NFL-Power Rankings Woche 14: Spitzenspiel?

Das „Spiel der Saison“ New EnglandHouston stellte sich als gigantisches Mismatch heraus; die Patriots dominierten die Texans nach Strich und Faden, demolierten einen Gegner, dem nun wieder vorgeworfen werden wird, in der Primetime oder gegen große Gegner häufig zu versagen.

Schlüssel früh in der Partie war das Einbremsen des gefürchteten „Zone-Read“-Laufangriffs der Texans: Die Defensive Line der Pats kontrollierte die Anspiellinie und nahm Houston schnell die solideste Option im Angriff weg. Der Play-Action-Pass, als Houstons größte Waffe gefeiert, war in diesem Spiel die Superwaffe der Patriots: QB Tom Brady verarschte die Front-Seven und tiefstehende Safetys nicht bloß beim extrem einfachen langen TD-Pass für #85 Brandon Lloyd.

Überhaupt war es ein fassungslos effizientes Spiel der kompletten Angriffsmaschine. Ich hatte nichtmal das Gefühl, dass Houstons durch zahlreiche Blitzes verstärkter Pass Rush versagte, aber diese schnellen Brady-Pässe verbrannten eine eigentlich gute Front-Seven komplett. Und das, obwohl mit TE Gronkowski die beste Anspielstation verletzt fehlte und der normalerweise zuverlässige WR Wes Welker einen „off day“ hatte (mindestens drei Drops).

RT #76 Sebastian Vollmer hatte so seine Probleme mit DE #99 J.J. Watt, aber Vollmer hatte Watt gerade so gut unter Kontrolle, dass neben ein paar wüsten Hits gegen Brady die ganz schlimmen Plays verhindert wurden – bis auf einen forcierten Fumble Watts gegen #39 Danny Woodhead. Der Fumble sprang dem verdutzt in die EndZone fallenden Brandon Lloyd zum 42-7 Zwischenstand in die Arme. Manchmal geht dem einen eben alles auf, während der andere in die Röhre guckt.

Wie gut ist Houston? Auf alle Fälle gut genug, um die durchschnittlichen Teams in Grund und Boden zu spielen. Aber gegen zwei der paar ernsthaften Gegner (Green Bay, New England) wurde man in Blowouts abgeschossen. Houston hält mit zwei Spielen gegen Indy und einem Heimspiel gegen Minnesota weiter die Schlüssel für den Top-Seed in der AFC in der Hand – und alle drei Partien kann man gewinnen.

In den Power-Rankings bleiben die Pats an #6 trotzdem hinter Houston (#5) gerankt. Warum? Nun, New Englands Offense von 2012/13 ist zwar meilenweit über dem Rest der NFL anzusiedeln und QB Tom Brady ist ein weiterer Kandidat auf den MVP-Award, aber genauso ist die Pass-Defense die achtschlechteste in der Liga. Ein weiterer Faktor, der nicht zu unterschätzen ist: New Englands Angriff produziert fast keine Turnovers (1.0% INT-Rate ist unglaublich) – wenn Brady mal eine Partie mit ein, zwei Interceptions ausrutscht, gebe ich keine Garantien ab, was die Patriots anbelangt.

Nächsten Sonntag gibt es den nächsten Kracher beim Sunday Night Game gegen San Francisco. Dann trifft man auf das bei mir top-gerankte Team – und die 49ers dürfen sich wohl keine Niederlage erlauben, will man nicht zu Weihnachten in Seattle in Zugzwang geraten, was den Divisionssieg in der NFC West angeht.

Die Rankings.

NFL-Power Rankings 2012/13, Week 14

NFL-Power Rankings 2012/13, Week 14

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 14. Fettgedruckte Teams sind bereits für die Playoffs qualifiziert.


Was gibt’s sonst noch zum Sagen?

