Detroit Lions in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         4-12   --
Enge Spiele    3-9  
Pythagorean    6.4   (23)
Power Ranking   .516 (17)
Pass-Offense   6.4   (14)
Pass-Defense   6.2   (18)
Turnover       -16

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Saison 2012/13 wird als Saison der enttäuschten Hoffnungen in die Lions-Historie eingehen: Nach zwei Jahren Euphorie und Weg nach oben folgte der brutale Absturz auf bekanntes Terrain: Vierter Platz in der NFC North mit einer 4-12 Bilanz. Das schwache Gesamtbild der Detroit Lions wurde abgerundet durch nach außen getragene interne Schwierigkeiten und aufkommende Zweifel an der Qualität des Head Coaches Jim Schwartz.

Leser dieses Blogs dürften mittlerweile mitbekommen haben, dass der Lions-Laden trotzdem noch kein Fall fürn Notarzt ist. Zu gut waren die Vorstellungen gegen einen überwiegend schwierigen Schedule, zu viele Niederlagen selbst gegen sehr gute Teams waren einfach knapp (3-9 in One-Score-Games). Und gleich mehrfach war nicht bloß ein etwas besserer Gegner schuldig, sondern Detroit mit Eigenfehlern: Schlechte Coaching-Entscheidungen, Fehlkicks, Turnovers zum dümmsten Zeitpunkt.

Die Mannschaft bewegte sich zwischen frustrierend und aufregend. Spiele wie gegen Phialdelphia, Seattle, Green Bay oder Houston waren sinnbildlich für diese Saison: Hautenge Partien mit Punch und Gegenpunch, Comebackversuch und am Ende 1-2 Plays, die die Entscheidung herbeiführten.

Freilich bedeutet all das nicht, dass die Lions per sofort als Spitzenteam anzusehen sind. Sie waren mittelmäßig. Man lernte in dieser Saison aber nicht viel Neues über das Team, was nicht eh schon klar ist.

Lions-Style

Im Angriff wird geworfen bis zum Schwanengesang, egal welcher Gegner, egal welcher Spielstand. QB Matt Stafford pulverisierte in der abgelaufenen Saison den Rekord für die meisten Wurfversuche ever, und mit einem Wide Receiver der Qualität Calvin Johnsons ist das nur bedingt eine schlechte Idee: Johnson hatte trotz weniger Touchdowns eine fassungslos gute Saison und wenig deutet darauf hin, dass der Mann mit der #81 und dem dunklen Visor auf dem Zenit seines Könnens einen Leistungseinbruch erleben wird.

Die Probleme sind vielmehr um Johnson herum zu suchen. Beginnen wir bei Stafford, dessen Wurfarm zu den drei besten der Liga gehören dürfte, der aber immer mehr den Stempel des schlampigen Genies aufgedrückt bekommt. Hauptkritikpunkte: Zu unpräzise, zu Johnson-fokussiert, zu schweren Beton an den Füßen. Die Immobilität Staffords wird immer dann zum Problem, wenn der Gegner Johnson früh im Spielzug aus dem Spiel nehmen kann und Stafford gegen guten Passrush zum Erkaufen von Zeit gezwungen ist. Was folgen, sind häufig ungenaue oder die berüchtigten „Sidearm“-Würfe (Pitcher-Style).

Da die Offensive Line trotz einiger mittlerweile alternder Männer zumindest im Pass-Blocking als weiterhin gut eingeschätzt wird, dürfte es in diesem Kontext zum Imperativ werden, alternative Anspielstationen neben Johnson zu finden. Der notorische Troublemaker Titus Young wurde bereits entsorgt, und so sind nur mehr der filigrane, aber mittlerweile Mittdreißiger Nate Burleson, der extrem verletzungsgeplagte Jungstar Ryan Broyles und TE Pettigrew als Receiver mit NFL-Kaliber im Kader.

Was der Lions-Offense ebenso nicht gut bekommt: Das mögliche Karriereende von RB Jahvid Best. Best ist ein enorm explosiver Back mit exzellenten Fangqualitäten, setzt nun aber schon eineinhalb Saisons wegen anhaltender Gehirnerschütterungssymptome aus. Ohne Best und ohne eine wirklich für Laufblocking gebaute Offensive Line kommt Detroits Bodenangriff über ein paar 3yds-Läufe nicht in die Gänge. RB #25 LeShoure gilt als zu ungeduldig, RB #30 Smith und RB Joique Bell als körperlich zu schwach. Es macht wenig Sinn für die Lions, ein Arbeitstier einzukaufen, dafür sollten flinke Leute mit guten Händen gesucht werden, kleine, neue Jadvid Bests.

