Sideline Reporter vergibt die NFL-Awards 2012/13

Das Ende der Regular Season ist für Sideline Reporter wieder die Gelegenheit, seine eigenen Highlights und Lowlights zu vergeben.

Story der NFL-Saison

korsakoff – Die Auswahl ist breiter als in anderen Jahren, weil es neben dem Treiben auf dem Feld viele Nebengeräusche gab und gibt (Doping/Adderall, Replacement Refs, Bountygate, Neue Overtime, Turnover-Challenge), und weil es dieses Jahr zwei Comebacker fast bis zum MVP gebracht hätten. Das Außergewöhnlichste war für mich allerdings das Einschlagen der Rookie-Quarterbacks vor allem in Washington, Indianapolis und Seattle: Es gab sensationelle Rookies in der Vergangenheit, aber nie in dieser Masse. Was RG3, Luck und Russell Wilson dieses Jahr auf den Schirm zauberten, dürfte bahnbrechend sein und sollte aus Pietätsgründen nicht als Messlatte für künftige Jungspunde genommen werden.

Seminole – #Chuckstrong! In der Nur Für Lebensmüde gehört ein Zusammenhalt wie in die hier in Indiana zu den wärmsten Geschichten, und weil die Colts gleichzeitig auch noch den besten Quarterback aller Zeiten fast vergessen machen konnten, ist Pagano gegen die Leukämie logisch Story des Jahres.

Positive Überraschung der NFL-Saison

korsakoff – Seattle Seahawks. Von einer völligen Unbekannten zu einer unbekannten Macht, oder so. Den Hawks ging alles auf: Der Rookie aus der dritten Runde, Russell Wilson, schlug bombastisch ein, die Offense blieb gesund, die Defense dominierte noch mehr als vorgesehen, und am Ende haben wir ein Team, das zwar vier fragwürdige Niederlagen (Arizona, St Louis, Detroit, Miami) kassiert hat, aber auch einen gigantischen Strength of Victory (San Francisco, Green Bay, New England, Chicago, Dallas, Minnesota) vorweist.

Seminole – Indianapolis Colts. Natürlich konnte ich Andrew Luck nicht als „Überraschung der Saison“ einstufen, denn jeder wusste ja schon, dass er der beste von allen wird. Ganz anders die Colts. Natürlich hat korsakoff Recht, dass die Erwartungen für die Zukunft nun übertrieben sein werden und nächstes Jahr ein kleiner Einbruch folgen wird, aber das ist nächstes Jahr. Playoffs, Baby.

Enttäuschung der NFL-Saison

korsakoff – Philadelphia Eagles. Vom Superbowl-Kandidaten zum Rohrkrepierer: Die Eagles murksten erst mit viel zu vielen Turnovers, kollabierten schließlich unter Verletzungen und schnell kippender Stimmung und stehen nun vor einem Neubeginn mit wohl neuer sportlicher Leitung. Ich hatte diesen Einbruch bis Mitte Oktober nicht kommen sehen, da das eigentliche Hauptproblem bis dahin, zu viele Turnovers, eigentlich abstellbar schien. Mit Vicks Verletzung und gefeuertem DefCoord ging es dann richtig abwärts, so sehr, dass Andy Reids letzter Eindruck ein leider enttäuschender sein wird.

Seminole – Tagliabue. Es fällt nicht schwer nachzuvollziehen, dass ein Mann wie Tagliabue, ach was irgendein Mensch, Roger Goodell eins auswischen möchte. Es ist und bleibt aber reinster unverfälschtester Unsinn, offensichtlich schuldige Spieler freizusprechen, weil NFL-Spieler als willenslose Wesen eingestuft werden. Enttäuschend und das falsche Signal.

Offensivspieler des Jahres

korsakoff – QB Tom Brady. Es war ein Jahr mit vielen herausragenden, aber ohne den dominanten Offensivspieler, und deswegen geht, obwohl wir viele verdiente Kandidaten haben, die Ehre an einen im wahrsten Sinne des Wortes „Alt“-Bekannten: Brady orchestrierte eine Offense, auf die Chip Kelly stolz wäre, trotz Ausfällen und Formkrisen der wichtigsten Schachfiguren ohne mit der Wimper zu zucken und fehlerlos genug, dass es für den Preis ausreicht. Vier Touchdowns in dreizehn Minuten gegen die beste NFL-Defense, Baby. Und natürlich: #1 nach EPA/Play bei Brian Burke.

