Sondersteuer gegen den Sonnenbrand

Die Miami Dolphins haben einer Volksabstimmung über die Verwendung von öffentlichen Geldmitteln zur Verbesserung des Sun Life Stadiums zugestimmt (Quelle: AP/SI.com). Es geht dabei um die Vergrößerung des notorisch halbleeren Stadions in Miami Gardens um rund 3000 Plätze und eine neue Dachkonstruktion, damit sich die Fans in Südflorida bei Dolphins- und Canes-Heimspielen keine Sonnenbrände mehr zuziehen.

Diese Upgrades sollen um die 400 Millionen Dollar kosten, und Dolphins-Owner Stephen Ross stimmte bereits zu, „zumindest“ 51% der Kosten zu übernehmen. Es geht für die lokale Bevölkerung im hoch verschuldeten Miami-Dade County also „nur“ mehr um geschätzte 200 Millionen Dollar Subvention von der öffentlichen Hand. Dieses Geld soll zum kleinen Teil vom Staat Florida kommen und zum überwiegenden Teil durch eine Sondersteuer für touristische Betriebe.

Die Volksabstimmung soll vor dem 22. Mai 2013 stattfinden, und das ist kein Zufall: Dann wird nämlich über den Austragungsort des Super Bowls 2016 abgestimmt, und das ist nicht irgend ein Super Bowl, sondern die Ausgabe 50 (Super Bowl L). Die Finalisten sind San Francisco/Santa Clara und Miami. Miami ist nur mit State of the Art-Stadionupgrades im Rennen.

Krux in der gesamten Geschichte: Die Stimmung für eine Volksabstimmung über Stadionsubventionen für Milliardäre könnte in Südflorida kaum schlechter sein. Zuletzt wurde in einem höchst umstrittenen Deal das neue Baseballstadion der Miami Marlins in Little Havana zu 80% von der öffentlichen Hand finanziert. Der Bau war von vielen Schweinerein umwoben und führte am Ende dazu, dass sich die US-Börsenaufsichtsbehörde mit Ermittlungen in die undurchsichtigen Verträge mit einschalten musste und der damalige Bürgermeister seinen Hut nehmen musste.

Der aktuelle Bürgermeister ist Carlos Gimenez, einer der lautesten Gegner dieses Marlins-Stadions. Gimenez möchte zwar den Super Bowl 50 nach Miami holen, aber nicht um jeden Preis. Er ließ sich zusichern, dass County-Verwaltung und der Staat Florida auch bei positiver Abstimmung die Subventionen streichen kann, wenn die NFL den Super Bowl im Mai nicht nach Miami vergibt.

Für die Dolphins ist die Zustimmung zur Volksabstimmung durchaus riskant: Bei einem Scheitern sind die Renovierungsarbeiten erstmal gestorben. Sie sehen mittlerweile in der Abstimmung mit dem Druckmittel Super Bowl die größte Chance, auf absehbare Zeit finanzielle Zuschüsse für Infrastruktur zu bekommen.

Saison-Review 2012/13: Was waren meine Vorhersagen aus dem Sommer wert?

Ich habe oft geschrieben, wie und weshalb es schwierig ist, in der NFL gute Prognosen zu stellen und werde auch das Power-Ranking in nächster Zeit zumindest auf die Nieren prüfen. Trotzdem scheute ich mich auch im letzten Sommer nicht, ein paar Saison-Prognosen abzugeben. Der Review.

Die allgemeine Prognose war:

Wir werden im Jänner wieder vom nächsten Trainergenie Schiano fusseln, wenn die 12-4 Buccs (10-1 in engen Spielen) die NFC South gewonnen haben und vom Ende der Packer-Ära, weil Rodgers statt 1% mehr als 2% INT-Quote widerfahren und die Defense nur noch fuffzehn statt fünfhundertfunfundzwanzig Interceptions abfängt. Wir werden vergessen, wie eng die 32 Teams in ihrem Leistungsniveau beeinander liegen. Wir werden vergessen, wie viel Unsicherheit jede Spielsituation umgibt. Wir werden wieder stattdessen was von better execution und guts und clutch Eli und momentum hören und faseln.

As jeder Jahr gab es auch diesmal ein Freak-Team aus den Niederungen, das sich durchwurstelte: Man ersetze oben Buccs mit den Indianapolis Colts, und wir haben eine fast 100%ig präzise Beschreibung. Das zwei große close win-Team waren die Vikings, letztes Jahr 2-9 in engen Spielen und mit der drittschwächsten NFL-Bilanz, diesmal 5-1 in engen Spielen und in den Playoffs.

