Poinsettia Bowl 2012 Preview

Der Auftakt zur Bowl Season am Samstag ließ sich nicht schlecht an: Arizona – Nevada gehörte trotz lauwarmer Randbedingungen (Blick auf die Tribünen genügte) und erwartet grausam schlechter Defenses zu den Footballspielen, die man sich nach einer harten Woche gerne neben dem Sportschau-Tape am Samstagabend reinzieht. Heute Nacht geht es weiter, und zwar mit der Poinsettia Bowl.

“Poinsettia” = Weihnachtsstern, und damit ist auch schon vieles gesagt: Die Stadt San Diego will mit dieser vor wenigen Jahren aus der Retorte geborenen Bowl den Weihnachtstourismus unter südkalifornischen Palmen ankurbeln. Gelingt zwar halbwegs, aber in den letzten Jahren hat man sich daran gewöhnt, dass das recht geräumige Qualcomm Stadium meistens maximal halbvoll ist.

Diesmal versucht man es mit der Heim-Universität, den San Diego State Aztecs (9-3) aus der MWC. Die sind auch im zweiten Jahr unter Head Coach Rocky Long auf dem Weg nach oben, u.a. mit einem überraschenden Auswärtssieg in Boise, und das trotz des seit vielen Wochen ausgefallenen Quarterbacks Ryan Katz. Die Aztecs switchten auf eine fast völlig lauforientierte Offense um die beiden Tailbacks Adam Muema/Walter Kazee (zusammen weit über 2000yds, 24 TD), und erspielten sich damit einen geteilten Conference-Titel in der MWC.

Gegner sind heute die Brigham Young Cougars (7-5), ein Independent, der fast ausschließlich von seiner Defense lebt. BYUs Front-Seven ist gespickt mit künftigen NFL-Draftpicks, und keiner von ihnen kriegt mehr Hype als der ghanaische Rohdiamant LB Ezelkiel Ansah, genannt „Ziggy“, ein Defensive End, der erst gut zwei Jahre Football spielt und mit seinen athletischen Voraussetzungen NFL-Gardemaß ist (Mock-Drafts sehen ihn schon in der ersten Runde vom Tablett gehen).

Mal unabhängig von Ansah wird man bei BYU verfolgen müssen, wohin die Reise geht: Es ist mittlerweile das achte Jahr der Ägide von Head Coach Bronco Mendenhall, und die letzten drei waren eher… wie soll man sagen… banal. Weiterentwicklung vor allem in der sterilen Offense kaum erkennbar, und immer wenn die besseren Teams (sagen wir, ab Region Top-30 aufwärts) kommen, schmieren die Coogs ab (dieses Jahr: 1-4 gegen Teams mit Winning Record).

Das SRS favorisiert BYU trotz der schwachen Saison mit 5.5 Punkten auf neutralem Feld. Rechnen wir San Diego State als Heimteam, verkleinert sich der Spread auf 3 Punkte.

Spiel kommt heute Nacht live ab 02h bei ESPN America. Morgen um 19h30 gibt es die Aufzeichnung.

NFL-Playoffbild vor Woche 16

Wir werden sehen: Es ist noch erfreulich unübersichtlich, sodass ein Aufbrechen auf alle Szenarien sämtliche Grenzen der gepflegten Grammatik sprengen würde. Aber es wäre noch viel komplizierter, wenn Sunday Night und Monday Night Games anders ausgegangen wäre.

Kurze Einführung in die Basics einer Prozedur, die mindestens ein Forschungsdoktorat in Applied Sciences for Brain Wash und Recreation erfordert:

  • Grundsatz 1: Seeding. Die vier Divisionssieger werden entsprechend ihrer Bilanzen und eventuell notwendiger tie-breaker von #1 bis #4 gerankt. Die beiden besten Nicht-Divisionssieger („Wild Card Teams“) sind #5 und #6. Divisionssieger haben in ihrem ersten Playoffspiel Heimrecht. #1 und #2 haben ein Freilos in der ersten Runde. #1 hat in jedem Spiel bis zum Superbowl Heimrecht. Das Bracket ist nicht „fix“, d.h. nach jeder Playoffrunde wird das Bracket neu geordnet, sodass das höchstgerankte verbliebene Team immer zuhause gegen das niedrigst gerankte Team spielen darf.
  • Grundsatz 2: Tie-Break in der Division. Hier beginnt es, kompliziert zu werden.Zuerst gilt der Win/Loss-Record. Erster tie-Breaker bei Punktgleichheit ist das direkte Duell (bei Punktgleichheit von mehr als zwei Mannschaften eben die Bilanz in allen Spielen untereinander); zweiter tie-breaker ist die Bilanz in den sechs Divisionsspielen; dritter tie-breaker ist die Bilanz der punktgleichen Teams in den Spielen gegen gemeinsame Gegner (das sind 12 Spiele im Fall von Teams aus der gleichen Division); danach kommen in dieser Reihenfolge die Bilanz in den Conference-Spielen, Strength of Victory (SOV = SOS der geschlagenen Teams), Strength of Schedule (SOS), combined ranking in scoring (Ranking in Offense-Punkten (z.B. #3) und Ranking in Defense-Punkten (z.B. #6) werden zusammengezählt; niedrigste Summe gewinnt (in diesem Fall 3+6=9)) in der Conference, combined ranking in scoring in der ganzen NFL, Netto-Punktedifferenz in den Spielen gegen gemeinsame Gegner, Netto-Punktedifferenz über die Saison, Touchdown-Differenz Offense/Defense, und erst dann kommen Schwanzmessen, Teetassenwerfen und Münzwurf. Wenn mehr als zwei Teams die gleiche Bilanz besitzen, wird erst versucht, das dritte/vierte Team zu eliminieren; dann beginnt die Prozedur zwischen drei Teams von neuem, immer mit dem Ziel, am Ende ein tie-Break zwischen zwei Teams zu bekommen. Alles klar?
  • Grundsatz 3: Tie-Break von Wildcard-Teams. Zuerst wird immer die Divisions-Reihenfolge ermittelt, d.h. punktgleiche Divisionssieger werden aus der Verlosung gestrichen (sie haben ja bereits ein Seeding von #1-#4). Dann werden die restlichen Divisions-Standings (s. Grundsatz 2) ermittelt. Dann werden die punktgleichen Teams, notfalls quer über die Divisions, in einer ähnlichen Prozedur wie oben beschrieben gereiht: direktes Duell, Conference-Spiele, gemeinsame Spiele, wenn minimum vier davon waren, SOV, SOS, usw. alles gleich wie in der Division, nur das Schwanzmessen wird durch Spermaweitspritzen ersetzt. Wenn auch für ein zweites Wildcardteam selbige Prozedur notwendig wird, dann werfe man den Rotor nochmal von vorne an.
  • Grundsatz 4: Process of Elimination. Ganz wichtig: Es wird pro tie-Break Verfahren immer nur ein Team ermittelt. Wenn mehr als zwei Teams in einer tie-Break Situation sind, wird immer versucht, der Bodensatz rauszukehren, damit man ein two-way-tiebreak zwischen nur noch zwei Teams bekommt. Ist daraus der Gewinner ermittelt, wird für eine eventuell notwendige zweite Runde die ganze Prozedur nochmal von vorne begonnen, nur eben ohne diesen Sieger; deswegen kann der Drittplatzierte der ersten Runde in der zweiten Runde durchaus vorbeiziehen und sich noch qualifizieren.
  • Grundsatz 5: Für die Draftreihenfolge wird der SOS als tie-Breaker verwendet.
  • Grundsatz 6: Wer’s nicht kapiert: Wurscht. In Week 17 kann man getrost auf die US-Kommentatoren vertrauen, die kriegen immer den richtigen Zwischen- oder Endstand zugeflüstert.

Hopfen und Malz sind also noch nicht verloren!

Und nun: Die Anwendung für NFL 2012/13 nach Week 15.

National Football Conference

Atlanta (12-2) ist in der NFC noch einen Sieg vom Top-Seed entfernt; die schwer angeknockten Lions bieten sich am Samstag an. Dahinter gibt es noch drei ernsthafte Bieter für den #2-Seed:

  • San Francisco (10-3-1), für die es im SNF nach Seattle geht. Mit Sieg dort werden Division sicher und #2-Seed fast sicher (Wk 17 ist nur noch Arizona) eingetütet. Bei einer Niederlage könnte allerdings Green Bay vorbeiziehen.
  • Green Bay (10-4) muss auf eben jenen Ausrutscher hoffen. Selbst spielt man noch gegen TEN und @MIN. Und Achtung: Seattle ist auch noch im Rennen.
  • Seattle (9-5). Die Chance auf den #2-Seed ist minimal, weil man SF putzen müsste und SF zudem gegen ARI verlieren müsste und GB eines seiner beiden Spiele abschenken muss. Aber dann hätte man ihn, und die legendäre „Hail Mary“ des Golden Tate wäre entscheidend. #5-Seed für SEA ist aber fast sicher, da man u.a. tie-Breaker gegen CHI und MIN gewonnen hätte.