  • Carolina Panthers. Dank des aufgemotzten Strength of Schedule gegen Atlanta und der erneut überzeugenden Vorstellung sind die 4-9 Panthers mittlerweile auf #3 geklettert! Die Panthers stellen die viertbeste Passoffense, einen Top-8 Laufangriff, und sind in allen anderen Kategorien überdurchschnittlich gut. Vielleicht sollte Ron Rivera bleiben und einfach einen der wenigen Fans von den Tribünen für das PlayCalling anstellen.
  • Atlanta Falcons. Viele scheinen den Falcons zu misstrauen, und das teilweise mit Recht: Die 11-2 Bilanz ist geschönt durch einige glückliche Siege über den Bodensatz und bekam durch die klare Niederlage in Carolina einen weiteren Kratzer in ihrer Reputation, aber die Play-by-Play Effizienz der Falcons ist schon trotzdem die einer Top-Mannschaft (u.a. #5 in der Pass-Offense) und vor allem top-diszipliniert: Mit 0.22yds Strafen pro Spielzug ist man weiiiiiiiiit über allen anderen (#2 NYG mit 0.31yds/Play).
    Atlanta wird nach seiner Vorgeschichte an seinem Erfolg in der Post Season gemessen werden. Aber selbst eine erneute Auftaktpleite sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir es hier mit einer sehr guten Mannschaft zu tun haben; vielleicht nicht 11-2 Kaliber, aber auf alle Fälle weiterhin Top-10 und verdiente Playoffs.
  • Arizona Cardinals. Null zu achtundfünfzig liest sich so brutal, und die seit Jahren anhaltenden QB-Probleme sind so heftig, dass ich mir schwer vorstellen kann, wie HC Ken Whisenhunt nächstes Jahr noch Head Coach in Arizona bleiben kann. Die Cards haben eigentlich fast alles: Eine fantastische, junge Defense, einen Hall of Famer auf Wide Receiver, okaye Running Backs… Was fehlt, sind eine wenigstens akzeptable Offensive Line und ein wenigstens akzeptabler Quarterback. Wenn ich mir das Elend (4.5 NY/A trotz Fitzgerald, 4.5 NY/A trotz Fitzgerald, 4.5 NY/A trotz Fitzgerald) vor Augen führe, gäbe es zwei Optionen: Fitzgerald traden (aufgrund der Vertragssituation fast ausgeschlossen), OL draften und QB-Free Agent einkaufen.
  • San Francisco 49ers. Eine der faszinierendsten Entscheidungen dieser Saison war Jim Harbaughs QB-Wechsel von Alex Smith auf Colin Kaepernick. Nicht, dass ich jemals ein besonders gutes Wort über den Quarterback Smith auf diesem Blog verloren hätte, aber ich fand die Entscheidung… interessant, to say the least. Argumente für beide Seiten. Stand heute bin ich noch immer nicht sicher, welchen Mehrwert Kaepernick für die „49ers 2012“ gebracht hat: Scrambles und Arm sind fantastisch, aber die Offense ist den Eindrücken nach wieder simpler geworden, und wie viele Timeouts müssen die 49ers eigentlich verbrennen, weil Kaepernick es an der Anspiellinie (noch) nicht schafft, den richtigen Audible rechtzeitig durchtelegraphiert zu bekommen? Auf der anderen Seite ist Kaepernick erst einen Monat im Lineup, und ist dafür schon eine gute Waffe. Ich trotzdem ringe immer noch mit mir, ob ich an 49ers-Stelle nicht doch wieder Smith zurück ins Lineup holen würde, um meine Titelhoffnungen für diese Saison zu vergrößern. Nächstes Jahr ist nächstes Jahr, und wenn ich mir Kaepernicks Vertrag anschaue, und mir denken kann, dass Smith entlassen wird, bleiben die 49ers auf alle Fälle scary…
  • Minnesota Vikings. Die Vikes haben meine Saisonprognose von 6 Siegen übertrumpft, und sie machen es ohne brauchbares Passspiel. Der Grund ist eine sehr gute Offensive Line und RB Adrian Peterson, der mit 6.0yds/Carry so produktiv ist wie Passspiel. Wenn Peterson diese Pace halten kann, sprechen wir hier über einen heißen Außenseiter auf die MVP-Trophäe.
  • Indianapolis Colts. Keine Woche ohne Colts. 3.5 Siege über der pythagoreischen Erwartung, 8-1 in engen Spielen. Next Up: 2x HOU und KC. Die Colts bleiben ein Beispiel dafür, dass Augentest („not for real“) und Advanced-Stats („lucky“) sich einig sind, trotzdem gibt es jede Woche knappe Comebacksiege. Broncos 2011 reloaded.
  • Chicago Bears. trouble. Wenn die Bears keine Interceptions zum TD returnieren, weil sie gar keine Interceptions fangen, gibt es Probleme. Weil zudem das Passspiel übelst krankt, müffelt ein schnelles Playoffaus schon jetzt aus Chicago rüber.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Week 15

