Bauprojekt NFL, Ausgabe 2013

Disclaimer: Nachfolgender Artikel ist simplifiziert und missachtet die zerschwimmenden Abgrenzungen zwischen manchen alten und neuen Positionen. Coaches denken vielleicht anders. Aber beschrieben wird der analytische Weg, ein Team zu bauen. Kern der Frage: Was gewinnt dir in der NFL 2013 Spiele?

Wenn es darum geht, eine NFL-Mannschaft von Grund auf zu bauen, führen viele Wege nach Rom. Viele General Manager haben unterschiedliche Ansichten von building a team, viele Coaches unterschiedliche Ansichten von Aufstellungen, alle Pundits veraltete Sichtweisen von Spielphilosophien. Weiterlesen

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Upcoming: Draft 2013 am Ende des Tunnels

Der Abschluss der Sezierstunde-Serie ist der Kickoff zum NFL-Draft 2013. In den Staaten, aber auch seit neuestem in deutschen Blogs, ist die Draft-Coverage bekanntlich zu einem Massenphänomen geworden, und das Verfassen von Scouting-Reports wurde bereits in die inoffizielle Liste der „neuen“ Volkssportarten aufgenommen. Sideline Reporter beschäftigt keine Scouts. Sideline Reporter hat keine obskuren „Quellen“ mit Insiderinformationen. Sideline Reporter könnte keinen Scouting-Report schreiben ohne 50% zu aggregieren.

Aber die Draft-Materie ist anziehend und übt eine schwierig erklärbare Faszination auf mich aus, und das seit vielen Jahren. Ich erinnere mich an den NFL-Draft 2003, meinen ersten bewusst miterlebten, als ich über Stärken und Schwächen der einzelnen Prospects wusste, ohne auch nur eine Minute Bewegtbilder im Vor- oder Nachgang gesehen zu haben. Das Web war noch längst nicht so vollgestopft von Draftniks wie heute, aber das änderte wenig daran, dass es spannend war, die Vorzüge Carson Palmers gegenüber der einbetonierten Wurfmaschine Leftwich zu lernen und warum die Vikings Idioten sind (Minnesota verschlief damals seinen Draftpick!).

Der Draft ist seit den 80ern, seit ESPNs kultiger Mel Kiper jr. eingestiegen ist, zu einem landesweiten Phänomen in den Staaten geworden. Er hat sich auch in den letzten zehn Jahren weiterentwickelt, spätestens seit 2006 das NFL-Network mit einer eigenen, sensationellen Berichterstattung mit eingestiegen ist und der Scheitel des Mike Mayock zu dem Markenzeichen schlechthin wurde. Es gibt eine Vielzahl an Facetten, von Stereotypen, von Drama, das den Draft umgibt, und es ist für mein Empfinden fast alles um das große Eine konstruiert: Sich auszumalen, was sein könnte. Wenn die Realität schon bitter ist, warum nicht etwas träumen, dass der nächste Top-5 Pick das Schicksal meiner Franchise wendet oder mein Third Rounder der neue Terrell Owens wird? Der Winter war, Sommer und Herbst werden kommen. Jetzt ist Frühjahr. Die Zukunft ist vor uns.

Ich habe vor zwei Jahren über das gängige Draft-Jargon referiert, und letztes Jahr aufgezeit, wo die Probleme im Wechsel von College zu den Profis liegen können und warum taking the best player available größtenteils Quatsch ist.

Die Draftklasse 2013 ist eine eigenartig gesichtslose, was in erster Linie am Fehlen des großen Star-Quarterbacks liegt, der in den letzten Jahren zur Gewohnheit wurde: Rodgers, Leinart, Russell, Ryan, Stafford, Bradford, Newton, Luck, RG3 – dieses Jahr gibt es keinen von ihnen. Der kompletten Draftklasse sagt man Fehlen von „Highend“-Talenten nach, und die Stärken sollen vor allem in den Schützengräben (Offensive Line, Defensive Line) liegen. Die Klasse gilt als sehr breit und soll vor allem gegen Ende der ersten Runde und in der zweiten und dritten Runde überdurchschnittlich gute Prospects anbieten. Das ist natürlich für die eh schon gut besetzten Playoffteams ein Traum; sie kriegen ähnlich gute Athleten wie die Gurkenteams.

Was noch völlig uncharakteristisch ist: Es ist Stand heute – eine Woche vor dem Draft! – extrem vieles in der Schwebe. Selten (besser: noch nie), dass man sich bezüglich bereits der ersten fünf Teams so unsicher ist, welche Strategien die Teams auffahren. Keine Quarterbacks, dafür viel Front-Seven in der Defense bedeutet auch: Viele Möglichkeiten, viele verschiedene Wege. Das #1-Team Kansas City, nun wirklich kein Team, das ein Left-Tackle-Problem an der Backe hat, soll nach Ansicht der meisten Experten einen Left Tackle draften. Kein Mensch wettet heute einen Cent drauf, dass es so kommen wird.

Bis es so weit ist, wird auf diesem Blog der Hammer ausgepackt, die Glaskugel zerschlagen, damit wir einen Blick auf das Wesentliche bekommen. Wie bauen Teams? Wie ticken die Prospects? Wo liegen die Kniffe? Das alles: Upcoming.

Sideline Reporter on Tour #2: Offseason Power Ranking

Das Abschluss der Sezierstunden ist diesmal extern: Beim frisch preisgekrönten Portal der Herren Reiterer und Gindelhumer, NFL-Crush, gibt es das Offseason Power Ranking der Mannschaften und Divisionen eine Woche vor dem Draft:

Cincinnati ist möglicherweise das aktuell drittbeste Team in der AFC und prinzipiell vor allem einen Quarterback vom großen Wurf entfernt. Kriegen die Bengals QB Andy Dalton gebogen, ist das hässliche Entlein ein Titelanwärter.

Die anderen 31 nach dem Klick. Die Sezierstunden müssten alle unter dem Tag Sezierstunde 2013 erreichbar sein. Und nach diesem Schlussstrich startet morgen die Draft-Coverage 2013 mit einem Doppel-Header. Rücksichtslos. Eine ganze Woche lang.

Baltimore Ravens in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record        10-6    SB
Enge Spiele    6-4 
Pythagorean    9.4   (11)
Power Ranking   .538 (10)
Pass-Offense   6.3   (15)
Pass-Defense   6.1   (14)
Turnover        +9

Management

Salary Cap.
Free Agents.

S’Leben ist manchmal komisch. Da bauen die Baltimore Ravens seit der Inthronisierung von Head Coach John Harbaugh vor fünf Jahren in Windeseile einen jahrelangen Contender mit Titelaspirationen, nur um im ersten Jahr mit erkenntlichem Leistungsabfall und deutlichen Warnsignalen (Alterungsprozess!) grad noch die Kurve zu kratzen und vor dem Auseinanderfallen die Lombardi Trophy abzustauben. 2009 und 2010 war diese Mannschaft auf der Höhe ihres Schaffens und stand sich selbst im Weg, 2011 war man immer noch gut genug, erledigte sich aber in New England im Alleingang – und erst 2012, mit der schwächsten Ravens-Variante seit vielen Jahren, blasen LB Ray Lewis und Co. ihr letztes Halali und wandern mit dem Superbowl im Gepäck in den Sonnenuntergang. Und genau deswegen schließen die Ravens als die Ringträger 2012/13 auch die Sezierstunde-Serie dieses Frühjahrs ab.

Das Ozzie-Spiel

Es blieb auch seither nicht still. QB Joe Flacco, der Superbowl-MVP, bekam eine rekordverdächtige und für einen durchschnittlichen Quarterback wie eben ihn exorbitant ausschauende Vertragsverlängerung als Belohnung, aber rundherum brachen einige Dämme. LB Ray Lewis machte seinen lange angekündigten Rücktritt perfekt. Eckpunkte wie der legendäre FS Ed Reed oder OLB Ellerbe und DE Kruger wurden ziehen gelassen, S Pollard wurde gefeuert, für WR Boldin konnte man immerhin noch einen billigen Draftpick mitnehmen.

Es mag für Fans schmerzhaft gewesen sein, aber sehen wir es mal anders: Der Schnitt hätte so oder so kommen müssen – und bei einem Strategen wie GM Ozzie Newsome wäre er auch gekommen. 2012/13 war der letzte offene Spalt für die Titelträume dieser Ravens-Generation. So sehr es schmerzt, einen Ed Reed in einem Texans-Trikot spielen zu sehen: Jetzt muss die Generalsanierung erfolgen, und sie musste immer jetzt passieren, weil die Vertragssituation entsprechend darauf ausgerichtet war.

Die Offense

Der kurioseste Move von Newsome war zweifellos dieser monströse 20 Mio./Jahr-Move mit gut und gerne 50 Millionen Dollar guaranteed-Money für QB Flacco, der eine neue Ära in der Vertragspolitik in der NFL einläutete: Ab sofort kriegen auch mittelmäßige QBs – und wenig anderes ist Flacco trotz des vierwöchigen Laufs zuletzt – gigantische Gehälter. Der Markt wird sich in wenigen Jahren von selbst regulieren, aber bis dahin verbluten Teams wie Baltimore zwangsläufig. Sei’s drum: Flacco gibt dir, was er dir immer gab – ein vertikales, tiefes Element.

Der pfeilschnelle WR Torrey Smith ist da genau der richtige Mann, wie auch der sehr flexible RB Ray Rice oder der kräftige RB Bernard Pierce. Alles andere in Baltimores „Skill“-Offense ist austauschbar bzw. schreit nach Upgrades. Nach Boldins Abgang fehlt der kräftige Receiver für die Mitteldistanzen, und die Tight Ends sind in Baltimore seit Heaps Abgang eh nur noch opportunistisch besetzt.

