drives enden so, #2, IND 11.9%, #31).

    Die Success-Rate von Drives (Erfolg = nach einem 1st folgt ein weiterer 1st down oder TD) gibt weitere Aufschlüsse: Obwohl RG3 unterirdisch in 3rd downs sein soll, und Luck einer der besten seit Erfindung der Weißwurst, ist Washington mit 72.2% Erfolgsrate nur 0.4% schwächer.

    Natürlich hängt Laufspiel damit zusammen (die Colts habe ich nicht angeschaut). Aber die Historie legt nahe, dass Scramble-QBs da ihre Hände mit drin haben.

    Fazit: Beide Offenses funktionieren trotz unterirdischer Starting-Feldpositionen (IND #32, WAS #25) exzellent, und die Quarterbacks sind wichtige Hauptgründe dafür.

    1) Ich behaupte, Eli kann in großen Drucksituationen sein gesamtes Leistungsvermögen abrufen (manchmal sogar noch mehr)

    Es mag stimmen, aber die Zahlen geben keinen Nachweis, dass Manning in engen Spielsituationen gegen Spielende merklich bessere Resultate als andere Quarterbacks/Teams einfährt. Weil es in der NFL dann eben gegen andere „Clutch“-Teams geht, sodass der „Clutch“-Faktor darauf hinausläuft, wer im rechten Moment den Ball hält udgl.

    Vielleicht könnten wir bei entsprechender Testmenge (sagen wir 100 oder 1000 Spiele) einen Trend erkennen. Nicht aber bei 6-10 Spielen pro Saison; für diese Testmenge ist der Ausgang von knappen Spielen größtenteils Glück. „Leider“ (Colts und Tebow wenden ein: gottseidank) sind diese 6-10 Spiele gleichzeitig zirka die Hälfte einer Saison.

    Manning hat natürlich das Glück, dass seine clutchigsten Clutchspiele zufällig die beiden größten Spiele seiner Karriere waren, die beide unter bizarren Umständen gewonnen wurden. Soll Manning nicht schmälern, aber wenn bloß zwei Plays anders laufen, ist Brady ein fünffacher Champ, Manning ein ewiger Loser und die Wahrnehmung der Massen eine diametral andere.

    Risiko/Varianz (die mehrmals thematisierte „Verteilung“) sind wichtig, aber warum spielt Alex Smith ängstlich? Weil sich die 49ers es leisten können. Als Favorit muss man keine Underdog-Strategie fahren. Schon gar nicht, wenn der eigene Quarterback limitiert ist.

    Natürlich ist Football ein kompliziertes Spiel mit so vielen Variablen, dass sich eine exakte Modellierung nicht realisieren lässt. Diese Komplexität führt zu extremen Schwankungen, deren Auswirkungen sich in der kurzen Saison (respektive in den wenigen Spielzügen eines Spiels) nicht gänzlich ausgleichen lassen.

  3. Des Weiteren ist es zwar beeindruckend, wenn eine Offense extrem viele 3rd downs verwertet. Aber noch besser ist, es erst gar nicht zu 3rd downs (und noch besser: zu wenigen langen 3rd downs) kommen zu lassen. RG3 und die Redskins-Offense scheinen das bis dato exzellent zu machen (nur 100 Pass-3rd downs vs. Indy 147).

    Genau; darum glaube ich mittlerweile auch, daß die Shanahans ziemlich gute Coaches sind. Sie schaffen es, Griffin in für ihn „angenehme“ Spielsituationen zu bringen. Sie machen es ihm so leicht wie möglich und geben ihm die Möglichkeit, spektakuläre Big Plays zu machen.

    Aber die Vergangenheit hat auch gezeigt, daß schlechte „3rd Down QBs“ langfristig keinen Erfolg haben werden. Nachdem die anderen Teams genügend Film von Vick 2010 oder Newton 2011 hatten, ihren Erfolge in den early downs eindämmen konnten und die scrambling QBs wie „richtige“/traditionelle QBs spielen mußten, wurden ihre Schwächen offensichtlich. Ich halte RGIII für verdammt talentiert, darum traue ich ihm auch zu, sich in diesen Situationen zu verbessern. Und natürlich sorgt auch die Klasse von RGIII dafür, daß das Laufspiel so gut funktioniert.

    Nur glaube ich, daß bei RGIII, wie auch schon vorher bei Vick oder Newton (oder zum Teil auch bei Tebow), der „Wow-Faktor“ erhebliche Schwächen überdeckt. Schönes Beispiel dafür war das erste Spiel gegen die Giants, daß er am Ende fast gewonnen hätte. Dafür wurde er überall abgefeiert, aber kaum jemand hat auch darauf hingewiesen, daß er in der zweiten Hälfte zwei saudumme Turnovers hatte, ohne die das Spiel ganz anders ausgesehen hätte.

