Die Running Backs im NFL-Draft 2013

Der Running Back ist nach dem Quarterback der zweitpopulärste Spieler einer Footballmannschaft, wohl, weil er die zweitmeisten Ballberührungen aller Footballer hat und in jedem Spielzug vollen Körperkontakt und Action garantiert. Über Jahrzehnte war er die tragende Figur der Offense schlechthin, aber da das Passspiel aufgrund größerer Attraktivität und vor allem Effektivität immer mehr an Bedeutung gewann und mittlerweile um Welten erfolgsversprechender ist, gehen heute nur noch wenige Ausnahme-Backs mit den ganz hohen Picks vom Board.

Das wird dieses Jahr nicht anders sein, denn man ist sich einig, dass es keinen klassischen „Franchise-RB“ zu haben gibt. Die beiden besten Prospects sind ernsthafte Verletzungsfragezeichen. Dahinter gibt es etliche vielseitige Backs, Spielertypen, die eh viel besser in die meisten handgeschnitzten Offenses von 2013 passen.

Den Unkenrufen nach dürften es maximal ein oder zwei Backs in die späte erste Runde schaffen – wenn überhaupt – aber dafür soll die zweite Runde die Runde der Running Backs sein: Sechs, sieben Spieler gelten als würdig dafür.

Die Arbeitstiere

Prospects 2013

Name                  Rd
Eddie Lacy            1-2
Montee Ball           2
Jonathan Franklin     2
Giovanni Bernard      2
Le’Veon Bell          2-3
Kenjon Barner         2-3
Christine Michael     2-3
Stepfan Taylor        2-4
Andre Ellington       2-4
Marcus Lattimore      3-4
Mike Gillislee        3-4
Kewynn Williams       3-4
Marcus Lattimore      3-4
Jawan Jamison         3-4
Joseph Randle         3-5
Chris Thompson        5-7
Theo Riddick          5-7
Knile Davis           5-7
Onterrio McCalebb     5-7
Spencer Ware          5-7
Montel Harris         5-7
D.J. Harper           5-7
Ray Graham            5-7

Der größte Star ist das größte Mysterium: Marcus Lattimore von der University of South Carolina gehört zu den Wunderbacks der Güteklasse Peterson, hatte aber in den beiden letzten Jahren jeweils schwere Knieverletzungen und bereits Kreuzbänder in beiden Knien gerissen. Bei einem Back, der so physisch spielt wie Lattimore ist das eigentlich schon ein K.o.-Argument. Eigentlich. Denn wo sich alle einig sind, Scouts, Coaches, Fans: Lattimore ist ein großartiger Charakter, ein Teamspieler und einer, der nie aufsteckt. Vermutlich wird er nicht vor der dritten Runde vom Tablett sein, und vermutlich wird er nie mehr so explosiv sein wie noch vor zwei Jahren.

Eddie Lacy kommt aus Alabama und ist als ähnlich kräftiger Ballträger ins Gedächtnis gebrannt, aber es gibt durchaus Abschreckendes: Lacy plagt sich seit Monaten mit einer merkwürdigen Fußverletzung und konnte kaum (genauer: nur eine einzige) Übungseinheiten absolvieren. Lacy gilt als eindimensional, kann keine Bälle fangen und ist daher längst nicht in einer Liga mit Trent Richardson, der letztes Jahr aus Alabama kam und nun in Cleveland spielt. Was ich erstaunlich finde: Geht Lacy trotz aller Bedenken in der ersten Runde vom Tableau, ist er der dritte Bama-RB in der ersten Runde en suite (Ingram 2011 an #28, Richardson 2012 an #3). Die Frage ist im Umkehrschluss auch: Sind die Bama-Backs wirklich so gut, oder sind sie bloß Produkt der absolut famosen Offensive Line dort?

