Die Unbekannte: Marcus Lattimore, Running Back

Eine kleine Storyline des NFL-Drafts 2013 wird die Runde sein, in der der Running Back der South Carolina Gamecocks Marcus Lattimore gedraftet werden wird. Lattimore ist der bei weitem größte Name in der heurigen Klasse der Ballträger, gilt nach seiner katatrophalen Verletzung von Ende Oktober aber maximal als Dritt- oder Viertrundenpick (Mayock sah in ihm zuletzt eine 3rd Rounder).

Lattimore bei bester Gesundheit: Megastar. Genialster Running Back neben Adrian Peterson, Jamaal Charles und vielleicht noch Lamichael James, den ich in meinem Leben bisher live gesehen habe. Kräftig, physisch, schleift jeden Tackler drei Yards mit sich, fällt immer nach vorn. Führungsspieler der feinsten Sorte sein.

Leider ist Lattimore nach zuletzt zwei Kreuzbandrissen en suite nicht „bei bester Gesundheit“. Lattimore war bereits zu Beginn der abgelaufenen Saison im College Football nur mehr ein Schatten der Sensation der Jahre 2010 und 2011. Dann kam der 27. Oktober. Beim Gedanken an die Szenen nach seiner letzten schweren Verletzung muss ich immer noch schlucken:

Viel, viel, viel bitterer war die erneute Verletzung von RB Marcus Lattimore. Ich poste aus Pietätsgründen kein Video, aber bei Lattimore dürfte den Eindrücken nach nicht bloß ein Kreuzband gerissen sein. Da ging gestern ein potenzieller Top-Draftpick den Bach runter, entsprechend emotional war Lattimores Familie, waren Lattimores Teamkollegen, und entsprechend könnte die Diskussion, dass für Running Backs das College nur drei verlorene Jahre und zusätzliches Verletzungsrisiko bedeuten, wieder an Drive gewinnen.

Der Moment, als Lattimore unter einem Handtuch vergraben aus dem Stadion gefahren wurde, hatte aber etwas Ergreifendes. Das komplette Gamecock-Team plus drei Viertel vom Gegner verabschiedeten Lattimore persönlich, ein Stadion mit Standing Ovations und Einblender von einem weinenden Lattimore-Clan: Eine solche Wertschätzung und Mutzusprechung sieht man lange nicht alle Tage.

Es war nicht bloß ein Kreuzband gerissen, sondern gleich deren drei. Es werden Analogien zu McGahee anno 2003 hergestellt werden: McGahee konnte sich unter Aufsicht von NFL-Ärzten gut erholen, aber alle seine Versprechen nie gänzlich einlösen.

Lattimores Aktien sollen aber nicht aussichtslos stehen: Dr. James Andrews – der „RG3-Andrews“ – kündigte angesichts des ausgezeichnet verlaufenden Heilungsprozesses an, Lattimore werde „die Welt schocken“:

After his devastating dislocated knee and torn knee ligaments in October, Lattimore, considered a certain first-rounder before the injury, is still in recovery mode. His surgeon, James Andrews, told Lattimore recently that he’s going to shock the world. „I hear he’s working out great,“ said Mayock. Lattimore believes he’ll be healthy enough to start the 2013 NFL season. Is he’s a fourth-round minefield pick? Or might some team desperate for a back go for him a round earlier — or even late in the second round?

In der am Mittwoch beginnenden NFL-Combine 2013 wird Lattimore nur als Interviewpartner für die Teams auftreten.

9 Kommentare zu “Die Unbekannte: Marcus Lattimore, Running Back

  1. „Es war nicht bloß ein Kreuzband gerissen, sondern gleich deren drei.“

    Was meinst du denn damit, korsakoff? Zeitlich nacheinander? Oder auf einmal. Weil letzteres ginge nur, wenn quasi beide Knie gerissene Kreuzbänder hätten. Und ersteres würde einer Passage im Text wiedersprechen.

    Dr. James Andrews war übrigens auch der Chirurg von Peterson.

  2. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, waren gleich 3 Bänder gerissen, inkl. dem Kreuzband. Dazu kommt der Kreuzbandriss aus 2011 und eine „kleinere“ Verletzung 2010 im Kentucky Spiel (+Pause im Spiel danach) und eine Verletzung im Chick-Fil-A-Bowl gegen Florida State 2010.

    Der Junge ist noch nie verletzungsfrei durch eine komplette Saison gekommen, war aber bereits in seiner Rookie-Saison ein absolutes Biest. Ich drück ihm alle Daumen, dass es mit dem Verletzungs-Pech jetzt mal gut ist.

  3. Die Amis haben da eben knackige Kürzel in der Terminologie der komplexen Knie-Anatomie, die uns in der „Alten Welt“ ein bißchen abgehen. Vulgo ACL (Anterior cruciate ligament/vorderes Kreuzband), PCL (Posterior cruciate ligament/hinteres Kreuzband), dazu MCL (Medial collateral ligament/Innenband) und LCL (Lateral collateral ligament/Außenband). Kurz gesagt, jeder Normalsterbliche ist pro Knie mit je 2 Kreuz,- und 2 Seitenbändern ausgestattet.
    Wie schön dass ich in einem Knie schone alle gerissen hatte, so kann ich hier ein wenig sportmedizinische Aufklärung betreiben:) Hoffe der gute Lattimore kommt wieder auf die Beine, ist ein guter Typ, als Athlet unique und mit Upside bis zum Horizont!

  4. Danke für die Aufklärung. Ich wollte schreiben „3 Bänder“, wobei auch das nicht ganz korrekt gewesen wäre. Lattimore hatte kaputte ACL, LCL und „dislocated right knee“, wenn ich das richtig verstanden habe.

  5. Dann macht das ganze schon wieder mehr Sinn. Bei seinem zweiten Kreuzbandriss gab es dann also richtige Kollateralschäden. Das ist mies. Aber hoffentlich kommt er wieder auf die Beine. Selbiges gilt auch für RG3, der auch schon 2 Kreuzbandrisse hat(te).

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