Wildcard Weekend 2013 am Sonntag: Washington Redskins – Seattle Seahawks Preview

Abschluss der diesjährigen Wildcard-Playoffs bilden heute ab 22h30 (LIVE bei ESPNA, SPORT1+ und auch bei PULS4 in Österreich!) die Washington Redskins (10-6) und die Seattle Seahawks (11-5). Es ist fast mein Lieblingsspiel, und auf alle Fälle spielt eine der besten Mannschaften dieses Jahres gegen den vielleicht faszinierndsten Quarterback.

Faszinierend ist auch die Offense von beiden Mannschaften. Ich komme dazu noch gleich, aber eins schon vorweg: Ich habe selten in der NFL Offenses so krass auf das Play-Action-Konzept setzen sehen wie Washington und Seattle heuer. Ich kann keine Statistiken finden, aber da müssen gut 1/3 der Pässe so gespielt werden – und gerade RG3 in Washington wirkt damit extremst erfolgreich, wenn ich an die vielen deep passes denke. Aber auch bei den Seahawks sind brutal viele Receiver offen.

Es würde mich ja total interessieren wie viel Play Action bringt. Meine Augen sagen mir: Extrem viel. Aber wenn es dafür eintausendmal Lauf braucht um dem Fake „Credibility“ zu geben wie die Troy Aikmans es immer behaupten, ist es den Trade Off dann wert? Das ist vermutlich aber eine Diskussion für einen anderen Tag…

Washington – Seattle war vor wenigen Jahren noch anders, als sich die beiden zweimal in den Playoffs zwar spannende, aber trotzdem sterbenslangweilige Partien lieferten, die beide meiner Erinnerung nach Seattle gewann, und zweimal wurden sämtliche Stereotypen bestätigt: Softe Seahawks, gelähmte Redskins, deren Stareinkäufe nix rissen.

Mittlerweile sind die damaligen Trainerstäbe entsorgt und seit 2010 haben beide neue Head Coaches: Mike Shanahan, der ehemalige Superbowl-Champ in Denver, bei den Redskins, und Pete Carroll, ehemaliger „Versager“ in New England und New York, aber am College bis zu NCAA-Recruitingverstößen dominierend, in Seattle.

Wenn Washington den Ball hält

Die Redskins spielen wie schon oben angedeutet eine der atypischsten Offenses in der NFL, und der wichtigste Mann hierfür ist Rookie-QB Robert Griffin III. Ich möchte mich nicht in den Details der Redskins-Offense verlieren – dies erledigte bereits Chris Brown von Smart Football besser, als ich es jemals machen könnte, bei Grantland.com:

What makes the Redskins‘ pistol attack so effective is that, while some of the specifics — and certainly the rare talents of RG3 — are new, the underlying principle is the same one that makes any offense work: It puts defensive players in conflict. Over the course of the season, Mike Shanahan and his son, offensive coordinator Kyle Shanahan, have settled on a simple four-concept sequence that takes advantage of specific defensive responses.

Die vier Concepts sind:

  • Inside Zone-Read Option – nicht wie z.B. Houston eine lateral angelegte Offense, sondern Zonenblocking straight geradeaus, auf die Landschaft im Spielfeld scheißend.
  • „Bluff“. Fullback blockt einen Linebacker, nicht den Defensive End und gibt seinem QB damit Zeit zum Lesen der Defense. Der Spielzug, der RG3s Gefahr als Scrambler am besten nutzt.
  • Pistol-Offense, Fullback blockt den Defensive End, simpler Laufspielzug kann abgehandelt werden.
  • Outside Zone – datt ist die Houston-Offense (bzw. einst in Denver entwickelt), wie ich das gestern beschrieben hatte.

Brown kommt am Ende zur Überzeugung, dass diese Offense nur dann zu stoppen ist, wenn eine physische Front-Seven gepaart mit manndeckungsstarken Cornerbacks aufmarschiert – und zusätzlich noch ein Freelancer auf Safety marschiert, der Qualitäten des Ed Reed aufweist. Glück für die Seahawks: Sie haben alles.

TV-Guideline

LIVE

So 22h30  ESPN America
So 22h30  SPORT1+ 
So 22h20  PULS4

Tape

Mo 18h30  ESPNA
Fr 14h    ESPNA

Der Pass Rush der Defensive Line könnte zwar etwas aggressiver sein, aber sie haben „wenigstens“ die Bolzen für die Mitte der Line, einen DE Chris Clemons, der an guten Tagen drei Sacks und zwei Fumbles provoziert, einen brutal flinken OLB #51 Bruce Irvin, grundsolide Linebacker rund um Rookie Bobby Wagner, und eine Secondary, die in der NFL ihresgleichen sucht: CB #25 Sherman und CB Browner, die beide den Dopingverdacht noch nicht ausräumen konnten (wer kann das schon in der NFL?), und vor allem den Mann, den ich mittlerweile fast so verehre wie Ed Reed: S Earl Thomas, der sich im All-22 Tape mehrfach verarschen ließ, aber ein Athlet vor dem Herrn, fast immer in Ballnähe und wenn, immer mit dem notwendigen Play.