Der fast in Vergessenheit geratene Montee Ball aus Wisconsin ist so ein Geländewagen, der alles ein bissl kann, gut genug, um Carry auf Carry auf Carry zu nehmen, die Defense schlummert vor Langeweile vor sich hin, und plötzlich ist viertes Viertel und Bell hat 109yds in 24 Versuchen auf dem Konto. Alle fragen sich, wie Ball das macht. Keiner denkt dran, dass er einfach „schlau“ sein könnte und die Lücken soweit nutzt, dass das Down nicht komplett verschenkt ist.

Die Bröckerl

Mayocks Top-5

1 - Lacy
2 - Ball
3 - Bernard
4 - Ellington
5 - Bell
5 - Michael

Jeder Draft hat die fülligeren Backs, und dieser ist keine Ausnahme. Neben dem 110kg-Bolzen Lacy bietet sich Stanfords kultiger RB Stepfan Taylor an, freizeitlich talentloser Rapper, und auf dem Feld ein furchtloser, fangstarker third down back mit der Geschwindigkeit einer grippekranken alten Oma. Taylor dürfte als role player einberufen werden: Willige Backs im Pass-Blocking und recht sichere Fanghände suchen viele Coaches.

Ähnlicher Spielertyp ist Le’Veon Bell, der Bulldozer von Michigan State, der im August über Boise State drüberfuhr wie kein anderer Spieler je zuvor. Was verwundert, denn Bell ist ein Zauderer im Bilderbuch, braucht Unendlichkeiten um sich zu entscheiden, in welches Loch er nun starten sollte. Bell ist der Spielertyp, der eigentlich aus der Mode gekommen ist, aber weil er gut fangen kann und mit seinen 115kg durchaus mal einen blitzenden Linebacker abprallen lassen kann, wird er in der zweiten oder dritten Runde gehen.

Was ist mit Knile Davis aus Arkansas? Oft verletzt am College, aber wenn fit, eine Naturgewalt mit seinen Sprinterqualitäten trotz 105kg Masse. Soll dringend gutes Coaching brauchen, um sich nicht mehr allein auf seine – oft fehlende – Intuition zu verlassen. Schließlich „ich bin ein Junge!“-Christine Michael aus der Super-Offense der Texas A&M Aggies. Wandelndes Verletzungs- und Fumble-Risiko, machte am College den Trainerstab öffentlich zur Sau, aber wenn unter Kontrolle, ein antrittsschneller, kräftiger Back als fünfter Gang in einer Spread-Offense.

Die Speedster

Andre Ellington aus Clemson schaut im laufenden Spiel so aus, als käme gleich dein Freund und Helfer vorbei und bietet wegen Geschwindigkeitsübertretung zur Kasse. Dass Ellington in der Combine eine 4.61 (in Worten: vier-einundsechzig!) lief, hinterlässt mich immer noch völlig ratlos, denn das ist einer der quicksten, wendigsten Backs der letzten Jahre, ein Lamichael James für Arme, zwängt sich aus engstem Raum aus der Kacke, wenn die am Dampfen ist. Ist vermutlich nicht körperlich genug für eine Führungsrolle, aber etliche Teams müssen so einen Mann einfach als komplementäre Allzweckwaffe nutzen wollen.

Fast idente Spielertypen sollen Jonathan Franklin/UCLA und Giovanni Bernard/UNC sein, wobei letzterem exzellente Return-Qualitäten als Special Extended für lau nachgesagt werden. Aus dem Zwergenland hat sich Chris Thompson von der Florida State University zum Draft angemeldet: 1,68m und 86kg und eine Beweglichkeit vor dem Herrn. Thompsons noch junge Karriere ist allerdings von Verletzungen durchzogen, zuletzt waren es Knie und Rücken, die Probleme bereiteten.

