Arizona Cardinals in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         5-11   --
Enge Spiele    3-4  
Pythagorean    4.8   (27)
Power Ranking   .321 (30)
Pass-Offense   4.5   (32)
Pass-Defense   6.0   (10)
Turnover        -1

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Wenn man sich den Spaß macht, noch mal die Sezierstunden von 2011 und 2012 anzuschauen, wird man schnell auf ein wiederkehrendes Thema zu sprechen kommen: Cardinals brauchen Quarterbacks und Offensive Line. Beides wird auch diesmal wiederkehren.

Die Arizona Cardinals 2012/13 schlossen mit 5-11 Siegen ab, drei Monate, nachdem sie von Studiopundits nach einem sensationellen 4-0 Start bereits in sämtliche Höhen gepusht worden waren. Arizona war mein Playofftipp der NFC West gewesen. Aber es war nach drei Wochen sonnenklar, dass dieses Team im Jänner zuschauen würde, Auftaktsiege hin oder her.

Der Grund: Die schwächste Pass-Offense in der NFL (4.5 NY/A) und die schwächste Lauf-Offense in der NFL (32.7% Erfolgsquote). Es wäre nicht so, dass das Kellerkind „Cardinals-Offense“ nicht vorhersehbar gewesen wäre, deswegen zog auch das Front-Office die Reißleine und schmiss Head Coach Ken Whisenhunt raus. Man hatte höchstens hoffen können, dass die Wurf-Combo um die Herren Skelton, Kolb und Lindley wenigstens irgendetwas aufstellen würde. Geschah nicht.

An den Cardinals kann man das Phänomen „knappe Siege“ (also maximal ein Score Differenz) gut ablesen. 2011 nach einem verheerenden Start von 1-6 (1-4 in engen Spielen) noch überraschend mit einem „Lauf“ von 7-2 Siegen (7-1 in engen Spielen) abgeschlossen und eine Gesamtbilanz von 8-8 erreicht. 2012 trotz schwacher Leistungen mit 4-0 gestartet (3-0 in engen Spielen), und mit 1-11 fortgesetzt (0-4 in engen Spielen), zum 5-11 Abschluss. Noch Fragen?

Whisenhunt ist weg, der Neue ist wie einst Whisenhunt ein Mann aus der Tradition der Pittsburgh Steelers: Bruce Arians, der offizielle NFL-Coach des Jahres. Arians coachte zuletzt die Colts sensationell in die Playoffs und steht für vertikale Offense, dass selbst ein Jürgen Klinsmann feuchte Höschen bekommt. Nicht wenige (mich eingeschlossen) stehen der Verpflichtung von Arians eher reserviert gegenüber.

Arians gilt als exzellenter Kreator von Offenses und bewies vielfach, dass er vor allem junge Quarterbacks entwickeln kann. Als Head Coach beschränkt sich seine Vita auf das halbe Jahr in Indianapolis. Die dortige Playoffqualifikation kam vor allem aufgrund des einfachsten Schedules der Liga und einer unheimlichen Serie an knappen Comebacksiegen zustande. Und: Arians ist kein Jungspund, sondern hat schon 60 Lenzen gesehen. Arians holte sich mit dem alten Buddy Tom Moore (längst nördlich der 70) immerhin einen Fuchs als Zuflüsterer in den Trainerstab.

Die Offense

Erste und wichtigste Aufgaben in der Offseason: Finde deinen Quarterback. Skelton und Lindley dürften auf ewig verbrannt sein, Kolb mit seinen 13.5 Mio., die er gegen die Salary Cap zählt, deutlich zu teuer. Die Cardinals dürften den Free-Agents-Markt gut sondieren, denn einen teuren Rookie-QB willst du hinter einer der löchrigsten Offensive Lines in der Liga nicht verheizen.

Die Line bestand zuletzt aus Third Stringern, weil sich reihenweise Starter (z.B. LT Levi Brown) verletzten, aber selbst diese Starter – wie Brown – hatten über Jahre als unverlässliche Konsorten gegolten. Daran dürfte abzulesen sein, wie dringend Arizona neues Material an der Line braucht. Aufgrund der gut besetzten „trenches“ im NFL-Draft 2013 ist davon auszugehen, dass hier nachgebessert wird.

