Divisional Playoffs 2013 am Sonntag: Atlanta Falcons – Seattle Seahawks Preview

Mit dem Raubvogelduell Atlanta Falcons (13-3) vs. Seattle Seahawks (12-5) geht es heute ab 19h weiter mit den Divisional Playoffs. Es ist das Spiel, in dem der allgemeine Tenor nicht den Top-Seed Atlanta favorisiert zu sehen scheint, sondern den #5-Seed und Emporkömmling des Jahres, Seattle. Wie gut Seattle ist und wie hoch ich diese Truppe dieses Jahr einschätze, habe ich schon vor Wochen dargelegt. Konzentrieren wir und also auf die Mannschaft, die heute etwas zum Verlieren hat.

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Die Atlanta Falcons sind historisch gesehen eine der „grauesten“ Mäuse, dümpelten jahrzehntelang im Mittelfeld herum ohne jemals wirklich absoluter Bodensatz zu sein. In den 90ern war man mal im Superbowl und keiner wusste, weshalb, und die 2000er Jahre waren geprägt von der stürmischen Hassliebe einer schwarzen Stadt mit einem schwarzen Ausnahme-QB, Michael Vick. Atlanta war plötzlich Lieblingskind der NFL, aber die Erfolge blieben größtenteils dennoch aus. Nach Vicks Einbuchtung und der kurzen Zeit und Headcoach-Arschloch Bobby Petrino war man endlich „ganz unten“ angekommen.

Enter Mike Smith, einen der zirka 3,7 Millionen Mike Smiths in den USA, den DefCoord der Jacksonville Jaguars, der gemeinsam mit dem jungen GM Thomas Dimitroff die Falcons schnell umkrempelte und zu einer jungen, physischen Mannschaft um den „Pocket-Passer“ Matt Ryan transformierte. Die Falcons waren unter Smith/Ryan nie unter .500 und gehören konstant zu den Mannschaften, die um Playoffs und Divisionssieg mitspielen, aber sie haben einen Makel: Sie standen dreimal in den Playoffs und verloren dreimal. Sie haben das Image der Loser, der Versager dann, wenn es wirklich wichtig ist.

Näher betrachtet sind die vielen Playoffpleiten soooo überraschend auch nicht. Erstens kannst du schonmal drei Spiele verlieren, zweitens ist die Konkurrenz in den Playoffs typischerweise einfach besser, und drittens hatten die Falcons meistens durch knappe Siege geschönte Bilanzen in der Regular Season, die die Erwartungen nach oben trieben (z.B. 7-2 in engen Spielen 2010, 7-1 heuer). Zweimal gegen den Superbowl-Champ rausgeflogen, einmal gegen den haarscharfen Superbowl-Verlierer. Life is hell. Jetzt also der vierte Anlauf.

Preview

Herrmann

In der Offense ist Atlanta mittlerweile so gebaut, wie Dimitroff es sich wohl gewünscht hatte: Vor eineinhalb Jahren kaufte man sich extrem teuer WR Julio Jones im Draft ein, um sich von der „Power“-Angriffsmaschine hin zu einer richtig runden, schönen Pass-Offense zu entwickeln: Der explosive Jones, ein beinharter Knochen, der physischere, erfahrene WR #84 Roddy White und der legendäre TE #88 Tony Gonzalez auf seinem letzten Halali ergänzen sich zum einen kongenialen Angriffstrio, dank dem QB Ryan konstant um oder über 7 NY/A (diesmal: 7.0 NY/A, #4) und >4000 Passyards/Jahr anschreibt.

Das, obwohl die Offensive Line nur Mittelmaß und das Laufspiel um das Bröckerl, RB Michael Turner, mittlerweile komplett abgewrackt ist (3.7 Y/A, #28 und 36% Success-Rate, #29). Turner kommt über die Physis, und nach mehreren Jahren mit 300-400 Carries scheint der Mann seit zirka eineinhalb Saisons verbrannt zu sein; Backup RB #32 Rodgers (genannt: „Quizz“) ist wendiger, agiler, kommt aber (noch?) deutlich seltener zum Einsatz.

