NHL-Preview 2013: Western Conference

Auf den Osten folgt der Westen.

Central Division

Es ist die Division um die Großen Seen herum, bis hinunter nach Nashville/Tennessee. Es ist eine mittlerweile ausgeglichene Division. Die jahrelang alles in Grund und Boden spielenden Detroit Red Wings  zeigten letztes Jahr erstmals seit dem amerikanischen Bürgerkrieg Schwächen und beendeten die Saison nicht nur „nur“ auf Rang drei, sondern wurden in der ersten Playoffrunde von Nashville (!) in fünf Spiele rausgeschossen. In der Offseason verabschiedete sich der ewige Niklas Lidström in den Ruhestand. Die Einkaufspolitik blieb passiv, der nun schon zirka fünf Jahre fällige Generationsumbruch wird weiter hinausgezögert. Die Red Wings sind mit Head Coach Mike Babcock und die bis in die letzten Venen rein abgebrühten Datsyuk und Zetterberg aber nie außer Acht zu lassen – vorausgesetzt, die gezeigten Offensivschwächen im Season Opener stellen sich nicht als längerfristiges Problem heraus. Immerhin: Zetterberg und der junge erste-Reihe-Kollege Damien Brunner (ein Schweizer) sollen während des Lockouts in Zug prächtig harmoniert haben – und Brunner gewann vorgestern schonmal ein Penalty-Shootout auf absolut spektakuläre Weise.

Jonathan Toews - ©Wikipedia

Jonathan Toews – ©Wikipedia

Die Chicago Blackhawks, Stanley Cup Sieger von 2010, schwören, sich nach zwei leidenschaftlosen Playoff-Pleiten en suite wieder zusammenzureißen. Das Umfeld aber ist nicht das ruhigste: Head Coach Joel Quenneville wird in regelmäßigen Abständen an den Pranger gestellt, er lasse die Superstar-Orgie im Angriff nicht genug von der Leine. Und sie haben Waffen, und wie! C Toews und der Right Winger Patrick Kane gehören zum feinsten, was die NHL aufbietet, und dann hat man noch die Allzweckwaffe Marian Hossa (so er denn nicht mit den Spätfolgen einer Gehirnerschütterung zu kämpfen hat) in der Hinterhand. C Marcus Krüger soll die eklatanten Probleme der zweiten Reihe beheben, sodass die Hawks durchaus Torfestivals gewinnen dürften – und müssen. Denn Quenneville wird auch eine eigenwillige Einstellung zu seinen Goalies nachgesagt – Goalies, die aber NHL-weit durchaus kontrovers diskutiert werden: Ray Emery ist wankelmütig wie ein alter einbeiniger Mann, Backup Crawford sprang schon mehrmals mit mäßigen Resultaten ein.

Die St Louis Blues haben sich nach wilden 2000er Jahren mit mehreren desinteressierten Ownerwechseln konsolidiert, und spielten unter dem neuen Coach Ken Hitchcock eine 2012er Saison, dass den Experten die Spucke wegblieb; nur, um nach einer grandiosen Regular Season in der ersten Runde gegen den späteren Titelgewinner Los Angeles mit 0-4 abgefiedelt zu werden. Hitchcock musste sich zwar unangenehme Fragen zu seiner angeblichen „Trap’n’interfere“-Spielweise (Penalty Killing = exzellent) gefallen lassen, aber niemand zweifelt dran, dass er aus diesem Kader das Maximum rausholte.

Die Blues schreien allerdings nach „Regression zur Mitte“: Man hatte fassungslose 15 Shutouts letztes Jahr – kaum zu wiederholen. Und im Sturm hat man nach einer passiven Haltung auf dem Transfermarkt abseits von Rookie-Winger Tasarenko kaum nennenswerte Einzelpieler.

Ähnlich verhält es sich mit den Nashville Predators, einer jungen Franchise mit bedachtem Front-Office, das ohne viel Lärm arbeitet. Coach Barry Trotz setzt auf grundsolides Teamworking („Zusammenhalten und den Gegner nicht mit Eigenfehlern stark machen“) und entsorgte in diesem Kontext in der Offseason mit den Partylöwen Kostitsyn und Radulov zwei potenzielle Unruheherde. Ein sportlich herber Verlust ist gewiss der Abgang von Ryan Suter, der ein Riesenloch in die Defense reißt; Suters Nebenmann Shea Weber und G Pekka Rinne wurden zwar gehalten und die Defensive wird noch total einbrechen, aber man sollte den sportlichen Wert der Abgänge nicht unterschätzen. Von Komplettkollaps bis Viertelfinale traut man den Jungs alles zu.

