Cleveland Browns in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         5-11   --
Enge Spiele    3-5  
Pythagorean    6.1   (24)
Power Ranking   .425 (25)
Pass-Offense   5.7   (23)
Pass-Defense   6.1   (14)
Turnover        +3

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Es gibt Franchises, die dümpeln immer irgendwo am unteren Ende der National Football League vor sich hin und dann kommt da plötzlich ein kometenhafter Aufstieg aus dem Nichts. Bestens aufgestellt als nächste Sternchen sollten die Cleveland Browns (die Browns!) sein. Wenn man sich anschaut, wie die meisten erfolgreichen NFL-Teams aufgestellt sind und welche der wichtigen Effizienz-Stats schon heute für Cleveland sprechen, sehen wir:

  • Offensive Line? Check.
  • Defensive Line? Check.
  • Defensive Back? Check.

Wo es fehlt, sind Quarterback und mit Abstrichen Wide Receiver. Und dafür hat der neue Owner Phil Haslam, dessen erste Monate „Amtszeit“ durchaus vielversprechend waren, schließlich zwei der besten Offensivgeister landesweit verpflichtet: Head Coach Rob Chudzinski aus Carolina und OffCoord Norv Turner aus San Diego. Vor allem letzterer macht Hoffnung, denn so fragwürdig Turners Ägiden als Cheftrainer waren, so hoch ist die Meinung vieler – inklusive meiner – von Turner als Kreator von phantastischen Offenses.

Als allererstes gilt Turner als Quarterback-Zuflüsterer, als Magier, der selbst aus einem jungen Alex Smith einen Spielmacher mit NFL-Potenzial machen konnte. Turners Offenses sind – wie jene Chudzinskis – vertikal angelegt. Keine sieben Wide Receivers an der Anspiellinie, sondern 2/2/1-Formationen mit tiefen Routen. Wichtig dabei: Ein Receiver mit big play-Fähigkeiten, ein fangstarker Tight End, ein fangstarker Running Back. Und ein Quarterback mit Kanone von Wurfarm.

Der Running Back dürfte der sicherste Kandidat sein: Trent Richardson gilt als eines der größten Talente seit Jahren und zeigte dies als Rookie bereits andeutungsweise. Bei den Wide Receivers gibt es den ebenso jungen Josh Gordon (31.6% tiefe Anspiele), einen Partylöwen mit Notwendigkeit nach einer harten Hand. Komplizierter wird es bei den Tight Ends: Ben Watson, aus New England bekannt, gilt als zu wankelmütig. Aber mit Jordan Cameron steht ein junger, ehemaliger Basketballer bereit. Tight End? Ex-Basketballer? Es würde mich wundern, wenn Turner da nicht wenigstens kurz an einen gewissen Antonio Gates zurückgedacht hat…

Bleibt die wichtigste Frage: Quarterback. Dort wurde letztes Jahr in einem ebenso spektakulären wie umstrittenen Move der mittlerweile bald 30jährige Brandon Weeden gedraftet, dessen Rookie-Saison nicht jeden begeisterte (geringe Completion-Rate, 17 INT, nur 5.7 NY/A). Der risikofreudige Weeden hat immer den Hang zur Interception, kann aber mit einem Wurfarm auch die 50yds-Bomben auspacken, wenn nötig.

Nun bleibt abzuwarten, was Chudzinski und Turner von der Option Weeden halten; als gesichert gilt, dass der neue GM Michael Lombardi, nicht der unumstrittenste GM unter der Sonne, von Weeden in etwa so viel hält wie Beyoncé von Achselnässenfehlfunktion. Lombardi lechzt nach gigantischen Wurfarmen und soll angeblich bereits in New England ob der Verfügbarkeit des ehemaligen Arkansas-Bombers Ryan Mallett angefragt haben.

Mallett wie Weeden eint freilich eines: Beide haben die Beweglichkeit einer einbetonierten Straßenlampe und sind auf Jahre auf exzellente Pass-Protection angewiesen. Da kommt es gelegen, dass die Browns bereits eine anerkannt gute Line ohne viel Nachbesserungsbedarf vorzeigen können.

Nachdem kaum davon auszugehen ist, dass Cleveland sich mit seinem sechsten Draftpick einen Offensivspieler draften wird, bleiben drei mögliche Optionen: Secondary, Pass Rush, oder Trade nach unten. Eine aufregende Idee könnte eine Einberufung von Alabamas CB Dee Milliner sein, wenn man die Passverteidigung, eine der wichtigsten Elemente einer Footballmannschaft, stärken möchte. Milliner und der All-Pro würdige Joe Haden – im Erfolgsfall wären die Abwehrsorgen der Browns auf Jahre erledigt.

