Miami Dolphins in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         7-9    --
Enge Spiele    3-5  
Pythagorean    7.1   (21)
Power Ranking   .489 (19)
Pass-Offense   5.9   (22)
Pass-Defense   6.2   (18)
Turnover       -10

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Miami Dolphins sind eine seit Jahren übersehene Franchise aus dem NFL-Mittelmaß, ohne irgendwelche Aufregungen oder angriffige Diskussionspunkte. Die seelenlose Betonschüssel von Stadion ist in der Mittagssonne von Südflorida meist halbleer und die Begeisterung in der Stadt hält sich in Grenzen. Seit einem Jahr ist allerdings mit dem neuen Head Coach Joe Philbin und dem hoch gedrafteten Rookie-QB Ryan Tannehill wenigstens etwas Optimismus eingekehrt.

Der Quarterback und die Offense

Tannehill spielte ein grundsolides Rookiejahr, nicht annähernd in den Sphären eines RG3, aber zumindest mit genügend guten Ansätzen, dass man optimistisch in die Zukunft blicken kann: Steht in der Pocket seinen Mann, hat alle tiefen Würfe drauf, traut sich auch unter Druck die schweren Pässe zu, guter Scrambler. Man lernte dieses Jahr wenig Neues über Tannehill, dessen Offense mit 5.9 NY/A Passspiel aber immer noch im unteren Drittel der NFL zu verorten ist.

Was aber frappierend bei den Dolphins 2012/13 auffiel: Die Offense spielt schnell. OffCoord Mike Sherman und Tannehill, die sich schon vom College kennen, versuchen häufig, ohne Huddle durchzukommen und dann ihr quickes Kurzpassgewichse aufzuziehen. Allein die Waffen fehlten bisher.

WR Davone Bess ist ein wendiger Mann für den Slot, aber die meisten Bälle fing zuletzt WR Brian Hartline, der aber alles andere als ein echter #1-WR ist, sondern vom Typ mehr der klassische zweite Mann. Die Dolphins kauften sich also in der Free Agency WR Mike Wallace aus Pittsburgh ein. Wallace gilt als deep threat, aber ich sehe bei den Kauf zwei Stirnrunzler: Zum ersten ist Wallace bekannt als Mann, der vor allem in einer auf Improvisation bedachten Offense aufblüht, zum zweiten ist der Vertrag schlicht massiv (13 Mio./Jahr im Schnitt, 2014 mit Capnummer von 17 Mio!). Mit dem ehemaligen Jet TE Dustin Keller wurde zudem ein halbwegs solider Tight End geholt, und auch WR Brandon Gibson (kommt aus St Louis) dürfte zumindest für Tiefe sorgen.

Die Running Backs verlieren mit Reggie Bush einen fangstarken Mann, aber es gibt in der Hinterhand zwei Leute, auf die ich einiges gebe: RB Dan Thomas dürfte künftig als echtes Arbeitstier eingespannt werden, auch wenn er in seinen ersten beiden Profijahren dezent enttäuscht haben soll, aber der wahre Diamant könnte RB Lamar Miller sein, ein brutal explosiver und doch relativ geduldiger Back, dessen größte Schwäche seine Bocklosigkeit zum Blocken ist. Miller ist einer meiner Leute to watch für die kommende Saison.

Offensive Line? Die Innenseite dürfte passen, aber auf Tackle bleiben Fragezeichen. Der junge OT Jonathan Martin soll ein schwaches Rookiejahr gespielt haben, und der ehemalige Top-Pick Jake Long ist immer noch auf dem freien Markt. Die Anzeichen verdichteten sich zuletzt dahingehend, dass Long wohl für einen halbwegs akzeptablen Vertrag nach Miami zurückkehren wird. [Update, 7h00] Long scheint mittlerweile bei den St Louis Rams unterschrieben zu haben, also eine weitere Baustelle für Miami. [/Update]

Die Defense

Zuerst das Positive: Die Front-Seven der Dolphins gehört zu den besten im Lande. Der Passrush könnte hie und da trotz eines Superstars wie DE Cameron Wake a bissl stürmischer sein, aber es wird genügend Druck ausgeübt und die Lauf-Defense ist ein gigantischer Sleeper (#5 in der NFL mit 60% Erfolgs-Rate). 2012/13 erzwang die Defense zudem in fast jedem zweiten Drive einen Punt – #3 in der NFL, und nur weil sie so wenige Turnovers produzierte, weiß kein Mensch um die Möglichkeiten, die in ihr schlummern.

Die beiden wichtigsten Moves in der Front-Seven waren die Einkäufe von OLB Ellerbe vom Superbowl-Sieger Baltimore sowie OLB Wheeler aus Oakland. Beide sind nicht billig und gehen auf die 30 zu. Im Gegenzug wurden mit Dansby und Burnett zwei Leistungsträger aus Altergründen entlassen.

Was Sorgen macht, ist die Secondary: Auf Safety ist man trotz der Vertragsverlängerung von Clements bedenklich dünn besetzt, und auf Cornerback macht GM Jeff Ireland seit zwei Jahren eine Baustelle nach der anderen auf: Vontae Davis letztes Jahr weg, Sean Smith dieses Jahr. Miami hat keine NFL-kalibrige Pass-Deckung mehr! Sofern nicht noch in der Free Agency 1-2 Leute eingekauft werden oder ein paar Rookies einschlagen, haben die Dolphins in der Defense ein Problem.

Ausblick

Miami ist seit Jahren ein schlafender Riese, dem stets – seit dem Karriereende von Dan Marino vor über einem Jahrzehnt – eines abging: Ein Quarterback von Weltformat. Tannehill könnte nun der erste mit Potenzial für mehr als Verwalter sein.

Die Offseason der Dolphins wird auch überall gelobt, wobei mir die Moves noch suspekt sind, da sie noch unvollständig sind. Insbesondere das Defensive Backfield könnte, wenn nicht noch verstärkt, die komplette Mannschaft in die Kacke reiten. Zudem sind die Verträge so strukturiert, dass Miami nächstes und übernächstes Jahr ein Probleme mit der Salary Cap kriegen könnte – GM Ireland ist nicht so ganz mein Fall.

Aber okay: Die Transformation der Dolphins schreitet voran (nicht nur, weil im April ein neues Logo präsentiert wird). Die Offense ist schon deutlich attraktiver, die Defense zumindest „vorne“ sehr zügig drauf. Miami könnte durchaus mal wieder um die Playoffs mitspielen.