Nix zutrauen tut man den scheinbar verfluchten Columbus Blue Jackets. Radek Martinek mit Gehirnerschütterung lange raus. Huselius nach Trainingsverletzung mit Rücktritt. Carter im Formtief. Rick Nash verkauft. Und Wisniewski vom Diziplinfanatiker Coach Brendan Shanahan mehrere Woche gesperrt. Zu allem Überfluss war man 2012 das schwächste Team der Liga, bekam in der Draft-Lotterie aber nicht den ersten Pick zugelost. Man zog den mit viel Trara bedachten Ryan Murray – der sich prompt im Training an der Schulter verletzte: Out for the season

Im Zuge des Nash-Trades nach New York kamen viele junge, zu entwickelnde Spieler in die Hauptstadt Ohios, aber GM Scott Howson musste sich nachsagen lassen, im monatelangen Streit mit Nash ein schlechter Verlierer gewesen zu sein. John Davidson aus St Louis sollte der beste Einkauf sein, zudem soll die Verpflichtung von Goalie Bobrovsky den unsicheren Kandidaten Mason beerben.

Northwest Division

Seit Jahren dominieren hier die Vancouver Canucks, gegen die die Atlanta Falcons wie die reinsten Playoff-Monster ausschauen; 2012 wurde mal wieder die President’s Trophy für den besten Record in der Regular Season geholt, nur um in den Playoffs sofort hochkant gegen Los Angeles rauszufliegen. Das geht seit Jahren so, und die Zweifler krochen wieder aus ihren Löchern und verwiesen auf die erneut unterirdische Qualität der Northwest Division.

Olympiahalle zu Vancouver: Rogers Arena

Olympiahalle zu Vancouver: Rogers Arena

Dazu kommt das recht schwierige Umfeld. Wer die Stadt Vancouver kennt, möchte nicht meinen, wie wechselhaft das Publikum bei Nucks-Heimspielen sein kann. Heute Superstar, morgen Loser und übermorgen wieder kurz vorm MVP… da sind 90% der NFL-Städte nix dagegen.

Wunderbar ablesen lässt sich das an der stürmischen Beziehung der Fans zu Goaltender Roberto Luongo. Der Olympiaheld von 2010 wurde letztes Jahr in den Playoffs auf die Bank gebuht und musste zusehen, wie das Front-Office seinem Backup Schneider einen #1-würdigen Vertrag gab; Folge: Seit Monaten wird mit seinem Wechsel Luongos kolportiert. Man lasse Spieltag eins kommen, einen Schneider, dem 5/14 der Schüsse reinrutschen, und schon fällt alles in sich zusammen: Schneider wurde am Samstag schon im zweiten Viertel gebencht, und Luongo unter Jubelstürmen (!) willkommen geheißen. Fortsetzung folgt.

Die Nucks sind natürlich trotz aller Zweifel gut ausgestattet: Die Defense ist nach dem Einkauf von Garrison durchaus hochklassig, und in der Offense ist man trotz des Langzeitausfalls von C Ryan Kesler mit den Sedin-Zwillingen gut, aber vielleicht nicht tief genug besetzt. Ein Luongo-Trade gegen ein paar Stürmer könnte Abhilfe schaffen.

Zum heimlichen Favoriten haben sich daher die Minnesota Wild gemausert, schon letztes Jahr nach einer ersten Saisonhälfte mit außerordentlichem Schussglück (über 10% Shooting-Percentage, was ähnlich einer 6% INT-Rate einer NFL-Mannschaft einfach nicht haltbar ist) heimlich nach oben geschossen und nach Ausbleiben dieser wahnsinnigen Trefferquote sofort wieder abgestürzt. Als Reaktion wurde erneut eine Transferoffensive gestartet: RW Zach Parise aus New Jersey und D Ryan Suter aus Tennessee sorgen für Star-Potenzial, C Konopka und der Allround-Stürmer Mitchell für Tiefe. Einen Einser-Sturm Dany Heathley/Mikko Koivu/Parise kann man schonmal vorzeigen.

