NFL Power-Rankings 2012/13: Week 17

Das Ende der Regular Season 2012/13 gibt mir die Chance, einen Blick auf die Zahlen zu richten. Das Power-Ranking ist noch nicht gänzlich kritikfrei und es gibt noch einige Stellschrauben zu finden und zu drehen, aber obwohl es keine Special Teams, keine Verletzungen und keine geschonten Starter berücksichtigt, war es mit einer Treffergenauigkeit von 143-64 bei exzellenten 69.1%gut genug für die zweitbeste Treffergenauigkeit quer durch die Computerlandschaft. Dieses Power Ranking ist darauf aufgebaut, alle relevanten Statistiken für eine Prognose in die Zukunft entsprechend ihrer Volatilität und ihrem Beitrag zu Sieg und Niederlage gewichtet zu berücksichtigen, und es putzt auch die Sagarin-Ratings, die als Maßstab im US-Sport gelten.

Grad am Sonntag hatte ich wieder eine Diskussion auf SPOX.com (ab Kommentar 131), wo dieses Power-Ranking als lächerlich („beschissen“) hingestellt wurde, weil Carolina an #4 und das Playoff-Trio Baltimore/Indianapolis/Minnesota in der unteren Hälfte des Tableaus aufscheinen. Man bedenke hierbei: Das Ranking scheißt sich einen Dreck auf Siege und Niederlagen; es tangiert bloß die Zukunft.

Carolina, das Freak-Team der ersten Saisonhälfte, als es trotz exzellenter Stats zwischenzeitlich 2-8 Siege hatte, war bei mir konstant in den Top-5 gerankt. Wenig überraschend gewannen die Panthers fünf der letzten sechs Spiele.

Bei Baltimore hatte ich nach ihrem 9-2 Start prognostiziert, dass die Ravens am Saisonende 9-7 sein würden; sie gewannen ein Upset (gegen die kollabierenden Giants) und sind 10-6, also „immerhin“ ein 1-4 Finish.

Indianapolis ist trotz Rankingposition #23 sensationell 11-5 gegangen. Von den Colts würde man gegen einen durchschnittlichen Schedule (.500) erwarten, dass sie 7.2 Spiele in einer Saison gewinnen würden; nun hatten die Colts einen für NFL-Verhältnisse extrem einfachen Schedule (.456); ein Team der Stärke der Colts sollte gegen einen .456-Schedule 8.0 Siege in einer Saison einfahren – so brutal outperformt haben die Colts mit ihren elf Siegen ihre Erwartung eigentlich nicht… trotzdem: 9-1 in engen Spielen mit maximal einem Score Differenz gegen einen so einfachen Schedule, das ist einfach Wahnsinn und nächstes Jahr nicht zu wiederholen.

Die Denver Broncos sind nicht bloß #1-Seed der AFC, sondern auch der Regular Season Champ in diesem Power-Ranking. Die Broncos waren 2-3 und alle Pundits sprechen von einem Formanstieg seither. Bullshit. Die Broncos waren von Woche 1 an eine der drei besten Franchises (hier die ersten publizierten Rankings); sie hatten zu Saisonbeginn halt das Pech, gegen mehrere extreme Kaliber spielen zu müssen (PIT, @ATL, @NE, HOU). Da kannst du schon mal drei Spiele knapp verlieren, v.a. wenn du in Atlanta per Freakunfall drei INTs in einem Viertel produzierst (und trotzdem noch fast gewinnst).

Der Herbst 2012 sah wieder 130 von 256 Spielen, also über die Hälfte, innerhalb eines einzigen Scores entschieden. Entsprechend ist die Verteilung der Siegbilanzen in dieser Saison wieder zu einem beträchtlichen Teil den glücklichen und unglücklichen Spielausgängen zu verdanken.

In einer rein zufällig verteilten Footballliga (Gauss-Verteilung) sähen wir eine Varianz von 0.125^2 in den Siegbilanzen (8-8 ist z.B. .500, 12-4 wäre ergo .750 usw.); die NFL-Saison 2012 hat eine Varianz von 0.194^2 „hervorgebracht“. Ergo können wir abschätzen, dass zirka

VAR (Zufallsliga) / VAR (reale NFL) = 0.125^2 / 0.194^2 = 0.42 = 42%

SunnyB vs Koko

Ergebnispräsentation morgen!

42 Prozent der Siegbilanzen der Mannschaften vom Zufall bestimmt wurden; das ist massiv, ist aber mit der im Sommer gemachten Beobachtung fast deckungsgleich – immer wieder erstaunlich, wie ähnlich Saison für Saison in der NFL abläuft.

Trotzdem haben viele verdiente Mannschaften die Playoffs erreicht: Laut Power-Ranking sind acht der besten zehn Mannschaften diese Saison in den Playoffs; bzw. neun der besten 12. Nur die bereits oben genannten „Big-Three“ kommen aus dem unteren Leistungshälfte.


