Oakland Raiders in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         4-12   --
Enge Spiele    2-4 
Pythagorean    4.1   (29)
Power Ranking   .387 (28)
Pass-Offense   6.2   (16)
Pass-Defense   6.9   (26)
Turnover        -7

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Oakland Raiders sind die bizarrste NFL-Franchise, weil sie auch fast zwei Jahre nach seinem Tod (gemeint ist der jahrzehntelange Coach/Owner/GM Al Davis) fleißig dabei sein müssen, die Altlasten zu beseitigen. Kurzbeschreibung: Salary-Cap Hölle, fürchterliche Verträge, einer der schlechtesten Roster in der Liga. Der neue GM Reggie McKenzie, ein ehemaliger Scout in Green Bay, doktert und schnipselt nun in seiner zweiten Offseason – gleichzeitig der ersten, in der Oakland auch mal wieder sowas ähnliches wie mehrere Draftpicks zur Verfügung hat.

Das ging auf keine Kuhhaut mehr, was die Raiders zuletzt so in die QB-Position investierten: Top-Pick 2007 für Megabust Jamarcus Russell, 4th rounder für Campbell, 3rd Rounder für Pryor, 1st und 2nd rounder für Palmer. Über 5-6 Jahre eine komplette Draftklasse in einer einzigen Position versenkt, und die Lösung ist noch immer nicht gefunden – oder? McKenzie wagte zuletzt den nächsten Schritt der Verjüngung, und kaufte sich einen seiner Schützlinge aus Packers-Zeiten, QB Matt Flynn für late round picks aus Seattle ein, verkaufte Palmer nach Arizona.

Flynn: Ein limitierter Mann, beweglich wie Rodgers, aber ohne den ganz massiven NFL-Wurfarm, unerfahren: Immer wenn solche Leute eine Franchise anführen müssen ohne gescheite Protection, ohne Skill-Players, ohne eine wenigstens durchschnittliche Defense, „droht“ auch sogleich der Top-Pick im folgenden Jahr. Spaßhalber könnte man auch anmerken, dass Flynn am College als Backup jahrelang nicht an einem gewissen Jamarcus Russell vorbeikam…

Offense

Es steht erstmal in den Sternen, wie der unerfahrene Flynn sich machen wird oder ob Oakland sogar früher oder später sein „anderes“ Investment, den mobilen QB Terrelle Pryor austestet. Was als sicher gelten darf: Die Offense wird besser strukturiert sein als letztes Jahr, wo das Schreckgespenst OffCoord Greg Knapp sein Unwesen trieb. Knapps Nachfolger Greg Olson ist ein unbeschriebenes Blatt und als solcher per definitionem ein Upgrade.

Olsen wird das Blocksystem in der Offense Line wieder zurück in ein „manndeckungs“-orientiertes System führen, weg vom Zonenblocken, für das nur ein einziger Raiders-OLiner (Brisiel kennt es aus Texans-Tagen) gebaut war. Gemeinhin anerkannt ist, dass bis aus C Wisniewski jede OL-Position ein Upgrade vertragen könnte, aber die Needs andernorts wohl größer sind und die Raiders dieses Jahr vielleicht ohne Verstärkung up front durchkommen müssen.

Ähnlich bei den Runningbacks: Der solideste Mann in Goodson ist weg, es bleiben der fangstarke FB Reece und RB Stewart – und RB Darren McFadden, einer der spektakulärsten Backs in der NFL, aber leider, leider allzu häufig verletzt und nach fünf Jahren als Profi bereits quasi abgeschrieben. Die 5-6 Spiele mit einem fitten McFadden sind jedoch allemal sehenswert.

Die Wide Receivers: „you can’t teach speed“ Heyward-Bey ist nach vier überwiegend enttäuschenden Jahren weg, es bleiben die jungen Moore, Ford, Criner und Streeter im Kader – allesamt pfeilschnelle oder großgewachsene Athleten mit Butterfingern, denen man nicht eine Führungsrolle in einer Passoffense zutrauen möchte. Ähnliches Bild bei den hüftsteifen Tight Ends – in sämtlichen Fällen ist das Problem wohl nicht mit einem Top-Athleten aus dem Rookiepool 2013 zu lösen.