Die Wild dürften aber mit zunehmendem Saisonverlauf Abwehrprobleme bekommen: Zu wenig Tiefe im Kader, zu viele Fragezeichen bei den Goalies: Backstrom gilt nicht als Weisheit letzter Schluss, Harding als solide, der aber mit MS diagnostiziert wurde, und Supertalent Matt Hackett wartet noch im Farmteam und gilt als noch zu grünschnäblig.

Die Experten rechnen mit einem Zweikampf zwischen Nucks und Wild, und nur mit Abstrichen wird dem jüngsten Team der Liga, den Colorado Avalanche ein Rutsch in die Playoffs zugetraut. Der Sturm um C Ryan O’Reilly ist kraftvoll, und ein LW Gabriel Landeskog (20 Jahre jung!) hat sich schon nach einem Jahr im Standing so weit nach oben gespielt, dass er bereits „Team-Captain“ ist.

Während bei Colorado alles in die Zukunft blickt, gibt es in Calgary fin de’siecle Stimmung: Die Flames sind alt, zögern aber selbst nach dem Trainerwechsel von Sutter auf Hartley den Generationswechsel hinaus; Die Stürmer Tanguay und Iginla sind längst jenseits der 30 und Iginla quält sich nur noch mit Schmerzmitteln übers Eis, G Kiprusoff ist 36 und längst nicht mehr der Magier früherer Tage. Letzte Trumpfkarte ist die Abgewichstheit. Wenn der Saisonstart aber in die Hose geht, ist mit einem Trade Iginlas im Frühjahr und einem Neuaufbau im Sommer zu rechnen.

Ein bissl Sleeper ist eines der schwächsten Team im letzten Jahr, die Edmonton Oilers, die nach dem Wechsel von Coach Renney auf dessen Assi Ralph Krueger (ein Deutsch-Kanadier, bekannt als langjähriger Coach der Schweizer Nationalmannschaft) einen „Ölwechsel“ durchführten und sich damit eine Stabilisierung der aufgescheuchten Defense erhoffen. Das Personal dort könnte breiter besetzt und vor allem erfahrener sein (G Debnyk Dubnyk hat z.B. keine 50 Karrierespiele vorzuweisen), aber die Offense gilt als jung und dynamisch, und man setzt große Erwartungen in den Top-Rookie Nail Yakupov, einen Right Winger aus Russland.

Pacific Division

Stanley Cup MVP 2012: Jonathan Quick - ©Wikipedia

Stanley Cup MVP 2012: Jonathan Quick – ©Wikipedia

Eigentlich schreit in den Städten (Los Angeles, Bay Area, Arizona, Dallas) der Pacific Division ja nicht vieles nach Eishockey. Aber: Diese Division produzierte drei Stanley-Cup-Sieger in den letzten Jahren. Auch 2011/12 war es eine hart umkämpfte Division bis zum Schluss, inklusive Playoff-Lauf für die Los Angeles Kings, die das Kunststück zustande brachten, vom #8-Seed aus die NHL-Meisterschaft zu gewinnen – etwas, das zu Zeiten mit Wayne Gretzky nie geschafft wurde. Basis der Mannschaft war, und das überraschte mich letztes Jahr etwas, die grundsolide Defensive: Goalie Jonathan Quick, klar, ist ein großartiger Mann, aber meine Fresse, war ich überrascht von der Vorstellung der Blueline um den von mir für extrem überschätzt gehaltenen Martinez und den instinktlosen Drew Doughty! Vor allem Doughty belehrte mich eines besseren. Dabei läse sich von den Namen her die Offensive um den Right Winger Dustin Brown sogar noch potenter. Die Kings werden Anwärter bleiben, sollten sie ihre Shooting-Percentage in etwa auf dem Level der zweiten Saisonhälfte 2011/12 halten.

