UEFA Champions League 2012/13 nach dem Achtelfinale

Power Ranking

inspired by
Jens Weinreich

1 – Barcelona
2 – Bayern
3 – Real Madrid
4 – Dortmund
5 – Juventus
6 – PSG
7 – Malaga
8 – Galatasaray

Ausscheidungsspiele in der Champions League sind alljährlich eines der ganz großen Highlights im Sportjahr. Nach den Achtelfinals sind meist bis auf ein paar losglückbedingte Außenseiter die meisten Freaktruppen eliminiert und die verbleibenden acht Teams begegnen sich häufig praktisch auf Augenhöhe, sodass die Ausgänge der verbleibenden 13 Spiele häufig vom Schussglück und der einen oder anderen Schiedsrichterentscheidung abhängen.

Das Rückspiel Barcelona vs. Milan zeigte schon mal in Anflügen, wie furchtbar eng es im europäischen Spitzenfußball zugeht: Niemand kann bestreiten, dass der FC Barcelona zwei Klassen über Milan einzustufen ist, aber wenn Njang den einen Konter drei Zentimeter weiter rechts eintütet, zerredet sich die Fußballwelt s’Maul fusselig über das Ende der größten Fußballära ever.

Weil der Ball den Pfosten küsste, iss dem nicht so. Barcelona hat unübersehbare Schwächen in der Abwehr und der hölzerne „Katalanen-Kaiser“ Pique würde mir Sorgen machen, aber mit einer solch fantastischen Offensive führt der Titel weiterhin über Blaugrana. Im Rückspiel gegen Milan machten Beobachter vor allem die Positionierung von Villa als „Vorblocker“ für die wuseligen Super-Zwerge als Faktor aus, der Milans Abwehrchef Mexés durcheinander brachte. Dank Villas aufopferungsvoller Laufarbeit konnte dahinter vor allem der Göttliche (hint: nicht Franziskus) seine Kreise viel ungestörter ziehen und zwei fabulöse Treffer machen. Messis Schuss zur Führung war ein wahrhaft zauberhaftes Tor, eines, von dem ich noch meinen Enkelkindern vorschwärmen werde. Der Rest war Geschichte: Dominanz, aber wenn Njang…

Der FC Bayern stellt dieses Jahr vielleicht die kompletteste Mannschaft, aber die Bayern haben noch nicht annähernd eine Offensive gesehen wie sie Barcelona auffahren würde. In den letzten Wochen inklusive dem Arsenal-Spiel brachen alte Probleme in Sachen Chancenverwertung wieder auf.

Der BVB ist seit zwei Jahren mein heimlicher Titelfavorit. Letztes Jahr hatte man genau in der Gruppenphase eine etwas durchwachsene Phase und vor allem fassungsloses Pech, wenn ich an die Partien in Piräus und Marseille zurückdenke. Vielleicht war Dortmund auch noch eine Dosierung zu grün – mit den Eiern, mit denen man diesen Herbst mit aller Selbstverständlichkeit Madrid und ManCity an die Wand spielte, scheint Schwarz-Gelb mittlerweile auch eine Tube mehr Selbstvertrauen gegen die großen Namen mitzubringen.

Real Madrid sehe ich trotzdem einen Tick im Vorteil, was vor allem an den famosen Individualisten im Angriff liegt. In Ausscheidungsspielen, in denen sämtliche Gegner fast gleich stark sind, entscheidet oft auch das Schussglück – und Ronaldo, Higuain, Benzema, Alonso sind schon verdammt gute Scharfschützen.

