Divisional Playoffs 2013 am Sonntag: New England Patriots – Houston Texans Preview

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Fuck.

Abschluss der Divisional Playoffs heute ab 22h30 LIVE nicht nur bei ESPN America und SPORT1+, sondern für Österreicher auch auf PULS4 mit Walter Reiterer/Michael Eschlböck bildet ein Re-Match aus den letzten Wochen der Regular Season, New England Patriots (12-4) vs. Houston Texans (13-4). In der Regular Season gab es ein Blowout, und nach Houstons Wackelsieg letzte Woche gegen Cincinnati geben viele den Texans hier nicht den Hauch einer Chance.

Klar ist: Sie gewannen letzte Woche nicht überzeugend. Klar ist auch: Sie waren trotz des knappen Endergebnisses haushoch überlegen und sich in erster Linie selbst im Weg. Und was ein Blowout in der Regular Season zu bedeuten hat, haben die Pats zuletzt vor zwei Jahren am eigenen Leibe erfahren.

Im Dezember…

…killten die Pats Houston, und der Türöffner dazu war der extrem schnelle Start: 21-0 nach drei Angriffsserien; zweimal ward Houston per Turnover gestoppt (ein wirklich schlimmer Schaub-Pass, ein Fumble). Game over. Houston antwortete schlecht: Man rannte bevorzugt dorthin, wo eine Houston-Offense nicht hinrennen sollte (mitten in die Defense Line hinein), man arbeitete gepflegt am zuverlässigen TE Daniels vorbei, man vergaß auf die Play-Action, die die DBs (allen voran CB Talib) verarscht. Kurzum: Es war ein Tag zum Vergessen. Aber draus einen Strick für heute oder gar ein Blowout zu drehen, scheint mir etwas übertrieben, und wir werden sehen warum.

Wenn die Patriots den Ball halten

TV-Guideline

LIVE

So 22h30 ESPN America
So 22h30 SPORT1+
So 22h30 PULS4

Tape

Mo 18h30 ESPN America
Mo 21h50 SPORT1+
Fr 15h30 ESPN America

Fix ist: Die Patriots-Offense ist atemberaubend und effizient zugleich: Passspiel (7.0 NY/A, #4) und Laufspiel (4.2 Y/A, #14, 52% Success-Rate, #1) harmonieren in Einklang, und dazu gibt es eine Zillion verschiedener Aufstellungsformationen. Ich weiß nicht, wie oft sich der Charakter dieser Offense in den letzten zehn Jahren gewandelt hat, aber die Konstante war stets QB Tom Brady. Man kann ihn lieben oder hassen, aber was Brady Herbst ein, Jahr aus an quicken Pässen abfiedelt, ist sensationell und hilfreich auch für besagtes Laufspiel, das selbst mit namenlosen Running Backs immer funktionierte.

Wichtig ist die Offense Line, wo nicht viele hoch gedraftete Athleten blocken, aber die Unit gilt als bestens eingespielt und grundsolide Wand. Gegen Houston kommt es drauf an, den einen Mann kaltzustellen: DE #99 J.J. Watt. Watt hatte im Dezember ein gutes, nicht überragendes Spiel. Watt gegen LT Solder und RT Sebastian Vollmer wird sehr entscheidend, denn a) darfst du als Defense Brady nicht mehr als zwei Sekunden zum Gucken geben und b) ist der Passrush abseits von Watt eher limitiert (ILB Cushing, dem man superbes Blitzing nachsagte, schaut von der IR aus zu) – DB-Blitzes going to happen?

Ein Faktor, der im Dezember fehlte: TE #87 Rob Gronkowski. Ich vermag nicht abzuschätzen, wie fit Gronkowski nach seinem Armbruch wieder ist, aber allein die Präsenz sollte schon helfen. Gronkowski, TE Hernandez, WR Welker für den Slot, WR Lloyd und WR Stallworth für die gelegentlichen lange Bälle, HB Woodhead und RB Ridley für die Bälle aus dem Backfield – wer soll das alles verteidigen, wenn Brady nicht per sofort der Passrusher in der Fresse hat?

Linebacker und Cornerbacks (ich vermute viele Aufstellungen mit vielen Cornerbacks) werden die ganze Nacht über schwer beschäftigt sein, und oftmals hilft gegen einen fehlerarmen Angriff, der 39.3yds/Drive produziert und 2.82pts/Drive produziert und auch sonst in allen erdenklicen Advanced Metrics weiiiiiiiit über allen anderen thront, nur Beten, dass in der RedZone im rechten Moment ein Ball zu Boden (oder in die eigenen Hände) fällt.

Wenn die Texans den Ball halten

Matchups

Herrmann

Die sehr markante Offensivphilosophie der Texans habe ich bereits letzte Woche versucht, darzulegen: Lateral angelegtes System, bei dem Offensive Line und Running Back perfekt harmonieren und die gleichen „Reads“ (Spielzugentwicklung lesen) machen müssen: Der Laufspielzug entwickelt sich im ersten Stadium meistens nach außen und jeder Blocker kriegt seine Zone zugewiesen. Beim ersten Ansatz von Lücke ist der Running Back angehalten bzw. im Optimalfall schon beim Antizipieren einer Lücke, ins Loch zu starten („Cut“).

Sehr exzellent macht das bei Houston der RB #23 Arian Foster, bei dem man schön sieht, wie Foster in den ersten drei Schritten „zögert“ (ergo: liest). Dann irgendwann startet Foster in die Lücke – sofern sie sich öffnet.