So oder so wird es zumindest für die Tiefe einen oder zwei solide Manndecker brauchen. Den Rest wird DefCoord Ray Horton per scheming erledigen. Horton ist auch so eine Geschichte mit Würze: Jahrelang als Unbekannte durch die NFL getingelt, und schließlich in den letzten drei Jahren in Arizona eine schlichtweg begeisternd gute Defense zusammengebastelt. Jetzt Cleveland. Wieder so eine schnelle Secondary.

Wieder viele nette Bausteine für Hortons 3-4 Defense. Die Defensive Line könnte mit wuchtigen Körpern wie Taylor, Winn oder dem extrem breiten Rubin durchaus bereits stehen, und für die Linebacker-Crew stehen in D’Qwell Jackson und J.M. Johnson guter NFL-Durchschnitt bereit. An den OLBs wird es haken. Jabaal Sheard als ehemaliger Defense End dürfte eine Konstante sein, aber die zweite wird gesucht. Vielleicht im Draft. Vielleicht in Person des schwer gehypten OLBs Jarvis Jones aus Georgia. Ein Move dieser Güteklasse würde Sinn machen.

Für einen Trade nach unten sprechen der fehlende Zweitrundendraftpick (ging für Gordon letztes Jahr drauf) und die wenigen eklatanten Lücken im Kader.

Ausblick

Die Situation bei den Browns ist aufregend. Die Mannschaft hat ein sehr viel besseres Gerüst als man angesichts von jahrelangem Siechtum erwarten würde, und obwohl die heikelste Position (Quarterback) die unsicherste ist, spricht vieles für einen baldigen Aufschwung. Die Coordinators Turner und Horton kreierten in jüngster Vergangenheit jeweils Units vom obersten Regal, und zumindest Turner dürfte als Head Coach soweit verbrannt sein, dass er so schnell keine Abwerbungsangebote bekommen dürfte.

Was Chudzinski so auf dem Kasten hat, bleibt abzuwarten, aber der Mann sollte sich bei solchen Coordinators nicht allzu weit ins Tagesgeschäft einmischen müssen. Aber: Turner war in alten Chargers-Zeiten einer von Chudzinskis Lehr-„Meistern“. Ein X-Faktor könnte GM Lombardi sein, dessen Ego das Browns-Stadion sprengt und der durchaus nicht allen koscher ist. Es spricht einiges danach, als dass sich das Machtgefüge abseits der Trainingsplätze noch einrenken muss. Darin liegt natürlich Sprengstoff.

Abzuwarten bleibt die Qualität des in game-Coachings. Positiv ist, dass Shurmurs „Künste“ nun ein paar hundert Meilen weiter östlich zu bestaunen sind. Aber weder ist Turners Ruf diesbezüglich der beste, noch kommt Chudzinski (Carolina/Rivera, San Diego/Turner) von Stationen, in der gutes PlayCalling an der Tagesordnung stand bzw. erlernt hätte werden können.

4 Kommentare zu “Cleveland Browns in der Sezierstunde

  1. Etwas spät, aber nun kurz noch was hierzu.
    Zitat: …als gesichert gilt, dass der neue GM Michael Lombardi, nicht der unumstrittenste GM unter der Sonne……

    Das könnte dieses Jahr die Untertreibung des Jahres hier im Blog sein :-). Die Formulierung ist tatsächlich noch sehr wohlwollend gewählt.
    Ansonsten sehe ich (LEIDER) den optimitischen Grundton als verfrüht an.
    Lücken sowohl in der OFF (WR, TE, was ist mit QB, gibt es wieder einen „richtigen“ FB?) als auch in der DEF ( vor allem wegen Umstellung auf die 3-4, aber auch ein CB und ein Safety sind starkt gesucht , ebenso ein Druck machender DE – wahrscheinlich dieser first round).
    In Clevelands Presse wird berichtet, dass meistens eine gelungene Transformation der DEF 2 Jahre braucht. Spricht für Früchte erst im Jahr 3.
    Das was Heckert an Talent in der DL angesammelt hat, gilt nicht unbedingt komplett geeignet für 3-4.

