Wildcard Weekend 2013 am Samstag: Houston Texans – Cincinnati Bengals Preview

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Heute Abend, 22h30 MEZ, startet wieder eines der alljährlichen Highlights, die NFL-Playoffserie 2013. NFL-Playoffs, das ist schon allein wegen des „best of one“ immer wieder was Besonderes, aber spätestens wenn man die vielen Unwägbarkeiten aufgrund der fast gleichstarken Mannschaften oder die Wetterkapriolen im eiskalten Green Bay mit reinmischt, haben wir eine der besten Zeiten im Sportjahr vor uns.

Los geht es aber in der wohltemperierten Halle („Reliant Stadium“) von Houston mit zwei langjährigen hässlichen Entleins der NFL: #3 Houston Texans  (12-4) vs #6 Cincinnati Bengals (10-6).

Die Texans spielen erst ihre elfte NFL-Saison (zweites Mal Playoffs), während die Bengals in den 80ern zweimal in der Superbowl standen, sich danach aber in die Niederungen der National Football League verkrochen und nur noch durch wahnsinnige QB-Busts für Aufsehen sorgten. So richtige Identifikationspunkte haben beide Franchises nicht aufbauen können. Entsprechend wenig Buzz kriegt diese Ansetzung dann auch in den Staaten. Dabei hätte sie durchaus ihre Reize.

Wenn die Texans den Ball halten

GB-MIN

Preview.

Die Texans-Offense ist ganz in der Tradition des Head Coaches Gary Kubiak gestrickt, der getreu dem Motto der Apfel fällt nicht weit vom Stamm wie seine einstigen Lehrmeister in Denver eine innige Beziehung mit dem „Zone Blocking“ führt, das schon völlig unbekannten Running Backs zu Individualawards en masse verhalf.

Es handelt sich hierbei tatsächlich um eines der letzten wirklich markanten Spielsysteme, das sich aus dem Einheitsbrei der NFL heraushebt: Eine horizontal angelegte Offense, wo die Offensive Linemen besser beweglich und intelligent als zweieinhalb Zentner schwere Säcke sind, und Running Backs wie Vorblocker dringend im Einklang Spielzuentwicklungen lesen können müssen.

Am einfachsten sieht man es in Houston an RB #23 Arian Foster, dessen Laufstil irgendwo zwischen zögerlich und arrogant einzuordnen ist, der aber nach dem entsprechend erfolgreich gefundenen Loch sofort den Brenner zündet und per Cut (Fachterminologie „one cut“) die Lücke attackiert: Foster studiert in den ersten zwei, drei Schritten erst die Bewegungen der Defensive Line, dann die seiner Vorblocker, anstatt wie andere Backs sofort ins Getümmel zu stürzen.

Diese Saison waren die Texans trotz insgesamt guter Zahlen nicht mehr so effizient mit ihrem Spiel, was neben den Wehwehchen der Herren Foster und RB #44 Ben Tate auch an Leistungsschwankungen der Offensive Line lag: Der gefeuerte RT Winston wurde durch den viel kritisierten Ryan Harris nicht adäquat ersetzt, und die Guards Smith/Jones, Schlüsselfiguren weil sie die Schnittstelle zwischen DT und DE stellen, sollen bei Kubiak ebenso kein gutes Standing verfügen.

Kubiak blieb seinem System trotzdem treu, a) weil er keine Alternative hat und b) weil es immer noch fundamental wichtig für den Erfolg des Play-Action-Passes ist, den kaum jemand wie QB #8 Matt Schaub beherrscht; Schaub war letztes Jahr in den Playoffs verletzt und auch wenn er kein Mann ist, der dich mit rasiermesserscharfen 60yds-Pässen besiegt, gilt er doch als spielintelligent genug, um seine Offense nicht mit Fumbles und Interceptions zu killen und per Play-Action Pass in kleinen Nadelstichen zu schlagen imstande ist.