Seminole – Aaron Rodgers. Rodgers ist besser. Und verlässlicher. Seh sogar ich. Langweiliger Pick, ich weiß, aber Ehre wem Ehre gebührt.

Defensivspieler der NFL-Saison

korsakoff – DE J.J. Watt. Es mag ähnlich wichtige oder noch wichtigere Abwehrspieler als J.J. Watt geben, aber der Mann hat von einer der traditionell unscheinbarsten Positionen im Football, Left und Right End in der 3-4 Defense, fabulöse Stats erzielt, und selbst in trostlosen Spielen wie New England für Terz gesorgt, ohne wie der vergleichbar dominante Von Miller etliche Personal Fouls zu begehen. Watts Vorstellungen sind umso unglaublicher, als dass er, wenn er mal den Helm abnimmt, wie ein netter Bub aus der Nachbarschaft aussieht. (lassen wir den latenten Dopingverdacht mal unbeachtet)

Seminole – J.J. Watt. Diesen Herbst der beste, sagen alle, und viel wichtiger: Kein Angeber. „Netter Bub“ ist schön gesagt und trifft das nicht nur optisch. Aber da wo es zumindestens für Football notwendig ist, auf dem Feld, ist das ein Hulk.

Rookie des Jahres

korsakoff – RG3. Im Jahr der Rookie-Quarterbacks war RG3 nicht bloß der spektakulärste, sondern auch der wichtigste, effizienteste von allen. Die Colts mögen mit ihrem jungen Quarterback diejenigen sein, die am sorglosesten in die Zukunft schauen (Stichwörter: Verletzungen, konventionelle Offense), die Seahawks mögen den QB mit dem größten Entwicklungssprung haben, aber dieser Herbst gehörte Griffin dem Dritten: Die Stats sind besser, der Receiving-Corp ist schwächer, und alle Leistung wurde gegen einen bedeutend schwierigen Schedule erzielt als Luck ihn spielen musste, und er musste die Offense mehr schultern als Wilson in Seattle.

Seminole – Robert Griffin III. Der Funke von Andrew Luck ist schnell auf die Fans übergesprungen und das heißt bei so vielen reservierten Menschen in Indiana schon was. Toller, bescheidener Mensch, der zufällig noch ein bisschen besser Football spielen kann als fast alle anderen Rookies in diesem Jahr. Fast alle. Denn ich sehe ein, dass RG III diesmal den Tick besser war.

Coach des Jahres

korsakoff – Pete Carroll. Ein schwaches Team mittelmäßig zu machen, ist aller Ehren wert. Was Pete Carroll aber in den letzten drei Jahren mit den Seahawks angestellt hat, hat mein Bild von diesem Mann gewandelt. Seattle gehört zu den fünf besten NFL-Teams, und schaffte das mit einer nicht immer nachvollziehbaren, aber mutigen Personal- und GamePlan-Politik. Die Seahawks sind großartig, und sie sind es in einer im Gegensatz zum „letzten“ Mal (ca. 2004-2006 unter Holmgren mit einer Superbowl) plötzlich richtig starken Conference.

Seminole – Bill Belichick. Das geht mir schwer durch die Tastatur, aber der große Bill schafft es, dass ich den Patriots jetzt schon fast bewundernd zuschau’.

Reporter des Jahres

korsakoff – Mike Mayock. Die NFL-Network-Übertragungen waren dieses Jahr nicht mehr so neu, und vielleicht habe ich mich deswegen schon an den Standard von Mike Mayock gewöhnt. Ich fand ihn nicht mehr so außerordentlich gut wie 2011/12, aber es reicht für die Nominierung.

Seminole – Gus Johnson. Leeeeeider kaum mehr eingesetzt und sicher kein Fall für alle, aber bei Schlaftabletten wie „Mr. Überall“ Joe Buck oder dem allwissenden Collinsworth tut Gus einfach gut.

Spiel des Jahres

korsakoff – New England vs San Francisco. Es gab besser exekutierte Partien und dramatischere Schlussphasen, aber wenn sich zwei der besten Mannschaften in der NFL in würdigen Wetterverhältnissen erst ein Fumblitis einfangen, dann ein episches Comeback mit Gegenpunch austauschen und damit noch die Top-Seeds in beiden Conferences vorentscheiden, ist „Spiel des Jahres“ nicht unangebracht.

Seminole – Indianapolis vs. Green Bay. Noch taufrische Chuckstrong-Story, und der größte Superbowl Favorit vom größten Außenseiter mit Mega-Comeback besiegt. Noch Fragen?

