Buffalo Bills in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         6-10   --
Enge Spiele    2-4 
Pythagorean    5.7   (25)
Power Ranking   .479 (21)
Pass-Offense   6.0   (20)
Pass-Defense   6.1   (14)
Turnover       -13

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Buffalo Bills haben als vielleicht provinziellste NFL-Franchise einen ganz eigenen Charme, auch weil der greise Owner Ralph Wilson jr. weiterhin verbunden genug mit Stadt und Region ist, um die Franchise trotz Standortnachteilen aus Buffalo abzuziehen. Die jüngste Aktion ging dahin, eine Stadionrenovierung mit gesichertem Verbleib bis wenigstens 2020 durchzuwinken. Auch im sportlichen Bereich gibt es Neuigkeiten, denn nach der gefühlt fünfundzwanzigsten 6-10 oder 7-9 Bilanz in Folge wurde Head Coach Chan Gailey durch Doug Marrone ausgetauscht.

Wie ich schon im Jänner schrieb, hat der Einkauf des „Underdogs“ Marrone für den ewigen Underdog Buffalo ein gewisses Flair. Marrone hat zudem viele gute Voraussetzungen, coachte in mehreren Stufen am College, hat Erfahrung in NFL-Trainerstäben und als Offensive Coordinator (Saints) und Marrone weiß, wie man Organisationen managt (Syracuse) oder junge Quarterbacks entwickelt (Ryan Nassib). Einzig der Fakt, dass noch kein Kind Marrones sich zum Prädikat „Weltklasse“ hocharbeiten konnte, trübt das Bild. Aber auf der anderen Seite erklomm Marrone bisher stets kurz vor dem Durchbruch die nächste Stufe der Karriereleiter. Mit dem uneitlen Marrone könnte GM Buddy Nix nach vielen Fehlgriffen ein guter Move gelungen sein.

Die Offense

Marrone steht nicht für ein Offensivsystem, sondern galt in der Vergangenheit als Coach, der Elemente aus mehreren Spielphilosophien einzubauen vermochte. Im Kern gilt der Mann als Liebhaber von balancierter Offense mit vielseitigem Einsatz ihrer Running Backs. RB C.J. Spiller dürfte nach seinem Coming-Out Jahr 2012/13 aufgehorcht haben; Spiller war nach Effizienz-Stats der produktivste Back der kompletten Saison, lieferte mehr Beitrag für seine Offense als Adrian Peterson in zirka der Hälfte der Ballberührungen! Mit dem alternden und zuletzt verletzungsanfälligen Backup Fred Jackson gibt es in Buffalo noch einen intelligenten „Parasiten“ für die Entlastung Spillers zwischendurch.

Ein paar Fragezeichen gibt es bei den Wide Receivers, die abseits von Steve Johnson eher suspekt besetzt sind – und da sind wir bei einem springenden Punkt, was den Draft 2013 angeht: Es ist allen klar, dass Buffalo dieses Jahr einen Quarterback draften wird. Unklar ist noch, wann. Ich halte es für nicht ausgeschlossen (und würde es mir, wäre ich GM, überlegen), dass die Bills den „Cincinnati-Weg“ einschlagen werden: Mit dem hohen Top-10 Pick einen Wide Receiver einberufen, mit dem Zweitrundenpick einen Quarterback.

Die Voraussetzungen wären gegeben. In einem explosiven Mann wie WR Cordarrelle Patterson von Tennessee gibt es durchaus ein Probowl-würdiges Talent, während bei den QBs nicht ein einziger Mann reif genug ausschaut, um ihm die Bürde „Top-10 Pick“ aufzuhalsen. Reine Spekulation: Die Bills würden in Runde zwei einen Tyler Wilson oder Tyler Bray (oder auch Marrones Protegée Nassib) einberufen – die Offense hätte Stil: Rookie-QB, RB Spiller, WR Johnson, WR Patterson… Buffalos Angriff läse sich mit einem Schlag potent.

Sehr hilfreich wird die bereits gesetzte Offensive Line sein, wo es nur ein Ärgernis gibt: LG Andy Levitre wurde ziehen gelassen, ein junger Mann, dem man starke Leistungen nachsagte. Ist „nur“ ein Left Guard, aber die Line bekommt so noch Nachbesserungsbedarf.

Die Defense

Der neue DefCoord der Bills ist Mike Pettine, der aus New York (Jets) bekannt ist. Pettine steht für einen wilden Mix an verschiedenen Defensivformationen, von 3-4 über 4-3 über völlig unkonventionelle Aufstellungen, immer mit einem Ziel: Druck gen Quarterback zu entfachen und für Konfusion im Backfield des Gegners zu sorgen. Das spricht dafür, dass die Bills verstärkt 1-2 Super-Passrusher und im weiteren viele vielseitige Spieler brauchen werden.

DE/OLB Mario Williams könnte da einer der wichtigsten Bausteine werden. Als reinrassiger Passrusher stünde DE Mark Anderson bereit. Eine hochklassige Defensive Line könnte um das Tackle-Duo Dareus/Kyle Williams gebaut werden, denen man Extraklasse nachsagt.

Über kurz oder lang wird Pettine bei den Linebackers nachbessern wollen, wo man vor allem von der stagnierenden Entwicklung von Sheppard enttäuscht ist; der teure Einkauf des OLBs Manny Lawson spricht dafür, dass die Linebacker ins Zukunft druckvoller agieren sollen – und das ist notwendig, denn beim Durchspulen der alten Bills-Tapes fällt der inexistente Passrush aus der zweiten Reihe sofort auf.

In der Secondary sehe ich gigantischen Nachholbedarf: CB Stephen Gilmore dürfte trotz seines jungen Alters und trotz des durchwachsenen Rookiejahres gut genug für die Manndeckung sein, aber hinter Gilmore wird es sehr schnell seeeeeehr dünn. CB Aaron Williams soll nach zwei schwachen Jahren schon halb aufgegeben sein. FS Byrd gilt als Pro-Bowl-Kaliber, aber ich sehe keinen zweiten Safety.

Needs: Cornerback (x2), Safety, Linebacker, Backup-Defense Liner.

Ausblick

Bei den Bills ist nach dem x-ten Neustart vieles noch im Unbekannten und Marrone wird sich erst als Architekt eines Footballprogramms beweisen müssen. Der Kader ist an einigen Stellen bereits stark besetzt und wenn die Bills im Draft einen Quarterback finden, der sofort einschlägt, sind wir nicht weit von den Playoffs entfernt. Die Frage ist halt, ob die vielen halbfertigen QB-Produkte im NFL-Draft 2013 so große Hoffnungen auf einen RG3-mäßigen Einstand machen.

Der Kaderumbau in der Offseason war in der Free Agency weniger stürmisch als es sich die Bills-Fans erhofften, aber das muss kein schlechtes Zeichen sein, schließlich ist der Draft meist der bessere und preiswertere Zugang zu neuen Talenten. Die Bills müssen sich neben einem Quarterback vor allem auf einen zweiten Wide Receiver und besagte Positionen in der Defense kümmern.

Wird nicht alles dieses Jahr passieren, aber wie geschrieben: Neuer Head Coach = Programm-Aufbau nicht in einem Jahr. Wenn aber der neue QB sofort aufgeigt, sind die Bills voll im Playoffrennen.

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