Äh, gestatten Sie? Sofa-Quarterbacks zum Divisional-Wochenende

Sofa-Quarterbacks zum Divisional-Playoffwochenende:

Divisional Playoffs: neutral zwar bis in die Haarspitzen, und dennoch trauern die Sofa QBs rund um Andreas Renner (SKY) doch ein wenig um das vermeintliche diesjährige Team of Destiny, die Seattle Seahawks nämlich. Dies trifft diesmal in besonderem Maße zu auf Dieter Hoch (Huddle), der generell keinen Kicker mehr icen würde, Thomas Psaier (sidelinereporter), der das Time Management fast aller Coaches in Frage stellt, und Christoph Fetzer (laola1.tv), der sich noch genauere Analysen in der NFL wünscht. Präsentiert von ESPN America.

Ich bin gerädert. Klassespiele, aber ich sehne mich jetzt ins Bett. Ich hoffe, Sie entschuldigen die paar Ähhs zuviel aus meinem Mund. Ein, zwei Stunden Schlaf mehr hätten heut‘ nicht geschadet. Gute Nacht.

NFL-Dorfclubs: Wo geht die Reise hin?

Nicht überaus überraschend kam die News von der Entlassung von Jacksonville Jaguars-Headcoach Mike Mularkey Mitte letzter Woche. Mularkey ist nur der letzte in einem wilden Trainer-wechsle-dich-Spielchen, das im Schnitt 6-7 Coaches jedes Jahr über die Klinge springen lässt. Mularkey war auch kein Mann, den man im Weltbild vom neuen Jaguars-Owner Shadid Khan verortet hätte, weswegen ich schon letztes Jahr dessen Anstellung verwunderlich gefunden hatte.

Ich weiß nicht so recht, was man vom Trainerposten in Jacksonville halten soll. Jacksonville ist eine Mannschaft am Boden, wo du als sportliche Leitung ohne Rücksicht auf Verluste viel bewegen und gestalten kannst, und Khan scheint ambitioniert zu sein. „Ambitioniert“ aber mit Nähe zum Größenwahn, denn die angedachte Promotion der Jags zum „Europe’s“ oder „World’s Team“ passt so schlecht zu einer kleinen, regionalen Retorten-Franchise, dass ich mir ein Aufgehen des Plans selbst bei sportlichem Erfolg schwer vorstellen kann. Ist Khan nur ein Lautsprecher? Ist Khan ein Owner der Güteklasse Snyder, der Erfolge notfalls erkaufen möchte, oder gibt Khan Zeit für eine ernsthafte sportliche Entwicklung, dem Beispiel Detroit oder Atlanta folgend?

Die latent schwirrende Personalie „Tebow“ ließ lange Letzteres befürchten. Nun machte der neue GM David Caldwell, von seiner Zeit in Indianapolis und Atlanta von der Bedeutung eines „Franchise-QBs“ klar: Tebow kommt uns nicht ins Haus. Owner Khan will nicht dazwischenfunken. Das bedeutet für den neuen, noch zu findenden Head Coach, er muss sich keine QB-Option „Tebow“ aufoktroyieren lassen. Favorisierte Kandidaten sollen sein (Achtung, Gerüchteküche): Greg Roman/SF, Brian Schottenheimer/STL, Leute, denen man am besten gleich zum Einstand einen künftigen Pro-Bowler in den Huddle stellen sollte.


Überraschend kam für mich die Nachricht, dass Buffalo den ehemaligen OffCoord der Saints und Syracuse-Chefcoach Doug Marrone anheuert. Marrone soll ein ernsthafter Kandidat bei mehreren Teams gewesen sein, aber nirgendwo der Wunschkandidat. Die Personalie „Marrone“ hat einen gewissen Appeal, einen Charme: Ein weiteres regionales Team mit einem leisen Marrone, der die Gegend kennt (Syracuse ist halbe Nachbarschaft zu Buffalo) und für eine Philosophie steht: Implementiere den Pass. Rein zufällig baute Marrone in New Orleans mit dem eingekauften Superstar-QB Brees eine der ersten neumodischen Spread-Offenses, und nach dem Gang zu Syracuse selbiges Bild: Die Orangemen zu einer hübschen Luftwaffe umgebaut.

Rein zufällig formte Marrone dort auch den QB Ryan Nassib zu einem NFL-reifen Prospect, und man darf sich schonmal drauf einstellen, dass Nassib ab sofort in sämtlichen Mock-Drafts in den Slot „Buffalo Bills“ gesetzt wird. Berechtigt oder nicht, aber auf alle Fälle ist davon auszugehen, dass die Bills eher früher als später die Suche nach einem Franchise-QB aufnehmen werden, weil kaum denkbar, dass Fitzpatrick eine ernsthafte Option bleibt.

Die Bills wollen weiters Moneyball-esk arbeiten und eine Advanced-Stats-Abteilung aufbauen: Nie eine schlechte Idee und wenn das Front-Office überzeugt ist (scheint so zu sein), auf alle Fälle eine gewinnbringende Sache im Vertragswesen (überbezahlte Positionen, Alterungsprozesse, …). Bei in-Game-Entscheidungen bleibt natürlich abzuwarten. NFL-Headcoaches verfügen erfahrungsgemäß über ein Ego, das das Stadioninnere überschreitet, und passen sich allzu häufig schnell dem Common sense an. Sofern es den Bills ernst ist mit ihrer Advanced-Stats-Herangehensweise, dürfte Marrone aber im Einstellungsprozess mehr als Lippenbekenntnisse pro Pragmatismus abgelegt haben. Auf alle Fälle: Team to Watch.