In der Offense Line stehen LT Oher, LG Grubbs und RG Yanda fix, aber die anderen Jungs können schon seit Jahren keine vier Monate mehr oder Ausfallszeiten durchhalten. Bissl was wird man – auch bei den Backups – unternehmen müssen.

Die Defense

Fraglich ist noch, wie die Defense in der Zeit nach dem Urgestein Lewis aussehen wird. Baltimores Abwehr war nun jahrelang um die Stärken der „Achse“ gebaut: Haloti NgataTerrell Suggs – Ray Lewis – Ed Reed. Individuelle Power kombiniert mit fassungslos viel Defensiv-Wissen in der besten Abwehrschmiede der Liga. Von den Indiviualisten sind nur noch Ngata und Suggs dabei, und beide hatten in jüngster Vergangenheit Verletzungssorgen. Weil mit DE Kruger und LB Ellerbe zwei Talente ziehen gelassen wurden, steht die Abwehr vor dem Neuaufbau.

DefCoord Dean Pees ist gefragt. In der Defensive Line wurden DT Chris Canty (möglicherweise für die NT-Position) und DE/OLB Elvis Dumervil (Passrush!) geholt – zwei Verpflichtungen, die etwas Erfahrung in einen jungen Kern bringen sollten. Gut möglich ist übrigens auch, dass Dumervil als Outside Linebacker auf der anderen Seite von Suggs aufgestellt wird. Suggs/Dumervil: Riecht nach 10-15 Sacks per capita. Höhö, und in der Hinterhand gibt es noch OLB Courtney Upshaw, der vom College als faszinierender Spieler in Erinnerung blieb, und als Rookie vor allem für seine Arbeit gegen den Lauf gelobt wurde.

In den vielen „Hybrid“-Packages kann Pees im Optimalfall die Jungs Suggs/Dumervil/Upshaw hin- und herschieben, zwischen D-Line und OLB. Dafür braucht es allerdings womöglich noch etwas Verstärkung neben Ngata und Canty in der Defense Line, vor allem innen: Der unglaublich fette DT Terrance Cody hat seine Versprechen noch immer nicht einlösen können, und die DT/DEs Jones/McPhee/Spears gelten maximal als Ergänzungsspieler.

Gebastelt wird auch noch an der ILB-Position, die nach den Abgängen von Lewis und Ellerbe vakant ist: Niemand geht davon aus, dass die „Macs“ McClellan und McClain die Langzeitlösung sind, weswegen viele spekulieren, dass Manti Te’o im Draft am Ende der ersten Runde nach Baltimore geht. Te’o – ein charismatischer Führungsspieler-Typ, der auf den Leadertypen Lewis folgt? Klingt gut? So „logisch“ der Move klingt, muss man jetzt schon Angst haben um das Seelenleben Te’os, wenn er in der Testosteronhochburg Baltimore ob des Catfishing-Skandals zerfleischt wird.

In der Secondary muss man nach dem Abgang von bei John Harbaugh angeblich verhassten (!) Ed Reed den Abgang des Ankermanns verkraften. Neuzugang S Michael Huff dürfte die Lücke halbwegs adäquat stopfen, aber weil auch Pollard flöten ging, könnte Baltimore im Draft auch im Rennen um einen Safety sein.

Auf Cornerback sind die Abgänge unspektakulärer: Der Superbowl-Schläger Cary Williams ist weg, aber dafür sollte CB Ladarius Webb wieder genesen sein – quasi ein „Zugang“ im Vergleich zu letzter Saison. Webb deckt zwar selten die Ecken ab, geistert aber als permanente Bedrohung für Interceptions durch die Spielfeldmitte. Dazu sollte es Zeit sein für den jungen CB Jimmy Smith, den nächsten Entwicklungssprung zu machen. Weil CB Corey Graham und CB Chykie Brown (geiler Vorname) als grundsolide eingestuft werden, glaube ich nicht, dass Baltimore sich weit vorne eines Cornerbacks bedient.

Ausblick

Für mein Ermessen sind die Ravens nicht viel schlechter als vor der letzten Saison aufgestellt. Wichtigstes Need ist für mein Ermessen ein groß gewachsener, kräfter Wide Receiver für die Zeit nach Boldin. Es ist schwer vorstellbar, dass Torrey Smith als go to guy in dieser Offense überlebt ohne einen Partner, der erhöhte Aufmerksamkeit der Defense auf sich zieht.

Die nächsten Needs sind in der Defense: Safety und Inside Linebacker. Ich glaube, ein mittelmäßiger Safety kann durch den auf dem Blatt weiterhin exzellenten Passrush kaschiert werden, aber irgendwo liest sich Ihedigbo (der aktuelle Mann neben Huff) nicht mal wie „mittelmäßig“. ILB ist sicher wichtig, aber im Zweifelsfall überlebst in der heutigen NFL auch ohne Topmann dort.

Baltimore ist als Titelverteidiger nicht der Topfavorit, aber weil die AFC nicht furchteinflößend stark besetzt ist, sehe ich durchaus auch weiterhin Playoffchancen.

Denver Broncos in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record        13-3    DP
Enge Spiele    4-2 
Pythagorean   12.5    (2)
Power Ranking   .695  (2)
Pass-Offense   7.4    (1)
Pass-Defense   5.2    (1)
Turnover        -1

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Debütsaison von QB-Legende Peyton Manning in Denver war so fassungslos gut, dass es fast schade ist, dass Manning in derselben Runde scheiterte wie ein Jahr zuvor Tebow. Trotzdem bleibt kein Zweifel: Während die Broncos 2011/12 eine faszinierende Aschenputtelgeschichte waren, war das Team 2012/13 for real, gescheitert in einem Freakspiel gegen den späteren Superbowl-Champ, der die wüsten Abwehrfehler der Kollegen Bailey und Moore ohne Gnade ausnutzte.

Für den in Denver abgöttisch geliebten quasi-GM (offizieller Titel: Vice President of Football Operations) John Elway und Head Coach John Fox ist aber trotz der Kritik am zu konservativen Handling in den Playoffs die Zukunft recht rosig: Denvers Kader hat wenige Lücken, und sofern der alternde Manning nicht komplett einbricht (z.B. durch plötzlichen Verlust jeglicher Wurfstärke), oder der Verletzungsteufel auf die grausige Tour zuschlägt, bleibt Denver in einer wenig furchterregenden Division das Team, das es zu schlagen gilt.

Wollen wir trotzdem schnell einen Blick auf den Kader werfen?

Offense

QB Manning ist klar: Erneut eine Top-Saison gespielt, als heimlicher NFL-MVP dann allerdings mal wieder zu schnell in den Playoffs rausgeflogen. Es war ein Treppenwitz der Geschichte, dass mal wieder Manning in einem engen Playoffkracher der entscheidende Fehler – Interception in der Overtime – unterlief. Anyhow: Manning hat sein System implementiert, und die Kollegen haben mit großartigen Zahlen geantwortet.

„deep threat“ WR Thomas und der technisch feine WR Decker werden nun verstärkt durch den Slot-WR Wes Welker, bekannt durch Zilliarden an Catches aus seiner Patriots-Zeit. Welker ist mit 32 Lenze nicht mehr der Jüngste, aber wenn er für die zwei Jahre Vertragslaufzeit noch ein bissl was im Tank hat, ein lohnendes Investment. Zu diesem Corp, ergänzt durch die grundsoliden Tight Ends Dreessen und Tamme (und das Prospect TE Green), kann man schon Vertrauen haben – braucht nicht mehr viel Verstärkung, höchstens Absicherung gegen Verletzungen.

Die eh schon starke Offense Line wurde durch G Vasquez aus San Diego noch einmal verstärkt, und glaubt man den Stimmen aus dem Broncos-Umfeld, ist man sich allein an der Besetzung der Center-Position (Walton) noch nicht einig. Größtes Fragezeichen im Angriff ist die RB-Position: Knowshon Moreno gilt als Bust, der junge Ronnie Hillman gilt als ungebräuchlich für die Blitz-Pickups – tödlich in einer von Manning orchestrierten Offense – und McGahee… ist halt auch schon über 30 und längst nicht mehr der feine Spieler von vor 5-6 Jahren.

Defense

Die Bronco-Defense von 2012/13 war eine der absolut dominantesten. Die Pass-Defense war mit 5.2 NY/A trotz des Heimdebakels gegen Baltimore die beste in der Liga, die Laufdefense mit 60% Erfolgsquote immer noch die #6 ligaweit. Die Abwehr erzwang zwar nur durchschnittlich viele Turnovers, würgte den Gegner aber gut genug ab, dass sie in 186 bedeutungsvollen Drives 93x einen Punt erzwang (50%, #2 NFL). Das sind alles bärenstarke Werte, so gut, dass sie in dieser Dominanz fast nicht wiederholbar sind.

Schlüsselspieler ist OLB Von Miller, der als bester Abwehrspieler der Liga neben J.J. Watt gilt. Miller ist vielleicht noch kompletter als Watt, füllt von Passrush bis Deckungsaufgaben alles aus. Wichtig, denn Miller kann bedenkenlos auch gegen starke Tight Ends im Spiel gelassen werden. Der Rest der Linebacker-Crew ist nach der Verjüngungskur (ILB Brooking, OLB Williams gefeuert) ein Fragezeichen; MLB Mays gilt als einzig gegen den Lauf gebräuchlich.

In der Secondary kaufen sich die Broncos schön langsam eine Allstar-Defense zusammen: Diesmal war es CB Rodgers-Cromartie, der sich zu einem an sich schon bärenstarken Trio gesellt: Harris, Carter, und – am wichtigsten – CB Champ Bailey. Bailey spielte trotz des fürchterlich in die Hose gegangenen Playoffspiels gegen Baltimore eine erneut herausragende Saison, aber er wird mit 34 nicht jünger und gilt als zweitwichtigster Verteidiger neben Miller. Ist Cromartie schon eine Langzeitversicherung für ein eventuell nahes Karriereende Baileys?