Eine wichtige Einschränkung, denn solange die Defensive Line geduldig bleibt und nicht überpowert, lässt sich diese „Wide Zone“-Offense zwar nicht komplett abwürgen, aber auf kleinere Raumgewinne eindämmen, was zu vermehrtem Passspiel führt. New Englands Defensive Front-Seven um ihren 200-Pfund-Bolzen DT #75 Vince Wilfork gilt als diszipliniert genug, und bewies dies auch im „Hinspiel“ im Dezember zur Genüge; Schlüssel dabei: Man muss diese Laufspielzüge „innen“ halten, also die Backs zwingen, in die Defense Line hinein zu laufen; Belichick dürfte um die Feinheiten der Wide Zone wissen und kleine Nadelstiche gegen Foster und den ungeduldigen RB Ben Tate setzen können.

Auftritt QB Matt Schaub, der gemeinsam mit WR Andre Johnson eine gefürchtete Angriffsmaschine bildet; New Englands junge Secondary dürfte da zu knabbern haben, aber es gibt mit dem für Cornerbacks extrem groß gewachsenen #31 Aqib Talib einen adäquaten Manndecker. Ein interessanter Punkt, der im Dezemberspiel diskutiert wurde: Talib ist dann am besten, wenn er den Wide Receiver an der Anspiellinie physisch attackieren kann – als Reaktion wurde Johnson damals zwischendurch einfach zwei Yards hinter die Anspiellinie zurückgestellt, um mit mehr Freiraum und Speed losrennen zu können – das war fast CFL-esk.

Hat man allerdings Johnson halbwegs unter Kontrolle, wird Houstons Passspiel schnell eindimensional und riskiert mit gefährlichen Screenpässen (Leon Hall, anyone?) oder auch nur Kleingewichse über TE Daniels oder RB Foster (v.a. underneath vor den Linebackers) Ballverluste oder Punts. Hier wird das PlayCalling wichtig: Daniels/Foster können die Ketten bewegen, aber Kubiak und OffCoord Dennison müssen die richtigen Matchups gegen die hüftsteifen Pats-Linebacker und die richtigen leeren Zonen identifizieren.

Emminent wichtig ist die Pace, die die Patriots-Offense vorgibt: Wenn diese wieder schnell Punkte aufs Tablett legte, wird Houstons Offense zu verstärktem Passspiel gezwungen sein – Folge: New England kann in der Abwehr das machen, was es am besten kann: Sich zurücklehnen.

Bend but don’t break um die großen Big Plays zu verhindern und darauf hoffen, dass zwischendurch der eine oder andere Cornerback in einen Pass springt und INTs produziert: Obwohl die Pats verhältnismäßig viele Yards und Yards/Play kassieren, sieht die Punkte-Defense nicht schlecht aus (1.72pts/Drive, #12), vor allem weil man extrem viele Turnovers produziert (mehr als 1 pro 5 Drives, 11% der Drives enden in recoverten Fumbles, #1 der NFL, 10.5% der Drives enden in INTs, #7 der Liga).

Ist nicht risikofrei und wenn die Turnovers mal ausbleiben, ist man auf die RedZone-Defense und Drops angewiesen, aber im Falle von 1-2 INTs mit dieser eigenen Offense das Erfolgsrezept.

Der Kubiak-Faktor

Ähnlich wie gestern bei Harbaugh vs. McCarthy habe ich auch vor diesem Spiel immense Skepsis gegen einen der beiden Head Coaches (Wink mit dem Zaunpfahl: es ist nicht Belichick). Gary Kubiak von den Texans, diese Katze mit sieben Leben, gilt zwar als Überlebenskünstler, was seinen Job angeht, als auch als Überlebenshelfer für eigentlich pulverisierte Gegner. Die Texans waren jetzt jahrelang stark, also muss Kubiaks Training erstklassig sein, aber als Entscheidungsträger an der Seitelinie sähe ich als Houston-Fan lieber eine frustrierte Hausfrau aus dem Mittelrang.

Kubiak ist berüchtigt, im Zweifelsfall dreimal pro Spiel gegen einen Gegner mit hochtouriger Offense Field Goals von der 1yds-Line schießen zu lassen, ein Timeout in einer 3rd-und-37 Situation zu nehmen, oder bei Dreipunkteführung im Schlussviertel ein Lateral-Play mit Katastrophenpotenzial anzusagen. Und das brauchst du gegen New England als Letztes: Scheißentscheidungen vom Trainer. Letzte Woche zog QB Dalton mit seinen überworfenen Pässen Kubiak aus dem Dreck. Aber gegen Bradys Offense muss Kubiak punkten und darf sich nicht auf kurze Field Goals verlassen.

Prognose

Wenn schon Walter Reiterer für seine PULS4-Partie keine Werbung machen will: Ich würde die Texans niemals unterschätzen (Power-Ranking sieht NE auch nur dank Heimvorteil mit 54% vorne), aber in Summe sind es Punkt für Punkt in zu vielen Details die Kleinigkeiten (plus Heimvorteil), in denen ich New England den Vorteil geben würde, als dass ich ein Upset der Texans in Foxboro erwarte. Ich sehe keinen neuerlichen Blowout, aber sofern sich New England nicht mit einer der seltenen Turnover-Orgien selbst ins Knie schießt oder Brady zu schnell ungeduldig wird, läuft das auf einen hart erkämpften Heimsieg der Pats über eine alles andere als schwache Texans-Truppe hinaus.

New England mit 4.

3 Kommentare zu “Divisional Playoffs 2013 am Sonntag: New England Patriots – Houston Texans Preview

  1. *Stallworth wird kein Faktor sein (auf IR nach dem Houstonspiel) Hernandez dürfte also öfter mal außen aufgestellt werden.

  2. Pingback: AFC Divisionals 2013: New England Patriots – Houston Texans | Sideline Reporter

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