San Diego Chargers in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         7-9    --
Enge Spiele    2-5 
Pythagorean    8.0   (16)
Power Ranking   .421 (27)
Pass-Offense   5.7   (23)
Pass-Defense   6.1   (14)
Turnover        +2

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die San Diego Chargers sind die zweitgrößte Talentvergeudung nach dem FC Arsenal. Was der FC Arsenal aber besser macht: Er hält sich dabei zumindest jung und frisch. Der Kern der Chargers dagegen alterte nun ein halbes Jahrzehnt, und er halfterte ab: Drei Jahre in Folge ohne Playoffs, und während man 2010/11 noch absurdeste Negativrekorde in Sachen Special Teams aufstellen musste um nicht das dominierende Team in der Liga zu sein, schied man in 2012/13 zum ersten Mal nicht „zu früh“ aus: Die Chargers stellten erstmals seit Äonen keine richtig wettbewerbsfähige Mannschaft mehr.

Als Konsequenz musste Head Coach Norv Turner gehen. Weg ist auch GM A.J. Smith, der Mann, der verantwortlich war, dass dieser Kader vor fünf Jahren so potent besetzt war, der gleichzeitig aber auch eine Serie an merkwürdigen Abgängen in den Jahren seither zugelassen hat.

Die neuen Männer am Ruder sind GM Tom Telesco, ein für mich unbeschriebenes Blatt, und HC Mike McCoy. McCoy ist eine interessante Personalie, weil man bei ihm nicht so richtig weiß, wofür er steht: Jahrelang ein Stift in den Trainerstäben von Carolina und Denver, kann recht gut mit Running Backs, verzweifelt nicht ohne einen „richtigen“ Franchise-QB. McCoy durchlief in den letzten beiden Jahern als OffCoord in Denver Himmel und Hölle, oder besser: Hölle und Himmel? Erst Tebow, dann Peyton Manning – krasser kannst du keine Gegensätze bekommen, aber McCoy schneiderte bei beiden ein brauchbares System.

Bei Tebow limitierte er auf Teufel komm raus das Element des Wurfes, aber auch bei Manning ließ sich McCoy nicht dazu hinreißen, eine Passorgie aufzuziehen, sondern streute bedächtig immer wieder Laufspielzüge ein. Jetzt also San Diego. Viel zu seinen Intentionen gab McCoy nicht öffentlich preis, weswegen man in viele Aktionen was reininterpretieren muss, will man die Chargers der Zukunft erörtern.

Die Offense

McCoys große Aufgabe wird sein, Grundlagenforschung zu betreiben, was in QB Philip Rivers gefahren ist: Seit ich denken kann einer der dominantesten Quarterbacks in einer schönen downfield-Offense, aber seit eineinhalb Jahren in der Krise. Vor allem die abgelaufene Saison zeigte die Verunsicherung Rivers‘, der verdammt viele horrende Bälle warf und meilenweit von jenem Hall of Fame-würdigen Kaliber der Vorjahre spielte. Ist es nur eine einmalige Formkrise? Oder sind die Ursachen andere?

Zum Beispiel die Offensive Line, der man zuletzt zwei furchtbare Jahre nachsagte. Fast alle Leistungsträger früherer Jahre sind weg, diesmal G Vasquez (ausgerechnet zum Divisionsrivalen Denver) und LT Jared Gaither, wobei bei letzterem der Terminus „Leistungsträger“ mit Vorsicht zu genießen ist. Es gab genügend Mannschaftskameraden, die sich auch öffentlich klar und deutlich zur Trainingsfaulheit des hochbezahlten Gaither äußerten und nahe dran waren, dem Mann vor laufender Kamera die Fresse zu polieren.

Was bleibt: Die Line ist in sämtlichen Metriken im unteren Viertel zu verorten und dürfte innerhalb der nächsten beiden Jahre eine Blutauffrischung brauchen. Vor allem beide Tackle-Positionen dürften erhöhte Priorität bekommen.