13 Kommentare zu “Sideline Reporter vergibt die NFL-Awards 2012/13

  1. Tom Brady? hmmm… klar, mit dem macht man nie was falsch; auch mit ARod nicht. Hervorzuheben, wenn man mal nicht die Rookies nimmt, wäre für mich definitiv Payton Manning. Klar waren die Broncos letztes Jahr trotz oder mit Tebow gut. Aber nach einer so „schweren“ Verletzung (für einen QB) so zurück zu kommen und 13 Spiele in Folge zu gewinnen und auch in der gewohnten Dominanz; das hat schon was. Er hat seinem Ruf, der eigentliche OffCord. zu sein mal wieder alle Ehre gemacht. Bin sehr gespannt auf die AFC-Playoffs; für mich der eigentliche SB-Favorit.

    Und auch, wenns langweilgi wird: an AP2K wird man auch nicht vorbei kommen; zu dominant und prägend war er für sein Team. Gerade auch gegen GB letzte Woche hat man gesehen, dass er auch seinen QB trägt und ihm Sicherheit durch einfache PlayAction gab. Für mich der klare MVP… wie es schon bei den SofaQB’s gesagt wurde: wenn ein QB MVP wird, dann kann man es gleich QBMVP nennen!

  2. Wenn wir über einen „MVP“ sprechen, haben wir in den Top-10 zehn Quarterbacks, richtig. Wenn wir über den Offensivspieler des Jahres sprechen, können wir das ein bisschen ausweiten.

    Peterson war vielleicht prägend dieses Jahr. Super-QBs wie Brady, Manning oder Rodgers prägen und definieren ihre Mannschaften seit fünf Jahren (oder zehn). Wir merken es nur nicht mehr. Und nur weil die Wahl „langweilig“ ist, wird sich IMHO nicht falscher.

    Brady hat eine wackelige Patriots-Elf mal wieder auf Superbowl-Kaliber gehievt, und das obwohl Gronkowski/Hernandez länger ausfielen, Welker längst nicht sein bestes Jahr hatte, Llyod nicht wie gedacht eingeschlagen hat und und und. Diese blitzschnelle Offense funktioniert in New England so brillant, weil es Brady gibt.

    Ich habe keine „honorable mentions“ gemacht, weil es zu viele gewesen wären. An #2 und #3 würde ich Rodgers und – nicht nur damit er auch genannt ist – Peyton Manning wählen.

  3. Pingback: Hold your applause… Die Hard Count Awards | Hard Count

  4. Meine Awards:

    Story: Chuckstrong.
    Überraschung: Colts.
    Enttäuschung: Iggles.
    Offensive MVP: Adrian Peterson (ja ich verstehe warum man AP nicht nehmen sollte, aber trotzdem)
    Defensive MVP: JJ Watt.
    Rookie: RG III.
    Coach: Carroll.
    Reporter: Michaels/Collinsworth (Collinsworth!)
    Game of the Year: Vikings-Packers 37:34

    … so weit sind wir nicht auseinander 😉

  5. Höre gerade den Podcast von Peter King mit Brian Burke (http://sportsillustrated.cnn.com/podcasts/peter_king/index.html) und schwupps, gleiche Schlussfolgerung: MVP ist Tom Brady. Brian nennt das den Scientific Way, nichtbeachtend den Nonsens von absoluten Yards Zahlen!

    My two Cents (beeinflusst von den Advanced Stats um die kein Weg drum herum führt):
    Big Three MVP: Brady, Matt Ryan, Rogers (Luck ist Vierter). Gewählt werden die Player mit dem meisten Einfluss auf das Spiel. Bester non QB: C. Johnson an No. 12.

    Beste drei Angriffsspieler sind schwieriger zu messen: Brady sicherlich No. 1 vor Ryan und C. Johnson, Rodgers Vierter.
    Peterson ist super und es ist nicht leicht messbar wie groß sein Einfluss auf Defenses ist, aber Top-5 in der Offensive Player oder MVP-Diskussion? Niemals.

