Die Cornerbacks im NFL-Draft 2013

Cornerback ist eine knüppelharte Position zu spielen und zu bewerten: Du musst schnell und antrittsschnell sein, physisch an der Anspiellinie, musste dich gegen häufig größer gewachsene Wide Receivers durchsetzen können, musst in vollem Sprint erkennen, wohin der Ball fliegt, während dein Gegenspieler das weiß. Du solltest blitzen können und im Notfall Tackles gegen schwerere Jungs machen. Die Bewertung der Leistungserbringung ist eine ähnliche: Sind deine Mitspieler schwach, attackiert der Gegner diese, und du schaust besser aus als du unter Umständen bist. Bei lauem Passrush siehst du unter Umständen schlechter aus als du bist, weil kein Mensch einen Calvin Johnson sieben, acht Sekunden im Zaum halten kann.

Zur Klasse von 2013, die trotz des Fehlen des „einen“ epochalen Talents sehr gelobt wird: Mehr als eine Handvoll Spieler, die in die erste Runde gehören und dahinter viel Tiefe, aber weil es so viele sind, können sich einige Teams möglicherweise den Luxus leisten, zu warten und ihre CBs erst in der zweiten und dritten Runde holen. Was wiederum hieße, dass es vielleicht doch nur zwei oder drei Erstrunden-Cornerbacks werden.

Prospects 2013

Name                  Rd
DeMarcus Milliner     1
Xavier Rhodes         1
Desmond Trufant       1
D.J. Hayden           1-2
Jamar Taylor          1-2
Blidi Wreh-Wilson     2
Darius Slay           2
Johnthan Banks        2
David Amerson         2-3
Robert Alford         2-3
Jordan Poyer          2-3
Logan Ryan            2-3
Dwayne Gratz          2-3
B.W. Webb             3
Leon McFadden         3
Sanders Commings      3-4
Tyrann Mathieu        4-7

Mayocks Top-5

1 - Hayden
2 - Milliner
3 - Rhodes
4 - Trufant
5 - Banks

Als solidester Cornerback gilt dieses Jahr DeMarcus „Dee“ Milliner aus Alabama. Milliner hatte dort gute Mitspieler, und er spielte in einer reibungsfreien Defense mit starkem Passrush. Milliner gilt als kompletter Spieler, der in keiner Kategorie die Weltklasse-Noten bekommt, aber insgesamt durchaus in einer Tradition mit Leuten wie zuletzt Patrick Peterson oder Morris Claiborne mithalten kann. Der einzige Knackpunkt sind die (fehlenden) Interceptions. Milliner galt lange Zeit als möglicher Top-10 Pick und erster gedrafteter Cornerback, aber seit letzter Woche ist aus dem quasi-Nichts ein ernst zu nehmender Konkurrent aufgetaucht.

Und der wäre D.J. Hayden aus Houston. Der kann eigentlich dem lieben Gott danken, dass noch da ist, und geht mit etwas Glück Donnerstagnacht als Top-10 Pick nach Hause. Für uns ist Hayden ein weiteres dark horse, völlig unberechenbar. Warum? Weil er im letzten November fast das Zeitliche gesegnet hätte. Hayden wurde im Training beim Versuch, seinen besten Kumpel zu tackeln, wildest schwer verletzt, als eine lebenswichtige Vene zum Herzen riss. Erst eine Notoperation rettete ihm das Leben, und über die Monate war sein Genesungsprozess ein gut gehütetes Geheimnis.

Bis vor wenigen Tagen grünes Licht kam: Der Trainingsunfall wird von den Ärzten als once in trillion (oder so) eingestuft. Die Wahrscheinlichkeit, dass sowas nochmal passiert, ist verschwindend gering, und es gibt keine Langzeitschäden. Also ist Hayden fürn Draft frei gegeben und draftable. Wäre er erst nach dem Draft frei gegeben worden, hätte ihn vermutlich niemand gedraftet, oder ein Team in der siebten Runde.

Hayden, der Spieler, ist sensationell. Greg Cosell und Mayock sehen ihn als besten Cornerback im Draft: Super beweglich an der Anspiellinie, klebt wie eine Klette am Receiver, stets gefährlich für einen Turnover. Der plötzliche Hype um Hayden machte mich neugierig. Die Highlight-Tapes sind großartig, aber das ist bei jedem Spieler so. Was mir bei Hayden extrem gut gefiel: Er steckt nie auf, kämpft. Geht der Spielzug nicht in seine Richtung, lässt er nicht locker, sondern rennt dem Mitspieler zu Hilfe. Er setzt sich voll gegen den Lauf ein. Verfolgt Gegenspieler von hinten. Das ist selten bei Cornerbacks, die häufig in den Trabmodus verfallen, sobald sich der Spielzug auf die andere Seite des Feldes entwickelt. Es ist noch seltener bei hoch talentierten Jungs wie Hayden. Das spricht für ihn und seine Moral.