Die Safetys: Rahim Moore, auch so ein Opfer der Ravens in jenem denkwürdigen Spiel, galt eigentlich stets als junge Hoffnung. Hoffnung gibt es auch jetzt, zum Beispiel, dass sich Moore nicht von dem letzten Verzweiflungspass Flaccos aus der Bahn bringen lässt. Der Platz neben Moore – Strong Safety – könnte in der Preseaon allerdings neu ausgeschrieben werden, möglicherweise auch mit einem Rookie im Mixer.

In der Defensive Line, Fachgebiet von DefCoord Jack Del Rio, ist Denver trotz Kruzifax nicht schlecht besetzt: Der abgewanderte DE Dumervil könnte von DE Robert Ayers ersetzt werden. Ayers zeigte allerdings bisher in der NFL die von seiner College-Zeit in Tennessee bekannten Flauseln: Zwischendurch sensationell, aber dann immer wieder ein Wochenende, wo es aussieht, als spüre er noch die Nachwirkungen von der Sauftour am Freitag. Wichtigster Einkauf bisher: DT Terrance Knighton, ein ehemaliger Schützling Del Rios in Jacksonville. Die Tackles sind gut besetzt mit Knighton, Derek Wolfe und Vickerson.

Ausblick

Die Einkäufe in der Free Agency machen allesamt Sinn: G Vasquez, WR Welker, CB Rodgers-Cromartie und DT Knighton sind jeder für sich für wichtige Rollen in Denver angedacht. Die Baustellen, die verbleiben, sind:

  • Running Back
  • Tiefe in der Defensive Line (v.a. DE)
  • Inside Linebacker

Es sind allesamt keine lebenswichtigen Positionen, die Denver noch upgraden muss. Es sind allenfalls Rollen, die, wenn besser besetzt, das Bild eines guten Kaders noch abrunden würden. Denver bleibt eine Mannschaft für zehn oder mehr Saisonsiege, und in einer soften AFC ein Superbowl-Anwärter.

Modell-Opener?

Heute Nacht In der Nacht auf Freitag, 02h MEZ, kommt der Schedule für die NFL-Saison 2013/14 raus – live im NFL Network und auf NFL.com. Es ist bereits seit dreieinhalb Monaten bekannt, wer gegen wen spielt – dieses Prozedere ist Standard und habe ich mal bei SPOX.com erklärt – und es ist auch bekannt, dass der Superbowl-Champ Baltimore die Saison auswärts eröffnen muss. Baltimore spielt dieses Jahr gegen acht Teams auswärts:

  • Pittsburgh
  • Cleveland
  • Cincinnati
  • Buffalo
  • Miami
  • Denver
  • Chicago
  • Detroit

Denver und Pittsburgh wären die rassigsten Duelle und könnte man über Monate mit Thrill aufladen, allerdings dürfte das Veto der Ravs recht heftig sein: Mit einer wahrscheinlichen Pleite willste nicht in die Saison starten, evtl. schon gar nicht beim sportlichen Erzfeind Steelers. Chicago und Detroit würde ich, weil AFC-NFC, mal knicken. Miami und Buffalo klingt auch nicht wirklich sexy. Ist es möglich, dass die NFL mit Ravens @ Bengals oder @ Cleveland eröffnet? Letzteres wäre Zynismus pur: Die Saison eröffnet am 5. September. Am 6. September ist der erste Todestag von Art Modell, jenem Owner, der einst aus den abgöttisch geliebten Cleveland Browns die Baltimore Ravens machte und mit diesen quasi sofort die Superbowl gewann. Ob sich die NFL sowas traut?

Green Bay Packers in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record        11-5    DP
Enge Spiele    4-4
Pythagorean   10.5    (7)
Power Ranking   .593  (5)
Pass-Offense   6.6   (12)
Pass-Defense   5.7    (7)
Turnover        +7

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Merkwürdig unscheinbare Saison für die Green Bay Packers 2012/13: Man war trotz Verletzungsplage und Eindimensionalität mal wieder 11-5 und galt bei vielen Experten als leichter Favorit im Playoff-Viertelfinale in San Francisco, aber nach dem sang- und klanglosen Ausscheiden dort weiß niemand so recht, was man mit der abgelaufenen Packers-Saison anstellen soll.

Etwas ironisch mag sein, dass der so erfolgreiche Head Coach Mike McCarthy ausgerechnet in der abgelaufenen Saison erstmals wirklich am Radar war – und nicht immer im positiven Sinne. Stark für den Trainerstab spricht, dass das Team zusammengehalten wurde, selbst nach der fragwürdigen Klatsche in Seattle, als die Saison schon früh am seidenen Faden hing. Aber McCarthy zeigte im Saisonverlauf in regelmäßigen Abständen völlig bizarres PlayCalling, sprang bei einer geschwartzten Challenge von der Schippe, und wirkte generell weniger souverän als in anderen Jahren. Ist das ein Problem? Vielleicht nein, aber es waren genügend überdenkenswerte Entscheidungen McCarthys dabei, dass ich McCarthy ab sofort stärker aufm Radar habe.

GM Ted Thompson bleibt dagegen der Alte: In der Offseason wird wenig Wirbel am Transfermarkt gemacht (höchstens durch Abgänge), und man scheint mal wieder alle Ressourcen in den Draft zu stecken. Und man wird QB Aaron Rodgers den teuersten Vertrag der NFL-Geschichte geben müssen, ein Kontrakt, der ca. 16-20% vom Salary Cap frisst.

Die Offense

Persönlich fand ich Rodgers erneut fantastisch: Hielt eine erodierende Offense zusammen, und auch wenn die Effizienz-Stats (6.6 NY/A) im Vergleich zu anderen Rodgers-Saisonen ein krasser Ausreißer nach unten waren, haste beim Zuschauen stets 100%iges Vertrauen, dass Rodgers das Richtige macht, wenns drauf ankommt. So weit der persönliche Eindruck, aber ich vernahm in einem Podcast von Greg Cosell durchaus auch Kritik an Rodgers: Laut Cosell ließ er brutal viele Plays auf dem Feld, verpasste offene Receiver und war ganz einfach nicht der alte Rodgers. Für ein ausgedehnteres All-22 Studium fehlte mir bislang die Zeit, aber nach den wenigen gesammelten All-22 Eindrücken kann ich Cosells Meinung nicht bestätigen. Aber immerhin: Wenn Cosell sowas sagt, ist es wahrscheinlich, dass was dran ist.

Nun kann man immer sagen „logisch, dass Rodgers viele Plays am Feld lässt. Die Packers spielen ja auch eine gefühlte 90:10 Pass/Lauf-Ratio. Bei so vielen Pässen fallen qua Natur viele zu Boden“. Damit ist auch eines der Charakteristika von Green Bays Angriff schnell beschrieben: Er läuft über die Luft, und zwar ausschließlich. Laufspiel wird häufig noch nicht mal als Ablenkungsmanöver eingestreut.

Viele Pässe, viele benötigte Wide Receivers: Nach dem Rücktritt von Driver und dem Abgang des zu teuren Jennings verbleiben drei primäre WRs: Jordy Nelson, James Jones und die Allzweckwaffe Randall Cobb. Gepaart mit dem unkonstanten, aber wenn motiviert brillanten TE Jermichael Finley ist das ein wunderbares Quartett, aber es ist nicht mehr vollkommen: Der Packers-Angriff braucht als Minimum diese Leute, besser wären noch 1-2 Wideouts mehr. Jennings‘ anerkannt präzises Routenlaufen dürfte vermisst werden. Sofern man den jungen WRs Boykin und Ross nicht über den Weg traut, gehe ich davon aus, dass Thompson irgendein Karnickel in der zweiten oder dritten Draftrunde aus dem Hut zaubert. Was mit dem zweiten Tight End nach dem Abgang des vollkörpertätowierten Monsters Crabtree wird, bleibt auch abzuwarten.

Möglichst viele Receiver sind für Rodgers auch stets ein Schutzmittel und eine Verstärkung der Pass-Protection (weil extremstes Timing = schnellerer Wurf = weniger Zeit für den Passrush). Das muss in Green Bay auch sein, denn die Offense Line gilt als anerkannt wackelig. Gesetzt ist die rechte Seite mit RG Sitton und RT Bulaga, aber auf Center (Saturday tart zurück) und der linken Seite (LG Lang gilt als Wackelkandidat, LT Newsome möchte man lieber heute als morgen ersetzen) besteht Nachbesserungsbedarf. Der vor zwei Jahren gedraftete LT Sherrod war bisher mehr verletzt und es mehren sich die Stimmen, dass Newsome es in der NFL nicht mehr packen könnte.

Schließlich das Laufspiel: Green Bay kommt ganz gern mit Jungs vom Straßeneck aus, weil ein teurer Back eh nur verschwendte Kohle in diesem System ist. Das ist gut und recht, und Leute wie DuJuan Harris oder Alex Green zeigten schon den einen oder anderen faszinierenden Lauf oder wenigstens Kampfgeist in engsten Lücken. Aber wirklich verlässliche Leute sind das nicht. Niemand erwartet allerdings, dass Thompson vor der vierten Runde auf RB-Suche geht – wenn überhaupt.

Defense

Die Packers-Defense war letztes Jahr besser als 2011/12, aber sie ist immer noch stark abhängig von erzwungenen Turnovers, und es gibt noch Luft nach oben. Dazu kommt, dass nach dem Abgang der Lieblings-Schachfigur von DefCoord Dom Capers, Charles Woodson, wohl eine kleine Systemumstellung weg von dieser eigenartigen 2-4-5/3-4 Defense folgen wird.

