Ziggy

Der erste Pick der Detroit Lions war dann also Ezekiel Ansah, genannt “Ziggy”, Defensive End von der Brigham Young University. Ziggy gehörte zu den kontroversesten Prospects dieses Jahr, weil gesegnet mit einem – im Footballsinne – traumhaften Körper, aber unerfahren und an etlichen Stellen schlicht noch nicht mehr als ein Rohdiamant. Jim Schwartz und sein Trainerstab coachten Ansah in der Senior Bowl im Jänner und dürften ein paar nette Impressionen gesammelt haben.

Ansah ist zwar schon 24, gilt aber als äußerst formbar. Am College spielte er etliche Positionen, von DT über DE über NT auch den OLB. Nicht über die Karriere dort. Nicht über eine Saison. Sondern in einem einzigen Spiel. In Detroits 4-3 Defense wird Ziggy gewiss als Defensive End angedacht sein, als Gegenüber von Neueinkauf Jason Jones, als Nebenmann der aufstrebenden DT-Combo Ndamukong Suh und Nick Fairley. Der neue Line-Coach ist Jim Washburn, ein Guru mit zirka drei Jahrzehnten Coaching-Erfahrung auf allen Ebenen im Football. Wenn ein Mann ein Spielzeug wie Ansah hinbiegen kann, ist es Washburn.

Aber das ist Zukunftsmusik und die Entwicklung ist Stand heute nicht wirklich vorhersehbar.

Ich mag den Ansah-Pick. Nicht nur, weil die drei Offense Tackles schon vom Tablett waren. Ich weiß, dass das irrational ist. Ansah ist ein Außenseiter, eine Freakgeschichte, schön noch einmal aufgezeichnet im ESPN-Magazin. Ein Mann, der zu seinem Glück gezwungen werden musste, und der seine Chance nutzte. Ansah ist Afrikaner. Ich mag Afrikaner, ich drücke den Jungs bei jedem Event die Daumen. Ich mag Ghana. Es bricht mir immer noch das Herz, wenn ich an den Moment denke, als Gyan zum Punkte schritt.

Ziggy hat nicht bloß den Namen für wortspielreiche Headlines. Er hat Potenzial für ganz oben. Er war noch nicht im Knast, im Gegenzug zum halben restlichen Lions-Kader. Er füllt ein gigantisches Loch nach den Abgängen von Hill, Avril und roughing the quarterback Vandenbosch. Die Lions zogen dafür nichtmal Schwachsinn wie überstürzte Trades nach oben durch. Ziggy kann freilich schwer floppen, aber das passiert auch bei den scheinbar „sicheren“ Picks. Da nehm ich doch lieber gleich den Freak mit dem Weltklassepotenzial, was anderes bleibt dir in der NFC North eh nicht übrig.

Alles weitere wird sich zeigen.

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