Super Bowl preview – match-ups Ravens-O v 49ers-D

Korsakoff hat gestern und vorgestern schon das große Bild für die Baltimore Ravens beziehungsweise die San Francisco 49ers gezeichnet. Heute und morgen kommt das kleinere Karo in Form der interessantesten match-ups der beiden Super-Bowl-Kontrahenten.

Ravens big plays vs 49ers secondary

Niemand ist verliebter in das vertikale Paßspiel als Bruce Arians (viel Spaß in Arizona!). Aber dicht gefolgt wird Arians´ tiefes Bombardement von Baltimores Offense, die Cam Cameron installiert hat. Auch ich muß gestehen, daß ich vor lauter „Gib-Ray-Rice-den-Ball-Du-Eimer!“-Gezetere und „Joe-Flacco-ist-doch-nur-solala“-Geeiere gerne ignoriert habe, daß Cameron etwas sehr schönes mit beeindruckender Hartnäckigkeit am Leben gehalten hat: die ständige Gefahr des tiefen Balles.

Cameron ist zwar seit seinem Rauswurf im November nicht mehr Offensive Coordinator, aber der Angriff trägt immer noch unverkennbar seine Handschrift. Der neue OC Jim Caldwell führt genau wie früher in Indianapolis mit Peyton Manning nur das aus, was Andere ihm aufgeschrieben haben. Und dazu gehört bei Baltimore, daß der Quarterback mehr tiefe Bälle wirft als bei allen anderen Mannschaften außer Arians´.

Wenn die Ravens am Sonntag überhaupt eine Chance haben wollen, brauchen sie einige big plays. Problematisch ist nur, daß Baltimores Wide Receivers erhebliche Schwächen gegen man coverage haben – und San Francisco Defensive Backs hauptsächlich man coverage spielen und das aus dem EffEff beherrschen. WR Anquan Boldin ist schon von seiner massigen Statur her kein besonders guter deep threat und lebt von Mißverständnissen in der Zonenverteidigung einer secondary. Und Torrey Smith ist einfach kein besonders guter WR. Gegen Denver hat er von der schlechtesten Halbzeit in Champ Bailey Karriere profitiert. Aber es gibt kein Vertun: es hat einen Grund, daß Smith in der regular season keine 50 Bälle gefangen hat.

San Franciscos Defensive Backfield ist sehr diszipliniert, was natürlich mit ihrem Talent und dem coaching zu tun hat, aber auch mit ihrem Glück, seit zwei Jahren ununterbrochen zusammenzuspielen. Tarell Brown, Carlos Rogers, Chris Culliver, Dashon Goldson und Donte Whitner haben zusammen in den letzten zwei Jahren von 163 möglichen Spielen nur drei verletzt gefehlt (Goldson zwei, Whitner eines). Talentiert, diszipliniert, eingespielt:  das reicht für die meisten receiving corps – wenn sie nicht gerade Julio Jones und Roddy White in ihren Reihen wissen.

Flaccos checkdowns vs Bowman/Willis

Nehmen wir also an, daß QB Joe Flacco die gewünschte tiefe Option oftmals genommen wird. Wat machste dann? Checkdown! (Ja, Antwort B wäre natürlich: etwas Dummes. Das würden wir Flacco aber nicht raten.) Auch hier stoßen die Ravens wieder auf ein Problem. Auf ein sehr großes. Nämlich auf das beste LB-Duo der NFL. Patrick Willis und NaVorro Bowman.

Checkdowns oder dump-offs sind oft das einzige und manchmal sogar ein probates Mittel, wenn der ursprüngliche Plan nicht funktioniert hat. Man wirft dem RB oder einem Tight End, der erst noch beim blocken ausgeholfen hat, zwei Yards hinter der line of scrimmage den Ball zu und hofft, daß er sechs oder sieben Yards daraus macht. So kann auch mal bei einem eigentlich verunglückten Spielzug ein First Down „abfallen“. Gegen schlechte LBs passiert das sogar relativ häufig. Dummerweise bleibt es gegen San Francisco in 98% aller Fälle bei zwei Yards, wenn der Ball zwei Yards hinter der Linie gefangen wird. Mehr gibt es gegen die außergewöhnlich starken Paßverteidiger Bowman/Willis nicht zu holen. Die Checkdowns werden natürlich kommen, aber sie werden kaum erfolgreich sein.