Die Anaheim Ducks aus der Peripherie von Los Angeles gehören auch zu den beständigeren Mannschaften der letzten Jahre, trotz des verunfallten 2012er-Jahres, wo man nach einer verheerenden Start schnell mal einen Trainerwechsel auf Bruce Boudreau hinlegte. Das erste „volle“ Jahr mit Boudreau soll wieder besseres Angriffshockey zeigen, und man hätte mit Leuten wie C Getzlaf oder Bobby Ryan gute Feuerkraft, wenn denn die komplizierten Vertragssituationen nicht zu Unruhen führen. Im Tor ist man von der Form des Schweizers Jonas Hiller abhängig; Ersatzmann gibt es keinen NHL-reifen.

„Beständig“ sind auch die San Jose Sharks, die sich einen Ruf als exzellentes Regular-Season-Team mit Problemen in den Playoffs angelacht haben. Letztes Jahr flog man als #2-Seed schon in der ersten Runde raus – das nagt am Selbstvertrauen. Dabei sind die Sharks eine rundum komplette Mannschaft: Die Defensive um Star-Goalie Antti Niemi und die Blueline mit Leuten wie Murray, der teure Vlasic und Oldie Boyle kann selbst den verletzungsbedingten Ausfall des Brent Burns verkraften, und im Angriff muss erstmal ein Gegner die Herren Pavlevski Pavelski oder Thornton stoppen. Die Sharks werden nach gezielten Einkäufen als noch tieferer Kader erwartet, wo Coach McLellan munter durchrotieren kann.

Eine verblüffend gute Saison spielten 2011/12 die Phoenix Coyotes, die immer noch und immer wieder von Abwanderungsgerüchten umgeben werden und finanziell mit einer verzwickten Owner-Situation weiterhin nicht auf solidesten Beinen stehen. Umso erstaunlicher war der Durchmarsch ins Conference-Finale; Stärke der Coyotes ist eindeutig die disziplinierte Defense, der aber ein zahnloser und langsam in die Jahre kommender Angriff gegenüber steht. Eine Wiederholung des Coups gilt als unwahrscheinlich, zumal auch Goaltender Mike Smith, die Entdeckung der Saison nach Jahren des Wandervogeltums, noch nicht als sicherstes Pfund gilt.

Am Ecke rumhängen werden auch die Dallas Stars, eine toughe, aber sehr unkonstante Mannschaft. Letztes Jahr verspielte man mit einem verheerenden Finish noch die Playoffs, und es hinterließ Spuren: In der Offseason wurden etliche Moves gemacht, u.a. mit Jagr und Whitney zwei 40jährige Oldies für den Angriff eingekauft! Hallo? Immerhin weckte Jagr mit einer starken Performance im ersten Saisonspiel schon mal Hoffnungen auf mehr. Die Stars haben sich aber einen Ruf angelacht, sich zuviel mit Nebenkriegsschauplätzen zu befassen. Auch zum Saisonstart schlugen sie wieder zu

3 Kommentare zu “NHL-Preview 2013: Western Conference

  1. Ein paar Namensfehler haben sich eingeschlichen: der 2. Goalie der Oilers heisst Dubnyk. Der Stürmer ist der Sharks ist Joe Pavelski.

    Was ich bischen riskant finde ist Anti Niemi als „Star-Torhüter“ zu bezeichnen, solide ja, aber nicht mehr.

  2. @Chewie16

    Nun ja, der Unterschied zwischen „average Goalie“ und „Star-Goalie“ ist relativ gerine, da a) zwischen dem besten und 25besten Goalie ein relativ geringer Unterschied besteht und b) ein mittelmäßiger Goalie mit einem Playoff-Lauf (bsp. ein Run, der bei anderen mitten in der Saison unbemerkt bleibt) auch schnell mal zum Star-Goalie mutiert. Niemi war beim Stanley-Cup-Run der Blackhawks nicht ganz unbeteiligt… aber sonst haste schon nicht unrecht 😉

    BTW Namen: darf ich zurückzwicken? Der Herr heiß Antti Niemi.

  3. Verdammt 😉 so schnell gehts… den berühmten Balken im eigenen Auge übersehen.
    Stimmt das mit dem Stanley Cup hab ich vergessen… obwohl das der erste war den ich gesehen habe.
    Das mit den Torhütern stimmt natürlich und nicht zuletzt ist Eishockey auch eine TEAM- Sportart. Und damit die Leistung eines einzelnen immer schwer zu bewerten anhand Statistiken die durch die Mitspieler beinflusst werden!

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