Defense

Die Raiders-Defense 2012/13 war nicht gut: Gegen den Lauf war man mit 61% Erfolgsquote zwar die #3, aber gegen den Pass gegen einen schwachen Schedule mit 6.9 NY/A nur die #30 (Passrush mit 25 Sacks = extrem mau). Auf die einzelnen Drives verteilt war die Unit aber nicht mal so katastrophal, was aufgegebene Yards angeht, aber sie kassierte mit 2.31 pts/Drive trotzdem die meisten Punkte. Das mag auch dran liegen, dass sie die zweitschlechteste Starting Field Position aller Teams hatte, extrem wenige Turnovers erzwang und häufig kurze Drives zu Touchdowns aufgab.

Head Coach Dennis Allen hatte noch wenig Gelegenheit, die Defense nach seinem Vorstellungsvermögen zu formen: Zu viele Altlasten, zu wenig Flexibilität in einer angespannten Salary-Cap-Situation. In der laufenden Offseason konnten die Raiders zumindest Säcke wie DT Seymour, DT Bryant, DE Shaughnessy oder LB McClain rauswerfen, aber großartige Verstärkung geht als Gehaltsgründen nur über den/die/das Draft.

Die Defense Line ist noch ganz gut besetzt: DE Houston oder der aus Atlanta eingekaufte DT Vance Walker gelten durchaus als Start-fähig, während an der Tiefe zu arbeiten sein wird (was hat z.B. DE Carter noch anzubieten?). Das größte Need ist klar: Passrush. Den Raiders geht seit vielen Jahren der eine druckvolle Mann gen Quarterback ab. Und von obigen schwachen 25 Sacks wurden 19 von Spielern erzielt, die in der laufenden Offseason als „Abgänge“ eingetragen wurden. Keep an eye on: Houstons Vertrag läuft nach der Saison aus.

Bei den Linebackers dürfte der Abgang Wheelers weh tun, aber die beiden Burnetts und LB Maiava gelten als durchaus brauchbar. In der Secondary gibt es eine Megabaustelle, die alles und jeden umfasst. Sämtliche Sprintstar-CBs, die in den letzten Jahren gedraftet wurden, gelten als untrainierbar, während der einst so starke Safety Tyvon Branch absolut nicht in die Spielidee des Head Coaches passt und verschwendetes Talent ist.

Es wird in dieser Defense mehr als diese eine Offseason brauchen, um sie NFL-tauglich zu kriegen. Du kannst in der heutigen NFL fast nicht mehr bestehen, wenn deine Pass-Deckung so schwach besetzt ist, aber wenn dein Passrush zur gleichen Zeit auch noch so lauwarm ist, kommt das einem Himmelfahrtkommando gleich.

Ausblick

Die Raiders sind möglicherweise einer der ganz wenigen Fälle, in denen kompromissloses best player available-Draften Sinn macht: Das Management um GM McKenzie hat – spätestens seit dem Palmer-Verkauf glasklar – die Entscheidung getroffen, die nächsten 1-2 Saisons abzuschenken, den Kader zu sanieren und Salary Cap-mäßig auf einen Stand zu kommen, mit dem man angreifen kann. 2014 wird Oakland schon soweit sein und einen richtigen Player auf dem Transfermarkt geben können.

Weil es auf praktisch keiner einzigen Position Spieler gibt, die du als Franchise unbedingt halten möchtest, ist die Option, egal welcher Need immer den besten Athleten im Draft zu nehmen, die möglicherweise beste. Drafts 2013 und 2014 plus Free Agency 2014, mit etwas „Glück“ dort auch noch via einem hohen Pick, und du kannst dir als Franchise innerhalb kürzester Zeit ein nettes Gerüst für die mittelfristige Zukunft basteln.

Man konnte sich aufgrund der Rahmenbedingungen noch nicht von den Qualitäten des Head Coaches überzeugen. Aber der General Manager scheint durchaus auf Zack zu sein und die Raiders ohne die ganzen Dogmen von Al Davis wieder in die richtige Spur zurückzubringen. Ich hoffe, dass McKenzie die Zeit bekommt und die Sanierung durchziehen kann. Es wäre schade, wenn die Raiders in ihrer Ungeduld McKenzie feuern und das nächste Regime diei Früchte dieses Mutes erntet.

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