Obwohl man bei Atlanta vielleicht ein Sternchen setzen muss aufgrund der eher suspekten gegnerischen Defenses dieses Jahr, muss sich Seattle auf einen harten Kampf einstellen: Atlanta ist nicht mehr die Mitteldistanzorgie früherer Tage, denn Ryan wirft heute auch einen gepflegten (nicht überragenden) tiefen Ball, bei dem schon 2-3x pro Spiel 40yds und mehr herausschauen können. Damit sollte Atlanta auch soweit sein, im Zweifelsfall 10 Punkte und mehr aufzuholen. Und sie punten fast nie (34.5% der Drives enden in Punts, #3). Sie beenden ihre Drives häufig mit Punkten (2.34pts pro Drive, #5).

Heute dürfte zusätzlich der Ausfall von DE Chris Clemons (Kreuzbandriss) zugute kommen, denn ohne die Naturgewalt Clemons gehört der Passrush Seattle noch einmal eine Kategorie heruntergestuft. Es läuft also auf faszinierende Mann-gegen-Mann Duelle der Wide Receivers gegen die CBs Sherman/Browner hinaus, und ich getraue mich nicht vorherzusagen, wer sie mehrheitlich gewinnt.

Skeptischer bin ich beim direkten Duell der Seahawks-Offense gegen Atlantas Abwehr. Fraglos: Die Falcon-Defense ist im ersten Jahr unter DefCoord Mike Nolan durchaus grundsolide geworden, aber man kriegt als geneigter Zuschauer schwerlich ein Gefühl, was diese Defense ausmacht (außer die vielen Turnovers: 17.6% der Drives enden in provozierten Ballgewinnen, #4, darunter 20 INT). Rührt daher das Misstrauen? Die Stats wären so schlecht nicht: 54% Success-Rate (#20) gegen den Lauf, 6.0 NY/A (#10) gegen den Pass – gibt auch in diesem verbliebenen Achterfeld Schlechteres zu beobachten.

Die Seattle-Offense ist aber ein Kaliber, das immer noch unterschätzt wird, und die ich für kein allzu gutes Matchup für Atlanta halte: QB Russell Wilson ist nicht der „typische“ Scramble-QB, weil er selten losläuft, aber mit seiner Mobilität fluscht er a) dem Passrush aus und ist b) als Läufer gefährlich genug, dass die Defense trotz der seltenen Scrambles einen Mann („Spy“) abstellen sollte. Ich sehe bei Atlanta erstens zu wenig Pass Rush, und zweitens keinen „logischen“ Linebacker, den man auf Wilson abstellen kann, ohne langfristig in der Deckung der Spielfeldmitte zuviel aufzugeben. Die Deckung der CBs Samuel/Robinson gegen die Top-WRs Rice/Tate könnte passen, aber man möchte TE Miller und WR Baldwin in der Spielfeldmitte nicht zu viele Freiheiten lassen.

Ein Trumpfkärtchen für die Falcons habe ich noch: Sie haben Disziplin. 0.21 Penalty-Yards pro Spielzug sind sensationell wenig (Hälfte des Liga-Schnitts!) und meilenweit vor allen anderen Teams. Man stelle sich das vor: Zirka 100 Plays im Spiel, und Atlanta muss bloß 3 Strafen für 20 Yards hinnehmen! Ein gewaltiger Vorteil, und wo sich z.B. Seattle mit einem Dutzend zurückgepfiffenen erfolgreichen Plays jede Woche herumplagen und sich nach diesen Schlägen immer wieder neu motivieren muss, spielt Atlanta seinen Stiefel unaufgeregt runter, Play für Play für Play für Play.

Wer fliegt also ins Semifinale?

Ich schätze Mike Smith als in game-Coach. Ich habe mittlerweile immensen Respekt für das Werk, das Pete Carroll in Seattle angerichtet hat. Ich glaube nicht, dass Smith und Matt Ryan die Affen auf dem Buckel spotten hören. Ich glaube nicht, dass sie Versager sind. Ich tue mir bloß sauschwer zu akzeptieren, dass die Seahawks, die mighty Hawks, nicht ins Conference-Finale fliegen werden. Ich würde es den Falcons ja richtig mal gönnen, aber ich sehe es knapp nicht. Ich widerspreche Herrmann.

Seattle mit 3.

Ein Kommentar zu “Divisional Playoffs 2013 am Sonntag: Atlanta Falcons – Seattle Seahawks Preview

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