    Re Varianz:
    Ich meinte das eigentlich gar nicht auf ein gesamtes Spiel bezogen, sondern mehr auf bestimmte Spielsituationen. Es gibt einfach zu viele Coaches, „who play it safe“, um nicht dumm auszusehen. Ein sehr schönes Gegenbeispiel war der 3rd&long Call von San Francisco in den letztjährigen Playoffs gegen NO, als Alex Smith einen designed run hinter LT Staley in die Endzone trug. Das war ein sehr riskanter Call, und wenn Smith für minus drei Yards umgenietet wird, erklären so gut wie alle pundits den OC und Harbaugh für Vollidioten. Die meisten Coaches setzen in solchen Situationen auf Spielzüge, die weniger Katastrophenpotential, aber eben auch weniger Erfolgswahrscheinlichkeit haben.

    Ebenso wie Coaches, die kurz vor Schluß lieber ein FG kicken lassen, dann hoffen, daß sie das andere Teams in 3 Downs stoppen und hoffen dann selber noch einen Touchdown zu erzielen. Das ist in den meisten Fälle offensichtlich hoffnunglos. Aber sie tun es trotzdem, um das Spiel zumindest auf dem Papier knapp aussehen zu lassen. Menschlich ist das auch irgendwie verständlich: beim Feedbackgespräch im Januar interessiert den Owner dann nicht, ob es den Wahrscheinlichkeiten nach besser war, in Woche 10 drei Minuten vor Schluß den vierten Versuch auszuspielen. Der sagt dann einfach: du Trottel, da hast du auch mit zehn Punkten verloren!

  4. @korsakoff
    Es scheinen beide mit ihren Methodiken Erfolg zu haben: Colts/Luck marschieren beständiger, Redskins/RG3 sind explosiver, riskieren aber den einen oder anderen zu Boden fallenden Pass mehr. Beide Offenses punten pro Drives fast gleich oft (IND 38.8% der Drives, #6, WAS 39.2%, #9), aber Washington trotz des größeren Risikos mit viel weniger INTs (4.6% der Drives enden so, #2, IND 11.9%, #31).

    also meiner Meinung nach ist das vertikale Passspiel der Colts risikoreicher als jenes System das die Shanahans praktizieren lassen… außerdem hat Luck 530 Pass attempts zu RGIII´s 325, im Schnitt also 14 mehr pro Partie.

  5. Saudumme (zwei richtiggehend hirnlose INTs) Turnovers hatte auch Luck z.B. gegen Detroit. Auch die werden überdeckt, weil Luck am Ende noch gewonnen hat.

    Re: Shanahan. Natürlich ist das Spielsystem RG3-freundlich, aber nach dem, was man in der NFL so alles zu sehen bekommen hat, ist das nicht sooo selbstverständlich (hallo, Greg Knapp!). Und es muss umgesetzt werden. Das macht RG3 in den ersten Wochen so gut wie kein Scramble-QB vor ihm, selbst ohne nennenswerte Anspielstationen. Ob’s anhält? Wir werden sehen, aber von den Anlagen her ist RG3 bislang sicherlich der bestgeschliffene werfende Scramble-QB in der NFL.

    Ein paar Spielereien mit den Gamelogs:

    1st downs für die Indianapolis Colts dieses Jahr:
    287; 214 Passspiel, 170 Laufspielzüge (20.1% Conversion-Rate im ersten Versuch, 7.3 Y/A Pass, 4.0 Y/A Lauf); Luck verwertete 26.1% seiner Pässe im 1st down zum neuen 1st down.
    1st downs für die Washington Redskins:
    347; 146 Pass, 201 Lauf, (28.5%, 9.9 Y/A Pass, 5.0 Y/A Lauf (RG3-Scrambling: 5.2 Y/A); RG3 verwertete 38.7% seiner Pässe im 1st down zum neuen 1st down (55/142)

    2nd downs für die Colts:
    267 Plays, 169 Pass, 118 Lauf, (33.4%, 6.1 Y/A Pass, 3.7 Y/A Lauf)
    2nd downs für die Redskins:
    235 Plays, 114 Pass, 121 Lauf, (33.2%, 7.8 Y/A Pass, 5.3 Y/A Lauf (RG3-Scrambles 6.0 Y/A))

    Die Redskins-Offense macht die 1st downs eben in den frühen Downs. Sie ist laufspiellastiger, aber RG3 ist auch effizienter mit dem Werfen. Die Daten lassen ein bissl mehr Boom-or-Bust bei Washington vermuten, weswegen die 3rd downs trotz der exzellenten Verwertungsraten in den ersten Downs in Washington um einen halben Yards länger sind (7.93yds zu 7.44yds).

