Kansas City Chiefs in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         2-14   --
Enge Spiele    2-4  
Pythagorean    2.5   (32)
Power Ranking   .300 (31)
Pass-Offense   5.3   (30)
Pass-Defense   7.2   (29)
Turnover       -24

Management

Salary Cap.
Free Agents.

2012 war ein Scheißjahr für die Chiefs, die mit einem eigentlich recht gut besetzten und vor allem im Kern jungen Kader derbe abschmierten und mit 2-14 die schlimmste Bilanz ihrer Geschichte einfuhren und zum ersten Mal den #1-Draftpick halten. Das schlechte Bild wurde durch ein Doppelmord des Linebackers Jovan Belcher und schwelende Geschichte um das Horroregime des GMs Scott Pioli „abgerundet“.

Es folgt der Reset-Button in Kansas City: Nach zuletzt drei eher laxen Coaches in Herm Edwards, Todd Haley und Romeo Crennell und der „Rasur“ (harhar) Piolis wurde mit dem eben in Philadelphia entlassenen Andy Reid einer der bekanntesten Coaches quer durch die Lande installiert, um eine der verdienstvollsten Franchises wieder auf Vordermann zu bringen.

Reid bringt einen komplett neuen Trainerstab ins Haus, u.a. im ehemaligen NFL-Quarterback Doug Pederson einen Ziehsohn als OffCoord, und DefCoord Bob Sutton, der zuletzt bei den Jets lernen durfte, wie Verteidigung geht.

Die Defense ist nicht das zentrale Problem der Chiefs, trotz der mit 7.2 NY/A drittmeisten aufgegebenen Passyards pro Spielzug. Es gibt in OLB Tamba Hali einen immer noch extrem potenten Passrusher, der Unterstützung von der „anderen“ Seite in OLB Justin Houston bekommt. Das Defensive Backfield ist mit der jungen Granate S Eric Berry und CB Brandon Flowers hoffnungsvoll besetzt, wobei durchaus ein zweiter akzeptabler Manndecker und etwas mehr Tiefe nicht schaden würde (CB Routt wurde schnell aufgegeben).

Die größte Baustelle ist weiterhin die Defensive Line, die aus drei Leuten mit großen Namen, weil allesamt extrem hohe Draftpicks, bestand. DE Glenn Dorsey, der Free Agent wird und nicht billig werden dürfte. Dorsey gilt seit Jahren eher als leichte Enttäuschung und konnte nie das halten, was man sich von ihm versprochen hatte. Auf eine Vertragsverlängerung würde ich nicht wetten.

Wie Dorsey war auch DE Tyson Jackson von LSU zu den Chiefs gekommen, aber im Gegensatz zu Dorsey hängt Jackson das bust-Schildchen schon sehr deutlich um, obwohl die Leistungskurve in den letzten beiden Jahren leicht nach oben gegangen sein soll. Jackson wiegt diese Saison 14.3 Mio. Dollar gegen die Salary Cap, und sollte der Vertrag nicht erneut umstrukturiert werden, kann man von einem Rauswurf Jacksons ausgehen.

Bliebe NT Dontari Poe, einer der workout warriors der Combine 2012. Poe wird ein durchwachsenes Rookiejahr nachgesagt: Bei Zeiten explosiv gegen den Lauf, aber insgesamt sehr unbeständig und im Passrush ein Nullfaktor.

Zusammenfassend: Kansas Citys Defense Line war nicht bodenlos schlecht, aber der Hauptgrund dafür, dass diese Defense seit Jahren nicht ihr volles Leistungspensum erreichen kann. Ein Weltklasse-DE würde dieser 3-4 Defense wie keiner anderen helfen – allein: Er ist in der heurigen Offseason wohl kaum zu bekommen.

Die Offense: Ein Quarterback!