Zweifel sind aufgrund der schwachen Konkurrenz am College angebracht (Hayden spielte in der Conference-USA bei den Houston Cougars). Noch größere Zweifel bringt der Kopf, die mentale Seite: Ärzte sagen, das Risiko einer erneuten solchen Verletzung ist gleich groß wie bei allen anderen Athleten, also nahe null. Aber kann man das wirklich ganz ausschalten? In manchen Plays sicher, aber in jedem? Wie reagiert Hayden, wenn der nächste große Hit droht?

Alles in allem dürfte Hayden ein Spieler sein, der in der ersten Runde geht, aber nicht vor Milliner. Welches Kaliber von Spieler er sein wird, wissen wir freilich noch nicht. Aber eine der besten Geschichten, die sich um den Draft 2013 spannen lassen, ist D.J. Hayden allemal.

Es gibt weitere Spieler mit Potenzial, das für die erste Runde reicht. Xavier Rhodes von Florida State ist vielleicht etwas zu hüftsteif um in den Top-10 zu gehen, aber allemal physisch genug, um an der Anspiellinie eine Zecke gegen die kräftigsten Receiver zu sein. Desmond Trufant von Washington punktet mit Spielintelligenz und ausreichend Vielseitigkeit, um auf allen CB-Positionen auf dem Spielfeld antreten zu können. Jamar Taylor von Boise State kriegt auch seinen Hype, gilt als enorm beweglich und physisch genug, um auch große Kaliber auszuschalten. Taylor genoss in Boise einen extrem guten Ruf und wird als herber Verlust auf und neben dem Feld empfunden, auch wenn er nicht immer verletzungsfrei blieb.

Ein interessanter Spieler ist NC States groß gewachsener David Amerson, der noch im letzten Sommer als potenzieller Top-Draftpick gehandelt worden war. Damals war Amerson frisch von einer legendären Saison mit 13 Interceptions (!) gekommen. Das ließ sich nicht wiederholen, und so fiel Amerson in der Gunst der Scouts weit unten durch. Amerson ist ein reaktiver Spieler, der nicht in physische Grabenkämpfe an der Anspiellinie verfällt, sondern wartet, den Spieler nur gut genug abdeckt und dann im rechten Moment versucht, die Interception zu fangen. Cosell vergleicht ihn mit Asante Samuel. Im Notfall soll Amerson immer auf Safety umschulbar sein; ich wäre nicht überrascht, wenn Amerson ist der ersten Runde geht.

Für die zweite und dritte Runde werden viele weitere Leute in den Mischtopf geworfen: Jonathan Banks und Darius Slay von Mississippi State zum Beispiel. Banks war dort der #1-Mann, aber viele Scouts halten Slay für die bessere, weil physischere Option, während Banks möglicherweise besser als Safety geeignet ist. Weitere Namen, die man vernimmt: Sanders Commings, Leon McFadden und den, den man nie vergisst: Blidi Wreh-Wilson von UConn.

Irgendwo in den mittleren oder späten Runden wird auch Tyrann Mathieu einberufen werden – der Honey Badger, der den College Football vor eineinhalb Jahren in Entzücken versetzte, als er haufenweise Big Plays, Returns, Interceptions, Fumbles produzierte. Wenige Monate später war Mathieu verschwunden, eingebuchtet in einer Entzugsklinik, halb zerfressen von seiner Marihuana-Sucht. Es rumort, dass Mathieu bei „mindestens zehn“ Drogentests positiv getestet worden war. Jetzt soll er clean sein, aber auch nur seit einem halben Jahr.

Auf dem Feld ist Mathieu auch nicht von allem Zweifeln befreit: Er ist ein hopp-oder-topp Spieler, vergisst in manchen Momenten in seiner Gier nach dem Knockout-Punch seine Assignments und kassiert einen unnötigen 30yds-Pass im Slot. Weil Mathieu klein gewachsen ist, wird er kaum auf den Flanken eingesetzt werden, sondern wohl hauptsächlich im Slot spielen müssen, wo der typische Gegenspieler eher der kleine Flitzer ist – nur einen statt zwei Köpfe größer als Mathieu.

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