Zwei dieser Teams  werden also die Seeds #2 und #3 ausmachen, der Dritte sollte aussichtsreichster Kandidat auf den #5-Seed sein, der im Wildcardwochenende einen Auswärtstrip zum Sieger der NFC East bestreiten muss: Drei sind 8-6, was kaum zu mehr als #4 reichen dürfte.

  • Washington (8-6). Restprogramm @PHI und DAL. Zwei Siege und Washington gewinnt die Division. Eine Niederlage dagegen könnte schon das gänzliche Playoffaus bedeuten.
  • NY Giants (8-6). Restprogramm @BAL und PHI. Der Divisionssieg ist aufgrund der tie-Breaker nicht mehr allein in Giants-Hand, aber die Wildcard: Zwei Siege, und die Giants ziehen aufgrund des direkten Duells zwischen DAL-WAS auf alle Fälle als #5 oder #6 in die Playoffs.
  • Dallas (8-6). Restprogramm NO, @WAS. Happig. Nicht ausgeschlossen, dass wir am letzten Spieltag WAS-DAL in der Primetime sehen und Dallas dort wie schon letztes Jahr um den Playoffeinzug spielt.

Aktuell favorisieren die tie-Breaker am ehesten die Redskins, aber Restprogramm haben wohl die Giants das einfachste. Der Divisionssieg wird brutal wichtig, da die beiden „Verlierer“ wohl bestenfalls den #6-Seed bekommen, und da winkt gleich mal ein Trips nach Lambear, Seattle oder San Francisco.

In der Lostrommel für Seed #6 sind aber neben den drei NFC-East-Teams (minus deren noch zu bestimmender Divisionssieger) noch zwei andere: Minnesota (8-6) und Chicago (8-6). MIN wird zwar das direkte Duell mit Chicago höchstwahrscheinlich gewinnen. MIN hat das direkte Duell mit WAS verloren. MIN und CHI haben für den Fall der Fälle beide ihre direkten Duelle mit SEA verloren. Und MIN hat einen brutalen Schedule: @HOU, vs GB.

Fix durch sind erst: ATL, GB, SF.

American Football Conference

Houston (12-2) ist nach dem Heimsieg über Indianapolis erstmal sicherer Divisionssieger in der AFC South und bleibt in der Pole Position für den Top-Seed, für den noch ein Sieg notwendig sein wird (tie-Breaker gegen DEN ist gewonnen). Der #2-Seed bleibt noch rechnerisch offen.

  • Denver (11-3) kriegt den Top-Seed nur noch, wenn die Texans beide Spiele verlieren und die Broncos beide Spiele gewinnen. Broncos spielen noch vs CLE und vs KC: Zwei fast sichere Siege.
  • New England (10-4) hat sich mit der Heimniederlage gegen SF vom #2-Seed geschossen und muss auf eine Sensationsniederlage Denvers hoffen. Passiert diese, kann NE noch wegen des direkten Duells an DEN vorbeiziehen.

Der vierte Seed wird an den Sieger der AFC North gehen. Dort sind die Baltimore Ravens (9-5) zumindest ein sicheres Wildcard-Team. Aber die Ravens straucheln wie seit Wochen prognostiziert massiv, müssen noch daheim gegen NYG und am letzten Spieltag in Cincinnati (8-6) spielen. Aaaaaallerdings: Gewinnt Baltimore am Sonntag gegen die Giants, ist der Divisionssieg fix, da die Ravens dann auf alle Fälle den zweiten tie-Breaker (Division, wo man 4-1 ist und die Bengals maximal noch 3-3 gehen können) gegen Cincinnati gewonnen hätten.

Straucheln die Ravens gegen NYG, sind eben jene Cincinnati Bengals (8-6) am Zuge. Die müssen noch nach Pittsburgh (7-7) und am letzten Spieltag wie geschrieben daheim gegen die Ravens. Zwei Siege und eine Ravens-Niederlage gegen die Giants, und Cincy hat Divisionssieg und #4-Seed.

Der könnte begehrt sein, denn der fünfte Seed (Gegner von #4 zum Playoff-Auftakt) geht womöglich nach Indianapolis (9-5), ein schlagbares Team (obwohl… Baltimore?). IND kann am Sonntag sein Ticket mit einem Heimsieg über Kansas City eintüten. Bei einer Niederlage dagegen könnte es noch bitter werden, da dann am letzten Spieltag zuhause gegen die Texans ein Sieg notwendig werden könnte.

Pittsburgh (7-7) sieht noch Partien gegen CIN und CLE (beide daheim), kann also durchaus mit 9-7 abschließen und wäre dann dank gewonnenem tie-Breaker gegen Cincinnati ein Wildcard-Team.

Fix durch sind immer noch erst: HOU, NE, DEN, BAL.