Das Spielermaterial abseits von Quarterback und Offense Line hat schon NFL-Standard: WR Larry Fitzgerald darf man auch auf seine alten Tage noch zu den Top-5 auf seiner Position zählen und es ist nichts anderes als bewundernswert, dass der Kämpe Fitzgerald bei dem QB-Elend noch nicht lauthals nach einem Trade schreit. Der junge Partner WR Michael Floyd enttäuschte zuletzt als Rookie dezent, aber die Combo Fitzgerald/Floyd bürgt immerhin für solides vertikales Passspiel – Arians! – und mit WR Roberts gibt es einen jungen Slot-WR mit Potenzial.

Tight End ist ein dezentes Need, nachdem Housler maximal als Notnagel für schnelle Ballabgaben taugt. Die Running Backs sollten vorerst passen: Beanie Wells, Stephens-Howling und Ryan Williams haben zwar durch die Bank horrende Stats, die man nach Sichtung der Tapes aber großteils auf besagt schlechte Offense Line schieben kann. Und alle drei sind noch jung, zwei werden schon aufgrund ihres Draftstatuses nicht so schnell aufgegeben (Wells 1. Runde, Williams 2. Runde).

Die Defense

Der „gute“ Mannschaftsteil, auch wenn die Defense in der zweiten Saisonhälfte ebenso leicht abbaute. Der Coordinator ist neu (Todd Bowles/ehemals Cleveland, Dallas, Miami, Philadelphia) und Bowles steht für 4-3 Defense, was ein Paradigmenwechsel in Phoenix wäre, aber das Spielermaterial sollte weitgehend mit sich arbeiten lassen.

Die Defensive Line mit Leuten wie NT Dan Williams, DT Darnell Dockett und DE Calais Campbell gehört zu den anerkannt besten im Lande und bekommt mit dem ehemaligen Carolina-Panthers-Spieler Brentson Buckner einen Positionscoach, der von seiner Superbowlzeit in Carolina weiß, wie es geht. Auch Buckner spielte übrigens lange Jahre in der 4-3.

Die Linebacker haben gestern wie erwartet den zu teuren Stewart Bradley gefeuert gesehen, aber der Rest ist gut aufgestellt: Um den herausragenden Daryl Washington herum lässt sich arbeiten; Washington gehört zu den auffälligsten Linebackers und sollte quick genug sein, um eventuell auch als Outside Linebacker zu spielen.

Sollte es eine Umstellung auf 4-3 geben, dürften allerdings zwei Dinge mit in die Rechnung geworden werden: Die Kadertiefe mit momentan nur sieben Defense Linern wird dann zu gering sein, und so oder so würde ein zweiter guter Defensive End neben Campbell fehlen.

Eine potenzielle Lücke eröffnet sich in der Secondary, wo ein zweiter Klasse-CB neben dem Superstar #21 Patrick Peterson gesucht wird; vermutlich wird man sich des Drafts oder eines mittel-teuren Free Agents bedienen, um die Lücke halbwegs passabel schließen zu können. Die Safetys Wilson/Rhodes werden zwar nicht jünger, aber sie bereits jetzt teuer zu ersetzen, käme Luxus gleich.

Ausblick

Der General Manager wurde mit einer „internen Personalie“ gelöst. Der Trainerwechsel gefällt mir nur mittelmäßig. Quarterback und Offense Line sind riesige Fragezeichen, aber zumindest die Line dürfte sich über den Draft korrigieren lassen. Die Defense hat teilweise fabulös gute Spieler, ist aber Scheme-bedingt erstmal ein Fragezeichen. Die Cards sind so eine Mannschaft, die mit wenigstens anständigem Quarterback-Spiel per sofort in der Verlosung für einen Playoffplatz wären; allein: Man muss dezent skeptisch sein, was die Quarterbacks angeht, nachdem zirka sieben, acht Teams (Seattle, New England, Tennessee, Miami usw.) deutlich bessere Backups besitzen als Arizona Starter.

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