Beginnen wir in der Defensive Line, die einige Wünsche ob der Kadertiefe offen lässt: B.J. Raji und der alternde Ryan Pickett (wird 34) sagte man zuletzt wieder ein besseres Jahr nach, aber hinter den beiden gibt es Waale: DT/NT Jerel Worthy erlitt eine schwere Verletzung und wird nicht sicher fit. Mike Williams gilt maximal als role player und wenn man bedenkt, dass Green Bay in spätestens einem Jahr entweder Raji oder Pickett (beide haben nach 2013 auslaufende Vertäge, Pickett wie geschrieben ist alt) oder beide ziehen lassen muss, wäre ich über die Einberufung eines massiven Defensive Liners wie John Jenkins oder Jesse Williams nicht überrascht.

Bei den Linebackers gibt es Gegensätze zwischen außen und innen: „Außen“ bei den OLBs gibt es mit Clay Matthews und Nick Perry zwei großartige Passruher (Perry hatte als Rookie aber mit vielen Verletzungen zu kämpfen, die wenigen Eindrücke wurden aber unisono hochgejubelt), aber null Tiefe. „Innen“ gibt es viele Jungs mit Potenzial, aber keinen Superstar. Die beiden bekanntesten Leute sind A.J. Hawk und Desmond Bishop. Ersterer ist vor allem mit der Kohle, die QB Rodgers kassieren wird, spätestens nächstes Jahr ein wandelndes Salary-Cap-Problem. Letzterer hat häufig mit Verletzungen zu kämpfen. Ich erwarte 1-2 Picks für die OLB-Tiefe, aber Inaktivität bei den ILBs.

Die Cornerbacks dürften rundum zufrieden stellen: Williams/Shields wurde ein gutes Jahr nachgesagt, CB Casey Hayward galt lange Zeit als Kandidat für den Defensiv-Rookie des Jahres und definiert sich sowohl als guter Deckungsspieler als auch als Gefahr für Interceptions, und machte auch schon erste Erfahrungen mit richtigen #1-WRs, dahinter Leute wie House oder Bush als vierte und fünfte Optionen (und Versicherung gegen Verletzungen) – datt stellt zufrieden.

Bei den Safetys dürfte nur Burnett gesetzt sein. S Sean Richardson soll im Trainerstab hohes Ansehen genießen. S M.D. Jennings schaffte es in Seattle nicht mal, die entscheidende Interception gegen Golden Tate zu fangen… okay, der war böse. Burnetts Vertrag läuft 2014 aus und dürfte nicht billig werden – einen Rookie-Safety sehe ich schon nach Green Bay gehen.

Ausblick

Gemessen an dem, was McCarthy und Co. spielen wollen, ist der Kader richtig stark besetzt. Die größten Baustellen für den Draft sind IMHO:

  • Defensive/Nose Tackle
  • Ergänzungsspieler auf Wide Receiver
  • Linke Seite Offense Line
  • Safety
  • Center

Es wäre gegen alles bisher von Thompson gezeigte, wenn die Packers plötzlich mit einem hohen Pick einen Runningback holen würden. So oder so wird die Mannschaft mit einem gesunden Rodgers in der Shotgun-Formation selbst in der knackigen NFC ein Superbowl-Anwärter bleiben.

TV-Hinweis: Chuckys QB-Camp

Hinweis für alle, die sich im Vorfeld des Drafts auf unterhaltsame Weise vorbereiten wollen: Das Gruden’s QB-Camp ist eine ESPN-Serie mit einem Dutzend halbstündigen Segmenten, wo sich ausgewählte Prospects einem Interview vom ehemaligen Superbowl-Coach der Tampa Bay Buccaneers, Jon „Chucky“ Gruden stellen müssen. Gruden ist heute ESPN-Cokommentator für Monday Night Football (Trademark: „this guy…”) und führt das QB-Camp seit ein paar Jahren.

Diesmal sind nicht bloß Quarterbacks mit von der Partie, sondern z.B. auch RB Marcus Lattimore, OT Luke Joeckel oder der Mann, mit dem die Serie beginnt: Manti Kekua-Te’o. Ab heute strahlt ESPN America jeden Abend eine Serie aus. Nachfolgend der voraussichtliche Sendeplan von ESPNA:

15.4. 21h30 Manti Te’o
16.4. 23h30 Tyler Wilson
18.4. 23h00 Matt Barkley
18.4. 23h30 Marcus Lattimore
19.4. 23h30 Geno Smith
22.4. 23h30 Landry Jones
23.4. 23h30 Ryan Nassib
24.4. 23h30 E.J. Manuel
25.4. 23h30 Tyler Bray
25.4. 00h00 Luke Joeckel
25.4. 00h30 Zac Dysert
25.4. 01h00 Mike Glennon

New Orleans Saints in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         7-9    --
Enge Spiele    4-5 
Pythagorean    8.2   (15)
Power Ranking   .489 (18)
Pass-Offense   7.2    (2)
Pass-Defense   7.4   (32)
Turnover        +2

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Saints haben ein Jahr für die Grütze hinter sich: Bountygate, Rechtsstreit mit dem NFL-Commissioner, Head Coach suspendiert, und dann verpasste man nicht nur die Superbowl im eigenen Stadion: Man war sogar zu keinem Zeitpunkt im Rennen um einen Superbowl-Platz, weil man sich nach vier Spielwochen in ein tiefes 0-4 Loch eingebuddelt hatte. Jetzt soll vieles besser werden: Sean Payton ist zurück mit Headset an der Seitenlinie, und noch viel wichtiger: Es werden einige Stellschrauben in der Defense gedreht.

Diese Defense war so absurd schlecht, dass sie ein Team mit der mitunter potentesten Offense in der kompletten Liga in die Kacke ritt: Das von Steve Spagnuolo gepredigte druckvolle Spiel machte nur Druck auf die eigene Secondary und sorgte für eine der schlechtesten Pass-Verteidigungen, die ich in zehn Jahren NFL gesehen habe. Da waren wir nicht mehr weit weg von den 2009er Lions.

Jetzt soll die Abwehr unter dem neuen DefCoord Rob Ryan hauptsächlich zu einer 3-4 Formation umgemodelt werden. Umstellungen brauchen immer Zeit und nicht selten im Kinderschuh-Status mit einigen Leistungsschwankungen verbunden, aber wenn in New Orleans deine Alternative „weitermachen wie bisher“ ist, macht der Systemwechsel Sinn. Denn tiefer kann man eh nicht fallen.

Das wichtigste Ziel muss sein: Vorne halbwegs gegen den Lauf dicht machen und mehr Wirbel im Passrush zu erzeugen. Ich sehe dabei zwei gewaltige Needs: Nose Tackle und wenigstens einmal Outside Linebacker. Die Saints haben in DT Bunkley, DE Cam Jordan und DE Akiem Hicks brauchbare Leute für die Positionen des Defensive Ends, aber keiner ist groß und schwer genug, um die so wichtige Fettsack-Position direkt in der Fresse des Offensive-Centers zu spielen. Ein fehlender Nose Tackle ist in vielen NFL-Teams der Grund, weswegen die 3-4 Defense nicht bis in die letzte Konsequenz zündet – und auch New Orleans dürfte …..

Dahinter die Linebackers: Vilma ließ seinen Vertrag so umbauen, dass er gehalten werden konnte, und Vilma dürfte das System noch aus seiner Zeit bei den Jets kennen und immer noch athletisch genug dafür sein. Aber Vilma deckt (gemeinsam mit Hawthorne/Lofton) eher die Spielfeldmitte ab denn gewaltigen Druck auf den Quarterback zu erzeugen, und da sind wir beim Punkt: Ich würde nicht drauf wetten, dass Wilson und Galette die einzigen Alternativen für die zweitwichtigste Position in der 3-4 Defense bleiben: Outside Linebacker – die Männer, die pausenlos auf den QB geschickt werden.

Die Secondary bekam am meisten auf die Rübe und wenn eine Passdefense 7.4 NY/A aufgibt, ist es nie gut, aber viele der Deckungsprobleme werden sich in nichts auflösen, wenn erstmal „vorne“ der Druck erzeugt wird. Trotzdem ist es um die Tiefe im Defensive Backfield der Saints nicht am besten bestellt: CB Robinson und S Malcolm Jenkins sind die einzigen Athleten mit Starpotenzial, S Harper ist immerhin auch eine Schachfigur, mit der du arbeiten kannst – aber dahinter wird es schnell dünn.

Fazit: Die Abwehr ist noch eine massive Baustelle. Die drei Prioritäten, die nach einer Salarycap-bedingt ruhigen Free Agency bleiben, sind NT, OLB und Ergänzungsspieler auf Cornerback.

Die Offense

Es gibt nach dem Abgang des LT Jermon Bushrod einen wichtigen „Need“ auf der Blindside des QBs Drew Brees; Bushrod war aber nie ein Mann, dem man Top-Niveau nachsagte und deswegen könnte es sein, dass sich die Saints entweder mit einer Billiglösung oder einem Mann aus den Tiefen des eigenen Kaders behelfen, zumal Brees als spielintelligent genug gilt, um viele Protection-Sorgen zu negieren.

Ansonsten ist alles paletti: Brees hat noch minimum drei, vier Jahre auf höchstem Niveau im Armgelenk und wird den Laden gemeinsam mit dem furchtlosen HC Payton zusammenhalten. Die WR-Crew ist in Spitze und Breite nicht mehr das Kaliber früherer Tage, aber gemeinsam mit dem monströsen TE Graham gut aufgestellt. Ich kann mir vorstellen, dass GM Loomis in den hinteren Draft-Runden aktiv wird und einen billigen role player auf WR einberuft.