Ein Problem, längst erkannt und trotzdem hatte ich bis zum Saisonstart 2012/13 Hoffnung, dass es sich wenigstens in Anflügen lösen würde: Quarterback. Mit zumindest durchschnittlichem Offensiv-Passspiel wären die Chiefs trotz ihrer zuletzt einbrechenden Abwehr ein wenigstens durchschnittliches Team gewesen. Aber es wollte nicht sein. Matt Cassell entpuppte sich endgültig als one year wonder von 2008 und war letzten Endes vielleicht der wichtigste Grund, weshalb aus dieser Chiefs-Mannschaft nie mehr als unterer Ligadurchschnitt wurde. Weil Cassell selbst nur unterer Ligadurchschnitt ist.

Cassell machte sich zum Hassobjekt im Arrowhead Stadium, weil er zu viele Interceptions (4.3% INT-Quote) und Fumbles produzierte; aber auch Backup Quinn entpuppte sich als keinen Deut besser. Das Rätselraten, wie Andy Reid die Quarterback-Position angehen will, dürfte seit gestern ein Ende haben: Die Chiefs scheinen für den 49ers-QB Alex Smith getradet zu haben (Gegenwert: Pick 2nd round/2013 und ein mir noch unbekannter Draftpick nächstes Jahr; Trade wird erst in zwei Wochen offiziell).

Smith… der Mann lebt von seiner blanken Angst, Turnovers zu begehen, und dürfte als vorsichtiger QB schon mal ein Gegenentwurf zu Cassell sein. Aber Smith, ehemals #1-Pick, entwickelte sich in San Francisco auch nie über die Rolle des Verwalters hinaus. Auch in der abgelaufenen Saison, seiner mit Abstand besten seiner Karriere (wo er ironischerweise auf die Bank gesetzt wurde), warf Smith nur 13.8% seiner Pässe downfield; über seine Karriere sind es nur 17.4% – ein niedriger Wert. Als gemeinhin anerkannt gilt: Man erlege Smith bloß nicht zu viel Verantwortung auf.

Positiv: Reid gilt durchaus als QB-affiner Coach, und das Gerüst in der Chiefs-Offense steht. Mit RB Jamaal Charles hat man einen dynamischen, explosiven Back zur Entlastung. Die Offensive Line gilt als nicht unterirdisch. Die Ballfänger-Crew könnte auf etwas sichereren Beinen stehen, aber immerhin:

  • WR Dwayne Bowe ist zwar Free Agent, aber man könnte sich den Luxus der Franchise Tag erlauben. Bowe ist ein sehr gutes deep threat.
  • TE Moeaki ist jung und verletzungsanfällig, aber sollte er annähernd die Form seiner Rookie-Saison von vor zwei Jahren erreichen und fit bleiben, passt die Position.
  • WR Jon Baldwin ist jung und mehr als unkonstant, aber gebaut wie sich NFL-Coaches einen Wide Receiver wünschen – und Baldwin hat auch bewiesen, dass er in der Lage zu unmöglichen Catches ist.

TE Boss und WR Breaston wurden gefeuert. Die Gruppe braucht Tiefe und es sollte dringend der eine oder andere Draftpick in die Receiver gesteckt werden. Es gibt Teams, die deutlich weniger zum Operieren haben, und die WR-Klasse 2013 gilt als breit aufgestellt.

Das kleinste Problem: Offense Line. Viele Pundits sehen OT Joeckel nach Kansas gehen, obwohl die Position eigentlich nicht schlecht besetzt wäre: RT Winston und LT Albert – geht noch besser, aber viele Teams wären froh über so ein Duo. Albert ist Free Agent und verletzungsgeplagt und wenn er deswegen ziehen gelassen wird, könnte das ein Indiz sein für eine Einberufung eines Offense Tackles mit dem Top-Draftpick.

All in all: Haste Scheiße… kriegste die Scheiße

So beschissen die Saison war, so unter Wert wurde Kansas City mit 2-14 letztendlich geschlagen. Viele Mannschaftsteile sind mit fantastischen Einzelspielern besetzt und etliche Schlüsselspieler sind noch relativ jung. Die QB-Position dürfte mit Smith adäquat, wenn auch nicht spektakulär oder gar wirklich langfristig besetzt worden sein.

