NFL-Draft Recap 2013: Björn Werner, erster deutscher Erstundenpick ever

Ein Punkt, der heute Nacht auf diesem Blog zu kurz gekommen ist: Mit Björn Werner wurde wie erwartet der erste deutsche Footballspieler in der ersten Runde des NFL-Drafts einberufen. Werner ging mit dem 24ten Draftpick zu den Indianapolis Colts.

Werner ist nicht bloß der Mann, der den Amerikanern das „Ö“ brachte, sondern auch sonst eine ganz gute Geschichte: Spielte mit 14 in Berlin alles in Grund und Boden, ging dann zur Highschool in die Staaten nach Connecticut, ehe er in den College Football wechselte. Die Uni war keine kleine: Florida State, die Heimat der Seminoles, eines der bekanntesten Programme in den Staaten.

Ich bin Björn Werner zum ersten Mal in der Saison 2010 „begegnet“. Werner war damals ein Freshman, der nur partiell eingesetzt wurde, aber in den wenigen Auftritten genügend Aufsehen erregte, dass mir die Nachricht von einem „German Defensive End“ in den Reihen der Seminoles beiläufig auffiel.

Die letzten beiden Jahre war Werner Starter in Tallahassee, und mehr: Er war der wichtigste Abwehrspieler in einer der besten Units in den Staaten, einer Verteidigung mit etlichen aufwändig rekrutierten Super-Athleten wie dem ebenfalls gestern gedrafteten CB Xavier Rhodes oder DT Everett Dawkins oder dem famosen Safety Lamarcus Joyner.

Eines der besten Spiele, das ich von Werner gesehen habe, war der Kracher im September 2011 FSU-Oklahoma, als die Noles zwar verloren, aber Werner eine fantastische Leistung bot und die komplette Anspiellinie fast im Alleingang kontrollierte. Ich schrieb damals sogar einen eigenen Blogeintrag:

DE Björn Werner war der Auffälligste von allen. Ich maße mir nicht an, der große Defense-Line-Versteher zu sein, aber Werner machte ordentlich Dampf und hatte mehrfach die Schiedsrichter nicht auf seiner Seite (Holding-Strafen!!) – sogar beim Sack gab es Holdings, das im Übrigen von den Refs übersehen wurde. Neben Werners Power erblasste sogar der massiv Buzz kriegende DE Brandon Jenkins, dem einige einen hohen Draftpick zutrauen.

Von Brandon Jenkins hat man seither nur noch wenig gehört. Werner aber ist kein one year wonder. Werner ging mit einigem Hype in den vergangenen Herbst 2012/13 und lieferte genügend gute Leistung, um zwischendurch als möglicher Top-10 gehandelt zu werden. Dazu reichte es letztendlich nicht, da er den letzten Tick Wucht und Antrittsschnelligkeit vermissen ließ, aber Werner ist möglicherweise der kompletteste Defense Liner im Draft neben dem UCLA-Prospect Datone Jones, das ein paar Picks später nach Green Bay ging.

Werner wird als Rookie unter dem neuen CBA zwar Millionär werden, aber an der 24ten Stelle wirst du nicht per sofort steinreich. Er wird einen Vierjahresvertrag bekommen (mit teamseitiger Option auf ein fünftes Jahr), der insgesamt in etwa 6.5 Millionen Dollar wert sein wird – zumindest ist das roundabout eine Zahl, die letztes Jahr der Pick #24, G David DeCastro von den Steelers bekam. Und viel Verhandlungsspielraum ist unterm neuen CBA nicht drin.

Was mir mehr Sorgen macht, ist das Einsatzgebiet: Werner galt als eine Art prototypischer Defensive End für ein 4-3 Schema. Indianapolis spielt unter Head Coach Chuck Pagano aber eine klassische 3-4 Defense. Wird Werner dort auch in die Line gestellt, als sog. 5-technique Defensive End? Das würde überraschen und allen Expertenmeinungen der letzten Wochen und Monate widersprechen.

GM Ryan Grigson soll aber schon verlautbart haben, dass Werner als Outside Linebacker gesehen wird:

SAM ist der Strongside Linebacker (also der Linebacker auf der Seite, wo der Tight End steht) und RUSH ist der Linebacker, der bevorzugt auf den Quarterback geschickt wird, wenn ein Pass erwartet wird. Werner dürfte insofern geeignet sein, weil man ihm nachsagt, nicht nur einen sehr schnellen ersten Schritt zu haben, sondern auch extrem diszipliniert in der Verteidigung des Laufspiels zu sein.

Werner wird gute Einsatzzeit bekommen, sofern er sich nicht verletzt. Bei den OLBs ist Robert Mathis in Indianapolis sicherlich gesetzt, aber die beiden anderen Konkurrenten sind Erik Walden und Jerry Hughes. Ich bin eigentlich ein großer von letzterem, aber Hughes scheint sich in der NFL bisher nicht recht durchgesetzt zu haben und gilt eh als bessere Option für den Weakside Linebacker, also dort, wo kein Tight End steht. Werner dürfte einen ordentlichen Batzen an Snaps sehen, und man kann nur hoffen, dass er die ungewohnte Umstellung möglichst schnell hinbekommt.

Werbeanzeigen

4 Kommentare zu “NFL-Draft Recap 2013: Björn Werner, erster deutscher Erstundenpick ever

  1. ! cooler Pick. Gibt uns mehr flexibilität und depth auf der OLB Position – zumindest sieht dass auf dem Papier mittlerweile solide aus … kann mir sehr gut vorstellen, dass Werner spätestens gegen Saisonende starten wird.

  2. kanns immer noch nicht fassen der erste deutsche Football Spieler der in der ersten runde gewählt wird,bin schon auf seine erste Pressekonferenz bei den colts heute gespannt lese heut schon den ganzen tag berichte auf der colts Seite über ihn.hoffe er packt es in diesem neuen System das im aufgelegt wird.

  3. Tolle Sache , freut mich auch , aber , noch mehr hätte es mich gefreut wenn er an 26 getraftet worden wäre , schade , ich glaube die Packers hätten Ihn auch genommen !

  4. Trade-Alert: Besagter möglicher Konkurrent für Werner, Jerry Hughes, wird gegen LB Kelvin Sheppard nach Buffalo getradet. Es ist selten, dass so junge Spieler in der NFL gegeneinander getauscht werden. Macht die Sache für Werner etwas einfacher.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.