Auf Running Back hat man den f-a-m-o-s-e-n Darren Sproles, eine Wunderwaffe auf verschiedensten Wegen und einer der vielseitigsten Spieler in der NFL; man hat Pierre Thomas, nicht den verlässlichsten Mann und zudem ein paar Probleme mit den Bändern im Knie, aber gut gebräuchlich für sieben Carries und zwei Catches im Spiel; man hat immer noch den ultimativen Parasiten RB Ivory. Und man hat Mark Ingram jr., dessen Einberufung die Saints immer mehr bereuen dürften. Ingram ist kein schlechter Mann, aber Ingram fühlt sich in New Orleans wie Luxus an – Luxus ohne viel Zusatznutzen. Ich wette, Loomis würde viel geben um den Pick zurückzuhaben um was Gescheiteres damit anzustellen.

Fazit: Offense ist gut aufgestellt. Es gäbe immer ein paar Kleinigkeiten, an denen man arbeiten könnte, aber weil die Defense eine dermaßen große Baustelle ist, erwarte ich nicht mehr als das Einberufen von Entwicklungs-Prospects in der Offense in den späteren Runden.

New York Giants in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         9-7    --
Enge Spiele    3-4 
Pythagorean   10.2    (9)
Power Ranking   .529 (13)
Pass-Offense   6.8    (9)
Pass-Defense   7.2   (29)
Turnover       +14

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Relativ ruhige Offseason für die Giants nach einer stürmischen Saison inklusive Hoffnungen, enttäuschter Hoffnungen, und Komplettkollaps. GM Jerry Reese ging nach dem leichtfertig verspielten Divisionssieg durch eine schwere Formkrise der kompletten Mannschaft in den letzten Wochen in sich und zu seinen Wurzeln, und machte das, was er immer macht: Er blieb cool.

Vielleicht zu cool.

Die Giants waren zwar erneut explosiv im Angriff, aber die Defense war mit 7.2 NY/A zu soft gegen den Pass (#29 der Liga), und das war nicht bloß ein Problem des Kollapses am Saisonende. Mehr noch: Mit S Kenny Phillips und DE Umenyiora gingen zwei der besseren Stützen zur Konkurrenz nach Philadelphia bzw. Atlanta. Richtig ersetzt wurden sie bis dato nicht.

Baustellen im Kader

Größte Storyline ist die seit Wochen anhaltende Vertragssituation um WR Victor Cruz, einen Slot-Receiver, der als RFA (Restricted Free Agent) zirka 11 Mio. Dollar/Saison fordert, bei dem die verhandelnden Parteien aber noch extreme weit auseinander liegen (Reese will angeblich nur 7 Mio./Jahr zahlen). Wie viel davon Verhandlungstaktik ist oder ob Reese im Zweifelsfall gewillt wäre, Cruz nächstes Jahr ziehen zu lassen, ist schwierig abzuschätzen.

Es gibt zu Cruz keine richtige Alternative im Kader: WR Nicks und WR Randle sind eher die Jungs für die Außenpositionen, auf WR Jernigan hört man nicht viele Lobpreisungen und der eingekaufte WR Louis Murphy tingelt nun auch schon seit Jahren mit eher mäßigem Erfolg durch die NFL. Richtig bedenklich wird es bei den Tight Ends: Head Coach Tom Coughlin schafft es irgendwie immer, aus namenlosen Tight Ends halbwegs Brauchbares rauszupressen, aber wenn dein solidester Mann der eingekaufte TE Myers ist, habe ich diesmal so meine Zweifel. Angeblich sollen die Giants richtig heiß sein auf eine größere Rolle für den letztes Jahr gedrafteten TE Adrien Robinson, eine furchteinflößende Gestalt von Athlet, der aber 2012/13 nur drei Snaps spielte.

In der Offense Line gibt es zudem seit vielen Jahren ungelöste Löcher. RT Locklear wurde ziehen gelassen und es wird Nachbesserung brauchen, aber womöglich wird diese aus den eigenen Reihen kommen: In den letzten Jahren wurden immer wieder junge Prospects gedraftet, die in absehbarer Zeit das Zepter von den Recken um Diehl, Baas oder Snee übernehmen könnten. Diehl musste eine Gehaltskürzung hinnehmen, darf sich nicht mehr als gesetzt sehen. LT Beattys Vertrag wurde verlängert.

In der Defense Line wird man in erster Linie darauf hoffen, dass DE Pierre-Paul und DE Tuck ihre schwache Saison vergessen machen können, und dass der eingekaufte DE/DT Cullen Jenkins die Tiefe im Kader etwas verbessern kann. Für den deutschen DT Markus Kuhn wird es nach einer Kreuzbandverletzung nicht einfach: Neben Jenkins wurden Oldtimer Shaun Rogers und Mike Patterson für die zuletzt inexistente Tiefe geholt. Ein weiterer Defensive End könnte nicht schaden.

Auf Linebacker – eine Position, die von Reese im Draft selten ganz weit vorne angegangen wird – wurden Boley und Blackburn in die Wüste geschickt, und es gibt momentan viele offene Plätze neben OLB Kiwanuka: Rivers, feel-good-story Mark Herzlich und Williams sind Optionen aus den eigenen Reihen, LB Connor kam aus Dallas. Ich würde es Herzlich gönnen, sehe aber durchaus einen mittleren bis späten Pick auf Linebacker nach New York gehen.

Auf Cornerback musste Corey Webster nach einer unterirdischen Saison eine Gehaltskürzung akzeptieren, verdient aber immer noch mehr, als er auf dem freien Markt bekommen hätte. Ich bin aber auch abseits vom Handling mit Webster bass erstaunt ob des Vorgehens der Giants im Defensive Backfield:

CB Terrell Thomas wurde gehalten. CB Aaron Ross wurde aus seinem Freizeitvertreib in Jacksonville zurückgeholt. Gemeinsam mit Amukamara und dem jungen Slot-CB Hosley gibt es nun haufenweise nicht ganz billige Cornerbacks in New York: Ich hatte eher erwartet, dass man den einen oder anderen rauswirft, um einen Rookie zu holen. Not gonna happen.

Vielleicht sollte man auf Safety nachbessern: Nicht bloß, dass Rolle nicht mehr viel im Tank hat oder dass man Phillips verlor: Das vorhandene Personal liest sich eher anonym. Ob man wirklich auf Sash, Brown oder Caldwell baut?

Ausblick

QB Eli Manning wird dafür sorgen, dass die Giants nicht einbrechen, aber es gibt außerhalb des Passspiel in der Offense viele offene Stellen. Ich bin auch nicht sicher, ob RB David Wilson die Rolle des Top-Backs wird ausfüllen können. Wenn Cruuuuuuuuuuuuuuuuz vergrault wird, hat auch die Passoffense ein Problem. Es gibt keine Tight Ends. Der Passrush hängt stark von zwei Leuten ab (JPP, Tuck). Auf Linebacker gibt es noch wenig Personal. Das Backfield war schon zuletzt unzuverlässig und weil alle Leute gehalten wurden, gibt es keinen Spielraum für den Aufbau neuer Stützen auf Cornerback.

Jerry Reese ist ein Genie. Ich vertraue ihm. Es wurden viele kleinere Moves gemacht, aber es bleiben etliche Fragezeichen. Angesichts der vielen offenen Baustellen frage ich mich, ob man den Giants 2013/14 mehr zutrauen sollte als eine Bilanz um oder knapp über .500.

Tampa Bay Buccaneers in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         7-9    --
Enge Spiele    3-7 
Pythagorean    7.9   (17)
Power Ranking   .481 (20)
Pass-Offense   6.7   (11)
Pass-Defense   7.3   (31)
Turnover        +3

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Ein Jahr nach dem Totalschaden unter dem unerfahrenen Head Coach „stats don’t matter“ Raheem Morris sehen die Buccaneers unter dessen Nachfolger, dem harten Hund Greg Schiano, schon wieder besseren Zeiten entgegen. Die Mannschaft wird zwar in der eigenen Stadt kaum wahrgenommen und spielt häufig vor gelichteten Rängen, aber immerhin scheint im Front-Office der Glazers langsam ein Umdenken stattzufinden: Weg von der Billigtruppe, hin und wieder zurück zum Versuch, ein sportlich gutes Produkt auf die Beine zu stellen.

2012/13 klappte das phasenweise. Die 7-9 Bilanz täuscht etwas darüber hinweg, dass die Buccs lange Zeit ein ernsthafter Playoffkandidat waren und bis zu einem Einbruch im Dezember einen relativ gepflegten und vor allem gepflegten tiefen Ball spielten.

Die Offense

Ungewöhnlich für einen Schiano spielten die Buccs monatelang mit harten Klöten eine nicht allzu rhythmische, dafür aber gefährliche deep ball-Offense, die perfekt auf die Talente der wichtigsten Skill-Player zugeschnitten war. QB Josh Freeman (*schmacht*), ein Hüne von Mann, hat nicht den konstant präzisesten Arm, aber pfeffert mit Leichtigkeit die 70yds-Bomben downfield, was bei Wide Receivers wie Vincent Jackson oder Mike Williams niemals eine schlechte Idee ist. Für die Checkdowns bot sich der äußerst wendige Kampfgnom Rookie-RB Doug Martin von Boise State an, dessen Saison meine Erwartungen übertraf: Martin war neben dem QB-Triumvirat vielleicht der Rookie der Saison.

Die Tampa-Offense ist deswegen bizarr, weil sie eine geringe Completion-Rate aufweist, aber trotzdem einen hohen Schnitt an NY/A aufweist. Das liegt an den vielen tiefen Bällen – eigentlich würde man vermuten, dass sich so ein Konzept nicht nachhaltig implementieren lässt und der Kollaps der Buccs-Offense in den letzten Wochen von 2012/13 bestätigt dieses Gefühl. Eine Chance haben sich die Jungs aber noch verdient.

