Transfermarkt 2013, Tag -1: Als Percy Harvin vertauscht wurde

Morgen um 22h00 beginnt die Free Agency 2013. Dazu wird es noch einen eigenen Eintrag geben, aber weil dieses Jahr die „tampering“-Regel weniger rigide gehandhabt werden als in anderen Jahren, sickern vermehrt News von der Transfer-Front durch. Nicht nur, dass der Trade von Alex Smith nach Kansas City schon vor Wochen bekannt wurde: Heute gab es den ersten ganz großen Trade der Offseason, der schon der Move des Jahres sein könnte: WR Percy Harvin scheint von den Minnesota Vikings an die Seattle Seahawks verschifft worden zu sein. Der Gegenwert für Harvin wird in diesen Minuten von Joy Glazer/ESPN getwittert:

Percy Harvin ist nicht irgendwer. Am College war Harvin einer der ersten Playmaker, die ich verfolgen durfte: Als blau-weißer Irrwisch in der sensationellen Spread-Offense der Florida Gators war Harvin 2007 und 2008 neben Tebow die treibende Offensiv-Kraft und integraler Bestandteil eines BCS-Champions.

Abseits des Platzes galt Harvin nie als pflegeleicht, konnte aber unter den gewollt unachtsamen Augen vom Coach Urban Meyer machen, was er wollte. Harvin rauchte Gras, Harvin schwänzte Trainings, Harvin würgte seinen Positionscoach. Harvin wurde 2009 in der ersten Runde vom Disziplin-Nazi Brad Childress nach Minnesota gedraftet – accident waiting to happen.

Aber Überraschung, Überraschung: Harvin funktionierte, wurde Rookie des Jahres und galt alsbald als potentes „Triple Threat“ als Returner, Slot-WR und Läufer für Trickspielzüge wie end arounds. Die 2009er-Offense der Vikes mit Favre, Peterson, Rice und Harvin gehört zu den ästhetischsten, die ich gesehen habe.

Aber Harvin konnte nicht aus seiner Haut. Auf dem Spielfeld war der Mann stets genial und locker einer der 10-15 besten Offensivspieler in der NFL. Aber Harvin verpasste mit Kopfschmerzen haufenweise Spiele und erarbeitete sich seinen Spitznamen „Migraine“. Und Harvin geriet nach eineinhalb Jahren doch mit Childress in die Haare, wäre in einer Rauferei im Jahre 2010 fast handgreiflich gegen den eigenen Head Coach geworden.

Zuletzt war das Bild des Percy Harvin ein gespaltenes: Für seinen „professionellen“ Umgang mit den Medien wurde ihm eine Teamführer-Rolle zugestanden, aber die Berichte vom locker room cancer („Krebsgeschwür in der Umkleide“) rissen nie mehr ab.

Jetzt geht Harvin wohl nach Seattle, wo an der neuesten Sensations-Offense in der NFL gearbeitet wird: Der knuddelige QB Russell Wilson, der brachiale RB Lynch, wieder Rice und dazu noch ein Haufen mittelprächtiger Receiver. Die Seahawks bauen an ihrer Legende. Ob Harvin allerdings wegen seiner Verletzungshistorie weiterhin für die gehirnerschütterungsträchtige Aufgabe des Returners einsetzbar ist, wird sich zeigen. Und billig dürfte der Vertrag auch nicht werden.

Minnesota dagegen kriegt ein Jahr nach dem gefinkelten Draft-Trade mit den Browns wieder Draftpicks geschenkt – für einen Spieler, der in spätestens einem Jahr, in denen er den Vikes eh nur Kopfschmerzen (no pun intended) bereitet hätte, sowieso weg gewesen wäre. Das Passspiel der Vikes verliert durch den Trade aber seinen gefährlichsten Mann; ein Chris Ponder, der ein weiteres Jahr ohne gescheiten Wide Receiver spielen muss? No way. Minnesota wird minimum zwei Receiver hoch draften/einkaufen.

Der Vertrag, den Harvin in Minnesota Seattle unterschreiben wird, dürfte auch die Rahmenbedingungen für die Vertragsverhandlungen eines Victor Cruz in New York abstecken. Und ganz extrem weit weg sollte ein Mike Wallace, der sich aus Pittsburgh verabschiedet (Miami soll der Favorit sein), in dieser Kategorie auch nicht sein.

Zwei andere Ballfänger stehen vor einer ungewissen Zukunft: Boldin soll in Baltimore auf zwei Millionen Jahresgehalt verzichten, um bleiben zu dürfen. (edit: bzw. sieht es schwer nach einem Trade aus, vielleicht nach San Francisco/von Coach Harbaugh zu Coach Harbaugh) Und Gonzalez, der von Atlanta auf Knien gebeten wird zu bleiben, möchte nur für mehr Geld und weniger Trainingseinheiten in der Offseason noch ein letztes Jahr Football dranhängen. Es wird gemunkelt, dass Gonzalez nicht die von ihm erhofften Angebote als Studiopundit von den Networks bekam und daher aus reiner Langeweile weitermacht.

Der womöglich beste verfügbare Pass-Verteidiger, Chris Gamble (in Carolina gefeuert), scheint seine Karriere nach neun NFL-Jahren zu beenden. Ein anderer Cornerback ist nach seinem Rauswurf in Atlanta schon untergekommen: Dunta Robinson unterschreibt in Kansas City, wo eines der bizarrsten 2-14 Teams der letzten fünfzehn Jahre rasch an seiner Wiederauferstehung bastelt.

Morgen beginnt dann die offizielle Free Agency. Teams wie Dallas und Washington müssen noch Moves machen um unter die Salary Cap zu flutschen. Dallas feuerte heute Dan Connor. Washington schmiss den teuren CB DeAngelo Hall raus. Alles weitere zum Beginn der Transferperiode dann morgen.

9 Kommentare zu “Transfermarkt 2013, Tag -1: Als Percy Harvin vertauscht wurde

  1. Boldin ist für einen six-round pick nach SanFran getraded worden.
    Wenn es schon nur einen six-round pick für einen Mann wie Boldin gibt, dann frage ich mich was Bucs GM Dominik für WR Benn (ehemaliger 2nd-round pick) rausholen will, denn man angeblich shoppen will.

  2. Pingback: Vor dem Start der Free Agency 2013 | Sideline Reporter

  3. @joeyseck: Der 6th-Rounder für Boldin hängt auch damit zusammen, dass er ohne Trade entlassen worden wäre. San Francisco hat daher einfach einen niedrigen Pick gegeben, um nicht in einen Bieterwettstreit um den entlassenene Boldin zu müssen. (Bei insgesamt 15 Draftpicks eine kluge Strategie)

  4. Als begeisterter Vikings Fan würde mich eure Meinung interessieren?

    Kluger Move der Vikes?

    Mir persönlich gefällts sehr muss ich sagen!

  5. Pingback: Transferperiode 2013, Woche 1 Review: Kruzifax! | Sideline Reporter

  6. Pingback: Seattle Seahawks in der Sezierstunde | Sideline Reporter

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