Eine Wildcard für Kenjon Barner, den „runningbackigsten“ aller Glitzerhelme aus Oregon: Barner ist größer, kräftiger als Lamichael James, aber ähnlich wendig. Barner wird Kompatibilität für eine zonenbasierte Offense bescheinigt: Warten, schauen, Cut, und ab in die sich gleich öffnende Lücke. Barner ist flutschig, schwer zu greifen (wie alle Backs aus Oregon), fing häufig Bälle, denkt immer „downhill“. Neben Lattimore und Ellington mein Lieblings-Back dieses Jahr, auch wenn man nicht vergessen sollte, dass solch schmächtige Backs wie Barner es in der NFL schwerer haben als die 0/8/15-Kaliber.

Die Wildcards

Boise State schickt auch im Jahr eins nach Doug Martin einen Running Back ins Rennen: D.J. Harper. Harper spielte sechs (!) Jahre am College, und das aus Gründen: Er war so oft und so schwer verletzt, dass die NCAA ihm ein letztes „freies“ Jahr College Football zugestand. Das ist das Negative an Harper; das Gute: Harper stellte, wenn fit, Martin IMHO deutlich in den Schatten, ist der eigentlich bessere, explosivere, talentiertere Spieler. Ob das reicht, um vor den letzten Runden gedraftet zu werden, wissen die Sterne.

Backs, über die ich noch Positives schreiben könnte: Montel Harris, ehemals Back bei Boston College und Temple, Mike Gillislee, auch so’n Mann, der fast immer nach vorne fällt und der wenige Yards einfach so verschenkt. Theo Riddick, konvertierter Wide Receiver von Notre Dame, wendig, aber nicht immer in die richtige Gasse biegend. Ray Graham von Pitt, jahrelanger Alleinunterhalter einer mausetoten Offense.

Der letzte Back ist ein Talent von LSU, das sich das Leben mit einem ungezogenen Charakter schwer macht: Spencer Ware schwänzt gerne Trainings, hat immer eine Ausrede parat und schwärzt im Mannschaftskreis gerne Spielerkollegen an. Ob Ware überhaupt gedraftet wird, ist unsicher. Niemand will ein mittelmäßiges Prospect einberufen, um am Ende der Trainingslager Schlägereien in der eigenen Truppe unterbinden zu müssen.

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5 Kommentare zu “Die Running Backs im NFL-Draft 2013

  1. Ich denk Montee Ball wird sich schon durchsetzten, wo immer er landet, er ist immerhin auch NCAA’s career touchdown leader mit 83 Stück!

  2. Montee Ball war in Wisconsin der Mann für die 4 Yards Runs hinter einer Offensive Line, die jedes Jahr zwischen einem und drei Leute in der ersten oder zweiten Runde in die NFL schickte. Nichts an ihm schreit nach NFL Talent.

    Schade dass Lattimore physisch so abgebaut hat durch die Verletzungen. Er wäre in der Tat ein Talent des Jahrzehnts und APs Nachfolger gewesen.

    Backs, an denen ich interessiert wäre: Ellington, Taylor und Lacy (aber nur in der zweiten Runde).

  3. Lattimore hat physisch nicht abgebaut… Er befindet sich nur immer noch in der Reha! Nach dem Spiel gegen Tennessee, bei dem er sich drei Bänder gerissen hat, dauert das logischerweise ein paar Tage. Trotzdem sind viele schon wieder erstaunt und beeindruckt, in welchem körperlichen Zustand er sich zu diesem Zeitpunkt befindet.

    Ob er irgendwann noch mal so explosiv wie vor seiner ersten Verletzung wird, steht natürlich noch in den Sternen. Aber „abgebaut“ klingt für mich einfach zu negativ und scheint mir angesichts seines Rehastautus‘ einfach auch ne falsche Aussage zu sein.

  4. Ja die Dinge mit Lattimore sind irgendwie tragisch, würde ich GM sein und einen RB suchen, ich würde hier zugreifen.

    Wie auch Thomas ist mein 2. Favorit neben Lattimore, Kenjon Barner, der für mich bei vielen Experten zu schlecht weg kommt.

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