Hier könnten scheinbar unscheinbare Spieler wie die TEs Dennis Pitta und Ed Dickson einen ganz großen Scheinwerfer über sich aufstellen und die überraschenden Helden dieses Super Bowls werden. Wenn sie denn mal Bowman/Willis alt aussehen lassen könnten. Aber eher gibt es am Sonntag in New Orleans standing ovations für Roger Goodell.

Ravens pass protection vs 49ers pass rush

Weil die checkdowns für Flacco durch Bowman und Willis gut eingezäunt werden sollten, wird die Offensive Line einen schweren Stand haben gegen die Smiths & Co. Wie jeder andere Quarterback auch wird Flacco irgendwann ungeduldig werden und nicht mehr den kurzen dump off zum RB oder dem in der „Zone sitzenden“ TE werfen, weil das kaum Raumgewinn bringt. Diese halbe Sekunde mehr, die er nach seinen Receivers Ausschau hält, könnte genau der Wimpernschlag zu lange sein für die Tackles Bryant McKinnie und Michael Oher. Diese beiden sahen zwar in den Playoffs ganz gut aus, aber so ganz traue ich den beiden immer noch nicht über den Weg. Zumal die Aufstellung mit McKinnie links und Oher rechts nicht ohne Grund bis in den Dezember hinein nicht die bevorzugte Aufstellung von Harbaugh/Cameron/Caldwell war.

Conclusio

Wir können hier ein sehr interessantes Spiel erwarten in dem Sinne, daß Baltimores Offense erstmal mit einer bestimmten Marschroute in das Spiel gehen wird (vielleicht das Übliche viel Ray Rice, den sicheren Kurzen auf Boldin und ab und zu Mal den versuchten Langen auf Smith), aber der Angriffsplan je nach Erfolg/Mißerfolg im Laufe des Spiels ein- oder gar mehrmals deutlich geändert wird. (Wie beispielsweise gegen New England. Gegen die Patriots im Championship Game war das sehr deutlich zu erkennen. Nachdem in der ersten Halbzeit der „typische“ Ravens gameplan durchgezogen wurde – ausschließlich zwei WRs, viel Lauf, die versuchte Bombe – und kaum Erfolg brachte, begannen sie die zweite Halbzeit mit jeder Menge 11-personnel und einem wahren Paßfeuerwerk.)

Ich weiß nicht, wie ein passender Plan B für Baltimore aussehen könnte, dafür ist ist San Frans Verteidigung einfach zu gut. Eine Idee wär vielleicht, mit 11-personnel (also mit Jacoby Jones als drittem WR und dazu RB Rice und TE Pitta) San Francisco in Nickel-D zu zwingen und dann das alte Lauf-Lauf-PlayActionBombe-Spiel zu versuchen. Eine andere wäre, Ray Rice viele screen passes zu geben und dann darauf zu setzen, daß er in space (und er sollte Platz haben, da die 49ers secondary ihm durch die man coverage den Rücken zukehrt) Bowman oder Willis schlägt. Oder man pfeift einfach auf den guten Ruf der 49ers gegen den Lauf und sagt ganz oldschool: „meine Jungs sind heute stärker als deine“ und läuft wie annodazumal. Bevorzugterweise off tackle, also über Außen, wo im Gegensatz zu Bowman/Willis „normale Menschen Footballer“ in Gestalt der OLBs Aldon Smith und Ahmad Brooks warten. Oder man fokussiert sich auf die matchups, die Flo Zielbauer unter die Lupe nimmt: Boldin im Slot gegen Carlos Rogers, bei dem Boldin den Vorteil der starken Hände hat. Und Torrey Smith auf post routes gegen den nicht todsicheren Safety Donte Whitner.

Oder man hofft einfach darauf, daß Torrey Smith wieder eine Halbzeit hat wie gegen Champ Bailey. Am Ende bleibt festzuhalten, daß die 49ers von den match-ups her ein denkbar undankbarer Gegner sind. Der mit Abstand schwerste Brocken für Baltimore in diesen Playoffs. Was die Ravens brauchen um irgendwie nördlich der 20-Punkte-Marke zu kommen ist ein genialer gameplan von Caldwell/Harbaugh oder Joe Flaccos Spiel seines Lebens.

4 Kommentare zu “Super Bowl preview – match-ups Ravens-O v 49ers-D

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