Vor der March Madness 2013

Heute geht der Wahnsinn wieder los: March Madness im College Basketball. Die Grundzüge des College-Basketballs habe ich schon im November versucht zu erklären. Die „March Madness“ ist das, was dem College Football schon seit vielen Jahren abgeht: Eine aufregende Post Season mit haufenweise Action. Wer wissen will, was es mit der March Madness auf sich hat, für den verweise ich auf einen sieben Jahre alten Eintrag bei Allesaussersport, der aber bis auf kleine Details (mittlerweile 68 statt 64 Teams) noch immer vollste Gültigkeit hat:

Selection Sunday haben wir bereits hinter uns, wie auch die erste Runde (wo das Feld von 68 auf 64 verkleinert wurde), wo Boise State gestern z.B. gegen LaSalle gespielt hat (bitte nicht spoilern!).

Was in der NFL der „Mock Draft“ ist, ist im College-Basketball die Bracketology. Es handelt sich hierbei um fröhliches Tippen der einzelnen Partien bis durch zu den Final Four. Faustregel: Setze in der ersten Runde niemals gegen einen Top-Seed. Du wirst haufenweise Punkte im späteren Verlauf verlieren. Ansonsten werfe man die Münzen. Der Präsident hat übrigens auch schon getippt: Barack-etology.

Ich lasse mich auch nie lumpen und habe bei ESPNs Tournament Challenge in der allesaussersport-Gruppe mitgemacht und folgendes völlig unanalytisches Bracket bis hin zu den Final-Four in Atlanta erstellt:

korsakoffs Bracket der March Madness 2013: Nachmachen auf eigene Gefahr

korsakoffs Bracket der March Madness 2013: Nachmachen auf eigene Gefahr

Die Tipps beruhen für einmal nicht auf Zahlenmaterial, sondern in erster Linie auf dem (wenigen) Gesehenen und natürlich der Liebe für die Underdogs. Die Erklärungen im Folgenden.

Midwest – Die Erben von Majerus

Die Story dieser Region sind die St Louis Billikens aus der Atlantic-10 Conference. St Louis stellt eine Mannschaft voll von Außenseitern, die nirgends eine Chance bekamen. Im letzten Jahr besiegte man mit fleißiger Defense den hohen Favoriten Memphis in einem Spiel, das als Meisterstück des Head Coaches Rick Majerus, einem ehemaligen TV-Pundit, gefeiert wurde. Majerus wird dieser Wochen nur in Form seines Geistes mit von der Partie sein, denn der Mann verstarb Anfang Dezember nach wochenlangen Gerüchten um dessen sich verschlechternden Gesundheitszustand. St Louis spielte die vielleicht beste Saison seiner Geschichte. Majerus’ Geist lebt weiter: Die Billikens spielen eine Pracht von Defense: Zeckig, nie aufgebend, nervtötend.

Leider ist St Louis in der vielleicht härtesten Region gelandet: Mit Louisville, Michigan State und Duke spielen drei Turnierfavoriten und bestimmt vier der besten zehn Teams overall in diesem Bracket.

Ich fürchte, es setzt für St Louis ein frühes Aus gegen die alle überragenden Louisville Cardinals. Das offensivstarke Creighton ist mein Upset-Tipp, und es ist ein reiner Sympathie-Tipp.

West – Deutschmann

Es ist die Region mit den Gonzaga Bulldogs aus Spokane im US-Bundesstaat Washington, einer Art „Boise State Broncos des College-Basketballs“. Zumindest ist Gonzaga ein Mid-Major, der seit Jahren die March Madness aufwühlt. Auf der anderen Seite betreibt die Uni einen extremen Aufwand in Sachen Recruiting weit über die Landesgrenzen hinaus, dass man von jenem klassischen Mid-Major-Underdog sprechen mag. Die Uni ist Heimat eines Deutschen (Elias Harris) und dieses Jahr in fast allen landesweiten Polls an #1 oder #2 gerankt. Und trotzdem wird Gonzaga nicht komplett für voll genommen, da man gerne mal sehen würde, wie die Jungs auf knackige Defense reagieren.

Solche Defenses warten gleich zwei in Runde 2 und 3: Pittsburgh und Kansas State. Gonzaga-Pitt dürfte ein populärer Upset-Pick sein (ich verwehre mich mal störrisch). Ich fürchte aber, spätestens gegen Kansas State ist Endstation. K-State ist selbst einer meiner Lieblinge, spielt eine freche Defense und besitzt über einen erfahrenen Mannschaftskern. Man gilt eigentlich immer als Mitfavorit, scheitert aber häufig an den eigenen Nerven. Da ist gut, dass die Nemesis, die Kansas Jayhawks, in eine andere Region eingeteilt wurden.

Ich kann durchaus sehen, wie Kansas State trotz dumpfer Vorahnungen das Halbfinalticket löst. Ohio State jagt mir den Schauer übern Buckel, aber hey, wenn New Mexico für einmal gegen gute Defense einen guten Tag erwischt… K-State im Halbfinale gegen New Mexico? Nehm’ ich.

South – Widder den Erwartungen

Meine Fresse: Kansas, Georgetown, Michigan und Florida in ein und derselben Region? Die Gators halte ich für die insgesamt beste Mannschaft dieser Staffel, simpel, weil ich die Offense der Kansas Jayhawks für zu schwach halte, bei Michigan der Defense völlig misstraue und Georgetown… naja, pure Angriffswucht ist datt nicht. Florida dagegen ist rundum eine komplette Mannschaft, der allerdings stets der Ruf voraus ging, unter Druck häufig zu kollabieren. Dieses Jahr wurde man allerdings von haufenweise knappen Siegen durch die Saison getragen.

