Beef’O’Brady’s Bowl 2012 Preview

… bitte melden, wer noch Apostrophe braucht. Ich hab noch genug zum Verschenken. Oder: Nein. Schließlich coacht in diesem Spiel George’O’Leary (oder war es George O’Leary?), der Cheftrainer der University of Central Florida.

Im Ernst: Das heute Nacht (01h30 LIVE bei ESPNA) verspricht trotz des geradezu bizarren Bowl-Namens eine eher triste Veranstaltung zu werden – passend zum Weltuntergang sozusagen. Grund 1 ist die Heimathalle der Veranstaltung, das auch in Baseballkreisen verhasste Tropicana Field, die fast immer gähnend leere Spielstätte der Tampa Bay Rays.

Aber es sind auch die beiden Teams nicht allzu sexy. Die UCF Knights (9-4) aus der Conference USA (verloren dort das Conference-Finale gegen Tulsa) punkten vor allem negativ mit benanntem O’Leary, einem Mann, der vor einem Jahr noch unter gewaltigem Beschuss stand, weil während seines erbarmungslosen Trainings mehrere Spieler kollabiert waren, einer davon tödlich. Die Aufarbeitung dieses Falles hinterließ Beobachter und Angehörige mit noch mehr Ekel, und nachdem UCF auch wegen Recruiting-Vergehen auf der Streichliste gestanden hatte, sind nicht wenige der Meinung, dass die Knights dieses Jahr eigentlich hätten gesperrt sein sollen. Da die Sperre erstmal auf nächstes Jahr verschoben wurde, ist UCF heute mit von der Partie.

Gegner sind die eher obskuren Ball State Cardinals (9-3) aus der MAC, im zweiten Jahr von Head Coach Pete Lembo erstmals in der Bowl Season mit dabei. Ball State ist für Freunde des „Close Win Index“ ein sicherer Kandidat für Regression zur Mitte im nächsten Jahr: Man war 6-1 in engen Spielen.

Hauptgrund war nach dem Ausfall von Starting-QB und Backup-QB vor allem der klein gewachsene RB Jahwan Edwards, genannt „Quake“ („das Beben“), der in den letzten Spielen trotz seiner Körpermaße (kein 1,70m) das Arbeitstier geben musste – und mit reihenweise Super-Stats antwortete.

Star bei den Cardinals ist – vielleicht bezeichnend – aber der Punter: Scott Kovanda, der diese Saison 44x puntete und dabei vier Yards durch Returns zuließ. Nicht vier Yards im Schnitt. Vier Yards in der kompletten Saison.

Excel/SRS favorisieren UCF mit 6 Punkten.

Also: Ab 01h30 LIVE bei ESPNA. Morgen bringt ESPNA ab 14h30 das Tape von diesem Spiel.

Sportmomente 2012 – Die Hitliste

Es steht außer Frage, dass für einen Sportler der Sieg das höchste Ideal ist. Für mich ist Sport aber mehr. Ich kann mich an Siegen hochziehen. Aber ich kann mich auch erfreuen am großen Kampf eines Underdogs, einer gescheiten Strategie eines sportlichen Leiters, an Emotionen in einer Veranstaltung. Nichts ist für mich jedoch vergleichbar mit dem Leiden. Die beiden letzten Bayern-Spiele in der Champions League 2011/12 gehören zu meinen Allzeitfavoriten: Ich habe darin wieder entdeckt, was es bedeutet, Fan zu sein. Welches Nervenbündel aus mir werden kann, wenn das Ereignis nur knisternd genug ist. Es ging einmal gut. Das zweite Mal nicht. Stolz bin ich trotzdem – auf die Bayern, „meine“ Bayern, auf ihre Leistung, den Stil, und auch darauf, dass ich es durchgestanden habe.

Aber Bayern schafft es nicht in meine Top-3 des Jahres. Auch die Super Bowl bleibt schweren Herzens außen vor. Auch keine Schmusekatze und kein Mo Farrah. Das epische Formel-1-Finale muss ebenso dran glauben wie Britta Heidemann und die kompletten Olympischen Spiele. Keine Ski-WM, keine Lindsey Vonn und auch keine Julia Mancuso. Kein Big One aus der NASCAR. BCS-Buster hatte es auch keinen gegeben. Ich musste sogar das EM-Finale außen vor lassen, obwohl es für mich und meine Region wenige krassere Dinge gibt als die italienische Nationalmannschaft in einem Titelendspiel. Dieses Jahr gab es drei Events, die weit über allen anderen stehen.

Also: Bevor heute Nacht die Welt untergeht (ich habe Weihnachtsessen), hier die Top drei von 2012.