Es lässt sich konstatieren, dass die komplette Unit sehr gut aufgestellt ist (die eingekauften WRs Smith und Ogletree dürften gute Optionen als #3-WR sein, wenn fit). Es hängt an Freeman, die Drives nicht mit haufenweise Interceptions und Fumbles kaputt zu machen. Der Freeman in der Form der ersten Wochen ist ein guter Freeman und ein sehr guter Quarterback (u.a. 7.4 NY/A in der ersten Saisonhälfte, #2 ligaweit!). Aber es gibt leider auch immer wieder den schlechten Freeman, und der sorgt dafür, dass der 360°-Freeman ein Mann ist, der auf Bewährung spielt.

Freeman hat alles: Die Offense Line, die Wide Receivers, den Running Back. Kriegt er es gebacken, punkten die Buccs 25-30 Punkte pro Spiel. Wenn nicht, hängt vieles an der Defense.

Defense

Und das wäre schlecht, denn obwohl aus Tampa vor 10-15 Jahren eine ganze Latte an Innovationen auf der Abwehrseite (Stichworte Dungy, Monte Kiffin, Lovie Smith, Tampa-2) ausgegangen ist, und obwohl Schiano eigentlich ein Defensivfanatiker ist, haben die Buccs aktuell ein Abwehrproblem an der Backe (u.a. aufgegebene 7.3 NY/A, #31, was in total yards 4758yds bedeutete – nur ca. 40yds unter dem ewigen Negativrekord der Packers von 2011/12).

Es beginnt alles in der Defensive Line, wo es in DT Gerald McCoy einen Ankermann von Weltformat gibt, aber leider nicht mehr. Trotz zuletzt gefühlt dreihundersiebundsiebzig Draftpicks für die Line und trotz eines gigantischen McCoy hat man mehr Baustellen, als man in einer Offseason beheben könnte: Es fehlt an Tiefe überall, und bei den Defensive Ends ist nach dem Abgang des Passrush-Spezialisten Bennett (nach Seattle) Schmalhans angesagt.

DE Adrian Clayborn zeigte viele gute Ansätze, ist aber nach einer schweren Knieverletzung ein Verletzungsfragezeichen, und – man erinnere sich – Clayborn hat bei aller Athletik auch eine angeborene Lähmung in der linken Schulter, die ein Entfalten seines Potenzials schwierig macht. DE Da’quan Bowers, vor zwei Jahren um ein Haar der Top-Draftpick, spielte zu selten, zu wenig explosiv, um die Lösung aller Probleme zu sein. Bowers hat zudem eine chronische Arthritis und sollte in Zukunft auch nicht mehr zu häufig mit Gras im Gepäck suspekte Stadtviertel bereisen.

Bei den Linebackers ist man adäquat aufgestellt. Die Secondary war dagegen eine so große Baustelle, dass die Buccs auch nach einigen Moves immer noch mit einem teuren Trade für Jets-CB Revis liebäugeln. Die tickende Zeitbombe CB Talib wurde letzten Herbst nach New England getradet, was der Teamchemie gut tat, aber sportlich fatal war. Und ansonsten gibt es keine verlässlichen CB-Starter (CB Wright erwies sich – für einen Lions-Fan wenig überraschend – als überteuerter Bust). Bei den Safetys hat man den jungen, dynamischen Mark Barron aus Alabama, und als Free Safety wurde der grundsolide Hitter Dashon Goldson aus San Francisco geholt.

Es ist lebenswichtig für die Buccs, ihre Pass-Defense zu verstärken. Es braucht Passrush (Bennetts Abgang hilft nicht), Passrush (Clayborn/Bowers müssen gesund bleiben und zünden) und Verstärkung in der Deckung (Draft!).

Ausblick

Die Buccs sind seit zirka drei Jahren eines der jüngsten NFL-Teams und immer irgendwo knapp vor dem Durchbruch. In Phasen wie Anfang der Saison 2012/13 siehste da ein Playoff-Kaliber, aber dann kommen wieder diese Spiele mit drei kassierten 60yds-TDs und fünf Freeman-Interceptions und du greifst dir an den Kopf und fragst dich, ob du nicht den kompletten Laden in die Luft jagen möchtest.

Ich wiederhole es nochmal: Es braucht viele „wenns“ und Konjunktive bei den Buccs. Wenn Freeman zündet, wenn der Passrush zumindest ein Lüftchen entfachen kann, wenn die Cornerbacks zumindest auf 6.5 oder 6.2 NY/A runterkommen können… man will nicht so richtig drauf bauen, es sei denn, Tampa kriegt einen fitten CB Revis (noch ein wenn).

Irgendwie habe ich bei den Buccs trotzdem ein gutes Gefühl. 7-9, eine pythagoreische Erwartung von 7.9 (also fast ein Sieg mehr), ein close win index von 3-7 der nach Regression zur Mitte schreit: Die Division ist knochenhart, aber die Playoffs für diese Wundertüte von Footballteam würden mich alles andere als überraschen.

UEFA Champions League 2012/13 nach dem Viertelfinale

Power Ranking

1 – Barcelona
2 – Bayern
3 – Real Madrid
4 – Dortmund

5 – Juventus
6 – PSG
7 – Malaga
8 – Galatasaray

Die vier besten Mannschaften stehen im Halbfinale (ich würde im Übrigen auch die vier Ausgeschiedenen weiterhin exakt gleich reihen). Juventus-Bayern entpuppte sich als das erhoffte Mismatch, war ein Matchup, das nur dann hätte spannend werden können, wenn Juve ein Zufallstor gelungen wäre und Bayern sich hätte nervös machen lassen. Passierte nicht. Sicher, Buffon schenkte den Roten zwei Hinspieltreffer. Aber das ändert nix dran, dass Bayern Juve über 180 Minuten weitgehend an die Wand spielte. Vom angekündigten inferno scatenato (dt. in etwa „Himmel und Hölle in Bewegung setzen“) blieb nicht mehr als resignierter Applaus für die Gäste übrig.

Im italienischen Fernsehen hagelte es hernach Lobpreisungen auf Bayern, den deutschen Fußball, das deutsche Modell. Die Italiener schielen neidzerfressen auf den deutschen Fußball, den Fußball, den sie seit ich denken kann nur müde belächelten. Im Interview meinte der „General Manager“ der Juve, es sei an der Zeit, mehr Revenue zu generieren, um in drei Jahren wieder in ähnlichen Sphären wie die grundsolide wirtschaftenden Deutschen zu sein. Der Mann hat Humor. 30% der Jugend sitzt auf der Straße, sie wählen Clowns und Lustmolche, und du willst deinen Umsatz um 200 Mio. steigern?

Bayerns Vorstellung war fantastisch, wie schon die ganze Saison. Ich sah selbst in der ersten Halbzeit, die Heynckes und Lahm so selbstkritisch sezierten, eine nie gefährdete Bayern-Mannschaft. In der vergangenen Saison bemängelte ich häufig den fehlenden Mut der bayrischen sportlichen Leitung, das zu bürokratische bayrische Spiel. Ich applaudierte zum Dante-Einkauf, und Dante ist großartig, der spielstärkste Bayern-Verteidiger, den ich je sah (okay, sind nur 15 Jahre, aber trotzdem). Ein Volltreffer von Einkauf, egal was noch kommt.

Was vorne Mandzukic läuft, ist einzigartig und „Pressing beginnt ganz vorn“ aus dem Lehrbuch. Alaba, wenn er sich mal nach vorne traut: Sensationell. Überhaupt eine 1A-Mannschaftsleistung, wo jeder für jeden rannte und gefühlte 96% Balleroberungen in der gegnerischen Platzhälfte. Warum Bayern trotzdem nur an #2 bleibt?

Ich habe etwas Angst, wenn Barcelonas Hochgeschwindigkeits-Kombinationen kommen. Bayerns Abwehr hat so was noch nicht gesehen und es zeigte sich diese Saison schon mehrmals, dass sie beim Anflug von technisch sauberem Direktspiel verwundbar ist. Okay, welche Abwehr ist das nicht, aber Bayern braucht eine um Welten bessere Chancenverwertung als zuletzt, wenn sie Barcelona schlagen wollen.

Ich wäre nicht überrascht, aber rein vom Gefühl sehe ich Barca noch leicht vorn. Vor allem wenns im Halbfinale kommt, ohne Mandzukic, der gelb sah, weil er sich von Chiellini fast den Haxen abschlagen ließ – und jetzt deswegen gesperrt ist. Gomez kann läuferisch längst nicht Ersatz geben, Pizarro eher auch nicht.

Die Nummern 3 und 4 sehe ich auch eigentlich umgekehrt, aber ich bleibe bei dem, was ich schon nach den Achtelfinals schrieb: Irgendwo habe ich das dumpfe Gefühl, dass Real Madrid mit seinen Scharfschützen, Ronaldo allen voran, für die Playoffs besser aufgestellt ist. Ein Tor aus dem Nichts ist in Spielen mit minimalsten Leistungsunterschieden fast immer Gold wert. Während sich die deutschen Mannschaften und Barca in einen Spielrausch stürzen und Hundertprozentige vergeben, dass es auf keine Kuhhaut mehr geht, zeichnen sich Ronaldo, Benzema und Alonso durch eiskaltes Verwerten von kleinsten Abwehrfehlern aus.