Kacke ist allerdings, dass die Chiefs genau jetzt 2-14 gehen mussten. Die Draftklasse 2013 ist an den Needs der Chiefs komplett vorbeikonzipiert. Kein Highend-QB, kein Highend-WR, kein Highend-DE, dafür viel Breite. Die Chiefs werden den Top-Pick per Trade kaum los und haben in der Breite nach dem Smith-Trade auch kaum mehr Draftpicks (#34 iss weg).

Als GM würde ich die Defensive Line draften. Reid wird die 3-4 Defense behalten, aber vielleicht gibt es bei einem der vielen Tackles tatsächlich das Potenzial, ihn mittelfristig auf 3-4 End abzustellen – das ist die Position, die die kritischste verbliebene ist. Mit den beiden guten Nose-Tackle-Prospects von heuer im Hinterkopf kann man sich für den Poe-Pick vom letzten Jahr schon mal gepflegt in den Arsch beißen. Zweitgrößte Baustelle IMHO: Cornerback. Dee Milliner an #1? Eigentlich unerhört, aber in der Chiefs-Konstellation nicht Idiotie. Dann Wide Receiver. Entweder ein Topmann für den Slot, oder zwei mittelprächtige Dinger für mehr Breite.

Offense Line halte ich für Luxus. Anyhow: Kriegt Reid aus Smith ein Quäntchen mehr raus als Smith bisher von sich gezeigt hat, werden die Chiefs diesen Herbst zumindest 6-8 Siege einfahren.

13 Kommentare zu “Kansas City Chiefs in der Sezierstunde

  1. Ich bin sehr gespannt wie sich die Chiefs weiter entwickeln. Da steckt auf jeden Fall eine Menge Potential drin. Vor allem aber scheint man nun die richtigen Entscheidungen zu treffen, zumindest würde ich das über die bisherigen Moves der Offseason behaupten. Ich muss zugeben das ich mir gewünscht habe das die Chiefs und Smith zusammenfinden. Da hier meiner Meinung nach die beste Mannschaft mit bisherigem QB-Problem auf den besten verfügbaren QB trifft. Eine Behauptung die ich nach dieser Sezierstunde mal als validiert betrachte. 😉

    Was hat es denn eigentlich mit dem „Horroregime des GMs Scott Pioli“ auf sich?

  2. Schöner Artikel, aber der Smith Trade kommt zu positiv rüber. Was hat man mit Alex Smith bekommen? Ein kleines Upgrade gegenüber Matt „The Interception“ Cassell, aber Smith hat ein niedriges „Ceiling“, da hätte man mit dem Pick 34 gleich einen Rookie wie Bray oder Glennon nehmen können.
    Die Chiefs haben viele andere Needs wie WR, LT (wenn Albert wie erwartet geht) und DL/Passrush. In den Arsch beißen sollte man sich weniger für den Poe Pick (bwohl der nicht optimal war), sondern die vielen schlechten Verträge. Pioli hat da sehr viel Dreck zu verantworten und wenn man seine Statements bei NFL Network hört, schüttelt es mich. Jetzt verliert man Albert, weil man die Tag für Bowe wegschmeißen muss. Gleiches Problem wie letztes Jahr Carr. Dafür mit Jacksons 17M gegen die Cap den teuersten DE in der NFL.

    6 bis 8 Siege finde ich aus diesen Gründen unrealistisch.

  3. Alex Smith – ich halte Smith schon für ein Upgrade gegenüber Cassell, v.a. in Kombination mit dem QB-Entwickler Reid. Ich frage mich allerdings, wie Reid die beiden Komponenten „Smith“ und „vertikales Element“ verheiraten will.

    Pioli – was das Vertragsmanagement angeht, stimme ich zu. Pioli hat aber wenigstens an den richtigen Stellschrauben in den Offseasons gedreht. Hatte halt Pech mit dem Jackson-Pick und die beiden anderen 1st Rounder (Poe, Baldwin) hatten schon damals als Risikoinvestitionen mit potenziell extrem viel Upside gegolten; die sind noch nicht abzuschreiben. Aber klar: GM, der so schlechte Verträge macht, kriegt in der NFL halt kein „ausreichend“ im Zeugnis.

