Wenn Naturgesetze gebrochen werden

Das zweite Dezemberwochenende ist im College Football stets für zwei Ereignisse reserviert: Army gegen Navy und Heisman Trophy Presentation. Beides kommt heute bei ESPN America.

Kadetten gegen Kadetten

Das Spiel zwischen den beiden großen Kadetten-Ausbildungsstätten im Osten der Staaten (die Air Force ist in Colorado stationiert) ist alle Jahre wieder ein Spiel, bei dem viele Amerikaner den Fernseher einschalten, egal wie gut oder schlecht die beiden Mannschaften abgeschnitten haben: Army Black Knights gegen Navy Midshipmen wird entweder in Washington, Baltimore oder Philadelphia (diesmal: Philadelphia) ausgetragen und bietet jedes Jahr eindrucksvolle Bilder, wenn die Tribünen im Stadion mit Militärs gepflastert sind und CBS alle paar Minuten den US-Streitkräften und ihrer Wichtigkeit für Amerika und die Welt huldigt. Man kann es gut heißen oder nicht: Die Veranstaltung bekommt dadurch ein besonderes Flair, einen touch der Einzigartigkeit.

Während des Spiels fühlen sich die Zuschauer zurückversetzt in die Anfangsjahre des American Football, wenn beide Teams mit Laufspiel, Laufspiel und noch einmal Laufspiel die alten, glorifizierten Tage des Option-Footballs wieder aufleben lassen, sodass nicht vergessen wird, dass die beiden „Unis“ in der Gründungszeit des American Football wichtige Pioniersarbeit geleistet hatten und bis zum Aufstieg der University of Notre Dame in den 1920er Jahren mit die wichtigsten Eckpfeiler des American, und College, Footballs waren.

Das Spiel wird bei ESPN America am Abend um 21:00 MEZ live übertragen, und am Sonntag gibt es eine Aufzeichnung am Vormittag, 11:00 MEZ.

Heisman Trophy

Der zweite Höhepunkt ist die Verleihung der Heisman Trophy. Es gibt im College Football eine Reihe von mehr oder weniger offiziellen Auszeichnungen, Abstimmungen und Allstar-Berufungen. Dieses Jahr gewann mit Björn Werner zum Beispiel ein deutscher Spieler den Titel „ACC-Defensive Player of the Year“, eine Auszeichnung der Atlantic Coast Conference für ihren besten Abwehrspieler. Solche Preise sind meistens schnell vergessen. Was nie vergessen wird, ist die Heisman Trophy, deren Sieger auch fünfzehn Jahre später noch während NFL-Spielen erwähnt werden (irgendein wahlloses Spiel, Charlie Ward ist für drei Sekunden im Bild, und ohne Reaktionszeit erwähnt irgendein wahlloser Kommentator „Charlie Ward, former Heisman Trophy winner from Florida State“ usw.). Auch wenn Charlie Ward nie NFL gespielt hat.

Die Heisman Trophy ist der Preis für den besten Footballspieler der Saison, der sich auch mit seinem Verhalten für würdig für diese Verleihung erwiesen hat.

So zumindest die technischen Qualifikationskriterien.

In Wahrheit hat sich das Heisman-Komitee schon lange von diesen Idealen verabschiedet. Was zählt schon die Moral, wenn Cameron Newton alle Rekorde sprengt?

In Wahrheit, die zweite, wird die Heisman Trophy fast immer an einen Quarterback oder einen Running Back vergeben (nur 1998 gewann mit Charles Woodson mal ein Abwehrspieler).

Das dritte ungeschriebene Gesetz: Ein Freshman fällt immer unten durch.

Alle drei Regeln wackeln heute, denn die beiden Favoriten sind Johnny Manziel und Manti Te’o.

Manziel ist ein Freshman-Quarterback von der Texas A&M University, der mit seinem Spielstil die Massen begeisterte und auch den defining moment, der für die Amerikaner so wichtig ist, ablieferte, als er die Alabama Crimson Tide in deren Stadion zerlegte. Manziel lieferte mit einer gesalzenen Schlägerei inklusive Einbuchtung für eine Nacht im Sommer auch seinen Beitrag zum Bruch von Regel Nummer 1, aber man kann argumentieren, dass die richtige Saison da noch gar nicht begonnen hatte.

Solche Probleme hat Manti Te’o nicht. Der Linebacker von den Notre Dame Fighting Irish mit der Nummer 5 ist ein vorbildlicher Student und Athlet, der schon in jungen Jahren sehr gute Führungqualitäten hat und eine Inspiration für die University of Notre Dame ist. m

Te’o wäre auch eine emotionale Story, weil er während der Saison binnen von Stunden seine Großmutter und Freundin durch schleichende Tode verlor, und trotzdem sofort im Anschluss seinen Beitrag zu einem von 12 Siegen von Notre Dame leistete. Anderer Pluspunkt für Te’o: Sein Team spielt im National Championship Game.

Der womöglich entscheidende Faktor gegen Te’o könnte aber sein: Er ist kein Quarterback, und softe Faktoren zählen kaum, besonders nicht bei Defensivspielern.

Dem dritten Geladenen werden keine Chancen eingeräumt, was eigentlich schade ist: Collin Klein von Kansas State ist vielleicht der wichtigste von den drei Spielern für den Erfolg seiner Mannschaft. Leider hat Collin Klein ein besonders wichtiges Spiel verloren und in diesem Spiel versagt. Leider traut ihm auch niemand eine Chance in der NFL zu.

Da haben ihm die anderen zwei die Nase voraus.

Die Zeremonie soll bei ESPN America am Sonntag um 13:30 MEZ aufgezeichnet werden.