NFL: Was ist der Salary Cap Rollover?

Das neue CBA (Collective Bargaining Agreement, oder dt. Tarifvertrag) zwischen NFL und Spielergewerkschaft sieht in Sachen Gehaltsobergrenze (“Salary Cap”) eine spektakuläre Möglichkeit des “Cap-Managements” vor: Den Cap-Rollover.  Im Kern geht es dabei darum, sich „Salary Cap Space“, also Raum unter der Gehaltsobergrenze „aufzusparen“ und auf’s nächste Jahr zu verschiffen. Sofern ich den entsprechenden Paragraphen im CBA richtig intrepretiere, wird der Rollover bis zum Ende des CBA im Jahre 2021 gültig sein. [CBA von 2011, Artikel 13, Section b (b)(v)]

Gestern haben wir über Salary Cap, effektiven Cash Flow und eine Serie an Termini des NFL-Kadermanagements gelesen. Beim Rollover interessiert uns nur die reine Salary Cap Zahl („Cap Number“) einer Franchise. Die Idee hinter dem Rollover ist es, den Platz, den ich heuer nicht ausnutze, erst in Zukunft zu nutzen. Wir müssen dafür ein paar Begrifflichkeiten einführen.

Basis-Cap: Das ist die von der NFL vertraglich festgelegte Gehaltsobergrenze; im letzten Jahr handelte es sich dabei um 120.6 Mio. Dollar; dieses Jahr sind es 123 Mio. Dollar.

Adjusted-Cap: Das ist die individuelle Salary Cap jeder Franchise und der Grund, weswegen Philadelphia z.B. dieses Jahr eine Cap-Grenze von 146 Mio. hat, Dallas aber nur von 120.3 Mio. Der Grund: Die Eagles haben in der Vergangenheit gutes Management mit ihren Spielerverträgen betrieben.

Nehmen wir an, Franchise Pea Counters hat heuer null Cap-Rollover. Sie hat also eine Adjusted-Cap von 123 Mio., was der Basis-Gehaltsobergrenze entspricht. Die Counters binden in diesem Jahr aber nur 103 Mio. Dollar an Cap-Space. Sie „sparen“ sich also 20 Mio. für nächstes Jahr auf.

Im nächsten Jahr erhöht die NFL die Basis-Cap auf 124 Mio. Die Counters bekommen dann noch zusätzliche 20 Mio. aussm letzten Jahr dazugeschenkt und haben eine Adjusted-Cap von 144 Mio. Macht es Sinn für die Pea Counters, nun „all-in“ zu gehen, Woodson, Manning und Haynesworth vom Transfermarkt aufzukaufen und ihre Cap bis zum Letzten auszureizen?

Die Antwort ist nein, denn wenn die Counters 144 Mio. ausgeben und ihren Vorteil für das eine Jahr komplett ausschöpfen, wird es in Jahr drei ein böses Erwachen geben. Die NFL wird für Jahr drei die Cap auf ca. 125 Mio. erhöhen, und die Counters müssten plötzlich Spieler für 19 Mio. entlassen und würden entsprechende Vertragsstrafen („dead money“) zahlen.

Ein praktisches Beispiel können wir in folgender Tabelle ablesen. Daten natürlich rein hypothetisch:

Jahr   Basis Cap   Adjusted Cap  Ausgegeben  Rollover
0      120 Mio.    120 Mio.      120 Mio.     0 Mio.
1      123 Mio.    123 Mio.      103 Mio.    20 Mio.
2      124 Mio.    144 Mio.      120 Mio.    24 Mio.
3      124 Mio.    149 Mio.      130 Mio.    19 Mio.
4      125 Mio.    144 Mio.      138 Mio.     6 Mio.
5      127 Mio.    133 Mio.      133 Mio.     0 Mio.

Wir merken: Wenn die Franchise in den Jahren drei und vier sehr viel ausgibt, muss sie in Jahr fünf mit ihren Ausgaben runterfahren, um unter die Salary Cap zu kommen.

Wie könnte man den Cap-Rollover kreativ nutzen?