Die Defense

Detroits Defense weist prinzipiell weitaus bessere Stats auf als ihr Ruf vermuten ließe, leidet bei mir aber unter der Reputation, im vierten Viertel häufig den entscheidenden Stop nicht machen zu können. Warum auch? Die Unit von DefCoord Gunther Cunningham ist nicht dafür gebaut, primär den Lauf zu stoppen – und dieses Jahr war häufig Laufspielverteidigung gegen Spielende angesagt.

Die wuchtige Defensive Line dürfte schon wieder im Fokus der Offseason stehen. Die Position des Defensive Tackles ist mit dem aufstrebenden Tandem #90 Ndamukong Suh/#98 Nick Fairley sowie dem Routinier Corey Williams auf Jahre hinaus exzellent aufgestellt, aber an den Flanken steht man nach der Entlassung von Vandenbosch und dem möglichen Abgang des teuren DE Cliff Avril vor einem Problem: Geht man wirklich nur mit DE Young und dem Grünschnabel Ronnell Lewis in den Herbst? Oder wird an der fünften Draftposition erneut ein Defensive-Liner einberufen? Ist es gar der Deutsche Björn Werner?

Die Linebacker sind im simplifizierten Cover-2 Schema von Cunningham zwar speziell im Fokus, aber solide genug besetzt. Fragezeichen gibt es im Defensive Backfield, wo mit Chris Houston der beste Cornerback vertragslos ist und die Ankerpunkte ansonsten rar gesät sind. FS Delmas gilt als jung und grundsolide, plagt sich aber mit Verletzungen herum und könnte den auslaufenden Vertrag nicht verlängert sehen. Die Secondary dürfte entgegen der Philosophie des Jim Schwartz in diesem Frühjahr erhöhtes Augenmerk bekommen, vielleicht – sollte es wider Erwarten gelingen, Platz unter der Salary Cap zu schaffen – sogar via Free Agency mit dem CB Grimes oder dem Lions-kompatiblen Charakterkopf CB Talib.

Ausblick

Ich sehe zwei ganz große Stellschrauben: Wide Receiver und Defensive End (und mit Abstrichen eine dritte, Defensive Backfield). Stafford mag kein epischer Quarterback für die Hall of Fame sein, der ein Team im Alleingang durch die Saison schleppt. Mit einigermaßen gut aufgestellter Armada würde ich allerdings wenige Quarterbacks einem Matt Stafford vorziehen. Die Defense lebt von einer tief besetzten Defensive Line. Jene der Lions war in der jüngeren Vergangenheit stets gut und breit besetzt, hatte aber für meinen Geschmack kein gutes Jahr 2012/13. Ein Kaliber auf Defensive End dürfte vor allem der halbwegs soliden Secondary extrem helfen. Weil wir beim Thema sind, dürfte es wenigstens ein nicht zu teurer, solider Manndecker dort sein.

Weil die Lions große Batzen der Salary Cap für die Eckpunkte Stafford, Johnson oder Suh besetzt halten müssen, dürfte der NFL-Draft der beste Weg sein, um sich die notwendigen Talente anzulachen. Ein exzellenter Passrusher sollte in diesem Draft früh verfügbar sein und möglicherweise auf Jahre unter Marktpreis spielen. Sehr gute Wide Receivers sind gerne auch mal in den späteren Draft-Runden oder relativ billig auf dem Transfermarkt bekömmlich.

Schließlich und endlich gibt es den kostenlosen Rettungsanker „Regression zur Mitte“: Es ist kaum anzunehmen, dass Detroit auch nächstes Jahr so viele Turnovers in Schlüsselmomenten produzieren und eine dermaßen unterirdische Bilanz in engen Spielen einfahren wird. Superbowl-Favorit wäre wohl zu hoch gegriffen, aber allein die genannten Faktoren plus ein einfacherer Schedule dürften reichen, um die Lions nächstes Jahr wieder in Playoffnähe zu erwarten.

Auf der anderen Seite ist Schwartz angezählt. Eine weitere Wackelsaison und wir sehen nächsten Winter einen neuen Lions-Cheftrainer.