Der Rest ist okay. RB Ryan Mathews, soweit ist man sich einig, wird seinen Status als hoher Draftpick nicht mehr rechtfertigen können, ist aber wenn fit immerhin ein gefährlicher straighter „Geradeaus-Läufer“. Backup Ronnie Brown ist auch für 4-5 Carries pro Spiel als Entlastung gebräuchlich und der frisch aus New England eingekaufte RB Danny Woodhead könnte sowas wie den neuen Sproles geben: Flink, intelligent, fangstark – jenes Element, das seit Sproles‘ Abgang in San Diego komplett fehlt.

Die Crew an Ballfängern passt: TE Gates wird nicht jünger oder fitter, aber angesichts seiner Klasse und vieler anderer Baustellen dürfte McCoy es bei Gates belassen. Und mit TE Ladarius Green gibt es einen aus dem College bekannten Mann als Backup. Die Receivers lesen sich mittelprächtig mit Leuten wie Floyd, Meachem, Brown, Royal, Goodman, Alexander (letzterer mit Sternchen) – es ist kein richtiger Star-WR dabei, aber ein McCoy und ein Rivers sollten damit zu fahren kommen.

Fazit: Die Offense Line wird in absehbarer Zeit von Wichtigkeit sein, wie vielleicht bald auch Wide Receiver und Tight End. Sofern Rivers sich aber stabilisieren kann, werden die Chargers auf Jahre zumindest adäquates Angriffsspiel sehen. Vielleicht wird ein Entwicklungs-Prospect auf QB gedraftet.

Die Defense

Die Defense hatte 2012/13 echte Probleme, was vor allem auf einen pathetischen Passrush und schwache Cornerbacks an beiden Seitenlinien zurückgeführt wird – die Zahlen bestätigen diese Eindrücke. Trotzdem überlebte DefCoord John Pagano (Chucks Bruder) den HC-Wechsel und wird weiter an seiner 3-4 Defense basteln.

Da wartet ein uns allbekanntes Problem: Wer gibt den Nose Tackle nach den Abgängen von Franklin und dem bärtigen Beißer Garay? Generell geht der Defensive Line hinter den beiden jungen Talenten DE Liuget und DE Reyes jegliche Tiefe ab – die tief besetzte Draftklasse dürfte hier Abhilfe schaffen.

Bei den Linebackers sagte man OLB Melvin Ingram ein solides Rookiejahr nach und viele erwarten für heuer den Durchbruch. Ingram ist der Passrush-Typ, OLB Jarrett Johnson eher der fleißige Allrounder. Was sicher fehlt, ist ein zweiter druckvoller Linebacker, um die Secondary zu entlasten.

Dort wurden gleich beide Starting-Cornerbacks rasiert (Jammer, Cason). Die Hoffnung scheint zu sein, dass CB Gilchrist und CB Wright gemeinsam mit CB Cox den Laden soweit zusammenhalten können, dass San Diego nicht erneut komplett pulverisiert wird. Draftet San Diego in der ersten Runde einen Cornerback, wäre ich aber auch alles andere als überrascht. FS Eric Weddle sagt man eine Weltklasse-Saison nach, aber über Weddles Nebenmann wird noch gegrübelt.

Ausblick

Die größten Baustellen sind Stand heute:

  • Offensive Tackle
  • Outside Linebacker
  • Cornerback
  • Tiefe in der Defense Line

Kriegen die Chargers über den Draft wenigstens ordentliche Spieler, um diese Lücken zumindest im Ansatz zu stopfen, traue ich der Mannschaft durchaus ein ernstes Wörtchen in der nicht furchterregenden AFC West zu. Prio eins dürfte Protection für Rivers sein, denn ein Rivers, dem du a bissl Zeit gibst, ist wohl auch künftig ein guter Rivers. Danach kannste immer noch versuchen, den Passrush aufzumotzen und drei Defense Liner draften.

Ein Kommentar zu “San Diego Chargers in der Sezierstunde

  1. Pingback: Glaskugel 2013: San Diego Chargers | Sideline Reporter

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