    (ich weiß, dass Conventional Wisdom sich von den 2097 beeinflussen lässt und Peterson zum MVP macht aber bitte: Schätzt man eben relativ unwichtige Leistungen hoch ein)

  6. Wenn man MVP ein bischen anders definiert, könnte man vielleicht doch einen case für Peterson machen.
    Anstatt auszurechnen wie unersetzlich ein Spieler für eine Mannschaft ist, könnte man ja mal überlegen wie leicht man ihn durch andere Spieler in der Liga ersetzen könnte.
    Da findet man vielleicht selbst für tolle Spieler wie Brady drei bis vier Kandidaten die denselben Job dieses Jahr vielleicht nicht wesentlich schlechter gemacht hätten. Also wenn Peyton Manning New England mit 11-5 in die Playoffs führt, ist das den Patriots ja auch recht.
    Ich konnte diese Saison nicht besonders verfolgen, aber wenn AP so einzigartige Leistungen bringt, so dass jeder andere RB meilenweit davon entfernt ist die Vikings auf ein ähnliches Level zu hiefen, könnte man ihn ja schon für most valuable durchgehen lassen. Selbst wenn overall die Leistungen der Patriots stärker von Brady abhängen als die Performance der Vikings von AP.
    Und ob das jetzt nur dieses Jahr war oder seit zehn Jahren so ist, ist ja beim MVP des Jahres dann auch egal.
    Wenn allerdings RBs so austauschbar wie Kicker geworden sind, oder die Qualität eines Teams schon relativ unabhängig von der Qualität ihres RBs ist, dann muss man vielleicht doch zwangsläufig zu QBs greifen.

  7. @the_lox:

    Nach Advanced Metrics ist Peterson 2.06 Standardabweichungen über dem Mittelwert des durchschnittlichen Runnin Backs, was WPA (Beitrag zur Siegbilanz, „Wert“ eines Spielers) und 2.05 Stabw in Sachen EPA (Beitrag zu den erzielten Punkten, „Leistung“ eines Spielers).

    Brady ist 1.62 Stabw über dem durchschnittlichen Quarterback in Sachen WPA, 2.09 Stabw drüber in EPA.

    Advanced Metrics sind für individuelle Spieler auch lange nicht perfekt, aber gut: Gäbe insofern deiner Argumentation recht.

    Bleibt aber der Wert und die Kontrolle, die ein Quarterback im Vergleich zu einem Running Back über das Spiel seiner Offense hat. Peterson ist super und sicher einer der besten Running Backs der letzten zehn Jahre, aber ich würde argumentieren, dass Brady seiner Offense und auch seinem Laufspiel mit Abstand mehr hilft als Peterson der seinigen.

    Nur als Abrundung:

    Brady
    WPA 4.69 (0.29/Spiel), #3 unter QBs
    EPA 202.5 (0.28/Play), #1 mit Abstand

    Peterson
    WPA 1.24 (0.08/Spiel), #3 unter RBs
    EPA 31.4 (0.08), #2 unter RBs

    Sicher mag Peterson brutal wichtig sein und die Vikes mit Ponder verloren sein. Aber die Pats (oder Saints, Packers, Falcons, usw.) wären ohne ihre jeweiligen QBs ebenso aufgeschmissen, und hätte eines dieser Teams Peterson im Kader, sie würden trotzdem weitestgehend Passspiel anwenden.

  8. Meine Enttäuschung des Jahres sind leider die Detroit Lions, die es einfach nicht schafften, mit so viel Potential etwas zu bewegen. Als Giants-Fan habe ich von den Eagles nichts anderes erwartet als einen Totalabsturz.

    Spieler des Jahres für mich ist Adrian Peterson. In der passorientierten NFL über 2000yds zu laufen ist aller Ehren wert und letzten Endes sind die Viks auch seinetwegen in den Playoffs.

    Ach ja: @ Korsakoff: Es macht immer noch Spaß hier zu lesen. Ist einfach klasse

  9. Re MVP Defintion: In jeder Sportart wird das Thema jedes Jahr aufs neue Diskutiert. Es gibt viele interessante Argumentationen die ich trotz unterschiedlicher Ansätze nachvollziehen kann. Gerade im Football finde ich es dennoch schwieriger als, sagen wir in der NBA, diese Entscheidung zu treffen. Gründe sind u.a. die strikte Trennung von Offense und Defense Teams, die konkreten, meist klar abgegrenzten Aufgaben der einzelnen Positionen und damit einhergehend auch die prägende Stellung des QBs. Klar haben Brady, Rodgers, Manning und co überdurchschnittlichen Einfluss auf das Spiel ihrer Mannschaften und es handelt sich natürlich auch um außergewöhnliche Spieler. Aber salopp gesagt ist das auch ihr Job. Wenn jedoch ein Spieler einer anderen Position so aufgeigt wie z.B. ein Adrian Peterson das getan hat und für seine Position ungewöhnlich viel Einfluss auf das Spiel der eigenen Offense bzw. der Defense des Gegners nimmt, kann ich schon verstehen warum er im Gespräch ist.

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