Schaubs größte Waffe auf den längeren Distanzen ist WR #80 Andre Johnson (heuer 1598yds), gebaut wie ein NFL-Prototyp für Wide Receivers und auch mit Anfang 30 noch sämtlichen Defensive Backs physisch schlicht überlegen. Die „sichere“ Option ist TE #81 Owen Daniels, aber abseits davon wird es bei den Skill Players den Texans relativ schnell dünn.

Gegen diese gefinkelte, aber wegen individueller Schwächen nicht unschlagbare Offense, liest sich das Abwehrpersonal der Cincinnati Bengals recht „glücklich“, angefangen beim DefCoord Mike Zimmer, der als pragmatisch genug gilt, seine Defense haarklein auf die Details des Gegners aufzustellen ohne irgendwelchen egoistischen Firlefanz zu verfolgen.

Zimmer verfügt in #97 Geno Aktins über einen fantastischen Defensive Tackle, der nicht mit Schulterwürfen und fliegenden Helmen auf sich aufmerksam macht, dafür aber Snap für Snap die Line qua Wucht zerbröseln kann. Daneben laufen über als diszipliniert bekannte Leute wie DT #94 Domata Peko, Passrusher DE #96 Carlos Dunlap oder DE #93 Michael Johnson auf, und die Linebackers sollen auch geduldig sein, was man bei einer Herrschaft wie OLB #55 Vontaze Burfict, ein durchgeknallter Freak am College, nicht vermutet hätte.

In der Secondary soll CB #29 Leon Hall zwar nicht mehr die Form früherer Tage haben, aber wenn er Johnson wenigstens in Spurenelementen unter Kontrolle halten kann, könnte sich das durchaus schon auszahlen. Zudem soll die Secondary tief genug besetzt sein, als dass man nach Hall immer noch bekannte Leute wie #23 Terrance Newman, #22 Nate Clements, #24 Pacman Jones oder #25 Jason Allen aufstellen kann.

Schließlich bleibt zu beachten, dass Kubiak zwar annähernd eine 50/50-Ratio mit seiner Offense anzustreben versucht, aber im Zweifelsfall als ungeduldig genug gilt, zu früh von seiner Balance abzugehen und zu schnell den tiefen KO-Schlag zu suchen.

Wenn die Bengals den Ball halten

Im Gegenzug zum Texans-System „Wide-Zone“ gründet die Bengals-Offense neben einer grundsoliden Offensive Line vor allem auf den individuellen Qualitäten und Nichtqualitäten des vorhandenen Personals. OffCoord Jay Gruden hat für QB #14 Andy Dalton ein immer noch relativ simpel gestricktes System gebastelt, in dem der bewegliche Dalton primär die Superwaffe WR #18 A.J. Green, einen der besten Wide Receivers ligaweit, bedienen darf, und für die Pässe zwischendurch stehen TE #84 Gresham und der Slot-WR #16 Hawkins zur Auswahl. Laufspiel um den wenig explosiven RB #42 Green-Ellis wird zwischendurch auch eingebaut, ist aber aus eigener Kraft nicht in der Lage, Yards und Punkte zu produzieren.

So pragmatisch Gruden seinen Angriff aufgestellt hat, so sehr braucht er dafür seine Offensive Line zum Schutz der Pocket und Aufreißen von Löchern, da die „Skill Players“ abseits von Green eben nicht aus dem Ligamittelmaß herauszuragen wissen.

LT #77 Andrew Whitworth und diese Saison noch mehr RT Andre Smith gelten als exzellentes Pärchen an den Flanken der Pocket, und beide wird es brauchen, denn die Texans besitzen eine rundum gut besetzte Abwehr, aus der der eine Mann herausragt: DE #99 J.J. Watt, der Defensivspieler des Jahres, dessen Wucht und Präsenz so fassungslos sind, dass der Mann im Alleingang Houstons Passrush repräsentiert und gleichzeitig noch der mit Abstand beste Laufverteidiger ist. Ich habe in zehn Jahren NFL außer Peppers keinen Lineman gesehen, der über eine komplette Saison so brutal dominiert hat wie Watt heuer. Auch Dalton, Smith und Co. kennen Watt bereits:

Normalerweise stellen die Texans Watt auf Left End und zwischendurch auf Right End auf (ohne es richtig überprüft zu haben: Gefühlt ist es häufig dort, wo der Tight End steht), aber sollten sie ihre Outside Linebackers mehrfach auf Blitz-Trips schicken, könnte auch die Innenseite der Bengals-Line in den Fokus geraten (v.a. Rookie-G Zeitler) – die Einmannabrissbirne Watt wird gerne immer mal wieder über die Mitte geschickt.