#3 Deutschland – Italien

Ein Fußballspiel zwischen Deutschland und Italien spaltet die Region, aus der ich stamme, wie kein anderes. Es ist viel mehr noch das Sportereignis schlechthin. Öffentlich Recht wird für faschistische Siegesfeiern gerne mal außer Kraft gesetzt, und des Bloggers Nachbardorf musste bereits polizeilich beschützt werden; es ist viel los im Anschluss an diese Partie, so ziemlich alles,  was ein fast, aber nicht völlig ausgetretener ethnischer Konflikt auf einem relativ zivilisierten Fleckchen Erde noch hergibt. Deutschland gegen Italien ist das Spiel der Spiele.

Wir haben verloren. Ich habe verloren. Es waren zwei Prachtdinger vom durchgeknalltesten aller Fußballer, Balotelli. Neben dem tiefen Schmerz der zweiten Halbzeit und der langsam in mir heranreifenden Gewissheit, dass es die nemesis mal wieder gegen die deutsche Mannschaft schaffen würde, bleibt aber die Schlussphase das, was dieses Spiel so grandios machte.

Die deutsche Mannschaft stürmte ab zirka der 85ten oder 87ten Minute mit Mann und Maus auf einen verriegelten Strafraum zu, wie ich nie eine Mannschaft hatte anrennen sehen. So muss man beim Zweitorerückstand spielen! In fünf Minuten kann man zwei Tore aufholen, wenn man alles riskiert. Leider gehen viel zu viele Fußballspiele mit gleicher Tordifferenz ebenso lahm wie träge zu Ende. Nicht dieses. Die Bayern probierten es im Herbst (gegen Leverkusen?) ähnlich brechstangenlike. Aber da hatte ich das schon einmal gesehen.

Deutschland – nicht Europameister, aber wenigstens Kampfgeist und Einsatzwille gezeigt. Die persönliche Genugtuung bekam ich dann per Endspielergebnis aus Iberien zugeschickt, aber es war nicht mehr das gleiche Gefühl.

#2 Alabama – Georgia

American Football kann bei allen Storylines, die selbst das langweiligste Gurkenspiel schreibt, häufig frustrierend sein, und am nächsten Tag fragt man sich, warum man wieder mal bis drei Uhr morgens durchhalten musste, obwohl der Blowout sich schon im zweiten Viertel abgezeichnet hatte.

Das SEC-Finale war anders. Es ging zwischen #2 Alabama und #3 Georgia um den höchstmöglichen Preis: Einen Einzug ins BCS-Finale gegen Notre Dame. Um die Vorgeschichte ließen sich tausend Geschichten spinnen. Das Spiel selbst war elektrisierend, ein Kampf auf Biegen und Brechen zwischen zwei exzellenten, aber nicht vollkommen perfekten Footballmaschinerien. Wären sie vollkommen gewesen, das Spiel wäre langweilig geworden.

Football lebt von Fehlern.

Und von Emotionen. Ich könnte Aufsätze füllen zu diesem Spiel und welche Emotion es in mir weckte, obwohl ich keinerlei Empathie jemals für die eine oder andere Universität aufgebracht hatte. Am Ende verlor der Underdog, aber es war knapp. Die Underdogs, die Georgia Underdogs Bulldogs, ließen alles, was sie hatten (bis auf die Unterhosen), im Spiel und auf dem Spielfeld.

Wenn ich verliere, möchte ich genau so verlieren.

Das SEC-Finale war grandios. Aber es war nicht meine Nummer eins des Jahres.

#1 The Fields of Athenry

Der beste Moment des Jahres gehörte dem größten Außenseiter. Die irischen Fans fackelten, und sie fackelten ein Feuerwerk ab. Ein Feuerwerk ohne Pyro und Bengalos. Stimmbänder sind die besten Stimmungskanonen und sie sorgten an einem Abend einer hoffnungslos verlorenen Partie gegen Weltmeister Spanien für die ganz großen Klöße im Hals.

Es war ein surrealer Moment. Wenn du aus dem Turnier fliegst, möchtest du mit erhobenem Haupt gehen. Und wenn du auf dem Feld nicht den Hauch einer Chance hast, so gehört wenigstens Kampf dazu. Die irische Mannschaft rannte und die Fans beeindruckten die Welt. Für mich, der seit seiner Kindheit mit den Jungs von der grünen Insel mitfiebert und sich im irischen Fanblock stets pudelwohl fühlte, der dieses wunderschöne Lied seit seiner Kindheit liebt, der diese Farben blutet, grün, weiß und orange, gehörte die leidenschaftliche Interpretation von „Fields of Athenry“ mit dem EM-Aus in der Dämmerung zu den besten, schönsten, ergreifendsten Augenblicken bisher, über den Sport hinaus. Deshalb war es mein Sportmoment 2012.