    Man werfe noch den Faktor Strenght of Schedule mit rein, der bei den Colts wirklich schwach ist, und RG3 schaut in den ersten beiden Downs sehr gut aus.

    Ich sehe auch nicht, warum zwingendermaßen ein Zusammenhang zwischen Scramble-QBs und schlechten 3rd down QBs bestehen sollte (weil oben bloß zwei schwarze Scrambler genannt werden). Dass solche Leute ausgeguckt werden können, ist klar. Aber RG3 sieht jetzt nicht wie ein QB aus, der sofort losläuft.

    Interessante Analyse gibt es auch bei Advanced NFL Stats. Fazit dort: Luck ist vor allem wertvoll, weil er in der Lage ist, 40+ Pässe zu werfen und in diesen Spielen sehr viel besser ist als RG3.

    In Sachen PlayCalling ist offensichtlich, dass Coaches wie normale Menschen agieren – risikoavers eben – selbst wenn die Zahlen eindeutig andere Schlüsse nahelegen würden. Es wird früher oder später ein Front-Office mit Head Coach geben, das sich traut, nach den Zahlen zu gehen, wie es im Baseball die Oakland Athletics erfolgreich machten. Die NFL hat aufgrund des Paritätsprinzips vermutlich bloß zu wenig „krasse“ Underdogs, die gezwungen sind, innovativ neue Wege zu gehen. (die MLB ist viel ungleicher verteilt und Oakland würde dort ohne Billy Beanes in-Game Strategien immer noch im unteren Viertel gurken)

    Re: Luck = risikoreicher
    Mag sein, aber trotz mehr Downfield-Passspiel ist die Conversion-Rate in den ersten beiden Downs schlechter und es braucht das dritte Down sehr häufig.
    INT-Rate Luck = 3.2%.
    INT-Rate RG3 = 1.2% (ca. ein Drittel)
    RG3s INT-Rate ist im Übrigen so gering, dass sie nach Regression zur Mitte schreit.

  6. Das liest sich ja alles wunderbar + weil es so schön ist hier noch ein paar aspekte von meiner seite , da wäre zum einen das jetzt die Phase beginnt wo du auf höchstem Level spielen must und das vorgeplengel vorbei ist ( schön natürlich wenn du da schon genug Punkte geholt hast ) Wie oft kam es vor das wildcards-Teams den Superbowl gewonnen haben , ich kann mich da an Denver , Packers oder die Giatns erinnern die alle in der letzten Phase der Saison , wo es darauf amkommt richtig aufgedreht haben !!! Also die Trainingsplanung mus stimmen und jetzt must du Fit sein !! Ich denke weiter , aus dem Bauch heraus , ein QB kann auch nur so gut sein wie seine WR , TE + RB , denn bei den Schweinsnasen ist mir doch aufgefallen das da viele drops vorkommen !!!! Wenn Victor Cruz auch unglaublich gut bei tiefen weiten Pässen ist , bei den kurzen , da hab ich doch auch schon viele trops gesehen ! Wohl auch dem QB , der über eine sehr gute O-Line verfügt . Natürlich , die Stats geben auch hilfreiche Infos , aber man mus schon genau abwegen und genau hinschauen , richtig interpretieren , um sie zu nutzen ! Was die Stats auch nicht berücksichtigen sind gute verletzte Spieler , die einen Team dann schon sehr fehlen ! RG3 hat auch die letzten spiele mit Sicherheit besser gespielt als zu beginn der Saison und wen er das Niveau hält wird man min den Skins rechnen müssen + na ja , logisch , wenn die Packers wieder alle Starspieler an Bord haben , dann rechne ich damit , das sie keiner mehr schlägt ! ( laut Statt sind die Packers im Dez immer besonders Stark ! )
    Mfg die Packersbrille Moser

  7. Wäre mal eine interessante Überlegung welcher Owner seine Franchise für einen „Moneyball“ Versuch hergeben würde. Ich hätte ja auf Oakland mit Al Davis getippt, aber so…

  8. IMHO ist es nicht abzusehen, weil es in der NFL nicht die krassen Underdogs gibt, die analog den A’s keine finanziellen Mittel haben.

    Detroit hatte die Chance, weil Schwartz als Wirtschaftswissenschaftler und pragmatischer Zahlenfreak galt. Hat sich aber im In-Game-Coaching nicht bewahrheitet.

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