Es warten die Halbfinals, die Zeit, in dem ein Schuss, oder der Zufall minimum gleich viel wert ist wie der Qualitätsvorteil. Der BVB erlebte es am krassesten schon in den Viertelfinals, als man zwei Spiele, die normalerweise 4:2 und 2:1 gewonnen werden, lang verzweifelt anrannte, einen dummen Schiedsrichterfehler sei Dank schon zwei Meter unter Erde lag und dann in der Nachspielzeit zum „BVB United“ mutierte und Tomatenanfälle bei Craig Thompson zu einem unvergesslichen Fußballabend ausnutzte. Was jetzt noch kommt, ist Zugabe. Quatsch: Jetzt willst du alles. Dortmund hat die Qualität. Vielleicht haben sie nicht die Abgewichstheit. Aber vielleicht haben sie das Quäntchen Glück. Alles ist möglich.

Könnte ich nun die Kugeln anwärmen, würden am Freitag zwei länderinterne Duelle rausspringen, um ein richtiges „europäisches“ Finale zu erhalten. Obwohl… zwei deutsche Teams zum 150ten der FA im Endspiel in Wembley? Nehme ich mit Kusshand.

Oakland Raiders in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         4-12   --
Enge Spiele    2-4 
Pythagorean    4.1   (29)
Power Ranking   .387 (28)
Pass-Offense   6.2   (16)
Pass-Defense   6.9   (26)
Turnover        -7

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Oakland Raiders sind die bizarrste NFL-Franchise, weil sie auch fast zwei Jahre nach seinem Tod (gemeint ist der jahrzehntelange Coach/Owner/GM Al Davis) fleißig dabei sein müssen, die Altlasten zu beseitigen. Kurzbeschreibung: Salary-Cap Hölle, fürchterliche Verträge, einer der schlechtesten Roster in der Liga. Der neue GM Reggie McKenzie, ein ehemaliger Scout in Green Bay, doktert und schnipselt nun in seiner zweiten Offseason – gleichzeitig der ersten, in der Oakland auch mal wieder sowas ähnliches wie mehrere Draftpicks zur Verfügung hat.

Das ging auf keine Kuhhaut mehr, was die Raiders zuletzt so in die QB-Position investierten: Top-Pick 2007 für Megabust Jamarcus Russell, 4th rounder für Campbell, 3rd Rounder für Pryor, 1st und 2nd rounder für Palmer. Über 5-6 Jahre eine komplette Draftklasse in einer einzigen Position versenkt, und die Lösung ist noch immer nicht gefunden – oder? McKenzie wagte zuletzt den nächsten Schritt der Verjüngung, und kaufte sich einen seiner Schützlinge aus Packers-Zeiten, QB Matt Flynn für late round picks aus Seattle ein, verkaufte Palmer nach Arizona.

Flynn: Ein limitierter Mann, beweglich wie Rodgers, aber ohne den ganz massiven NFL-Wurfarm, unerfahren: Immer wenn solche Leute eine Franchise anführen müssen ohne gescheite Protection, ohne Skill-Players, ohne eine wenigstens durchschnittliche Defense, „droht“ auch sogleich der Top-Pick im folgenden Jahr. Spaßhalber könnte man auch anmerken, dass Flynn am College als Backup jahrelang nicht an einem gewissen Jamarcus Russell vorbeikam…

Offense

Es steht erstmal in den Sternen, wie der unerfahrene Flynn sich machen wird oder ob Oakland sogar früher oder später sein „anderes“ Investment, den mobilen QB Terrelle Pryor austestet. Was als sicher gelten darf: Die Offense wird besser strukturiert sein als letztes Jahr, wo das Schreckgespenst OffCoord Greg Knapp sein Unwesen trieb. Knapps Nachfolger Greg Olson ist ein unbeschriebenes Blatt und als solcher per definitionem ein Upgrade.

Olsen wird das Blocksystem in der Offense Line wieder zurück in ein „manndeckungs“-orientiertes System führen, weg vom Zonenblocken, für das nur ein einziger Raiders-OLiner (Brisiel kennt es aus Texans-Tagen) gebaut war. Gemeinhin anerkannt ist, dass bis aus C Wisniewski jede OL-Position ein Upgrade vertragen könnte, aber die Needs andernorts wohl größer sind und die Raiders dieses Jahr vielleicht ohne Verstärkung up front durchkommen müssen.

Ähnlich bei den Runningbacks: Der solideste Mann in Goodson ist weg, es bleiben der fangstarke FB Reece und RB Stewart – und RB Darren McFadden, einer der spektakulärsten Backs in der NFL, aber leider, leider allzu häufig verletzt und nach fünf Jahren als Profi bereits quasi abgeschrieben. Die 5-6 Spiele mit einem fitten McFadden sind jedoch allemal sehenswert.

Die Wide Receivers: „you can’t teach speed“ Heyward-Bey ist nach vier überwiegend enttäuschenden Jahren weg, es bleiben die jungen Moore, Ford, Criner und Streeter im Kader – allesamt pfeilschnelle oder großgewachsene Athleten mit Butterfingern, denen man nicht eine Führungsrolle in einer Passoffense zutrauen möchte. Ähnliches Bild bei den hüftsteifen Tight Ends – in sämtlichen Fällen ist das Problem wohl nicht mit einem Top-Athleten aus dem Rookiepool 2013 zu lösen.

Defense

Die Raiders-Defense 2012/13 war nicht gut: Gegen den Lauf war man mit 61% Erfolgsquote zwar die #3, aber gegen den Pass gegen einen schwachen Schedule mit 6.9 NY/A nur die #30 (Passrush mit 25 Sacks = extrem mau). Auf die einzelnen Drives verteilt war die Unit aber nicht mal so katastrophal, was aufgegebene Yards angeht, aber sie kassierte mit 2.31 pts/Drive trotzdem die meisten Punkte. Das mag auch dran liegen, dass sie die zweitschlechteste Starting Field Position aller Teams hatte, extrem wenige Turnovers erzwang und häufig kurze Drives zu Touchdowns aufgab.

Head Coach Dennis Allen hatte noch wenig Gelegenheit, die Defense nach seinem Vorstellungsvermögen zu formen: Zu viele Altlasten, zu wenig Flexibilität in einer angespannten Salary-Cap-Situation. In der laufenden Offseason konnten die Raiders zumindest Säcke wie DT Seymour, DT Bryant, DE Shaughnessy oder LB McClain rauswerfen, aber großartige Verstärkung geht als Gehaltsgründen nur über den/die/das Draft.

Die Defense Line ist noch ganz gut besetzt: DE Houston oder der aus Atlanta eingekaufte DT Vance Walker gelten durchaus als Start-fähig, während an der Tiefe zu arbeiten sein wird (was hat z.B. DE Carter noch anzubieten?). Das größte Need ist klar: Passrush. Den Raiders geht seit vielen Jahren der eine druckvolle Mann gen Quarterback ab. Und von obigen schwachen 25 Sacks wurden 19 von Spielern erzielt, die in der laufenden Offseason als „Abgänge“ eingetragen wurden. Keep an eye on: Houstons Vertrag läuft nach der Saison aus.

Bei den Linebackers dürfte der Abgang Wheelers weh tun, aber die beiden Burnetts und LB Maiava gelten als durchaus brauchbar. In der Secondary gibt es eine Megabaustelle, die alles und jeden umfasst. Sämtliche Sprintstar-CBs, die in den letzten Jahren gedraftet wurden, gelten als untrainierbar, während der einst so starke Safety Tyvon Branch absolut nicht in die Spielidee des Head Coaches passt und verschwendetes Talent ist.

Es wird in dieser Defense mehr als diese eine Offseason brauchen, um sie NFL-tauglich zu kriegen. Du kannst in der heutigen NFL fast nicht mehr bestehen, wenn deine Pass-Deckung so schwach besetzt ist, aber wenn dein Passrush zur gleichen Zeit auch noch so lauwarm ist, kommt das einem Himmelfahrtkommando gleich.

Ausblick

Die Raiders sind möglicherweise einer der ganz wenigen Fälle, in denen kompromissloses best player available-Draften Sinn macht: Das Management um GM McKenzie hat – spätestens seit dem Palmer-Verkauf glasklar – die Entscheidung getroffen, die nächsten 1-2 Saisons abzuschenken, den Kader zu sanieren und Salary Cap-mäßig auf einen Stand zu kommen, mit dem man angreifen kann. 2014 wird Oakland schon soweit sein und einen richtigen Player auf dem Transfermarkt geben können.

Weil es auf praktisch keiner einzigen Position Spieler gibt, die du als Franchise unbedingt halten möchtest, ist die Option, egal welcher Need immer den besten Athleten im Draft zu nehmen, die möglicherweise beste. Drafts 2013 und 2014 plus Free Agency 2014, mit etwas „Glück“ dort auch noch via einem hohen Pick, und du kannst dir als Franchise innerhalb kürzester Zeit ein nettes Gerüst für die mittelfristige Zukunft basteln.

Man konnte sich aufgrund der Rahmenbedingungen noch nicht von den Qualitäten des Head Coaches überzeugen. Aber der General Manager scheint durchaus auf Zack zu sein und die Raiders ohne die ganzen Dogmen von Al Davis wieder in die richtige Spur zurückzubringen. Ich hoffe, dass McKenzie die Zeit bekommt und die Sanierung durchziehen kann. Es wäre schade, wenn die Raiders in ihrer Ungeduld McKenzie feuern und das nächste Regime diei Früchte dieses Mutes erntet.

Seattle Seahawks in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record        11-5    DP
Enge Spiele    5-5 
Pythagorean   12.5    (3)
Power Ranking   .682  (3)
Pass-Offense   6.9    (7)
Pass-Defense   5.4    (4)
Turnover       +13

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Es dürfte mittlerweile bekannt sein, dass ich die Seattle Seahawks von 2012/13 ganz tief in mein Herz geschlossen habe. Man hatte es schon in der Saison zuvor andeutungsweise sehen können, wie gut Seattles Defense sein würde, aber mit dem knuddeligen QB Russell Wilson im Lineup hatten die Hawks im abgelaufenen Herbst auf einmal auch eine überragende Offense und waren die vielleicht beste Mannschaft der Saison. Auf alle Fälle ist der strength of victory der Seahawks 2012/13 gigantisch und niemand, wirklich niemand, möchte mehr gegen Seattle in deren Stadion spielen.