    ABER
    Spektakulär und auch zum Spekulieren geeignet ist das Thema Salary Cap.
    Heckert hat nicht nur eine sehr junge Mannschaft hinterlassen, aber ebenso viel an freier Kohle, irgendwo knapp 50 Mios..
    Dieses Thema hat eine Historie:
    a) Die Betonung vom Front Office war im letzten Herbst noch, dass man keine teuren Free Agents holen wolle, sondern durch die Draft sich steigern will.
    b) Dann wurde aber bei der Entlassung des alten Regimes etwas „Großes“ (im Bereich Trainer) angekündigt, was aber ausblieb.

    Was folgt nun? Mit dermassen viel Kohle ausgestattet, wird man der Variante a) untreu und versucht das aus b) nachzuholen.
    Was sich äusserst populär anbietet sind WR und QB. Es geistern vor allem die Namen Wallace und Flacco durch den Raum, allerdings ausschliesslich durch die Presse.
    Aber auch auf seiten der DEF ist nichts augeschlossen, vor allem wenn man einen Rivalen wie CIN, PIT oder BAL damit schaden könnte.
    Interessant auch wie BAL seine Salary Probleme in Kombination mit Ravens Freeagents löst, sowohl bei Flacco , als auch im DEF Bereich.

    Generell gilt: Es ist für die Browns eine besondere Saison. Neuer Owner, neues Frontoffice, neue Coachingstaff, neue Spielsysteme.( Weiter geht es mit Unwichtigkeiten aber emotionalen Aufregern für Fans wie neuer Stadionname, vielleicht neue Spieluniformen etc pp).

    Neuer Owner Haslam.
    Ich sage endlich ist der alte Owner Lerner weg. Das hat viel zu lange gedauert.
    Zu Haslam, er wirkt sehr engagiert, sehr offen, sehr bemüht, engagiert….eigentlich in allen Bereichen genau das Gegenteil von Lerner ohne dabei in das Jerry Jones Muster zu verfallen.
    Allerdings hat auch er gemerkt, dass auch ihm nichts in den Schoss fällt oder er etwas geschenkt bekommt und plötzlich überraschende Änderungen eintreten.
    Zuerst hat er sich von seiner Firma zurückgezogen und für diese einen Nachfolger bei Coca Cola (oberste Etage) abgeworben.
    Nun plötzlich die absolut überraschende Kehrtwende. Er kehrt nach TEN zurück und überlässt das Geschehen vor Ort Lombardi, Banner und Chudzinski.
    Dazwischen die Unruhe wegen der Verpflichtung von Banner und noch mehr Aufschrei wegen der sehr kirtischen betrachteten Verpflichtung Lombardis ( gegenüber ihm wird matt Millen noch als Genie betrachtet).
    Dann das Anheuern des neuen Coaches, das überhauot nicht so reibiungslos ablief, wie Haslam sich das vorstellte.Aber mein Daumen nach oben für Haslam

    Banner. Alles andere als unumstritten. Galt in PHI als harter Vertragsverhandlunspartner, weniger skills im sportlichen Bereich, Menschlich wohl auch kein Kandidat für Mister Sympathieträger des Jahres. Es wäre wichtig, wenn er zu seiner Seite einen sehr erfahrenen Mann hätte. Aber mein Daumen in die waagerechte, da ich ich ihn nicht vorverurteilen will, aber der Lombardi Move schon zu heftig ist.

    Lombardi: Der Mann für den sportlichen Verantwortunsgbereich. Komplette 5 Jahre draussen aus dem eigentlichen Business. In der Zeit nur mit sehr zweifelhaften Spielerbeurteilungen in den Medien aufgefallen. Zuvor Stationen wie Cleveland Anfang der 90er und Raiders und Lions. Der Mann hat sehr viel zu beweisen. Er gilt als Bannerfreund und ausschliesslich Banner hat ihn hergeholt. Wenn hier bei der Draft Katastrophen auftreten, wird Haslam sehr schnell den Stekcer ziehen, was dann aber auch an Banner haften bleiben wird. Eine Personalentscheidung mit sehr hohen Explosionspotential. Er steht noch mehr kritisch im Fokus, als jeder andere es tun würde.Aber mein Daumen nach unten.