Letzte Woche war Excel mit 11-5 ein Spiel schlechter als mein Bauchgefühl. Mit 108-51 (.679) bleibt das Power-Ranking aber vier Spiele vor meinen Tipps (104-55). Die errechneten Wahrscheinlichkeiten für Woche 15 (BUF-SEA habe ich als Spiel auf neutralem Feld gewertet, nachdem es in Toronto stattfinden wird):

HOME              %   AWAY              %
Philadelphia     36   Cincinnati       64
Atlanta          56   New York Giants  44
St Louis         67   Minnesota        33
Miami            84   Jacksonville     16
Chicago          48   Green Bay        52
Cleveland        43   Washington       57
Baltimore        23   Denver           77
Houston          76   Indianapolis     24
New Orleans      51   Tampa Bay        49
Arizona          27   Detroit          73
San Diego        30   Carolina         70
Buffalo          29   Seattle          71
Dallas           52   Pittsburgh       48
Oakland          60   Kansas City      40
New England      33   San Francisco    67
Tennessee        42   New York Jets    58

San Francisco ist überraschend klarer Auswärtsfavorit gegen New England, gewinnt dort zwei von drei Spielen. Da würden meine Eier widersprechen. HoustonIndianapolis ist dagegen ein Matchup, das ich deutlicher gesehen hätte: Indianapolis gewinnt roughly eines von vier Spielen. Weil es noch zweimal Colts-Texans gibt, einmal davon sogar mit Indy-Heimvorteil (zuhause hätte Indy Stand heute eine 33%-Siegchance gegen HOU), ist zumindest ein Colts-Sieg in den beiden Duellen alles andere als ausgeschlossen.

6 Kommentare zu “NFL-Power Rankings Woche 14: Spitzenspiel?

  1. @ Panthers : Wir wollen doch mal den Ball flach halten , denn bei dem worauf es ankommt , Punkte zu machen + zu verhindern sind sie Rang 23 Off / Rang 21 deff , was dann wohl eher unterdurchschnittlich ist !
    Mit den Packers allerdings kann ich mich anfreunden , da scheinen alle parameter in Excel richtig eingestellt zu sein !
    MfG die grüngelbe Packersbrille Moser

  2. Punkte erzielen und verhindern ist auch mit der besten Mannschaft schwierig, wenn sie konstant mit furchtbaren Feldpositionsnachteilen zu kämpfen hat.

    Nicht alles davon ist Schuld der Special Teams, aber die Panthers-Special Teams sind bisher absurd schwach, siehe DVOA. Diese Power-Rankings beziehen die Special Teams nicht mit ein, weil

    a) schwer messbar
    b) sehr volatil.

    Auch Faktoren wie Konstanz sind nicht mit einbezogen. Weil dieses Ranking sich auf die Dinge beschränkt, über die Footballmannschaften Kontrolle haben und die messbar sind, sind die Panthers so weit oben angesiedelt.

    Ich werde demnächst mal erklären, wie Footballteams ihre Sieg-Erwartung in diesem Ranking schlagen können.

  3. Hi!“
    New England – Houston hab ich verpasst aber Dallas Cowboys -Pittsburgh Steelers wird bestimmt ein spannendes Spiel morgen abend.
    Was meint ihr wer gewinnen wird=? Es sind beide mannschaften ziemlich stark. Auf Puls 4 zeigen sie das Spiel live, glaub ich. Ich werde morgen vielleicht mal reinschauen… auch wenn ich kein Lieblingsteam habe

  4. 13:2 richtige Tipps vor dem Monday Night Game, nicht schlecht. Schön ist auch, dass Carolina und Baltimore jetzt beginnen zu zeigen, wieso sie in diesem Modell so anders als die Public perception sind.

    Ich gönne es Indianapolis und Minensota ja von Herzen, aber für die NFL ist es schlecht wenn solche Teams die Playoffs erreichen. v.a. die Vikings tönen schon wieder von wegen “ wir brauchen kein Passspiel, wir haben All Day „. Bulls**t. Spätestens nächstes Jahr wird sich eine solche Strategie rächen.

    Gruß Karl

  5. Pingback: NFL-Power Rankings #15: Das Phänomen mit Namen „Momentum“ | Sideline Reporter

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