Ein wenig diskutierter Geheimfavorit: Juventus. Die italienische Fußballmannschaft schlechthin, und erstmals nach der Moggi-Zeit wieder ein ernsthafter Contender. Coach Conte lässt diese Saison konsequent sein 3-5-2 durchspielen, nachdem letztes Jahr in meiner Sportbar noch jede Woche trotz Unbesiegbarkeit über die ständigen Systemwechsel geschimpft wurde. Gegen Celtic fand ich Juve vor allem im Hinspiel weniger überzeugend als die meisten Beobachter. Die Alte Dame mit überwiegend unterirdischem Aufbauspiel, brachte 70 Minuten lang keinen Ball sauber aus der eigenen Hälfte, was aufgrund Celtics wenig durchschlagskräftiger Offensivabteilung nicht weiter ins Gewicht fiel.

Über die Saison lässt sich bei Juve ein brutal kompakter Abwehrverbund feststellen. Die Abwehrkette ist mit Barzagli/Bonucci/Carceres schon exzellent und noch einmal eine Stufe höher einzuschätzen, wenn Chiellini fit ist. Die Flügelverteidiger sind rechts (Lichtsteiner) wie links (Asamoah/Peluso) diszipliniert. Und natürlich der Torwart: Ich verhehle nicht, dass ich Ekelherpes beim Anblick von Buffon bekomme, aber der Mann spielt eine fantastische Saison.

Das Mittelfeld macht einen extrem stabilen Eindruck. Pirlo hat alles gesehen und ist durch nichts mehr zu beeindrucken, kann aufgrund der sicheren Abwehrreihe weitgehend ungestört seine Kreise ziehen, aber das wahre Erfolggeheimnis für das gelungene Umschalten der Juve-Offensivmaschine ist für mich das Mittelfeld-Duo Vidal/Marchisio: Beide technisch beschlagen, laufstark, und immer vorwärtsorientiert mit dem Ball am Fuß. Der Juve geht einzig ein Stürmer von Weltformat ab (Vucinic/Giovinco/Quagliarella/Matri sind nicht schlecht, aber jagen dir nicht qua Status den Schrecken in die Hufnägel).

Juventus ist nicht der Topfavorit, aber die Mannschaft ist auf Jahre exzellent aufgestellt – sportlich und dank des neuen Stadions, dem ersten privaten Stadion eines Topclubs, auch infrastrukturell.

Dem PSG und Galatasaray traue ich nach dem spärlichen Gesehenen wenig zu, auch wenn beide Weltklassestürmer (Ibrahimovic, Drogba) mitbringen – PSG und Gala haben mich nicht im Ansatz als Viertelfinal-würdig überzeugt. Malaga sagt mir erstmal gar nix, außer dass ich nun weiß, wohin es Santa Cruz verschlagen hat. Porto auszuschalten ist sicher nicht das einfachste Los der Welt und technisch sieht der Fußball von Malaga nicht so übel aus, aber wenn ich dran denke, wie brutal Malaga vor drei Wochen von Porto an die Wand gespielt wurde, wundere ich mich schon, wie man die Dragaos im Rückspiel ausschalten konnte.

Anyhow: Ich bin bekanntlich Bayern-Fan, von daher sehe ich der Auslosung und den nächsten Wochen und Monaten zuversichtlich entgegen. Die CL-Saison ist für mich eh schon gerettet, und zwar, seit Dienstagabend der AC Milan rausgeflogen ist. Alles Weitere ist wie in jedem Jahr nur Zugabe.

5 Kommentare zu “UEFA Champions League 2012/13 nach dem Achtelfinale

  1. „[…] wundere ich mich schon, wie man die Dragaos im Rückspiel ausschalten konnte.“

    Porto spielte 40 Minuten in Unterzahl. Gruß

  2. „Ich verhehle nicht, dass ich Ekelherpes beim Anblick von Buffon bekomme, aber der Mann spielt eine fantastische Saison.“

    Hmm, korsakoff macht sich unbeliebt 😉

  3. Das Ranking würde ich übrigens fast genau so auch jetzt noch unterschreiben. Nur tauschen Bayern und Barca die Plätze 😉

  4. Pingback: UEFA Champions League 2012/13 nach dem Viertelfinale | Sideline Reporter

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