    Chudzinski. Der Headcoach, den kein anderes Team haben wollte. Wir wissen nicht, inwieweit er Plan D, E oder F auf der Agenda vom Frontoffice war, da es mit Kelly, Saban etc nicht klappte. Das muss jetzt mal nichts heissen, galt er schon vor einigen Jahren in Cleveland als heller Kopf. Ist vermutlich gegenüber Shurmur eine enorme Steigerung.Aber mein Daumen nach oben für Chud.

    Turner. Wichtig dass Chud hier einen erfahrenen Mann zur Seite hat (und nicht den Fehler macht wie sein Vorgänger Shurmur, der meinte ohne OFF Coord auszukommen und als Rookie HC auch noch diesen Posten stemmen zu können). Ansonstn gilt das was der Hausherr hier schon geschrieben hat.Aber mein Daumen nach oben für Turner.

    Horton. Sehr mutiger Move. Allerdings ist es ein hoher Preis, Stichwort Wechsel zur 3-4 Def. Ich habe etwas Angst, dass seine Aggressivität nach einiger Zeit von smarten Off Coord und smarten QBs ausgenützt wird und die ihr Spiel dann anpassen bei übertriebernen Blitzes.
    Im Zweifel Daumen nach oben für den neuen DC

    QB: Sollte uns kein Top Mann auf den Silbertablett angeboten werden. würde ich Weeden eine Chance geben. Das vertikale Spiel sollte Weeden viel besser passen, als die WC Off wie sie Shurmur und Holmgren wollten ( hatten die Tomaten auf den Augen?).
    Sprich DEF und Off um Weeden herum stärken duch Free Agents und Draft und sehen, wie er sich im zweiten Jahr macht.
    Ich will Weeden hier nicht verteidigen ( er wurde von Cousins im direkten Vergleich im eigenen Stadion an die Wand gespielt), aber ich würde lieber erst das Team mal um einen QB noch herum formen, wenn keiner anderer TOP-Kandidat und günstig in den Schoss fällt . Frage: wa smacht man mit Colt Mc Coy ?
    Wird wahrscheinlich getradet, schade aber in dem System eigentlich logisch, vor allem wenn man jemanden holt der Weeden Konkurrenz machen soll.
    Weeden muss viel zeigen dieses Jahr. Auch mental, mehr Köpfchen im Spiel, Führungsnatur, keine idiotoschen Würfe, mehr Ruhe . Das ist alles ein Muss, sonst ein Megaflop von Holmgren, Heckert und Co. Daumen waagrecht.

    Es sind sehr viele Fragezeichen da und langweilig sollte es für die Brownsfans die nächsten 10 Monate nicht werden.

    Servus, Alexander

  2. Sensationeller Kommentar. Im Umfeld hier gibt es auch viele Fans, die viel Hoffnung auf die Browns setzen, aber Lombardi für komplette Grütze halten. Ein Mann wo die Teams immer dann begannen Erfolg zu haben als er ging. Und medial fiel Lombardi auch nur durch Luftblasen auf. Einige befürchten, dass Lombardi wenn die Browns tatsächlich mal Erfolg haben sollten, den Erfolg vom Vorgänger ernten könnte. Nach allem was man so mitbekommt, ist der Artikel diesbezüglich tatsächlich untertrieben.

    Ich glaube man kann sagen: Die Browns-Fans wollen Lombardi, aber nicht Michael.

  3. Hallo Seminole,

    dass die Browns den „richtigen“ Lombardi bekommen, da habe ich die Hoffnung längst aufgegeben. Jede Saison ein neues Leiden. Und noch schlimmer für das Seelenleben, dass im letzten guten Dutzend an Jahren ausgerechnet 5 mal die eher ungeliebten (wieder eine Untertreibung) Teams aus Pittsburgh und Baltimore 5 mal im SB standen und 4 mal den Platz als Sieger verliessen.
    Für mich persönlich der MegaGau gewesen, einmal in USA – Florida, den SB in einer Browns Sportsbar in Orlando angeguckt und mit ansehen müssen, wie Modell den SB bekommt.

    Zu Lombardi. Strohhalm an dem man sich festhalten kann. Wenn Banner den unbedingt will und auch Haslam, der ja im ersten Schritt schon mal 700 Mios für die Franchise locker gemacht hat und aus seinem Job her etwas Menschenkenntnis haben müsste, diese Verpflichtung (trotz des heftigen Gegenwinds) abnickt, dann kann ML nicht so komplett doof sein, wie es manchmal aussieht.

    Ende April wird es interessant.

    Gruß Alexander

  4. Pingback: Stabilität | Sideline Reporter

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.