NFL Notizblock Woche 14 – Pats-D, Shanaclan, Cameron, Jets, Cards-O

Im Monday Night Game war für Houstons Laufspiel vor allem DT Vince Wilfork unüberwindlich. Der dicke Klotz, der schon lange kaum noch Nose Tackle spielt, sondern neben dem mehr als soliden DT Kyle Love die Mitte dicht macht, schien immer genau zu wissen, wo er seine 150kg plazieren muß. Bei diesem Spiel hat sich wieder einmal gezeigt, daß Bill Belichicks Front-7, wie schon seit Jahren, immer noch eine der diszipliniertesten der NFL ist. Es mögen nicht die besten oder athletischsten Spieler, aber ein Jeder macht seinen Job. Gegen zone blocking schemes und auch gegen diese wilden Laufspielzüge á la Washington Redskins haben solche disziplinierte Einheiten viel weniger Probleme als so ungeduldige Typen wie die DEs der Giants zum Beispiel. Nächste Woche kann New England das gleich wieder beweisen, wenn sie das das kreativste Laufspiel der Liga, das der San Francisco 49ers, aufhalten sollen.

Letzte Woche hab ich hier den Shanaclan abgefeiert, weil er so mutige und für den gewöhnlichen NFL-Coach untypische Entscheidungen trifft. Unkonventionelle Entscheidungen erhöhen die Varianz: die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs ist höher; aber auch die Wahrscheinlichkeit eines Katastrophenplays. Der QB-Draw mit Kirk Cousins für die erfolgreiche 2Pt-Conversion war wieder so ein Fall. Ein „gewöhnlicher“ Paß- oder Laufspielzug hätte mit dem Rookie, der kaum gespielt hat, weniger Aussicht auf Erfolg gehabt. Niemand hat damit gerechnet, daß ein typischer „RG-III-Spielzug“ folgt. Andererseits hätten alle auf die Shanahans eingeprügelt, wie man den so blöde sein kann, einen „RG-III-Spielzug“ für einen Kirk Cousins zu callen. Nice. Ich mag die Shanahans immer mehr.

You can fool some people sometime, but you can´t fool all the people all the time. Nun hat auch Baltimore HCs John Harbaugh das mäßige Spiel von Offensive Coordinator Cam Cameron durchschaut und ihn gefeuert. Angeblich freut das QB Joe Flacco. Noch mehr freuen sollte das aber RB Ray Rice, der unter Cameron weniger Läufe bekommen hat als ein Ben-Jarvus Green-Ellis oder ein Shonn Greene. Neuer OC wird nun Quarterbacks Coach Jim Caldwell.

Caldwell hat 2010, als HC der Indianapolis Colts, mit einer 14-0-Bilanz seine erste Mannschaft in Woche 16 gegen die 7-7-Jets geschont. Mit einem Sieg damals (und eine Woche später gegen die Bengals) sind die eigentlich schon sicher ausgeschieden geglaubten Jets unter Rex Ryan dann noch in die Playoffs gerutscht und dort bis ins AFC Championship Game vorgestoßen. Dieses Jahr scheint Gang Green (6-7) noch weiter von den Playoffs entfernt zu sein. Aber nach drei Siegen in den letzten fünf Spielen sind sie nur einen Sieg hinter den Bengals und den Steelers. New York muß seine letzten drei Spiele gewinnen, aber das sind nur matchups mit den Titans, Chargers und Bills, während Steelers und Bengals ein schwierigeres Restprogramm haben. Wie wärs mit einem Wildcard-Game zwischen Peyton Mannings Denver Broncos und Tim Tebows New York Jets?

Tebows Vorgesetzter, Mark Sanchez, kann es bei aller Graupenhaftigkeit sogar schaffen, nicht der schlechteste QB zu werden, der es in die Playoffs schafft. Diese Ehre würde Minnesotas Christian Ponder gebühren. Auch am vergangenen Wochenende hat der letztjährige 1st-rd pick wieder eine unterirdische Leistung abgeliefert: 11/17 für 91 Yards mit einer katastrophal schlechten Interception. Das war das dritte Mal in den letzten sieben Spielen, in denen er unter 100 Passing Yards blieb. Gegen Arizona in Woche 7 schaffte er mit 8/17, 58 Yards, 1TD und 2Int sogar einen negativen (!) Adjusted Yards/Attempt-Wert.