  4. Alex Smith – ich bin da ganz klar der Meinung vieler, dass er einzig und alleine Harbaugh seinen Aufstieg zu verdanken hatte. Der Mann ist (auch zu sehen an Kaepernick) einfach meisterhaft im Umgang mit Quarterbacks und kann deren Fähigkeiten und Limitierungen einfach überaus gut einschätzen und in das Spiel ummünzen.

    Ja, in KC gibt es auch ein starkes Laufspiel und wohl eine solide, mit Potential starke, Defense, aber nicht auf SF-Level und dazu weiß ich nicht, ob Andy Reid noch immer als so meisterhafter Entwickler von QBs gesehen werden kann (Nick Foles hat ja zB nicht viel gezeigt, ebenso ist Kevin Kolb in Arizona grandios gescheitert).

    Es ist KC zu wünschen, ich denke aber, dass dieser Trade ein noch größerer Fehler als der für Matt Cassel war. Gerade in der heurigen Draftlandschaft, wo man mit dem Pich #34 sehr ähnliches Talent wie in den Top 10 bekommen kann, ist es für mich unverständlich, dass man so viel für einen QB aufgibt, der klare Limitierungen hat.

    Damit meine ich nichtmal unbedingt den Deep Ball, den beherrscht zB Brady auch nicht wirklich und das kann mit einem guten System und hoher Spielintelligenz umschifft werden.

    Wenn man dann noch sieht, dass es als Free Agent zB Matt Moore geben würde, der in Miami 2011 eine richtig solide Saison gespielt hat und für den man keinen Draft Pick aufgeben hätte müssen.

    Für mich letztlich auch deshalb unverständlich, weil der Move das Gefühl erweckt, KC würde nur ein mittelmäßiger QB fehlen, um ein ernsthafter Contender zu sein, was einfach nicht der Fall ist. Mit Peyton in Denver wird´s darauf hinauslaufen, dass man in den nächsten 2 – 3 Jahren wohl maximal über den Wild Card Spot in die Playoffs kommt und da sind die wichtigsten Gegner wohl die AFC North-Teams und noch Teams wie Miami, Indy und SD. Grade die knochenharte AFC North wird man mit Alex Smith kaum biegen, sorry.

    Man hätte die Chance gehabt dieses Jahr noch eine gute Schippe junger Talente nachzulegen, vielleicht einen QB zum Entwickeln irgendwo in der Mitte dazu und dann darauf aufzubauen – grade nach der Saison wäre das für die Fans denke ich klar gegangen. Jetzt schaltet Reid sofort auf „Contender-Mode“ inkl. aller dazugehöriger Erwartungen Seitens der Öffentlichkeit und ich befürchte, dass ihn das im nächsten Jahr gehörig in den Allerwertesten beißen könnte.

  5. Die Chiefs heute mit einigen Moves:

    – WR Bowe kriegt die Vertragsverlängerung.
    – P Colquitt mit Vertragsverlängerung.
    – und jetzt kommt’s: LT Albert kriegt die Franchise Tag übergestülpt.

    Was machen die Chiefs als nächstes?
    OT Joeckel trotzdem draften? Irgendwie versuchen, den Top Pick loszuwerden? „Irgendeinen“ Spieler an #1 zu draften? Werden sie aus dem Smith-Trade aussteigen (Smith-Trade kann bis 12.3. nicht offiziell gemacht werden)

  6. Vielleicht auch Star Lotulelei draften. Dann könnte Poe auf DE wechseln, wo er mit seiner Athletik vermutlich besser aufgehoben wäre. Dann hätte man Dorseys Abgang kompensiert oder man könnte Tyson Jackson rausschmeißen und mal eben $14 Mio unterm Cap sparen.

  7. Auch spannend den Colquitt zum bestbezahlten Punter der Liga zu machen, ohne dass es wirkliche Notwendigkeit dafür gibt.

  8. Die Chiefs haben Eric Winston nach einem Jahr wieder entlassen. Da sie ihm einen recht kleinen Signing Bonus gegeben haben ($4 Mio bei 4 Jahren), sparen sie sogar ein bisschen was unterm Salary Cap.

    Damit dürfte jetzt wieder Joeckel der Favorit auf den ersten Pick sein.

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