Die Glückssträhe endet spätestens in den Elite Eight: Die VCU Rams prügeln Florida mit ihrer furchterregenden Defense aus dem Turnier und ziehen als X-Faktor mit Pauken und Trompeten zum Final-Four nach Atlanta.

East – Butler lacht sich ins Fäustchen

Die Miami Hurricanes spielten heuer eine starke Basketball-Saison, was insofern interessant ist, weil die Canes noch nie ein gutes Basketballprogramm hatten. „The U“ ist Football – und momentan nicht mal das. Dieses Jahr spielten sie in der wachsweichen ACC eine erstaunlich gute Saison und sorgten angeblich für ziemliche Begeisterung in Südflorida.

Trotzdem sehe ich keinen Durchmarsch in die Elite-Eight, denn es gibt einen extrem abgewichsten „soon-to-be-ex-Mid-Major“ in den Butler Bulldogs. Die Jungs von Brad Stevens dürften sich einen Arsch ablachen: Kriegen nach mäßiger Saison nur einen #6-Seed, aber ein Losglück vor dem Herrn: Marquette traut so gar niemand richtig, und Miami/FL – da hat Butler ne Chance.

Die obere Tableau-Hälfte sieht die Indiana Hoosiers, gegen die mein Misstrauen kaum größer sein könnte. Indiana könnte spätestens gegen die UNLV Rebels fällig sein. UNLV sagte man ein enttäuschendes Jahr nach, aber Achtung: Ich hab die Jungs zweimal gesehen und es waren mannschaftlich geschlossene Leistungen – mit dem einen herausragenden Mann Bennett, der das Team tragen kann.

Final Four

Bei aller Liebe für die Kleinen: Den Pokal staubt eine arrivierte Mannschaft ab. Louisville ist dies’ Jahr das Team, das es zu schlagen gibt. Aber bis Atlanta ist noch ein langer Weg.

Inhaltsreichere Begleitung, Sendepläne von ESPN America und dem ESPN-Player sowie vielleicht auch noch eine gesonderte Vorschau am heutigen Tag gibt es mit Sicherheit wieder bei Allesaussersport.

2 Kommentare zu “Vor der March Madness 2013

  1. Hmm… Ohne jetzt wirklicher College Basketball Experte zu sein – dass Florida unter die Final Four kommt, sorgt bei mir doch für arge Zweifel- Die Gators haben in dieser Saison gegen stärkere Gegner (K-State, Missouri, Ole Miss im SEC Final, Arizona) viele knappe Spiele hergeschenkt. Da Florida ja als sehr attraktives Team galt, hab ich einige Spiele von denen doch gesehen und immer den gleichen Eindruck bekommen: Schlampige Genies, die immer dann, wenn ein Spiel für sie zu laufen scheint, den Gegner wieder aufbauen und dann bei knappen Spielständen die Flatter bekommen.

    Anders bei Miami. Die scheinen relativ nervenstark zu sein. Gut, das grandiose ACC-Finale gegen UNC hängt da definitiv in meinem Hinterkopf, aber die Canes scheinen mir exakt der Gegenentwurf zu den Gators zu sein. Hoch konzentriert, wenn das Spiel zu entgleiten droht und bis zum Ende aufs Spiel fokussiert.

    Auch Duke würde ich nicht so früh scheitern sein. Mit Plumlee und vor allem mit Ryan Kelly spielen dort Spieler, welche Spiele allein entscheiden. Kelly fiel ja verletzungsbedingt in dieser Saison etwas länger aus und nahezu alle Saisonniederlagen der Devils fielen in diese Verletzungszeit. Jetzt ist er lange wieder fit und on fire.

    Mein „Sleeper“ in diesen Playoffs ist Wisconsin.Die BigTen gilt ja in diesem Jahr als beste CBB-Conference. Wer am Ende im BigTen-Tournament hintereinander Michigan und Indiana weghaut, geht wohl sehr gut gerüstet ins NCAA Tournament. Vor allem die zweite Hälfte gegen Michigan (51 Punkte, nachdem man eine komplette Hälfte offensiv nicht viel mehr als 17 Punkte zu Stande brachte) ist noch in meinem Hinterkopf. Die Badgers sind als geranktes Team zwar kein klassischer Sleeper, aber auf dem Zettel hat sie ja scheinbar auch keiner.

  2. Hab mich dieses Jahr auch endlich mal am Tippen beteiligt und mein Bracket war natürlich Donnerstag bereits gegen 22 Uhr zerstört 🙂

    K-State und Pitt sind bereits raus… möglicherweise reichts für Gonzaga ja doch noch ins FInal Four. EInziger echter Stolperstein wäre noch Ohio St. in den Elite Eight. Aber man weiß ja nie.

    Butler ist seit den Cinderella Stories 2010 und 2011 zu meinem Lieblings-Basketball-College geworden. Glaube aber nicht, dass Sie dieses Jahr weit kommen werden. Irgendwann werden entweder The U oder Indiana warten und dann wars das wahrscheinlich für Butler. Ich lasse mich aber gerne eiones besseren belehren 🙂

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