Fraglich ist da mehr, ob überhaupt einer von den „anderen“ Druck zustande bringen kann, denn den OLBs Barwin/Reed wird ein eher maues Jahr nachgesagt und der Rookie-DE Mercilus soll zum jetztigen Karrierezeitpunkt nicht mehr als ein situational player sein. Es wird ein schönes Schachspiel werden: Wo steht Watt? Wie wird Dalton per Audible drauf reagieren? Hätten die Bengals ein besseres Laufspiel, könnten sie ihre Spielzüge dahin entwickeln, wo Watt gerade nicht steht.

Letztes Jahr zeigte das Playoffspiel Houston-Cincinnati die Abhängigkeit von A.J. Green: Als der ausgeschaltet war, war es um die Bengals geschehen. Die Texans haben viele gute, aber keine großartigen Defensive Backs im Kader und müssen Green mit scheming aus dem Spiel nehmen – CB #24 Joseph und CB #25 Jackson gelten als grundsolide Leute, denen man aber nicht einen der besten Receiver in der NFL allein anvertrauen möchte, und S #38 Manning soll ein schlechtes Jahr gespielt haben. So oder so müssen die Bengals sich mit ihren Plays breit aufstellen, um nicht zu schnell in die Abhängigkeit Greens zu geraten – Schlüssel könnte hier tatsächlich der wuselige Hawkins werden.

Prognose

Vorherrschende Meinung von den Texans scheint – wie vor einem Jahr übrigens auch – eine eher skeptische zu sein: Die zweite Saisonhälfte Houstons war nicht wirklich überzeugend, und zuletzt verlor man gegen unterdurchschnittliche Teams wie Minnesota und Indianapolis sogar noch Playoff-Freilos und Heimvorteil. Die Texans dürften insgesamt auch nicht „12-4 würdig“ sein (Pythagoreische Erwartung von 10.2, enge Spiele 5-0, 68% Fumble-Recovery-Rate), aber ich halte sie in diesem Spiel trotzdem für favorisiert.

Wichtig wird die erste Halbzeit werden: Houstons Offense zeigte dieses Jahr Schwächen, „von hinten“ zu kommen, d.h. Rückstände primär mit Passspiel aufzuholen ist nicht datt Ding der Texans. Aber es ist auch nicht die Mär der Bengals, wie die Feuerwehr zu starten und mal eben vier Drives per Touchdown zu eröffnen. Und wenn wir von einer Art Formtief bei Houston sprechen: Was war das bitte für eine armselige Offense-Vorstellung der Bengals zuletzt in Philadelphia (nur dank Selbstzerstörung beim Gegner gewonnen) oder Pittsburgh (einziger TD war ein INT-Return der Defense)?

Houston Texans mit 7.

5 Kommentare zu “Wildcard Weekend 2013 am Samstag: Houston Texans – Cincinnati Bengals Preview

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  2. Von Watt wegrennen ist gar nicht so einfach wie man denkt. Habe diese Saison öfter gesehen, wie er mit einem Swim-Move wie beim Passrush einen Backside Blocker besiegt und den Run für minus 4 stopft.

    Und ja, dein Gefühl stimmt, Watt wird für gewöhnlich auf der Strong Side aufgestellt.

  3. Ja Watt ist ein Monster nicht zu bremsen! Aber sonst ist die Texans Defense schon schlagbar, man muss halt die Plays schnell genug in die andere Richtung entwicklen.

    @Korsakoff: Wird es wieder Liveblogging geben?

  4. Pingback: AFC-Wildcards 2012/13: Houston Texans – Cincinnati Bengals | Sideline Reporter

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