Da wird Washington dran zu knabbern haben, denn RG3 ist nicht 100%ig fit, seine Scrambles wirkten die letzten beiden Wochen zögerlich. RB Alfred Morris möchte ich erst sehen, wenn der Mann mal mehr machen muss als „nur“ zu lesen und ins Loch zu starten. Gelingt es Seattle, das Laufspiel schnell einzubremsen, werden die Redskins viele lange dritte Downs spielen müssen – das Todesurteil für RG3 und Co. Denn auch die Wide Receiver und Tight Ends der Redskins sind, man nehme es mir nicht übel, banal: Gegen gute Manndeckung sehen die Herren Robinson oder Garcon leider häufig blass aus.

Wenn Seattle den Ball hält

Die Seahawks gehören zu den ausgeglichensten Offenses in der NFL, und sie gründen auf dem Laufspiel, ergo vor allem „Beast Mode“ RB #24 Marshawn Lynch. Ich hielt Lynch nun jahrelang für überhypt, die ganz Aufregung nicht wert, aber dieses Jahr war sehr gut bis fantastisch von Lynch (und auch vom Backup Turbin). Das Laufspiel sieht recht „zonenlastig“ aus, wenn auch nicht die leicht erkennbare Reinform von Houston, aber Seattle probiert es vornehm darüber, häufig auch mit einem Vorblocker (bei Seattle fallen viele Strong-I und Weak-I Formationen auf).

Das Passspiel soll für Rookie-QB Russell Wilson immer noch vereinfacht sein, sodass Wilson nur die „sicheren“ Plays machen muss. Für diese Beschreibung taugte aber zumindest die zweite Saisonhälfte IMHO nicht mehr, denn Wilson machte Plays – und wie. Der Mann feuert zwar nicht Geschütze á la Cutler ab, aber die Bälle vom wuseligen Wilson fliegen doch ästhetisch schön auch über die mittellangen Routen genau an ihr Ziel. Und wenn der Mann erst losscrambelt… ich wollte mir zu Weihnachten eine Russell-Wilson-Plüschkatze schenken lassen, war aber leider schon ausverkauft.

Es ist nicht ganz sicher, wie Washingtons Defense auf die nicht überaus komplizierte, aber physische Hawks-Offense reagiert. Die Skins verloren zu Saisonbeginn ihren absolut wichtigsten Passrusher, den MVP-würdigen OLB Orakpo, und DE Carriker, aber blieben danach von weiteren Verletzungen und Zipperlein verschont und fielen durch eine brutal blitzfreudige Defense auf – das ging wohl vor allem zu Beginn häufig schief (nach sechs, sieben Wochen war das die schlechteste Passdefense in der NFL), soll sich aber stabilisiert haben (den Zahlen nach ist man mit 6.8 NY/A mittlerweile „schon“ #24).

Was Sorgen macht, ist die Lauf-Defense, die mit 54% Success-Rate (also Plays, die dem Gegner verbesserte EPA/erwartete Punkte bringen) nahe dem Liga-Bodensatz ist. Vielleicht werden nicht die ganz langen Plays aufgegeben, aber wenn Lynch/Turbin Lauf für Lauf die kleinen Yards machen können, die weh tun, dürften die Redskins da schwer dran zu knabbern haben (SEA ist in der Laufoffense bei 45% Success-Rate, #6).

Prognose

Zwei völlig überraschende – und überraschend starke! – Playoffteans. Zwei Rookie-Quarterbacks. Zwei Head Coaches, die in der Trainerwahl weit vorne landen sollten. Von der Ansetzung her ist das die attraktivste des Wochenendes, aber es gibt noch zwei versteckte Faktoren, die ich noch nicht unter der Lupe hatte.

Zum ersten sind das die Turnovers: Washington blieb dieses Jahr erstaunlich verschont davon in der Offense (8 INT, 6 verlorene Fumbles), und dabei kamen 3 der INTs vom Backup Cousins, einer davon bei einer Hail Mary. Die Redskins nahmen zudem heftige 68% der am Boden liegenden Fumbles auf – unglaublich hoher Wert für einen Münzwurf-Spielzug, der langfristig 50/50 sein wird.

Und dann der Heimvorteil. Seattle spielt zwar in Washington, aber nicht zuhause. Im CenturyLink Field gilt diese Mannschaft als unschlagbar, aber auswärts als verwundbar – es ist da was dran: Alle Stats der Hawks sind auswärts einen Tick schwächer, und sie spielen immer noch mit einem Rookie-QB. Nur leider der Gegner auch.

Seattle mit 4.

5 Kommentare zu “Wildcard Weekend 2013 am Sonntag: Washington Redskins – Seattle Seahawks Preview

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