Das alles ist aber noch gar nichts im Vergleich zur sogenannten Offense der Cardinals. Bei 0-58 gegen Seattle haben sie den Hawks ein ums andere Mal die Punkte auf dem Silbertablett serviert oder gleich fast selber gemacht: INT-Return for TD, Fumble Return for TD; drei Sacks; vier verlorene Fumbles und vier Interceptions. Arizonas Angriff ist auf dem absoluten Tiefpunkt angelangt. Sie brauchen im Grunde eine völlig neue Mannschaft: OLine furchtbar, RBs immer angeschlagen und die Quarterbacks wären für die meisten Collegeteams zu schlecht.

NFL-Power Rankings Woche 14: Spitzenspiel?

Das „Spiel der Saison“ New EnglandHouston stellte sich als gigantisches Mismatch heraus; die Patriots dominierten die Texans nach Strich und Faden, demolierten einen Gegner, dem nun wieder vorgeworfen werden wird, in der Primetime oder gegen große Gegner häufig zu versagen.

Schlüssel früh in der Partie war das Einbremsen des gefürchteten „Zone-Read“-Laufangriffs der Texans: Die Defensive Line der Pats kontrollierte die Anspiellinie und nahm Houston schnell die solideste Option im Angriff weg. Der Play-Action-Pass, als Houstons größte Waffe gefeiert, war in diesem Spiel die Superwaffe der Patriots: QB Tom Brady verarschte die Front-Seven und tiefstehende Safetys nicht bloß beim extrem einfachen langen TD-Pass für #85 Brandon Lloyd.

Überhaupt war es ein fassungslos effizientes Spiel der kompletten Angriffsmaschine. Ich hatte nichtmal das Gefühl, dass Houstons durch zahlreiche Blitzes verstärkter Pass Rush versagte, aber diese schnellen Brady-Pässe verbrannten eine eigentlich gute Front-Seven komplett. Und das, obwohl mit TE Gronkowski die beste Anspielstation verletzt fehlte und der normalerweise zuverlässige WR Wes Welker einen „off day“ hatte (mindestens drei Drops).

RT #76 Sebastian Vollmer hatte so seine Probleme mit DE #99 J.J. Watt, aber Vollmer hatte Watt gerade so gut unter Kontrolle, dass neben ein paar wüsten Hits gegen Brady die ganz schlimmen Plays verhindert wurden – bis auf einen forcierten Fumble Watts gegen #39 Danny Woodhead. Der Fumble sprang dem verdutzt in die EndZone fallenden Brandon Lloyd zum 42-7 Zwischenstand in die Arme. Manchmal geht dem einen eben alles auf, während der andere in die Röhre guckt.

Wie gut ist Houston? Auf alle Fälle gut genug, um die durchschnittlichen Teams in Grund und Boden zu spielen. Aber gegen zwei der paar ernsthaften Gegner (Green Bay, New England) wurde man in Blowouts abgeschossen. Houston hält mit zwei Spielen gegen Indy und einem Heimspiel gegen Minnesota weiter die Schlüssel für den Top-Seed in der AFC in der Hand – und alle drei Partien kann man gewinnen.

In den Power-Rankings bleiben die Pats an #6 trotzdem hinter Houston (#5) gerankt. Warum? Nun, New Englands Offense von 2012/13 ist zwar meilenweit über dem Rest der NFL anzusiedeln und QB Tom Brady ist ein weiterer Kandidat auf den MVP-Award, aber genauso ist die Pass-Defense die achtschlechteste in der Liga. Ein weiterer Faktor, der nicht zu unterschätzen ist: New Englands Angriff produziert fast keine Turnovers (1.0% INT-Rate ist unglaublich) – wenn Brady mal eine Partie mit ein, zwei Interceptions ausrutscht, gebe ich keine Garantien ab, was die Patriots anbelangt.

Nächsten Sonntag gibt es den nächsten Kracher beim Sunday Night Game gegen San Francisco. Dann trifft man auf das bei mir top-gerankte Team – und die 49ers dürfen sich wohl keine Niederlage erlauben, will man nicht zu Weihnachten in Seattle in Zugzwang geraten, was den Divisionssieg in der NFC West angeht.

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