Recap – Combine 2013 am Samstag

Die freiwillige Pressekonferenz des Manti Te’o brachte prinzipiell drei nennenswerte Erkenntnisse:

  • 20 Teams haben sich zu einem 15minütigen Interview mit Te’ angemeldet.
  • Te’o wird keine rechtlichen Schritte gegen den Kreator der Lennay-Kekua-Gestalt, Ronaiah Tuiasasopo, anstrengen.
  • Te’o war gut vorbereitet, wirkte halbwegs locker und schien erleichtert zu sein, die PK vor einer gewaltigen Medienmeute hinter sich gebracht zu haben.

Auch wenn die Kekua-Sache so schnell nicht von der Bildfläche verschwinden wird, kann man doch davon ausgehen, dass Te’o – sofern nicht noch weitere unangenehme Details ans Tageslicht kommen – irgendwann in der zweiten Hälfte der ersten Runde gedraftet werden wird. Und bis Herbst wird größtenteils Gras über die Sache gewachsen sein.

Die Hosen voll

Was ich noch nicht wusste: Für Offensive Linemen gibt es wenig bessere Dinge als einen fetten Arsch. Zumindest erwähnte Mike Mayock in der von mir beiläufig verfolgten Combine-Übertragung gestern minimum fünfmal die Wichtigkeit von knackigen Hintern („he needs sand in his pants“ usw.), und als der mögliche Top-Guard Jon Cooper einen Drill zur Beinarbeit abwickelte und die Kamera voll von hinten draufhielt, bekam sich Mayock gar nicht mehr ein: Do you see this big butt? He’s able to drop that big butt down. That’s pretty good, man. That’s really good. Look at that: That’s sooo smooth. Zirka dreißig Prozent des Bildausschnitts wurden von Coopers Dreiviertelhose ausgefüllt.

Erklärung: Ein gut gefüllter Wackelarsch wird assoziiert mit einem niedrigen Körperschwerpunkt und ergo besserer Wirkung der Kräfte beim Schieben und Ziehen in den Schützengräben um die Anspiellinie.

Offensive Line

Viel wurde über die geforderte Vielseitigkeit in der heutigen NFL gesprochen: Offense Liner müssen nicht mehr bloß die alte I-Formation blocken können, sondern zig Lauf-Formationen. Da reicht es nicht, wenn ein Spieler nur in einer „Power“- oder „Zoneblock“-Offense spielen kann.

Viel wurde über das Alabama-Trio gefaselt: C Barrett Jones punktete vor allem mit Redegewandtheit vor den Journalisten und hat das Label „Team-Leader“ aufgesetzt bekommen. OT D.J. Fluker fiel durch 6kg Gewichtsverlust seit dem Jänner auf und wirkte bei den Drills für meine (ungeschulten) Augen sehr schwach. Guard Chance Warmack hatte eine schlechte Sprintzeit (handgestoppte 5.53sek), die aber nicht ins Gewicht fallen sollte, weil die Tapes für Warmack sprechen.

OG „big butt“ Jon Cooper soll ein Supertalent für eine “Zone”-Blockoffense á la Houston oder Washington sein, gilt spätestens seit gestern als Top-15 Pick und möglicher Favorit sogar gegenüber Warmack. Cooper zudem mit viel Kraft: 35x die 115kg gestemmt.

Bei den Tackles war OT Luke Joeckel, von vielen zum Top-Pick gehypt, nicht schlecht, aber er soll nicht beweglich genug sein, um pfeilschnelle Passrusher durch die Innenseite zu verhindern. Mayock gab zu bedenken, dass am College der mobile QB Johnny Manziel diese Schwächen Joeckels kaschiert habe. Als unisono stark wurde der Auftritt von OT Eric Fisher eingeordnet, der schon als dark horse für den Top-Pick gilt.

Ansonsten fielen die Tackles vor allem durch unglaubliche Beweglichkeit auf, die man so in der Häufigkeit noch selten gesehen hat. Oklahomas Lane Johnson sprintete 4.72sek und sah in seinen Bewegungen nun wirklich nicht wie ein klassischer O-Liner alter Tradition aus. Unglaubliche Leichtfüßigkeit. Mayock: Johnsons Tape wurde über die Saison immer besser, überzeugender. Sicherer 1st round pick.

Noch krasser war der mir bis heute völlig unbekannte OT Terron Armstead aus der FCS (Arkansas-Pine Bluff) mit sensationellen 4.71sek über 40yds. Armstead soll schon bei den Allstarspielen im Jänner glänzende Eindrücke hinterlassen haben. Ein vor allem von Mayock extrem intensiv diskutierter Mann war der bärtige Glatzkopf Kyle Long von Oregon. Soll auch irgendwo in Erstrundennähe rumschwirren.

Zwischenfazit lt. Mayock: Mindestens 8 Offense Liner sind sichere Erstrundenpicks. Warmack/Cooper werden beide in den Top-15 gehen, also ungewöhnlich hoch für Guards. Warmack hat Außenseiterchancen auf den Top-Pick. Bei den Tackles könnten Joeckel oder Fisher an #1 gehen.

Tight Ends

Tyler Eifert/Notre Dame mit einer quicken Sprintzeit. Zach Ertz etwas langsamer als erwartet, aber ansonsten as advertised. Man lernte nix Neues über die Tight Ends, höchstens, dass der Außenseiter Gavin Escobar alles mit der Mütze fängt, was bei drei nicht auffm Baum ist.

Zwischenfazit Mayock: Eifert = 1st round. Ertz, Escobar jeweils 1st/2nd round, wobei Ertz auf alle Fälle besser ist als Escobar.