UEFA Champions League 2012/13 nach dem Viertelfinale

Power Ranking

1 – Barcelona
2 – Bayern
3 – Real Madrid
4 – Dortmund

5 – Juventus
6 – PSG
7 – Malaga
8 – Galatasaray

Die vier besten Mannschaften stehen im Halbfinale (ich würde im Übrigen auch die vier Ausgeschiedenen weiterhin exakt gleich reihen). Juventus-Bayern entpuppte sich als das erhoffte Mismatch, war ein Matchup, das nur dann hätte spannend werden können, wenn Juve ein Zufallstor gelungen wäre und Bayern sich hätte nervös machen lassen. Passierte nicht. Sicher, Buffon schenkte den Roten zwei Hinspieltreffer. Aber das ändert nix dran, dass Bayern Juve über 180 Minuten weitgehend an die Wand spielte. Vom angekündigten inferno scatenato (dt. in etwa „Himmel und Hölle in Bewegung setzen“) blieb nicht mehr als resignierter Applaus für die Gäste übrig.

Im italienischen Fernsehen hagelte es hernach Lobpreisungen auf Bayern, den deutschen Fußball, das deutsche Modell. Die Italiener schielen neidzerfressen auf den deutschen Fußball, den Fußball, den sie seit ich denken kann nur müde belächelten. Im Interview meinte der „General Manager“ der Juve, es sei an der Zeit, mehr Revenue zu generieren, um in drei Jahren wieder in ähnlichen Sphären wie die grundsolide wirtschaftenden Deutschen zu sein. Der Mann hat Humor. 30% der Jugend sitzt auf der Straße, sie wählen Clowns und Lustmolche, und du willst deinen Umsatz um 200 Mio. steigern?

Bayerns Vorstellung war fantastisch, wie schon die ganze Saison. Ich sah selbst in der ersten Halbzeit, die Heynckes und Lahm so selbstkritisch sezierten, eine nie gefährdete Bayern-Mannschaft. In der vergangenen Saison bemängelte ich häufig den fehlenden Mut der bayrischen sportlichen Leitung, das zu bürokratische bayrische Spiel. Ich applaudierte zum Dante-Einkauf, und Dante ist großartig, der spielstärkste Bayern-Verteidiger, den ich je sah (okay, sind nur 15 Jahre, aber trotzdem). Ein Volltreffer von Einkauf, egal was noch kommt.

Was vorne Mandzukic läuft, ist einzigartig und „Pressing beginnt ganz vorn“ aus dem Lehrbuch. Alaba, wenn er sich mal nach vorne traut: Sensationell. Überhaupt eine 1A-Mannschaftsleistung, wo jeder für jeden rannte und gefühlte 96% Balleroberungen in der gegnerischen Platzhälfte. Warum Bayern trotzdem nur an #2 bleibt?

Ich habe etwas Angst, wenn Barcelonas Hochgeschwindigkeits-Kombinationen kommen. Bayerns Abwehr hat so was noch nicht gesehen und es zeigte sich diese Saison schon mehrmals, dass sie beim Anflug von technisch sauberem Direktspiel verwundbar ist. Okay, welche Abwehr ist das nicht, aber Bayern braucht eine um Welten bessere Chancenverwertung als zuletzt, wenn sie Barcelona schlagen wollen.

Ich wäre nicht überrascht, aber rein vom Gefühl sehe ich Barca noch leicht vorn. Vor allem wenns im Halbfinale kommt, ohne Mandzukic, der gelb sah, weil er sich von Chiellini fast den Haxen abschlagen ließ – und jetzt deswegen gesperrt ist. Gomez kann läuferisch längst nicht Ersatz geben, Pizarro eher auch nicht.

Die Nummern 3 und 4 sehe ich auch eigentlich umgekehrt, aber ich bleibe bei dem, was ich schon nach den Achtelfinals schrieb: Irgendwo habe ich das dumpfe Gefühl, dass Real Madrid mit seinen Scharfschützen, Ronaldo allen voran, für die Playoffs besser aufgestellt ist. Ein Tor aus dem Nichts ist in Spielen mit minimalsten Leistungsunterschieden fast immer Gold wert. Während sich die deutschen Mannschaften und Barca in einen Spielrausch stürzen und Hundertprozentige vergeben, dass es auf keine Kuhhaut mehr geht, zeichnen sich Ronaldo, Benzema und Alonso durch eiskaltes Verwerten von kleinsten Abwehrfehlern aus.

Es warten die Halbfinals, die Zeit, in dem ein Schuss, oder der Zufall minimum gleich viel wert ist wie der Qualitätsvorteil. Der BVB erlebte es am krassesten schon in den Viertelfinals, als man zwei Spiele, die normalerweise 4:2 und 2:1 gewonnen werden, lang verzweifelt anrannte, einen dummen Schiedsrichterfehler sei Dank schon zwei Meter unter Erde lag und dann in der Nachspielzeit zum „BVB United“ mutierte und Tomatenanfälle bei Craig Thompson zu einem unvergesslichen Fußballabend ausnutzte. Was jetzt noch kommt, ist Zugabe. Quatsch: Jetzt willst du alles. Dortmund hat die Qualität. Vielleicht haben sie nicht die Abgewichstheit. Aber vielleicht haben sie das Quäntchen Glück. Alles ist möglich.

Könnte ich nun die Kugeln anwärmen, würden am Freitag zwei länderinterne Duelle rausspringen, um ein richtiges „europäisches“ Finale zu erhalten. Obwohl… zwei deutsche Teams zum 150ten der FA im Endspiel in Wembley? Nehme ich mit Kusshand.

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