Sofern ich keinen Passus übersehe und die Cap-Floor (ab 2013 für vier Jahre: 89% im Durchschnitt sind zu nutzen!) nicht doch noch anderweitig rumgeistert, könnte sich eine NFL-Franchise wie Dallas oder die NY Jets, die im Status quo brutal geknebelt von fetten Verträgen für arrivierte Spieler ist, einfach mal zwei Saisons „abschenken“: Im ersten Jahr alle teuren Spieler feuern, die hohen dead money Beträge in Jahr eins anschreiben lassen, „hoffen“, mit einer Billigtruppe 2-14 zu gehen, mit dem billigen 1st pick 2014 QB Teddy Bridgewater aus Louisville zu draften, mit einer ebenso billigen Gurkentruppe 2014 (sagen wir 99 Mio. Cap-Space nutzen und damit 25 Mio. Cap-Rollover aufsparen) wieder nur 4-12 zu gehen, aber sich zwei Dinge abstauben:

  • 25 Mio. Cap-Rollover
  • Einen weiteren hohen Draftpick

Die Cowboys hätte dann im dritten Jahr 150 Mio. „Adjusted-Cap“ und wenn sie ihn geschickt nutzen (also nicht einmal „all-in“ gehen, sondern über 3-4 Jahre langsam aufessen), hätten sie bis rund 2018 nen Haufen Platz und Spielraum in der Free-Agency und im Verlängern der Verträge ihrer eigenen Jungstars. Praktisch könnte das so aussehen:

Jahr   Basis Cap   Adjusted Cap  Ausgegeben  Rollover
2013   123 Mio.    123 Mio.      123 Mio.     0 Mio.
2014   124 Mio.    124 Mio.       99 Mio.    25 Mio.
2015   125 Mio.    150 Mio.      120 Mio.    30 Mio.
2016   126 Mio.    156 Mio.      130 Mio.    26 Mio.
2017   127 Mio.    153 Mio.      138 Mio.    15 Mio.
2018   130 Mio.    145 Mio.      140 Mio.     5 Mio.

Bleibt nur fraglich, ob sich Cowboys und Jets mit ihren neuen Megastadien und mit den Hexenkesseln von Medien im Hintergrund ein Abschenken von zwei Jahren leisten könnten. Mittel- und langfristig wäre die Strategie aber dank Cap-Rollover definitiv gescheiter, als nun jedes Jahr gefesselt und geknebelt zu versuchen, ihre Läden irgendwie zusammenzuhalten und nicht mehr als 7-9 bis 9-7 Bilanzen einzufahren.

Fazit: Es ist durchaus geschickt, über „Cap-Rollover“ zu verfügen, gerne auch mal über ein paar Milliönchen mehr als andere. Es macht aber wenig Sinn, einen großen Betrag an Rollover innerhalb eines Jahres auszuschöpfen, da man sich dann spätestens ein Jahr später in die Defensive gedrängt sehen wird und wie die Pea Counters Spieler entlassen muss.

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4 Kommentare zu “NFL: Was ist der Salary Cap Rollover?

  1. Ein sehr guter Artikel, zu einem viel zu vernachlässigtem Thema!
    Zwei Fragen:

    1. Gibt es für den Cap Rollover ähnlich wie für individuelle Verträge ein „proration limit“ oder darf ich den Rollover theoretisch bis in alle Ewigkeit behalten?
    2. Hast du eine Übersicht über die Rollover der einzelnen Teams?

  2. 1) Ich kann keine gesicherte Aussage dazu machen. Hab die Infos z.T. aus einem Fragebogen an einen Herrn von NFL.com (Around the League) gezogen, aber die Frage blieb undiskutiert, auch auf Nachfrage.
    Ich glaube aber nicht, dass ewiges Aufsparen von Rollover nützlich ist; a) gibt es eine Untergrenze (89% über vier Jahre), b) sollte man das gesparte Geld sowieso nicht über 1-2 Jahre, sondern einen längeren Zeitraum aufbrauchen.

    2) John Clayton/ESPN.com gab dazu im Dezember eine Einschätzung.

  3. Pingback: Startschuss zur NFL-Free Agency 2014 | Sideline Reporter

  4. Pingback: Neujahrstag in der NFL | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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