Ich schrieb übrigens noch was in eben jenem verlinkten Artikel:

Wir werden im Jänner wieder vom nächsten Trainergenie Schiano fusseln, wenn die 12-4 Buccs (10-1 in engen Spielen) die NFC South gewonnen haben und vom Ende der Packer-Ära, weil Rodgers statt 1% mehr als 2% INT-Quote widerfahren und die Defense nur noch fuffzehn statt fünfhundertfunfundzwanzig Interceptions abfängt. Wir werden vergessen, wie eng die 32 Teams in ihrem Leistungsniveau beeinander liegen. Wir werden vergessen, wie viel Unsicherheit jede Spielsituation umgibt. Wir werden wieder stattdessen was von better execution und guts und clutch Eli und momentum hören und faseln.

Klingelt’s? Man wechsle die entsprechenden Colts-Anhängsel (Arians, 11-5, 9-1, AFC South) statt jenen der Buccs ein und der Satz wird prophetisch. Die Packers-Ära ist noch am Leben, weil Rodgers wieder famos spielte und seine INT-Rate weiter niedrig halten konnte (1.4%), die Defense dagegen fing deutlich weniger Bälle im Vergleich zur letzten Saison ab (3.2% INT-Rate), und schon haben wir aus einem scheinbar überragenden 15-1 Packers Team einen #3-Seed in der NFC mit 11-5 Siegen.


Genug der einleitenden Worte – nach dem Sprung gibt es das finale Ranking der Regular Season sowie die Siegwahrscheinlichkeiten für das Wildcard Weekend. Weiterlesen

Sugar Bowl 2013 Preview: #3 Florida Gators – #21 Louisville Cardinals

Nächste BCS-Bowl heute Nacht, 02h30 LIVE bei ESPN America: #3 Florida Gators (11-1) aus der SEC gegen die #21 Louisville Cardinals (10-2) aus der Big East Conference. Sieht aus wie das größte Mismatch in der diesjährigen BCS-Serie.

Für die feel-good Geschichte sorgt Louisvilles Coach Charlie Strong, einst der Chef-Recruiter hinter den Titelgewinnen des heutigen Gegners, Florida, 2006 und 2008. Strong ist nun seit drei Jahren bei den Cardinals, und sagte zuletzt den attraktiven Tennessee Volunteers ab, um in Louisville bleiben zu können. Strong hat da ein gutes, bei weitem kein großartiges, aber vor allem sehr junges, entwicklungsfähiges Team beisammen.

Draft 2013

Who to watch

Florida

DT Sharrif Floyd
S  Matt Elam
TE Jordan Reed
DE Dominique Easley
LB Jonathan Bostic
RB Mike Gillislee
LB Jelani Jenkins
   (inaktiv)
OT Xavier Nixon
LB Lerentee McCray
TE Josh Evans
K  Caleb Sturgis

Louisville

C Mario Benavides
CB Adrian Bushell

Gesicht der Mannschaft ist der ultraharte Knochen QB Terry Bridgewater, der zuletzt mit gebrochenen Knochen in der Wurfhand (!) gar nicht mal schlecht und vor allem furchtlos (v.a. gegen die Blitzes) spielte und nun wochenlang Zeit zum Ausheilen hatte. Ich bin gespannt, wie das gegen die unüberwindbare Secondary von Florida aussehen wird, wenn Louisville mit dem zugegeben gut anzuschauenden, aber relativ eindimensionalem Angriffsspiel (fast ausschließlich Passgewalt) aufmarschiert.

Die University of Florida dagegen bringt kaum adäquates Passspiel zustande, aber sie muss auch nicht: Die Defense ist unspektakulär, aber extrem effizient, und das eigene Laufspiel übernimmt die Hauptaufgabe, nur ja keine Turnovers zu produzieren: RB Mike Gillislee ist dazu ein elektrisierender Mann, dem man das Ei 20-30x in die Hand drücken kann, und auch QB Jeff Driskel ist angeleitet, im Notfall lieber 5yds zu scrambeln als den Ball in eine Doppeldeckung zu werfen.

Das sieht alles meist nicht schön aus, ist aber mit zunehmendem Spielverlauf immer effizienter – der alte Grundsatz wear ’em down by good old football scheint bei UF dieses Jahr noch Gültigkeit zu haben. Und es passt irgendwo zum Head Coach Will Muschamp, zwar ein feuriger Typ, aber einzig an seiner dominanten Defense interessiert.

Und selbst wenn Lousiville Passspiel Erfolg haben sollte, so wird Floridas Laufspiel zum Knackpunkt, denn die Cards haben eine anerkannt unterirdische Lauf-Defense. Man lasse Gillislee im 1st down jedes Mal 5-6yds laufen und habe ein sicheres Rezept für eine Pleite in der Region 27-3 pro Florida.

Excel ist „konservativer“ und sieht Florida „nur“ mit 17.5 Punkten im Vorteil, aber am klaren Favoritenstatus ändert das nix.

LIVE ab 2h30 bei ESPN America. Tape gibt es dort morgen um 19h.