Am Ende scheiterte man in einem fantastischen Viertelfinalspiel in Atlanta unter unglücklichen Umständen, aber die Impressionen dieser vielseitigen Offense, dieser dynamischen, extrem aggressiven Defense – sie bleiben. Man muss nicht immer den Titel gewinnen, um in Erinnerung zu bleiben.

Seattle ist gut aufgestellt für die Zukunft: GM John Schneider und Head Coach Pete Carroll haben da klammheimlich nicht nur einen der besten Spielerkader zusammengestellt, sondern vor allem auch einen der jüngsten: Nicht nur war der Quarterback Rookie, nein, nur ein einziger Starter im Angriff war älter als 27 (ein Offense Guard), und bis auf DE Clemons waren sämtliche Leistungsträger der Verteidigung jünger als 25 (!). Die Zukunft kann kommen.

Knuddeloffense

Seattle spielt als eine der wenigen Mannschaften noch eine auf hartem, trockenen Laufspiel basierende Offense, wobei „basierend“ das Schlüsselwort ist, denn schon im Laufe der ersten Wochen begann man, komplexere Elemente und „read-option“-Elemente einzubauen und legte immer mehr Last auf die Schultern der QB-Wühlmaus. Russell Wilson… ich kann mich mit meiner Begeisterung kaum zurückhalten. Es mag an meiner Affinität für die unkonventionellen Underdogs liegen, aber nein: Nie, nie, nie hätte ich gedacht, dass der Mann in der NFL so einschlagen würde. Ich lasse mir nicht nachsagen, Wilson am College in NC State und Wisconsin nicht oft genug gesehen zu haben, aber der Wilson in Seattle war noch zwei Spurenelemente souveräner, dominanter. Spätestens als der Advent begann, hätte ich RG3 zum Teufel gejagt und meine Offense bedenkenlos in Wilsons Hände gelegt.

Nun muss nicht automatisch währen, was gut war. Seattles Offense hat trotz der gefinkelten Spielzüge über den laufstarken Quarterback immer noch was von „wir sind stärker, wir laufen über dich drüber“ – Auftritt RB Marshawn Lynch. Dieses „Power“-Element hinter einer mehr als grundsoliden Offensive Line gibt der Offense ihren eigenen Touch, tendiert in der NFL aber dazu, nicht über Jahre das stabilste zu sein. Der Angriff wird sich also zwar nicht neu definieren müssen, aber es wird doch einige inkrementelle Verbesserungen und Innovatiönchen brauchen, um nicht alsbald ausgeguckt zu werden.

Schneider scheint das erkannt zu haben und kaufte für massiven Preis in der Offseason die Allzweckwaffe Percy Harvin aus Minnesota ein. Harvin ist bei allen Kopfzerbrechen, die der Mann auch dem eigenen Trainerstab bereiten kann, eine fulminante Waffe und dürfte eines der Lieblingsspielzüge des OffCoords Darrell Bevell werden. Gepaart mit dem mehr als brauchbaren eingesessenen WR-Trio bestehend aus dem Hünen Sidney Rice und der wendigen Zwergencombo Golden Tate/Doug Baldwin dürfte der Receiving-Corp der Hawks zu den vielseitigsten ligaweit gehören. Man werfe noch den brauchbaren „Torpedo“ Robert Turbin als change of pace-RB rein und fertig ist ein Repertoire aus verschiedensten Spielertypen – ein Paradis für einen Trainerstab.

Wo nach dem Verkauf von Matt Flynn noch Nachbesserungsbedarf ist: Backup-QB. Da wird man einen Draftpick investieren müssen (entweder für ’nen Rookie oder ’nen veteran via Trade.)

Ansonsten: Eine Unit ist nie vollkommen, aber die Seahawks-Offense ist in ihrer Aufstellung eine Ansammlung, wie es einer NFL-Franchise selten gelingt. Es gibt keine offensichtlichen Schwachstellen, in Spitze und Breite ist man ziemlich gut besetzt und sofern sich nicht zu viele Bausteine verletzen oder Wilson einen großen Einbruch erlebt, liest sich der Kader recht komplett für eine weit auseinander gezogene Spread-Offense.

Die Defense

Die famose, druckvolle Seahawks-Defense gehört wie die Offense zum feinsten, was es in der NFL zu bestaunen gibt. Der abgewanderte DefCoord Gus Bradley (jetzt Head Coach in Jacksonville) hinterlässt als Erbe für den Nachfolger Dan Quinn (respektive Carroll, der jetzt mehr Hand anlegen wird) eine auf möglichst frühe Störung im Spielzug konzipierte Abwehr mit entsprechend gut gewähltem Personal.

Eingangs der Offseason gab es nur zwei erkennbare Lücken in der Defense: Passrush/Defense Line und Linebacker. Der Passrush wurde mit den erstaunlich preiswerten Einkäufen von DE Cliff Avril aus Detroit und DE Mike Bennett aus Tampa aufgemotzt – zwei Spieler, die als Spezialisten für Druck gen QB gelten, aber nicht die großen Allrounder sind. Sollte DE Chris Clemons (für den Avril/Bennett auch Langzeitlösungen werden könnten) wieder fit werden, gibt es nun vier potenzielle Weltklasse-Passrusher (der vierte ist OLB Bruce Irvin). Auf der „Innenseite“ der Line können Red Bryant und Brandon MeBane auftreten. Um die Tiefe ist es allerdings bei den Tackles nicht herausragend bestellt.

Bei den Linebackers hinterlässt der Abgang der Knalltüte OLB Leroy Hill (spielte meistens weakside) zwar nicht eine charakterliche Lücke, aber eine sportliche: Mit dem jungen Bobby Wagner gibt es einen großartigen Dirigent, dazu K.J. Wright und möglicherweise Irvin, aber ein Mann, der besser als der offensichtlich in der Laufverteidigung überforderte Irvin in klaren Lauf-Situationen eingewechselt werden kann. Ob sich aus dem Haufen Namenloser in Seattle was rauskristallisiert? Möglich, aber möglich auch, dass die Hawks ihren ersten Pick (den in der zweiten Runde) für einen guten Laufverteidiger investieren.

In der Secondary haben wir ein absolut fantastisches Starting-Quartett: CB Richard Sherman, SS Kam Chancellor, FS Earl Thomas, CB Brandon Browner. Bei den Jungs gibt es nur die blanke Angst, dass sie sich mal verletzen oder dass mal wieder einer für ein paar Wochen in die Dopingsperre geschickt wird. In Kombination mit einem (wie man erwarten sollte) aufgemotzten Passrush dürfte die Pass-Defense der Seahawks auch diesen Herbst wieder stark sein. Vielleicht wird noch ein Pick in einen Cornerback für ganz krasse Spread-Aufstellungen mit 5 WR investiert.

Ausblick

Der Preis für Harvin war hoch, aber es ist einer der Moves, die man machen kann: Seattle ist ein win now-Team, trotz des noch jungen Durchschnittsalters. Wilson wird noch zumindest zwei Jahre unter einem absurd billigen Vertrag spielen und während sämtliche Teams mit etablierten QBs 15-20 Mio./Jahr für den Spielmacher aufwenden, kostet jener in Seattle nicht eine einzige Million! Du hast 15-20 Mio. um dich anderswo zu verstärken und kriegst mit Wilson 95% des Leistungsvermögens eines Superstar-QBs. Diese 2-3 Jahre musst du nutzen, es gibt kein besseres Fenster für die Lombardi Trophy.

Ein bisschen Skepsis bleibt bei mir noch. Seattle 2012/13, das war auch eine stark von Verletzungen verschonte Mannschaft. Dass man gesünder durch die Saison kommt, ist bei jungen Mannschaften wahrscheinlicher als bei älteren, aber trotzdem: Wenn dein einziger nennenswerter Ausfall eines richtigen Leistungsträgers erst in den Playoffs kommt (Clemons), dann warste schon sehr vom Glück begünstigt. Wenn hier Regression zur Mitte einschlägt und Seattle drei-vier wichtige Starter für weite Teile der Saison vorgeben muss, wäre das schon eine herbe Schwächung.

Soll hier aber nicht das Thema sein, denn die Sezierstunden interessieren sich vor allem auf die Dinge, die man bevorzugt kontrollieren kann: Das Kadermanagement. Und das ist in Seattle – ich wiederhole mich gerne, weil ich es lange nicht wahrhaben wollte – eine Eins mit Sternchen.

Lesestoff für Draftfreaks: Review des NFL-Drafts 2007

Die Football Outsiders machen weiter mit einer lieb gewonnenen Tradition: Dem Draft-Review sechs Jahre danach. Das bedeutet für heuer eine Rückschau auf den 2007er-Draft, der mit der fassungslos schlechten QB-Klasse. Aber auch der, der wie wenige andere Drafts unglaubliche Talente in der ersten Runde fabrizierte (ich schrieb vor zwei Jahren bei SPOX.com drüber).

Der 2007er-Draft bleibt neben dem epischen Fail Jamarcus Russell und dem ersten, wirklich ersten funktionierenden Wide Receiver, den Matt Millen jemals draftete, vor allem in Erinnerung wegen des neunten Picks. Die Miami Dolphins waren dran, auf der Suche nach einem Franchise-QB, und im Green Room wartete Brady Quinn von der legendären Notre Dame University, und Roger Goodell sprach…

Drama.

Noch zweieinhalb Wochen, Baby.