Die spezifischeren Bauchgefühl-Tipps nachfolgend unter der Lupe:

American Football Conference

  • AFC East: New England
  • AFC North: Pittsburgh
  • AFC South: Houston
  • AFC West: Kansas City
  • Wildcards: NY Jets, Baltimore

3/6 Playofftipps waren richtig. Der Schlaumeiertipp Kansas City war Grütze hoch drei, aber wenn man sich zu weit aus dem Fenster lehnt, muss man damit rechnen runter zu fallen. New England und Houston waren relativ sichere Tipps, Baltimore auch (obwohl die Ravens zu knabbern hatten, sich überhaupt zu qualifizieren). Pittsburgh scheiterte knapp, weil sich die Bengals etwas besser machten als gedacht. Bei den Jets hatte ich geschrieben:

 Die Jets sind mit durchschnittlichen Quarterback-Leistungen sicherer Playoff-Kandidat

Das QB-Spiel war unterirdisch, die Jungs von Rex Ryan flogen knapp an den Playoffs vorbei. Denver hatte ich aufgrund der Fragezeichen um Manning und wegen der schwachen 2011er-Saison nicht so recht auf der Rechnung gehabt.

National Football Conference

  • NFC East: Philadelphia
  • NFC North: Chicago
  • NFC South: Atlanta
  • NFC West: Arizona
  • Wildcards: New Orleans, Green Bay

Weia. Green Bay und Atlanta machten sich wie gehabt, aber davon ab sind etliche Klogriffe dabei. Philadelphia begann gut, baute stark ab und war Mitte Oktober bereits eine Katastrophe. Was für ein Loser. New Orleans kam nach schwachem Start nie mehr so richtig in die Gänge und litt unter einer bedenklich schwachen Defense. Chicago war immerhin einen Fehlkick auf einem anderen Spielfeld (Minnesota) von den Playoffs entfernt.

Der übelste Tipp ist aber mit Gewissheit jener in der NFC West. Ich hatte geschrieben „Freakshow“; San Francisco hatte ich nach dem überhypten 13-3 der letzten Saison aus oft genannten Gründen nicht wirklich getraut; Seattle wegen der unsicheren QB-Situation auch nicht. Ich schrieb, ich gehe „mit dem größten Außenseiter“ (Arizona). Der war dann auch selbiges und wurde ohne NFL-reife Offense Letzter.

Der spätere Superbowl-Finalist nichtmal in den Playoff-Tipps.

Die allgemeineren Erwartungen für die NFC waren nicht furchtbar:

Ich erwarte eine spannende, auf breiter Basis ausgeglichene Conference. Vor allem die Wildcards dürften heiß umkämpft sein. Seattle, Dallas, Detroit und die New York Giants fliegen knapp raus.

Seattle war stärker als erwartet. Dallas und die Giants waren erwartet knapp dran. Detroit nicht, aber die Lions hatten mit ihrer 4-12 Bilanz extremes Pech und waren weniger weit von den Playoffs entfernt als man meinen möchte.

Superbowl

Tipp war Houston-Sieg über Philadelphia. Aber weil die Eagles tief flogen und die Texans ihr Image von “good but not great” bestätigten, sind wir weit von so einem Superbowl entfernt. Beweis einmal mehr: NFL-Finalisten im Sommer tippen ist Idiotie. Trotzdem werde ich es nächstes Jahr natürlich wieder versuchen.

Individual-Awards

  • MVP – Drew Brees/Saints.
  • Offensiv-MVP – Brees.
  • Defensiv-MVP – Darrelle Revis/Jets.
  • Offensiv-Rookie des Jahres – Andrew Luck/Colts.
  • Defensiv-Rookie des Jahres – Bruce Irvin/Seahawks.
  • Comeback-Spieler des Jahres – Peyton Manning/Broncos.
  • Trainer des Jahres – Andy Reid/Eagles.

Genau ein Tipp richtig (Manning). Brees und seine Saints waren schnell „catch up“, ergo war Brees nie ein realistischer MVP-Kandidat. Revis verletzte sich früh in der Saison, hätte aber gegen die monströse Saison des J.J. Watt wohl nie Land gesehen. Luck spielte ordentlich, wurde aber letztendlich von RG3 und Russell Wilson etwas in den Schatten gestellt. Bruce Irvin machte die erwartet vielen Sacks, erwies sich aber als zu unreif für die Laufverteidigung und so gewann mit Luke Kuechly von den Panthers ein eher unspekakulärer Spieler den Rookie-Award für die Defense – ein Abwehr-Jahrgang, der noch nicht die ganz großen weltbewegenden Superstars hervorgebracht hat.

Andy Reid war höchstens deswegen Coach des Jahres, weil er jede Woche in der Presse stand und zwei Tage nach der Entlassung in Philadelphia einen neuen Job in Kansas City hatte.


Kurzfassung: Die allgemeineren Einschätzungen trafen ziemlich genau ins Schwarze. Die NFC-West hatte ich unterschätzt. Bei den spezifischeren Tipps waren viele Fehlgriffe mit dabei… wie eigentlich immer, wenn man versucht, den Schlauen zu spielen.

Cheers.